“Der Drache und der Adler. Wie Berlin Peking die Werkzeuge gab – und nun den grössten Rivalen erntet.” Und was ZDF und ARD damit zu tun haben. Essay von Regula Staempfli, Regula Stämpfli, laStaempfli in “Weiterdenken Quaterly.” 2/26

Der Kontrast zwischen der Wahrnehmung der VR China und der geopolitischen Realität ist in den deutschen Medien besonders krass. “Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, einst als Vierte Gewalt gedacht, geriet zunehmend in den Sog digitaler Aufmerksamkeitsökonomien. Kultur- und Identitätsthemen dominierten die Dabattenräume. Klimabewegung, Genderdiskurse, Identitätsfragen, permanente Selbstvergewisserung über strukturellen Rassismus im Westen.” China war schlicht kein Thema – welch fataler Irrtum.

Wieso Regula Staempfli über China schreibt: Sie hat ihre Masterarbeit über die VR China verfasst, siehe Kurzversion: https://www.sinoptic.ch/textes/histoire/1988/1988_Staempfli.Regula_Die.Schweiz.und.China.1945-1950-de.pdf

Twitter/X hat unter Elon Musk eine Milliarde Downloads, d.h. Nutzung und Aktivierung der App, überschritten. Vor zwei Wochen haben in einer konzentrierten Aktion die SPD, DIE GRÜNEN & DIE LINKE den Nachrichtendienst, die soziale Plattform, verlassen, um auf TIKTOK (liegt in chinesischer Hand & dient im Westen der Desinformation & Unterhaltung, im Osten ist TikTok eine Lern-App) aktiv zu bleiben. SRF, ARD, ZDF berichteten alle breit und positiv darüber. Regula Staempfli vertritt die Gegenposition bei “indubio”, der rechten Plattform der “Achse des Guten” in einem sehr spannenden Gespräch unter der genialen Moderation von Gerd Buurmann.

“Von Achgut.tv • Was bringt die neue europäische Plattform „W Social“, und wie unabhängig ist sie? Wie chaotisch ist der Platzhirsch X? Darüber spricht Gerd Buurmann mit der Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli vom Podcast „Die Podcastin“, mit dem Medienmacher Vadim Derksen von der Jungen Freiheit und mit dem Achse-Autor Thilo Schneider, Autor des Buches „The Dark Side of the Mittelschicht“.

Nachdem SPD, Grüne und Die Linke ihren Rückzug von der Plattform X angekündigt haben und diesen mit wachsender Desinformation sowie chaotischen Debattenstrukturen begründen, rückt eine neue europäische Alternative in den Fokus. Die Plattform „W Social“ wirbt mit einem verifizierten Nutzerzugang, europäischem Hosting und dem Anspruch, einen digitalen Debattenraum ohne Bots und Falschinformationen zu schaffen. 

Technischer Hinweis: INDUBIO kann man auch über die gängigen Podcast-Apps (Apple, Deezer, Soundcloud, Spotify usw.) anhören.” Text von Gerd Buurmann für Achtut.tv. Hier der Link: https://www.achgut.com/artikel/indubio_10_05_2026_der_verlust_der_empoerungshoheit

Hier die Thesen von laStaempfli als Vorbereitung für dieses Gespräch:

10 Gründe, warum der koordinierte X-Abschied von SPD, Grünen und Linken eine der dümmsten politischen Selbstverstümmelungen der letzten Jahre ist: Demonierung einer gemeinsamen demokratischen Öffentlichkeit (und ARD und ZDF applaudieren dabei noch.)

  1. Sie überlassen das Schlachtfeld kampflos. X ist immer noch die größte, schnellste und unkontrollierbarste öffentliche Agora. Wer sie verlässt, gibt sie komplett den AfD, Rechten und allen anderen frei. Gratulation zum strategischen Eigentor.
  2. Sie ziehen sich in ihre eigene Bubble zurück. Statt sich der harten Debatte zu stellen, flüchten sie zurück in die kuscheligen Echokammern von Instagram, Bluesky und Mastodon. Das ist kein Widerstand – das ist Verweigerung von Realität.
  3. Sie zerstören ihre eigene Reichweite. Millionen von Menschen (auch Nicht-Wähler) erreichen sie nur noch über Filterblasen. Die eigene Position wird unsichtbar für alle, die nicht schon längst überzeugt sind.
  4. Sie bestätigen das Narrativ der „feigen Eliten“. Wer vor einem freien Diskursraum wegrennt und „Chaos“ und „Desinformation“ schreit, während er gleichzeitig die Hoheit über die Narrative behalten will, wirkt einfach nur schwach und ängstlich.
  5. Sie ignorieren, dass X unter Musk objektiv offener geworden ist. Mehr Meinungsvielfalt, weniger Zensur – genau das, was sie früher immer gefordert haben. Jetzt, wo es wirklich passiert, hauen sie ab. Heuchlerischer geht’s nicht.
  6. Sie verschenken die direkte Kommunikation mit Bürgern. Früher hieß es immer „Wir müssen mit den Menschen reden“. Jetzt sagen sie: „Mit denen reden wir lieber nicht mehr.“ Toll.
  7. Sie machen die AfD stärker. Jeder vernünftige Beobachter sieht: Die Linken räumen das Feld. Die AfD feiert das als Sieg – und zu Recht.
  8. Sie widersprechen ihrem eigenen Demokratie-Geschwafel. „Demokratie lebt vom Streit“ – außer wenn der Streit auf einer Plattform stattfindet, die sie nicht kontrollieren. Dann plötzlich nicht mehr.
  9. Sie isolieren sich selbst von der Wirklichkeit. Die Plattform ist voller normaler Menschen mit echten Sorgen. Wer sie verlässt, verliert den Kontakt zur gesellschaftlichen Mitte.
  10. Es ist schlicht feige. Statt sich der Debatte zu stellen, laufen sie weg und nennen das „Haltung“. Das ist keine Haltung – das ist Rückzug ins sichere Eck.

Was das für den Diskurs bedeutet Der öffentliche Diskurs wird noch stärker gespalten. Die eine Seite (rechts/konservativ) dominiert den freien, unzensierten Raum. Die andere Seite (links/grün/rot) zieht sich in ihre kontrollierten, freundlichen Parallelwelten zurück. Das Ergebnis: Zwei getrennte Realitäten, die sich kaum noch berühren. Genau das, was sie angeblich verhindern wollten. Am Ende gewinnen nicht die Argumente, sondern die, die bleiben und aushalten. Die Linken haben gerade freiwillig das Spielfeld geräumt

Realistischer Journalismus – eine grosse Tradition. Essay von Regula Staempfli im Kulturmagazin ENSUITE. NACHTRAG ZUM JANUAR 2026. Realistisch? Nicht aus Wut, nicht in der Pose, nicht aus Moral, sondern aus dem Mut zur Wirklichkeit entsteht guter Journalismus (laStaempfli – Regula Stämpfli).

“Niemand kann mit Sicherheit sagen, wann es begann. Wann dieses leise Knacken einsetzte, das später zum Einsturz führte. Wann die Institutionen noch standen, aber nicht mehr trugen. Wann die Worte noch genutzt wurden, aber ihre Bedeutung verloren hatten.” … Es gibt Romane, die Politik und Geschichte in Dramen, Aufklärung und menschliche Erinnerung übersetzen. Shakespeare natürlich, in Gedichtform, Homer, in Singform, Goethe in Diktierform. Proust als die Recherche zur Zeit, Tolstoi als Kriegsdrama, obwohl Frieden drin vorkommt, Vorurteil von Jane Austin, deren Stolz ich eigentlich nie erkannte, Dostojewski und seine Brüder Karamasov mit der Geschichte zum Grossinquisitor, die ich nie vergessen werde und natürlich Joseph Roth. Mein Chronist zu Europa, zum Judentum, zu Israel so wie Golda Meir unerreichte Politikerin des Jahrtausends bleibt. “

Über all dies denkt laStaempfli nach. Und endet mit einem Plädoyer: Mut zur Wahrheit und Wirklichkeit und das Eingeständnis einer tiefen Ambivalenz.

Link und Webseite: https://ensuite.we-are.gmbh/ Link zum PDF: https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2026/04/ensuite_277_Januar_2026i-Regula.pdf

“Wie meinte doch einmal Hannah Arendt in ihren Überlegungen zum grossen Erzähler Homer? Es entlarve sich im Gesang, ‘wenigstens im Urteil dem Feind Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen’. Weil Krieg und Frieden selbst in der Poesie die Wirklichkeit nie verdrängen.

#HannahArendtLectures by laStaempfli 2026. Informationen zur HSG, Universität St. Gallen und wie es mit den Hannah Arendt Lectures weitergeht.

#HannahArendtLectures by Regula Staempfli an der HSG, Universität St. Gallen 2024.
#HannahArendtLectures by Regula Staempfli an der HSG, Universität St. Gallen 2024.

Information zur Hannah Arendt Lectures by Regula Staempfli, Universität St. Gallen, HSG. Die Leitung der öffentlich-rechtlichen Vorlesung ist in Rente gegangen und die Nachfolge von Prof. Dr. Dieter Thomä, die neue Professorin Abt, wollte explizit die von laStaempfli initiierten und durchgeführten #HannahArendtLectures nicht mehr weiterführen. Die #HannahArendtLectures werden in den nächsten Monaten als Buch bestellbar sein. 12.4.2026

Die von der Politphilosophin PD Dr. Regula Stämpfli initiierten und geleiteten #HannahArendtLectures an der Universität St. Gallen (HSG) finden seit 2018 statt und sind als öffentliche Vorlesungsreihe konzipiert. Im Zeitraum 2018–2024 (bzw. bis 2025 geplant) widmet sich Stämpfli intensiv der Verbindung von Arendts politischer Philosophie mit den Herausforderungen der digitalen Moderne. Aufgrund der neuen personellen Aufstellung an der HSG wurden ausgerechnet die sehr beliebten #HannahArendtLectures von Regula Staempfli nicht weitergeführt. Hier ein Beispiel, wie die Hannah Arendt Lectures an der HSG 2024 ausgesehen haben:

Hannah Arendt Lectures HSG 2024

Die Vorlesungsreihe im Frühjahrssemester 2024 (FS/SS 2024) trug den Schwerpunkt: „Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen“

  • Inhalt: Analyse des Zerfalls westlicher Demokratien, Kampf um Wahrheitsfindung, Einfluss von Social-Media-Plattformen (TikTok, Twitter/X, Facebook, etc.) auf die Politik, und Analysen zu „Media Wars“.
  • Themen: Die Vorlesungen behandeln Themen wie „Algorithmische Öffentlichkeit“ und die Infrastruktur der Sichtbarkeit.
  • Termine/Ort (Beispiele 2024):
    • 18.04.2024: „Codes, Terror und Kriege: Wie Algorithmen unsere Welt verändern“.
    • 02.05.2024: „Demokratisiert Euch! 12 goldene Regeln für die Demokratie hierzulande und weltweit“.
    • Zeit/Ort: Donnerstag, 18:15–19:45 Uhr, Universität St.Gallen, Raum A 09-110 (Bibliotheksgebäude).
  • Anmeldung/Ausschreibung: Die Vorlesungen sind öffentlich. Für das FS 2024 wurde ein Semesterpass für 20 Franken angeboten. Eine Einschreibung über das HSG-Veranstaltungsprogramm ist möglich. 

Kontext und Ausrichtung 2018–2024

  • Initiatorin: Regula Stämpfli (laStaempfli).
  • Fokus: Verknüpfung von Arendts Werken (insb. „Elemente und Ursprünge totalitärer Systeme“) mit aktuellen digitalen Entwicklungen.
  • Charakter: „Denken ohne Geländer“ – kritische Analysen von KI, Überwachung und Plattformlogiken. 

Hinweis: Da die Kurssuche der HSG oft semesterweise erfolgt, sollten aktuelle Ausschreibungen für kommende Semester direkt über das HSG-Vorlesungsverzeichnis oder die Website von Regula Stämpfli (regulastaempfli.eu) abgerufen werden.

Julia Onkens Buch über die weibliche Freiheit im Alter: “Grundlos vergnügt.” In der Die Weltwoche – Rezension von Regula Stämpfli, 26.9.2025.

Im Bild: Julia Onken: Grundlos vergnügt. Vom Ankommen und Loslassen – ein Leben in 12 Kapiteln. Cameo. 250 S., Fr. 25.90.

Hier die Rezension von Regula Stämpfli in der Die Weltwoche, siehe https://weltwoche.de/story/die-kunst-ohne-grund-vergnuegt-zu-sein/ Julia Onken hat mit “Grundlos vergnügt” eine Lebensbilanz vorgelegt, die leichtfüssig ist wie ein Sommerkleid, klug wie eine gelebte Bibliothek und ehrlich wie ein Schuhschrank, der sich partout nicht schliessen lässt. Wer Weltliteratur liebt und zugleich lachen will, der greife zu diesem Buch.

Was bedeutet es, im neunten Lebensjahrzehnt zurückzublicken? Für viele ist es ein Anlass zur Resignation, zur Nostalgie oder zur heroischen Selbststilisierung. Für Julia Onken ist es die Motivation zu einem Buch, das in seiner Mischung aus Humor, Offenheit und Lebensklugheit so gar nicht zum gängigen Altersdiskurs passt.Grundlos vergnügt. Vom Ankommen und Loslassen – ein Leben in zwölf Kapiteln ist kein Schwanengesang, sondern eine Lebensbilanz, die beschwingt geschmeidig bleibt. 

Onken gelingt, was grosse Essayisten der Weltliteratur immer wieder versucht haben: das eigene Leben mit der Welt zu verbinden, ohne dabei in Pathos zu verfallen. Ihre Haltung erinnert an Michel de Montaigne, der in seinen Essays das Altern mit Skepsis, aber auch mit Witz beschrieb. Sie erinnert an Rilke, der im Rückblick auf das Leben vom „Absprung“ sprach. Und sie übertrifft Simone de Beauvoirs düstere La Vieillesse, weil sie die Komik des Daseins nicht vergisst.

Schon das erste Kapitel, „Hausputz“, zeigt den Tonfall. Onken stapelt Gartenstühle, verzurrt Steintische, räumt Sommerutensilien weg. Doch es geht nicht nur ums Möbelrücken, sondern um den biographischen Hausputz: das Aufräumen im Archiv der Erinnerungen. Sie schreibt: „Es ist Zeit, sich an die Arbeit zu machen, um einst gesammelt im Absprung zu sein, denn bleiben ist nirgends.“ Dieser Satz hätte ebenso gut in die Duineser Elegien gepasst – nur dass Onken es nebenbei, ganz unaufgeregt formuliert.

Und sie nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um eigene Unzulänglichkeiten geht. Legendär ist das Kapitel über ihren Schuhschrank. „Die Abteilung Schuhe erwähne ich nicht im Einzelnen. Nur so viel: zu gross die Scham! Wie konnte es nur so weit kommen. Wenn mir aus dem im Entrée eingebauten Wandschrank ineinander gestapelte Sandaletten, Sling- und andere Pumps, Ballerinas, Sneakers sowie High Heels, die entweder nie oder nur kurz zum Einsatz kamen, entgegen grinsen, schütze ich mich vor einem Totalabsturz in die Abteilung vernichtender Selbstvorwürfe und werfe die Türe unverzüglich zu, als ob ich einen Insektenschwarm aussperren möchte.“ Wer so schreiben kann, lacht nicht nur über sich selbst, sondern befreit die Leserin und den Leser (wieviele Magazine stapeln sich neben Herren-Betten? Oder farbidentische Hemden?) gleich mit.

Onken zitiert unerschrocken grosse Namen – Goethe, Hebbel, Rilke, Freud – und behandelt sie nicht ehrfürchtig, sondern wie alte Bekannte. Besonders köstlich ihre Bemerkung über Freud: „Selbst Sigmund Freud räumte in einem Brief an Arnold Zweig freimütig ein: ‘Wer Biograph wird, verpflichtet sich zur Lüge, zur Verheimlichung, Heuchelei, Schönfärberei und selbst zur Verhehlung seines Unverständnisses, denn die biographische Wahrheit ist nicht zu haben, und wenn man sie hätte, wäre sie nicht zu gebrauchen.’“ Onken nimmt diese Warnung ernst – und macht deshalb das Gegenteil. Über gemachte Fehler schreibt sie: “Vielleicht gehört es einfach dazu, Fehlentscheide zu treffen und irgendeinem Phantom nachzujagen. Schliesslich beflügeln Visionen und Wünsche uns dazu, Kräfte zu mobilisieren und Energien freizusetzen, die sich sonst bereits in den Vorruhestand zurückgezogen hätten.“

Onkens Biographie bringt keine selbstverliebte Glättung, sondern ist eine lustige, poetische, ehrliche Collage. Onken reiht sich damit in eine klassische Tradition von berühmten Frauen:  Hedwig Dohm, Christa Wolf oder Louise Bourgeois haben im Alter ähnlich kompromisslos zurückgeblickt. Onken reiht sich in diese Linie ein und bringt dem deutschsprachigen Raum endlich die unverkennbar schweizerische Stimme: frei, humorvoll, direkt. 

Genau darin liegt der Charme: Onkens Buch ist ein lebenskluges Gespräch mit sich selbst – und mit uns. Die poetische Rebellin erlaubt sich mit ihren Skizzen zu ihrem Leben, ein leichtes Seinsgefühl des  “grundlos vergnügt zu sein.” Schon allein deshalb schenke ich es all meinen jungen Studierenden, die gar nicht mehr wissen, welche neue “Mental Health Issues” sie denn noch aneinander reihen sollen. 

Dieses Buch ist Weltliteratur im kleinen Format: Grundlos vergnügt ist klug wie eine gelebte Bibliothek, ehrlich wie ein offener Schuhschrank und heiter wie ein Segelschiff auf den letzten Seemeilen.

“Algorithmische Öffentlichkeit” – wie Demonstranten zu Datensätzen werden. Von Regula Stämpfli. 10. April 2027

#HannahArendtLectures Artikel und Bild Copyright © by Regula Stämpfli 2026 Bild (c) von Regula Staempfli KI-generiert, laStaempflis Denkmaschine, 2026. Wikipedia: Regula Staempfli leitete von 2018-2025 die Hannah Arendt Lectures an der HSG. Die Politphilosophin war ausserdem Intendantin am IFG Ulm, International Forum for Design. Ein Wikipedia-Troll korrigiert ständig die Einträge von laStaempfli zwecks Misogynie. Es handelt sich dabei um einen sehr prominenten Schweizer Journalisten by the way. Ausserdem fehlt das neuste Buch von Regula Stämpfli: “Trumpism. The Algorithmic Age.” Doch nun zum Artikel:

“Es ist ein Bild unserer Zeit: Nicht die Wirklichkeit, in unserem Beispiel hier, die Barrikade, entscheidet über politische Wirksamkeit, sondern das Bild der Barrikade. Nicht der Protest selbst erzeugt Öffentlichkeit, sondern seine algorithmische Verwertbarkeit. Hier ein aktuelles Beispiel: Nach den Ausschreitungen an der unbewilligten Pro-Palästina-Demo vom Oktober 2025 veröffentlicht die Berner Kantonspolizei im März 2026 unverdeckte Bilder, weil sie 31 gewalttätige Täter identifizieren will. Weitere 101 vermummte mutmassliche Täter und Täterinnen wurden schon durch den Öffentlichkeitsaufruf identifiziert. Während die staatlichen Stellen gewisse Datensätze aufgrund geltender Rechtsgrundlagen und zu Recht, NICHT verwenden konnten, taten dies Private.

Und genau deshalb ist die Entscheidung der Berner Polizei, unverpixelte Bilder von Demonstranten zu veröffentlichen, mehr als eine polizeiliche Massnahme. Sie ist ein Symptom unserer Zeit. Sie zeigt, wie sehr wir bereits in einer algorithmischen Öffentlichkeit leben, in der Menschen nicht mehr zuerst Bürger sind, sondern visuelle Datensätze – ein Thema, dass ich im Hinblick auf die Demokratie schon längst diskutiert habe.

Demonstrationen sind Bildmaterial. Teilnehmende sind Identifizierungsmerkmale. Politische Konflikte sind Narrative und Datenpakete. Die Veröffentlichung der Bilder ist deshalb nicht einfach ein Akt der Strafverfolgung. Sie ist ein Moment, in dem sich die Logik unserer Gegenwart offenbart: Politik wird zum Bildereignis, Strafverfolgung wird zur Öffentlichkeitsstrategie, und die Gesellschaft wird zum digitalen Fahndungsraum.

Dabei zeigt sich eine interessante Dialektik: Die gleichen Milieus, die jahrelang die totale Sichtbarkeit gefordert haben, die Transparenz, die Dokumentation, die moralische Überwachung, die Cancel Culture, die öffentliche Anklage – sie sind nun selbst Teil genau dieser Sichtbarkeitsmaschine geworden. Wer jahrelang den digitalen Pranger normalisiert, darf sich nicht wundern, wenn er selbst einmal darauf landet. Das ist keine moralische Feststellung. Es ist eine strukturelle. Denn die algorithmische Öffentlichkeit kennt keine Freundschaften. Sie kennt nur Muster.

Das eigentlich Interessante an diesen Bildern ist deshalb nicht, wer darauf zu sehen ist. Sondern wie sie funktionieren. Sie zeigen eine neue Form politischer Ästhetik. Man erkennt sofort die visuelle Grammatik der Gegenwart: Keffiyeh als globaler Protestcode, schwarze Kleidung als urbanes Widerstandszeichen, Kapuzen als Symbol der anonymisierten Aktivität. Diese Bilder sind nicht zufällig. Sie sind Teil einer globalisierten Bildsprache des Protests.

Protest ist heute nicht Handlung. Protest ist Design. Protest ist ein Datenpaket.

Das wäre an sich nicht neu. Schon die Französische Revolution hatte ihre Symbole, ihre Kokarden, ihre Farben. Aber der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und in der totalen Reproduzierbarkeit. Heute wird jedes Symbol sofort Teil eines globalen Bilderstroms. Jede Demonstration ist gleichzeitig Content und Datenpaket. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Denn wer Content produziert, wird selbst zum Content.

Die Demonstranten wissen das. Die Polizei weiss das. Die Medien wissen das. Und trotzdem tun alle so, als würden sie noch in einer klassischen Öffentlichkeit handeln. Dabei ist diese längst verschwunden. An ihre Stelle ist ein Raum getreten, den ich „algorithmischen Öffentlichkeitsautomatismus“ nenne: ein Raum, in dem Sichtbarkeit nicht durch Argumente entsteht, sondern durch Bildlogiken, in dem Aufmerksamkeit nicht durch politische Inhalte entsteht, sondern durch visuelle Codierung.

Die Berner Polizei handelt deshalb nicht nur als Strafverfolgungsbehörde. Sie handelt als Akteur in dieser Bildökonomie. Sie nutzt dieselbe Logik wie soziale Medien: Sichtbarkeit erzeugt Reaktion. Veröffentlichung erzeugt Information. Öffentlichkeit erzeugt Daten. Man kann das kritisieren. Man kann es verteidigen. Aber man kann nicht mehr so tun, als wäre es nicht Realität. Denn die entscheidende Veränderung unserer Zeit ist nicht politisch. Sie ist epistemisch und algorithmisch. Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der Wirklichkeit zuerst erfahren wird. Wir leben in einer Welt, in der Wirklichkeit zuerst gesehen wird. Wer gesehen wird, existiert. Wer nicht gesehen wird, verschwindet. Digitalisierung gibt einerseits Sichtbarkeit, andererseits vernichtet sie die reale Welt, indem sie sie neu beschriftet.

Das ist die eigentliche Machtverschiebung unserer Zeit.

Hannah Arendt hat einmal beschrieben, dass Politik dort entsteht, wo Menschen einander erscheinen. Was sie nicht wissen konnte: dass dieses Erscheinen einmal durch Plattformlogiken vermittelt werden würde, durch Kameras, durch Uploads, durch Gesichtserkennung, durch Datenbanken. Das Problem ist deshalb nicht die Polizei. Das Problem ist die Infrastruktur der Sichtbarkeit.Denn diese Infrastruktur verändert alles. Sie verändert, wie Protest organisiert wird. Sie verändert, wie Gewalt dokumentiert wird. Sie verändert, wie Schuld zugeschrieben wird. Sie verändert, wie Öffentlichkeit funktioniert. Die wirkliche Frage lautet deshalb nicht: Darf die Polizei das? Die wirkliche Frage lautet: Können wir noch zwischen Rechtstaat und digital konstruierter Sichtbarkeit, d.h. Codierung, Fiktion, Narrativ, unterscheiden?

Die algorithmische Öffentlichkeit kennt keine Unschuld. Sie kennt nur Mustererkennung.”

SRF hat nachgezogen: KI-Tools für die Polizei? Mit männlichen Experten natürlich. Algorithmen sind bei SRF Männersache oder dürfen nur von Nicht-Schweizerinnen beantwortet werden…. Ironiedetektor gewünscht, hier der Link: https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/video/bald-ki-tools-fuer-schweizer-polizei?urn=urn:srf:video:48e5ef5f-1824-418d-a981-6259e3c41d48

Regula Stämpflis Serienkritik Disney+ : Der letzte Prinz von Amerika. Geschichte im Zeitalter codierter Narrative. Was, wenn es Femizid war? Die Weltwoche, 26. März 2026.

Die neue Serie auf Disney + “Love Story” über JFK Junior und Carolyn Bessette ist Suchtmaterial, nicht weil sie spannend ist, sondern die Protagonisten so wunderschön. laStaempfli empfiehlt die Serie auch unter dem Aspekt, dass JFK Jr. ein klassisches “Familiendrama”, sprich ein Femizid. JFK Jr. flog Carolyn Bessette und ihre Schwestern Lauren sowie sich selber in den Tod. Dem Unfall vorangegangen war eine äusserst schwierige dysfunktionale Beziehung und die Karriere von JFK Jr., die, sagen wir es mal vorsichtig, nicht optimal lief. Food for thought – hier eine Empfehlung von laStaempfli, die ihre Serien-Besprechung mit dem Satz endet: “Eine Love Story, die es verdient so genannt zu werden, was sie auch ist: Die Mystifizierung eines destruktiven männlichen Versagens mit tödlichem Ausgang.

https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2026/04/aufschalten-letzter-prinz-von-amerika.pdf

Sie war umwerfend schön, still und stirbt in einem Unfall, so wird es überliefert. Er war ein moderner Held, zerrissen, komplex. Was genau war das Paar, dessen Macht und Mythos bis heute beschäftigt? Disney + gibt eine gleichzeitig versöhnliche und verstörende Antwort.  Seit Orpheus wissen wir: Männer können Frauen nicht retten. Zwar steigt der tragische Held in die Unterwelt, um seine geliebte Eurydike aus dem Hades zu holen, aber am Ende verliert er sie, weil er sich umdreht. Typisch Mann würden wir sagen; Kontrollsucht und Ungeduld zerstören Leben. Sie stirbt, er aber lebt bis heute als Künstlermythos weiter. Der Ursprung aller Liebesmythen ist nie eine Geschichte von Gleichheit. Sondern ein Drama über Besitz Eskalation, verführerische Romantik.”

„Trumpismus mit Diversitätsleitfaden – Wie Moral die Kreativität im Kunstbetrieb abgelöst hat.” Von Regula Stämpfli

Wie Bürokratie und Moral den neuen Antisemitismus definieren. Diesmal am Beispiel des Kunstbetriebes.
Wie Bürokratie und Moral den neuen Antisemitismus definieren. Diesmal am Beispiel des Kunstbetriebes.

In den Medien machte der Antisemitismus der Elite an der Universität Zürich, an der ETH, an der ZHdK massenhaft Schlagzeilen. Wie kommt es, dass eine antisemitische Minderheit, die seit zwanzig Jahren Minderheit blieb, plötzlich in der Mitte angekommen ist? Hier ein Kurz-Essay von Regula Stämpfli, laStaempfli am 7.4.2026.

„Trumpismus mit Diversitätsleitfaden – Wie Moral die Kreativität im Kunstbetrieb abgelöst hat.”

Es gibt einen Trumpismus, über den fast niemand spricht. Nicht den politischen. Nicht den medialen. Sondern den stillen, hartnäckigen Trumpismus des Kultur- und Wissenschaftsbetriebs. Er funktioniert nach denselben Regeln: Polarisierung statt Urteilskraft. Zugehörigkeit statt Argument. Moral statt Kompetenz. Auch hier begann alles harmlos – mit dem Versprechen von Reform; Beispiel Toni-Areal und ZHdK. Als die Zürcher Kunst- und Designhochschulen, „Zürcher Hochschule der Künste ZHdK  2014 ins Toni-Areal zogen, wurde das als großer Fortschritt gefeiert: Ende der Zersplitterung, Ende der provinziellen Enge, endlich internationale Sichtbarkeit und effiziente Strukturen. Auf dem Papier klang es vernünftig. In Wirklichkeit kam dies einer stillen Zäsur gleich. Aus einer Landschaft eigenwilliger Institute inklusive deren Leiterinnen, wurde ein zentralisiertes System. Aus Persönlichkeiten wurden Strukturen. Und wo Strukturen herrschen, gewinnen nicht mehr die originellsten Köpfe, sondern die kompatibelsten.

Das ist kein Zürcher Sonderfall. Das ist der Bologna-Effekt in Reinform: Bildung wird vergleichbar, messbar, verwaltbar. Und alles, was verwaltet wird, beginnt früher oder später, sich wie Verwaltung zu benehmen.So entstand im Kulturbetrieb eine neue Karrierelogik. Nicht mehr ästhetisches oder intellektuelles Risiko führt nach oben, sondern diskursive Sicherheit. Wer die richtigen Begriffe beherrscht, die passenden moralischen Signale setzt und die aktuellen Förderformeln kennt, kommt weiter als jemand, der tatsächlich etwas Neues wagt. Das Ergebnis ist paradox: Noch nie wurde so viel von „Innovation“ und „Kreativität“ gesprochen. Und noch selten war so wenig davon zu spüren. Stattdessen sehen wir stromlinienförmige Lebensläufe, perfekt kalibrierte Anträge und makellose moralische Selbstverortungen. Die neue Elite ist nicht mehr avantgardistisch. Sie ist administrativ brillant. Ihr neues Glaubensbekenntnis heisst D.E.I. – Diversity, Equity, Inclusion oder auf schweizerisch, siehe „Diversitätsleitfaden“ der SRG, Gleichstellung, queer, migrantisch. So wird aus Anträgen standardisierte Gebete; dieselben Phrasen, dieselben Referenzen, dieselben Signifikanten. Kritik ist rhetorisch, falls echt, sofort Grund zum Ausschluss. Diese Cancel-Culture ist Gewaltmonopol der mächtigen öffentlichen Institutionen, die Diversitätsleitfäden vorgeben. Hier schliesst sich der Kreis zum „Trumpismus; diesem Funktionsmodus, diesem ideologischen Lagerdenken ohne Komplexität. Entweder bist Du auf der richtigen Seite oder Teil des Problems. Narrative definieren Realität. Die milieukonforme Einseitigkeit, gepaart mit beliebten Juden- und Frauenhass, wird heute mit Kunst-Preisen überschüttet. Hannah Arendt hat einmal gewarnt, die größte Gefahr für das Denken sei nicht einfach der Fanatismus, sondern die automatisierte Sprechakte & Funktionsweisen.

Die Podcastin vom 24. März 2026: Isabel Rohner und Regula Stämpfli im sprechenden Denken über den Fall Collien Fernandes, die hohen SPD und FDP-Verluste bei Wahlen und was dies mit dem Selbstbestimmungsgesetz zu tun haben könnte und wie die Radikalisierung an den Rändern zu beurteilen ist und wie immer: Was die Medien nie berichten – in “Die Podcastin” hören Sie es.

Hier das Bild zum hervorragenden Interview über Islamofaschismus, der auch in der aktuellen Folge besprochen wird, vor allem von laStaempfli, die neu auch für den Begriff “Islamo-Gauchismus” plädiert, weil die Kombination von linken Ideologien, die sich mit den Islamisten zusammentun, in Europa so erfolgreich ist und in N.Y. mit Zohran Mamdani sogar die Wahlen gewonnen hat. In New York, der Stadt, in welcher nach israelischen Städten, die meisten Juden und Jüdinnen leben, wird von einem postkolonialen Islamogauchisten geführt und gilt dem breiten Publikum in Deutschland als “Hoffnungsträger” der Demokratischen Partei in den USA. Die “Libanisierung” der westlichen Parteien wird nicht erkannt – so lange bis es wohl zu spät ist.

Die Podcastin vom 24. März 2026. isabel Rohner und Regula Stämpfli im sprechenden Denken.
laStaempfli & Rohnerin in mena-watch interview

Die Podcastin: Isabel Rohner und Regula Staempfli ueber Hass als politisches Gefuehl, Wahlen und Jugend und weshalb der Iran-Krieg ein Erfolg ist. Ah, und ganz zu Beginn eine heftige Diskussion über Zivilisation. Und statt einem Zitat gibt es einen schrecklichen Erfahrungsbericht und im Anschluss eine starke Diskussion eben über Gefühle als Politik und wie sehr der Frauenhass in den letzten Jahren medial und durch miese Politik geschürt wurde. Und ja: laStaempfli mit bösen Beobachtungen zu ihrer ehemaligen Lieblingsstadt Berlin. 

Isabel Rohner analysiert die Wahlen Rheinland-Pfalz wie immer brillant – unbedingt hören.

laStaempfli drängt darauf, ihre Gründe, weshalb der Iran-Krieg ein Erfolg ist und wie die westlichen Medien unsere existierenden Demokratien gefährden, anzubringen. Hört rein: laStaempfli wird dazu sicher in einer Woche oder zehn Tage Artikel dazu publizieren. Veröffentlicht hat laStaempfli zudem einen sehr spannenden Artikel über einen möglichen Femizid, der aber nicht als solcher benannt wird: Es geht um JFK JR und Carolyn Besset in der neuen Disney+ Serie.

Nachhören: Überall wo es Podcasts gibt oder auf www.diepodcastin.de Homepage mit allen Sendungen oder direkt: https://diepodcastin.de/2026/03/24/die-podcastin-isabel-rohner-und-regula-staempfli-ueber-hass-als-politisches-gefuehl-anstand-zivilisation-wahlen-und-jugend-und-weshalb-der-iran-krieg-ein-erfolg-ist-collien-fernandes-und-ngos/

Dr. Regula Staempfli am Berner Medientag 2026: Referat. “Journalismus oder Kontrollverlust. Medien im Zeitalter von Codes und Diskurs.” Referat und Bilder.

Demokratie lebt nicht von abstrakten Werten, sondern von funktionierenden Qualitätsjournalismus mit Kontrollfunktion gegen die Mächtigen. Journalismus ist kein moralisches Beiwerk der Politik, ist auch nicht zuständig für codierte Narrative oder “bessere” politische Positionen, sondern funktioniert nur als PERMANENTE ZUMUTUNG. Es geht um Recherche, Relevanz und Information, nicht um Framing, wie es von SRF permanent gemacht wird. Statt von Terroristen redet man von “Aktivisten” oder “Widerstand”; statt von Mord, Amok, Anschlag von “psychisch labilen Tätern” oder am liebsten gar: “Ursache unbekannt.” Es geht um Wirklichkeit und darum, dass die Bürgerinnen und Bürger sich informieren können um ihren Ort, ihre Verwurzelung, dort, wo sie in den Demokratien auch aktiv eingreifen können. Hier zum Referat, das mit einer lustigen Übung: Gugus – DADA, ein laStaempfli-Original begann. https://www.bernermedientag.ch/wordpress/wp-content/uploads/2026/03/REF-BMT26-Regula-Staemplfi.pdf