Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.

Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.
Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.

Die Zerstörung der Grammatik der Tatsachen. UPDATE zu 9/11 auf Tel Aviv, 3. Oktober 2026: Die «Auseinandersetzung» war ein Terrorakt. Regula Stämpfli, laStaempfli über Algorithmen, Codes, Medien und weshalb der Journalismus unsere liberalen Demokratien mehr und mehr verrät.

Einen Tag nach Veröffentlichung von Regula Stämpflis Medienkritik (siehe https://x.com/laStaempfli/status/2105604654214033538 und weiter unten im Beitrag) ist aus der vermeintlichen «Auseinandersetzung im Cockpit» offiziell geworden, was die Tatsachen von Anfang an nahelegten: ein Terrorakt.

“Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnet den Angriff auf Flydubai-Flug 1073 inzwischen als terroristische Tat. Der Copilot soll den Kapitän nicht bloss mit einem Messer, sondern mit einer im Cockpit befindlichen Notfallaxt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die nach Tel Aviv fliegende Maschine zu erlangen. Berichten zufolge war er bereits früher wegen extremistischer Auffälligkeiten vom Flugbetrieb ausgeschlossen worden. Das Medien immer noch über die Motive spekulieren, ist sehr seltsam und zeigt, wie weit die Legitimierung islamistischen Terrors durch eine individuelle Motivlage fortgeschritten ist. Vor 25 Jahren wäre es keinem Menschen in den Sinn gekommen, die Motive 9/11 je nach Täter unterschiedlich, auszuklabüstern. Die Urteilskraft, was Terror, Täter und Islamist und wer Opfer ist, wird im „Zeitalter algorithmischer Reproduktion“ regelrecht ausgesetzt. Damit erhält das anfängliche Sprachversagen von BBC, ARD, SRF, New York Times und anderen Medien eine zusätzliche Dimension. Die ÖRR & Leitmedien meldeten eine «altercation», einen «fight», einen «struggle», eine «Auseinandersetzung» oder einen «Vorfall». Nun erklären die zuständigen Behörden: Terror.

Aus der Prügelei wurde ein Terroranschlag, ohne dass sich die Tat nachträglich verändert hätte. Verändert hat sich lediglich die behördliche Erlaubnis, die linksislamistisch sensible öffentlich-rechtliche Medien brauchen, um überhaupt den Terror beim Namen zu nennen.

Genau darin liegt das Problem.

Journalistische Vorsicht verlangt, ein noch nicht erwiesenes Motiv als unbestätigt zu kennzeichnen. Sie verlangt nicht, bereits bekannte Handlungen sprachlich zu verniedlichen. Ein Angriff mit einer Axt ist keine Auseinandersetzung. Ein Sturzflug mit 174 Passagieren ist kein Streit unter Kollegen. Der Transpondercode für widerrechtliche Einwirkung ist kein atmosphärisches Missverständnis. Wer Täter und Opfer unter dem Wort «Konflikt» zusammenführt, informiert nicht vorsichtig. Er zerstört die Grammatik des Geschehens.

Die Tatsachen lagen vor. Nur die Wörter durften ihnen nicht folgen.

Schreiben, was ist. Regula Stämpfli.
Schreiben, was ist. Regula Stämpfli.

Hinter dieser sprachlichen Vernebelung steht ein tieferes Problem: die Furcht, eine islamistische Motivation auch nur als begründete Möglichkeit zu benennen. Nicht aus Mangel an Anzeichen, sondern aus Angst vor dem politischen Vorwurf, «islamophob» zu berichten.

So entsteht ein perfekter ideologischer Zirkelschluss:

Islamistische Gewalt darf nicht als islamistisch bezeichnet werden, solange das Motiv nicht abschliessend bewiesen ist. Hinweise auf Radikalisierung dürfen aber ebenfalls nicht offen diskutiert werden, weil bereits deren Thematisierung als Vorurteil gegenüber Muslimen gilt. Wer dennoch fragt, gerät unter Islamophobieverdacht. Und weil kaum jemand diesen Verdacht riskieren will, verschwindet die Wirklichkeit aus der Berichterstattung, die dann zur Wiederholung der islamistischen Ideologie verkommt.

Am Ende gibt es eine Tat ohne Weltanschauung, einen Täter ohne Absicht und Opfer ohne erkennbaren Grund.Das ist keine Rücksichtnahme auf Muslime. Es ist die Preisgabe journalistischer Urteilskraft.

Der Islam ist eine Religion, der Islamismus eine politische Herrschaftsideologie und der Dschihadismus deren terroristische Zuspitzung. Muslimische Menschen verdienen Schutz vor Hass und Diskriminierung. Religionen, Verbände, politische Bewegungen und totalitäre Programme müssen hingegen kritisiert und zwecks Überleben der liberalen Demokratie auch rechtsstaatlich und aktiv bekämpft werden dürfen. Wer diese Ebenen absichtlich vermischt, schützt nicht Menschenrechte. Er errichtet ein informelles Blasphemieverbot.

Terroristen und ihre und ihre westlichen Apologeten profitieren genau von dieser Vermischung: Sie stellen Kritik an einer politischen Ideologie als Angriff auf eine Bevölkerungsgruppe dar. Aus dem Schutz von Menschen wird der Schutz einer Weltanschauung. Aus Antidiskriminierung wird Zerstörung der liberalen Demokratie.

Das ist der Wahnsinn unserer Gegenwart: Eine Ideologie wird aus ideologischen Gründen vor ihrer Benennung geschützt.

Diese Sprachpolitik macht zwei Gruppen unsichtbar.

Sie macht zunächst die Opfer islamistischer Gewalt unsichtbar: Juden, Israelis, säkulare Muslime, Ex-Muslime, Frauen, Homosexuelle, Oppositionelle, Journalistinnen und all jene, die unter religiös begründeter Herrschaft leben oder vor ihr geflohen sind.

Und sie macht jene Muslime unsichtbar, die selbst gegen Islamismus kämpfen. Wer jede Kritik und Benennung des politischen Islam als «islamophob» bezeichnet, unterstellt letztlich, alle Muslime müssten mit islamistischen Forderungen identifiziert werden. Genau das ist die Pauschalisierung, die angeblich bekämpft werden soll. Die erste Pflicht des Journalismus lautet deshalb nicht, eine Religion zu schützen oder eine politische Empfindlichkeit zu verwalten. Seine erste Pflicht gilt der Wirklichkeit und sagen, was ist.

Origiginalartikel auf X von Regula Staempfli: *** „Auseinandersetzung“: Wie BBC, ARD, SRF, N.Y. Times einen Anschlag als Auseinandersetzung in der Teeküche behandeln.

Von Regula Stämpfli

Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpittür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug.

Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.

CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.

George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.

Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.

Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.

Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.

Wer die Rettung wie SRF als Würdigung durch Würdenträger erzählt, erzählt nicht den Flug. Er erzählt die eigene Angst vor dem Wort. Orwell hätte dies sofort entlarvt, Hannah Arendt hätte dies dokumentiert. Es ist eine Schande, eine bösartige Manipulation und eine organisierte Desinformation, die hier dokumentiert werden muss

“Die Hannah Arendt Kontroversen.” Nächte der Philosophie von Regula Stämpfli, update mit #HannahArendtLectures 2026: Zehn Thesen gegen die politische Vereinnahmung der Philosophin Hannah Arendt.

Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Welt vor den Algorithmen retten. Alle Weisheit dieser Welt. Beitrag von Regula Stämpfli zu Hannah Arendt.
Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Demokratie in Zeiten digitaler Reproduktion retten.

Audio: https://www.podcast.de/episode/641278025

Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung

Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026

1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden

Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.

2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk

Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.

3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit

Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.

4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit

Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.

5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts

Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?

6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen

Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.

7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin

Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.

8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt

Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.

9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben

Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.

10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung

Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.

Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.

Regula Staempfli: “Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in den Nächten der Philosophie in Wien 2026 (Das Dorf.)

Audio: https://www.podcast.de/episode/704685149

Willkommen im gleichzeitigen polit-philosophischen Denken zu:

  • Institutionen,
  • Körper,
  • Codes,
  • Geschichte,
  • Narrative
  • Neue Architektur der Macht zu den Themen Krieg und Pornokratie

Ich nähere mich meinem Thema Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in drei Schritten:

Zunächst zehn Thesen zu Krieg, zehn zu Pornokratie und dann zehn Thesen von mir, wie wir Krieg und Pornokratie neu denken sollten. Einen Spoiler schon jetzt: Es geht um Menschenfleisch, den Austausch, den Transfer von Körper und Kapital, der in der Geschichte der letzten 6000 Jahre entlang gesellschaftlich gültige Narrative für die radikal sozialen Tiere namens Menschen von globalen Eliten organisiert wurden. Und ja: Es gibt durchaus Narrative, Menschenbilder, die besser sind als andere. Darin unterscheide ich mich vehement von den Sophisten, die Meinungen zu Fakten umdeuten und momentan im Zeitalter digitaler Reproduktion wieder die totalitäre Mehrheit bilden oder zumindest daran sind, diese zu etablieren.

Doch eines ist einfach zu verstehen: In der Menschheitsgeschichte gibt es Menschen, die ihr Fleisch zum Verkauf, zur Miete, zum Gebrauch anbieten müssen, verwendet und verkauft werden, und es gibt ein paar Akteure, Institutionen und Ideologien, die exakt benennt werden müssen, die dieses Menschenfleisch für sich in Anspruch nehmen. Menschen sind Körper, die beschriftet werden. Diese Beschriftung erfolgt zunächst durch mächtige Erzählungen und nistet sich dann unter die Haut ein. Krieg und Pornokratie, die die sog. Sexarbeit strukturiert, also Körperteile auf Zeit als Verfügungsmasse für eine schmale Elite bereitzustellen, lässt sich in die Menschheitsgeschichte einordnen. Es gibt nur eine kurze befreite Epoche, die diesen Tausch verändert hat und zwar die liberale Demokratie.

Pornokratie. Was für ein Wort. Es klingt nach spätrömischer Dekadenz, nach vergoldeten Leibern auf zerfressenen Imperienthronen, nach Pasolini-Filmen voller Dreck, Blut, Sperma und Macht, nach jener letzten Phase einer Kultur, in der der Körper nicht mehr als menschlicher Ausdruck, sondern nur noch als zirkulierende Oberfläche wahrgenommen wird. Und doch beschreibt das Wort die Gegenwart erschreckend präzise. Wir leben in einer Zeit, in der Krieg pornographisch geworden ist und Pornographie kriegerisch. Beide operieren mit denselben Mechanismen: Entmenschlichung, Wiederholung, Emotionalisierung, Reizüberflutung und algorithmischer Verstärkung. Der Körper ist nicht mehr Person, sondern Content. Das Opfer ist nicht mehr Mensch, sondern Bildträger. Und die Gewalt verschwindet paradoxerweise gerade dort, wo sie pausenlos sichtbar wird.

Der Krieg wird ästhetisch konsumiert wie eine Netflix-Serie. Und gleichzeitig wird Pornographie politisch aufgeladen. Jeder Körper wird ideologisch lesbar gemacht. Geschlecht, Hautfarbe, Opferstatus, sexuelle Orientierung, Trauma – alles verwandelt sich in codierte Zeichen innerhalb eines gigantischen digitalen Bedeutungsmarktes. Pasolini verstand dies früher als viele andere. Sein „Salò“ war nie bloss ein Skandalfilm, sondern eine philosophische Diagnose. Der Faschismus, so Pasolini, herrscht nicht allein durch Ideologie, sondern durch die totale Verfügbarkeit des Körpers. Die Konsumgesellschaft vollendet das, was die alten Diktaturen begonnen haben. Der Mensch wird Ware. Der Körper wird Objekt. Das Begehren wird industriell, neu codiert organisiert. Heute, Jahrzehnte später, erscheint Pasolini beinahe prophetisch. OnlyFans, KI-generierte Pornographie, Deepfake-Sexvideos und algorithmische Datingmärkte verwandeln Intimität in eine globale Ökonomie. Millionen junger Frauen und Männer wachsen in einer Welt auf, in der Selbstobjektivierung nicht Ausnahme, sondern Normalität geworden ist. Und gleichzeitig explodiert die Einsamkeit

Menschenfleisch war historisch immer Verhandlungsmasse: Als Söldner und Soldaten verkauft wurden, als Mädchen und Frauen als Tribut, als Sklavinnen der siegenden Macht ausgeliefert wurden. Einzig die westlichen liberalen Demokratien haben dies verändert. Kein Wunder, dass von globalen Eliten sehr mächtig und eindrucksvoll versucht wird, Menschenfleisch wieder ohne Probleme verkaufen und verhandeln zu können. Sei dies via Codes, automatisiert, sei dies für Kriege, kurz, die Errungenschaft der Moderne, die aus dem Christentum stammt, die Sklaverei zu verbieten, soll rückgängig gemacht werden und es ist eindrucksvoll wie Medien, Kulturschaffende, Intellektuelle dies wie in der Sowjetunion, wie in den sozialistischen und marxistischen Totalitarismen in Verbindung mit der jüngsten faschistischen Strömung, dem Islamismus, mittels Codes tatsächlich zu schaffen scheinen.

In der Geschichte der Philosophie spielt das Menschenbild die grundsätzliche Rolle für das jeweilige politische System. Wir wissen dies von den Souveränitätslehren der Aufklärung; Je nach Menschenbild entwickelt sich Herrschaft. Im Zeitalter codierter Fiktionen und Reprioduktionen ist das Menschenbild eines, das auf Auflösung der Biologie basiert. Wie im Christentum wird der Körper verteufelt, dafür die Ideologie geheiligt: Die Seele und auch den Geist gibt es nicht, dafür den Code, den Sprechakt, der Biologie auflösen soll. Krieg und sexuelle Gewalt sind immer an Narrativen gekoppelt. Denn kein Mensch führt aus freien Stücken Krieg, kein Mensch, ausser den Perversen, den krank sozialisierten und stumpfen Männern, würde einfallen, die schlimmste sexuelle Folter anzuwenden, ausser eben es gibt ne gute Geschichte dazu. Dann ist alles machbar. Die neuen technischen Mittel werden immer zuerst auf Krieg und Pornographie angewendet. Bildgebende Verfahren operieren seit über 150 Jahren mit Bildern, die emotionalisieren, entmenschlichen, Unaussprechliches legitimieren.  „Im Zeitalter der digitalen Reproduktion“ sind die ikonografischen und philosophischen Bilderrevolutionen algorithmisch verstärkt. Es verschränken sich so ideologische Narrative und materielle Politik: Der Körper wird zur Ware, das Schlachtfeld zum Content, Gewalt zur ästhetischen Oberfläche. Künstliche Intelligenz, Plattformen wie Grok, Gemini, ChatGPT beschleunigen diesen Prozess und produzieren Informationen, die auf Deepfakes, KI-generierten Bildern, basierend auf codierten pornographischen Menschenbildern bauen und Krieg inszenieren, lange bevor die Fakten überprüft sind. Schlimmer noch: Die Wirklichkeit, wie in jedem Krieg, spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr und wer es wagt, Wahrheit, Fakten zu schreien, wird hingerichtet.

Aufruf zum Guten: Wagt mehr Wirklichkeit!

https://www.podcast.de/episode/704685149

Galerie zur Tätigkeit von Regula Staempfli, Bestsellerautorin, Politphilosophin, KI-Forensikerin. August 2026. Themen: Codes, Menschenbilder, Geschichte, Philosophie, Literatur, Ökonomie und Schwerpunkte: VR China und EU. Neu auch die UNO – als klare Kritik an der Pervertierung öffentlicher Institutionen.

China does not spy, It thinks in Empires and acts in Codes by Regula Staempfli.

CV: PD Dr. Regula Stämpfli ist Politphilosophin, Bestsellerautorin, Publizistin und KI-Forensikerin. Sie lehrte viele Jahre an der Schweizer Journalistenschule. leitete jahrelang als Intendantin das IFG ULM (International Forum for Design), ist bis heute als unabhängige wissenschaftliche Expertin für die EU-Kommission gelistet, begründete an der Universität St. Gallen die Hannah Arendt Lectures, die sie bis 2025 leitete. 2021 wurde sie zu den wichtigsten Intellektuellen der Schweiz gezählt; als „Lara Croft der Politologie“ verbindet laStaempfli politische Theorie mit publizistischer Streitlust und digitaler Gegenwartsanalyse – dazu gibt es Kolumnen und die Essays in ENSUITE und Weiterdenken Quarterly. 2025 erhielt sie gemeinsam mit Dr. Isabel Rohner den Frauenheldinnen-Preis für „Die Podcastin“, den feministischen Wochenrückblick für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Regula Stämpfli ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt in München.

Abortion as an Industrial Quality Control. A progressive, feminist critique of Massachuttes’new law. August 13th 2026 By Regula Staempfli, AI Forensic, Politphilosopher, Author of “The Algorithmic Age.” -sorry the Spelling Mistake in Picture… it is Massachusetts’ New Law – but hey, laStaempfli decided on authenticity.

In August 2026, Massachusetts quietly abolished every remaining time limit on abortion. Under bill H.5595, a pregnancy may now be ended at any point up to the fortieth week, solely at the discretion of a physician and the pregnant woman. The New York Times reported the fact with the usual calm. The political class responded with the usual script.

Republicans called it radical. Democrats called it healthcare. Public broadcasters and progressive outlets dutifully framed the dispute as another round in the endless war between religious conservatives and defenders of individual choice. The framing is convenient. It is also false.

What happened in Massachusetts is not merely an expansion of reproductive rights. It is the formal adoption of a biopolitical logic that treats the human being, at its most dependent stage, as manageable biological material. The fetus becomes data—flesh that can be measured, evaluated, and, if it fails the current medical standard, discarded. The woman who has carried it for nine months is recast as a temporary vessel whose decisions are guided, often decisively, by professional authority. Few patients, after all, contradict a doctor who has just diagnosed a severe disability and recommended termination. For years I have argued that moving fundamental moral questions into the neutral-sounding category of “healthcare” would eventually strip them of political and ethical weight. Massachusetts has now taken that logic to its extreme. Once the continued existence of a viable fetus is redefined as a medical service rather than a matter of public concern, the democratic state performs a quiet abdication. It transfers its protective responsibility to the medical-industrial complex and calls the transfer empowerment.

The familiar liberal phrase—“a decision between a woman and her doctor”—sounds intimate and respectful. In practice it conceals an economic reality. In a market-driven healthcare system the physician is not a disinterested moral guide. He or she is a service provider operating inside constraints of cost, liability, insurance, and institutional protocol. Remove legal boundaries and the logic of optimization fills the vacuum. Bodies are scanned, probabilities calculated, outcomes ranked. What remains is an industrial conception of the human: life assessed according to projected productivity and freedom from defect.

Criticism of this development is routinely dismissed as conservative or theocratic. That is a failure of imagination. There is a coherent progressive argument against treating disability as a problem best solved by elimination. A society that claims solidarity with the vulnerable cannot simultaneously offer their non-existence as the preferred technical solution. Jürgen Habermas, hardly a reactionary, warned that selecting future human beings according to functional specifications destroys the moral symmetry between generations. A person whose right to exist depends on meeting someone else’s quality standards is no longer an end in themselves. They become a product.

The same logic that turns the late-term fetus into disposable data quietly converts the mother into a service provider within a healthcare market. Motherhood is reframed as a temporary logistical function. If the product does not meet specifications, the process can still be terminated.

This is not liberation. It is the extension of market rationality into the one domain that was supposed to resist it. Massachusetts has not expanded freedom. It has refined a system of industrial quality control and called it care.

Image: Heart behind Bars by Regula Staempfli

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen? Interview für Corrigenda: Lukas Steinwandter fragt Politphilosophin Regula Staempfli. 13.8.2026

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts, verabschiedet am 11.9.2026 unter Applaus von unterzeichnenden Gouverneurin und Dutzenden von Frauen. Zum Artikel see https://www.corrigenda.online/leben/abtreibung-bis-zur-geburt-massachusetts-frau-staempfli-sie-sind-feministin-und-pro-life-wie

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen?

Ein US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Von Lukas SteinwandterEin US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Einleitung: Der kurze Clip sorgt für Fassungslosigkeit, Kopfschütteln und Entsetzen – und Wut. Die Gouverneurin des US-Bundestaats Massachusetts, Maura Healey (Demokratische Partei), unterzeichnet am Montag im State House in Boston den „Prioritizing Patient Access to Care Act“ (H.5595). Das harmlos klingende Gesetz hebt die bisherige 24-Wochen-Frist für Abtreibungen auf und erlaubt sie bis zur Geburt, sofern ein Arzt ein entsprechendes „fachliches Urteil“ abgibt. 

Neben Healey, die angeblich katholisch ist und vor zwei Jahren noch schrieb, ihr lägen die Schwächsten am Herzen, befinden sich rund ein Dutzend weiterer Frauen in dem Regierungsbüro, darunter Ärzte und Abtreibungsaktivisten. Nachdem die Politikerin die Unterschrift gesetzt hat, lachen und klatschen die Frauen, was nicht nur unter Christen und Lebensschützern für Empörung gesorgt hat

Bereits vor der neuen Regelung waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche möglich. Allerdings mussten dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Ein Arzt musste beispielsweise feststellen, dass der „Schwangerschaftsabbruch“ zur Erhaltung des Lebens der Frau oder ihrer psychischen und physischen Gesundheit notwendig ist. Diese Bedingungen sind nun weggefallen. 

„Als Gouverneurin verspreche ich: Ganz gleich, was Donald Trump oder die Republikaner im Kongress oder am Obersten Gerichtshof tun, wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen in ihrer Gesundheitsversorgung treffen können – und nicht die Regierung“, sagte Healey. Und die Gouverneurin versprach: „Abtreibungen werden hier in Massachusetts weiterhin sicher, legal und zugänglich sein.“ 

In sozialen und klassischen Medien feierten linke und feministischeGruppen das Gesetz. Konservative äußerten schwere Kritik. Aber nicht nur sie. Denn es gibt auch Feministinnen, die ein tiefes Störgefühl haben angesichts der sich brutal ausbreitenden Kultur des Todes. Eine von ihnen ist die promovierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli. 

Die Schweizerin ist Privatdozentin, Kolumnistin, Designerin und betreibt zusammen mit Isabel Rohner den feministischen Wochenrückblick „Die Podcastin“. Im Interview mit Corrigenda erklärt die in München lebende Autorin, warum sie als progressive Frau und Feministin für das Lebensrecht ungeborener Kinder und gegen eine nur vermeintlich liberale Politik ist, wie sie von den Demokraten in den USA gerade gemacht wird.

Frau Staempfli, Sie bezeichnen sich als feministisch und progressiv, sind aber pro life. Wie passt das zusammen?

Es ist total logisch! Frauen kämpfen seit Jahrhunderten dafür, Frauen und Kinder vor Gewalt, Ausbeutung, Vergewaltigung, Mord und ökonomischer Sklaverei zu beschützen. Lassen Sie sich von den sogenannten neuen Feministinnen nicht verwirren! Die haben so viel mit Feminismus zu tun wie der Islamismus mit der Katholischen Kirche! (lacht) Ich stehe in einer langen Tradition von Frauen, die sich weigern, Schwangerschaft, Mutterschaft und Kinder den Mächtigen zu überlassen. Früher waren dies die Adeligen, heute ist es eine neue technokratische Elite und eine Gesundheitsindustrie, deren Optimierungszwang in vielen Fällen zu einem regelrechten Totenkult mutiert ist. Eine wirklich fortschrittliche und feministische Gesellschaft huldigt der Mutterschaft und behandelt sie nicht als Optimierungs- und Störfall.

Wie kommen Sie mit dieser Position bei anderen Feministinnen an?

(lacht) Wie kommen Sie als Pro-Life-Journalist bei Ihren vornehmlich linken Kollegen an? Frauen werden nur in der Unterdrückung zu einer Kategorie. Ansonsten sind Frauen immer vielstimmig. Heute machen Medien, Unis und Kultureliten ausgerechnet die Abtreibung zum feministischen Loyalitätstest. Dies ist ideologisch verblendet, unerquicklich misogyn und außerordentlich dumm. Mit Frauen- und Kinderschutz hat das woke Geschrei rund um den „Feminismus“ eh schon lange nichts mehr zu tun. Es geht mit der Abtreibung bis zur Geburt auch nicht um politisch links oder rechts, sondern es geht um die Abtreibung des würdigen, liberalen, freiheitlichen und in Demokratien geschützten Menschenlebens. 

„Die Frau ist. Nur noch ‘Warenträgerin’ – das kennen wir aus kommunistischen Ländern“

Am Montag hat die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, unter großem Applaus und Lachen ein Gesetz unterzeichnet, das keine gesetzliche zeitliche Obergrenze für Abtreibungen mehr vorsieht. Sie sprechen von „industrieller Qualitätskontrolle“. Warum?

Regula Stämpfli© Regula Stämpfli

Weil es genau das ist. Das werdende Kind wird zwischen Arzt und „Auftraggeber“ verhandelt. Das neue Gesetz, von Dutzenden von ideologisch verblendeten Frauen beklatscht, ist der Triumph der biopolitischen Logik, den Menschen zur ökonomischen Verfügungsmasse zu erklären. Das Kind wird zu „Menschenfleisch-Daten“ und entsprechend gültiger medizinischer und sozial kompatibler Praxis abgetrieben oder geboren. Die Frau ist in diesem Zusammenhang nur „Warenträgerin“. 

Dies kennen wir übrigens auch aus den kommunistischen Ländern, wo Kinder aus ideologischen Gründen massenweise abgetrieben, und nach der Geburt, ebenfalls aus ideologischen Gründen, sofort als sogenannte „Wochenkinder“ den Eltern entrissen wurden. Dass die Unterzeichnung eines solchen Gesetzes mit Lachen und Applaus von Frauen inszeniert wird, halte ich für eine nihilistische Entgleisung. Selbst wer Abtreibungsrechte verteidigt, müsste angesichts einer Abtreibung im letzten Schwangerschaftsdrittel verstummen. Eine Gesellschaft, die hier jubelt, hat ihr Gewissen entfernt.

Sie sagen, Mütter würden zu „Sklaven eines Gesundheitsmarktes“, der Mutterschaft zur Dienstleistungstätigkeit pervertiere. Kinder würden zu Produkten. Was meinen Sie damit?

Exakt das, was ich sage. Schauen Sie auf die semantischen Verschiebungen der vergangenen Jahre. Mütter werden u.a. von ARD, ZDF, WDR, SRF, ORF etc. nicht mehr Mütter genannt. Oder Schwangere als schwangere Frauen bezeichnet. Weshalb? So entledigt sich die neue globale Medien-, Kultur- und Wissenschaftselite der Leiblichkeit des Menschen. Gemäß herrschender Sprechaktideologie gibt es keine Körper oder gar Menschenseelen, sondern verwertbare Fleischstücke, die auf dem kapitalistischen Markt der Influencer, Selfies, „Ich Ich Ich“-Religionen wie zum Beispiel „Only Fans“ verkauft werden können. Menschen sind keine Lebewesen mehr, sondern codierte Kategorien – hören Sie doch endlich mal dem Jargon der Zoomer richtig zu! In meiner Vorlesungsreihe „Hannah Arendt Lectures“ traf ich bspw. auf Studentinnen, die außer ihrer Produktidentität nichts anderes mehr kannten. Sie wussten nicht, wer sie waren oder wer sie sein könnten – aber ihren Marktwert kannten sie auf die zweite Kommastelle genau.

Es ist entsetzlich und selbst die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich vergangenes Jahr zu einer Revision von Paragraf 218 Strafgesetzbuch bekannt, ohne zu realisieren, welchen ethischen Rückschritt dies für uns alle bedeuten würde. 

„Abtreibung ist keine Freiheit, sondern aus der Not geboren. Auch heute noch“ Regula Stämpfli.

Ist Abtreibung, die von vielen Feministinnen als Selbstbestimmung glorifiziert wird, nicht genau das, was Generationen von Feministinnen wollten?

Das war doch eine ganz andere Zeit als heute! Die große französische Politikerin Simone Veil, Auschwitz-Überlebende und damalige französische Ministerin, hat 1974 für die Entkriminalisierung der Abtreibung gekämpft. Sie argumentierte, dass keine einzige Frau leichten Herzens abtreibt. Dass Abtreibung keine Freiheit ist, sondern immer aus der Not geboren ist. Dies ist übrigens auch heute noch so. Das, was in Massachusetts unter „Abtreibung“ propagiert und beklatscht wird, ist Warenpolitik im Menschenfleischpark. Das hat schon längst nichts mehr mit dem Recht von Frauen in Notlagen zu tun, nicht in den Hinterzimmern einer Engelsmacherin zu verbluten. 

Dieses Zitat von Ihnen könnte auch von einem Papst stammen: „Der Mensch wird nur noch nach seiner künftigen ökonomischen Produktivität und Fehlerfreiheit bemessen.“ Sie sprechen damit eugenische Abtreibungen an. Die Mehrzahl der abgetriebenen Kinder ist jedoch gesund.

Das widerlegt meine Kritik nicht. Es erweitert sie. Bei diagnostizierbaren Krankheiten oder Behinderungen tritt die Selektionslogik einfach besonders brutal hervor. Bei gesunden Kindern greift dieselbe Verwertungslogik auf einer anderen Ebene: Passt dieses Kind zu meinem Partner, meinem Studium, meiner Karriere, meinem Zeitplan, meinem Lebensentwurf? 

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Das Kind wird nicht mehr als neues Gegenüber begriffen, sondern als kalkulierbares Projekt. Es gilt als Störung, weil das schützende Umfeld aus Tanten, Großmüttern, Schwestern, Nachbarinnen und gelebter Großfamilie weitgehend verschwunden ist. Der neoliberale Mensch soll autonom sein – also allein. Und was allein nicht zu bewältigen ist, wird beseitigt oder an einen Markt delegiert.

Wenn ein Papst diese Entwicklung ebenfalls erkennt, wird meine Analyse dadurch nicht falsch. Der Kampf gegen Eugenik und Menschenvermessung gehört weder der Kirche noch einer bestimmten politischen Seite. Er gehört allen, die Frauen und Kindern, den Menschen insgesamt, nicht auf Sprechakte, Codes, Fehlerfreiheit und Verwertbarkeit reduzieren wollen

Unbedingt. Beides gehört zur selben Verschiebung des Menschenbildes. Wir leben im Zeitalter der algorithmischen Reproduktion. Bei der Leihmutterschaft wird der Körper einer Frau als Produktionsort benutzt. Das Kind ist Gegenstand eines Vertrags. Bei der selektiven Abtreibung entscheidet die Qualitätskontrolle darüber, welches Leben den Erwartungen entspricht. Das eine Kind wird bestellt, das andere verworfen. Dazwischen liegen Tests, Verträge, Plattformen, Kliniken, Agenturen und sehr viel Geld. Ich spreche deshalb von Sklavenmutterschaft. Denn wo ein Mann (oder zwei Männer, das ist ja meist die Praxis) den Körper einer Frau für die Produktion eines Kindes beansprucht, verwandelt sich Mutterschaft in eine käufliche Dienstleistung und einen neuen Menschenfleischmarkt.

China does not spy. It thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli.

China Doesn’t Spy. It Thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli (Politphilosopher/Bestselling Author/ AI Forensics/ Germany) see article published on X https://x.com/laStaempfli/status/2086816834355917092

The story that broke in The Daily Telegraph last week was, on its face, a security scare of the familiar kind. Cameras fitted to the Royal Navy’s K3 Scout drones—small, fast, unmanned vessels already in use by British special forces—had been sending regular “heartbeat” signals to an IP address in China. The components were Chinese-made. The Ministry of Defence promptly cut the cameras off from the internet. Officials insisted that no operational data had been compromised. The technical details were almost reassuring. And yet the episode left a deeper unease. Once again, critical military equipment had been assembled without anyone bothering to follow the supply chain all the way down to the last chip.

The real failure was not Chinese ingenuity. It was Western assumption.

For decades the West has treated technology as a commodity: something one buys, installs, and then largely forgets. China has never shared that illusion. In Beijing, technology is not a product. It is an instrument of sovereignty. Economy, technology, state, military, and Party are not separate spheres. They form a single continuum of power. We purchase cameras; China builds infrastructure. We license software; China cultivates influence. We optimize supply chains for cost; China designs them for leverage. The difference is not merely strategic. It is philosophical. The West still imagines that code is neutral—that a sensor is just a sensor, a chip just a chip. China understands that every piece of technology carries a political architecture inside it. Codes do not only shape individual lives. They embed themselves in states, in logistics networks, in standards, in the quiet protocols that determine who can see, who can listen, and who can decide. While Western capitals continue to debate data protection as a matter of individual privacy, China has long been constructing data sovereignty as a matter of national power. These are not the same conversation. One is about rights. The other is about control. The drone cameras that whispered their presence to a server in China are therefore less a scandal than a symptom. They reveal a persistent Western refusal to accept what has been obvious for twenty years: that critical infrastructure cannot safely rest on supply chains whose geopolitical logic runs in the opposite direction.

The interesting question is not why China behaves this way. The interesting question is why the West keeps acting as though it has only just discovered the fact. This is not, in the end, a story about Chinese espionage. It is a story about Western absent-mindedness—about a civilization that still believes technology can be bought without consequence.

Die Historikerin und Politphilosophin (Bestseller “Trumpism. The Algorithmic Age” und “Mit der Schürze in die Landesverteidigung. Frauen, Krieg und Staat 1914-45”) mit einer Medienkritik zur gegenwärtigen NS-Geschichtsverfälschung: “War Oma auch eine Nazi?” Und was dies alles mit der sog. Leihmutterschaft der Gegenwart zu tun haben könnte.

Medienkritik SZ/BAZ: “War OMA Nazi?” ÜBER GESCHICHTSVERFÄLSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenwärtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders für Frauengeschichte.

Die Schweizer Medien erhalten aus Deutschland seit Jahren nicht nur Nachrichten, sondern auch erstaunlich viel publizistisches Abfallobst. So titelte die Süddeutsche Zeitung am 14. Juli 2026: «War auch Oma ein Nazi?» Wenige Tage später erschien dieselbe Denkfigur in der Schweiz: «War auch Grossmutter ein Nazi? Die Rolle der Frauen in der NS-Zeit.» Schon der Titel verrät das Problem. Er übernimmt unkritisch eine Kategorie, die es im Nationalsozialismus nur als Rassen- und nicht als Geschlechterpolitik gab.

Es gab im Nationalsozialismus nämlich keine Frauen als historische oder politische Kategorie. Es gab ausschliesslich rassifizierte Frauen. Der Nationalsozialismus unterschied nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen «erbgesund» und «erbkrank», zwischen «arisch» und «nicht arisch», zwischen reproduktionswürdig und vernichtungswürdig.

Wer deshalb 2026 über «Frauen im Nationalsozialismus» schreibt, ohne diese grundlegende Differenz bereits im Titel sichtbar zu machen, beschreibt nicht die historische Wirklichkeit, sondern reproduziert ungewollt die Sprache der Täter.

Der Artikel reiht alles auf, was seit Jahrzehnten zum Standardwissen gehört: Mutterkreuz, NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, Winifred Wagner, Helene Bechstein, zwölf Millionen Frauen in NS-Verbänden. Alles richtig. Alles bekannt. Alles unerquicklich oberflächlich. Das Entscheidende fehlt. Denn während sogenannte arische Frauen als Gebärerinnen der «Volksgemeinschaft» ausgezeichnet wurden, wurden jüdische Frauen, Sinti- und Roma-Frauen, Frauen mit Behinderungen, politische Gegnerinnen, Lesben und und und, entrechtet, zwangssterilisiert, in Konzentrationslager verschleppt, medizinischen Experimenten unterzogen und millionenfach ermordet. Wer diesen Gegensatz unter der Kategorie „Frauen“ ausblendet, schreibt nicht über „Frauen im Nationalsozialismus.“ Er/Sie schreibt über die Privilegierung einer rassisch definierten Minderheit und erklärt sie anschliessend zur allgemeinen Frauengeschichte.

Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, die Nationalsozialisten hätten ein «traditionelles Frauenbild» vertreten. Nein. Genau das ist historisch falsch. Die Nationalsozialisten waren in ihrer Frauenpolitik keineswegs restaurativ. Sie waren revolutionär. Sie machten den weiblichen Körper zum Gegenstand einer bis dahin ungekannten staatlichen Biopolitik. Nicht die Frau interessierte sie, sondern ihre reproduktive Funktion. Nicht Mutterschaft, sondern Bevölkerungspolitik. Nicht Familie, sondern Eugenik. Das sogenannte Mutterkreuz war deshalb keine Ehrung der Mutterschaft, sondern eine staatliche Auszeichnung für die Produktion rassisch erwünschter Kinder. Ideologie entschied darüber, welche Schwangerschaft gefeiert und welche vernichtet wurde.

Gerade deshalb wirkt es befremdlich, wenn ausgerechnet Hans-Ulrich Wehlers Formulierung einer «indirekten Emanzipationsförderung» unkritisch wiederholt wird. Frauen arbeiteten im Krieg nicht deshalb ausser Haus, weil die Nationalsozialisten plötzlich emanzipatorisch geworden wären, sondern weil der totale Krieg Arbeitskräfte verschlang. Von Emanzipation zu sprechen, wo Zwang, Vernichtung und totale staatliche Kontrolle herrschten, verharmlost die Logik eines Regimes, das Leben nach biologischen Kategorien organisierte.

Der eigentliche blinde Fleck solcher Artikel liegt jedoch tiefer. Sie sprechen ständig von «Frauen», ohne zu fragen, wie Ideologien Frauen überhaupt erst definieren. Genau darin lag die Radikalität des Nationalsozialismus. Frau war keine anthropologische, sondern eine politische Kategorie. Wer zur richtigen Rasse gehörte, wurde zur Mutter verklärt. Wer nicht dazugehörte, wurde vernichtet. Der Begriff «Frau» bedeutete im Nationalsozialismus niemals dasselbe für alle Frauen.

Diese Einsicht ist auch deshalb bedeutsam, weil Sprache bis heute Wirklichkeit schafft. Begriffe sind nie unschuldig. Sie ordnen die Welt, lange bevor Gesetze oder Institutionen handeln. Wenn heute selbstverständlich von «Reproduktion», «genetischem Material», «Matching», «Eizellspende», «Leihmutterschaft» oder «optimierten Embryonen» gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sprache. Denn auch hier werden Frauen zunehmend über ihre reproduktive Funktion definiert. Eine Frau, die vierzig Wochen ein Kind unter ihrem Herzen trägt und zur Welt bringt, ist keine «Leihmutter». Sie ist Mutter. Der Begriff «Leihmutter» beschreibt keinen biologischen Sachverhalt, sondern eine juristische und ökonomische Konstruktion, die Mutterschaft sprachlich neu codiert.

Zwischen der nationalsozialistischen Rassenpolitik und den bioethischen Debatten der Gegenwart bestehen selbstverständlich fundamentale historische Unterschiede. Wer Geschichte ernst nimmt, verwischt diese Unterschiede nicht. Doch ebenso wenig darf übersehen werden, dass Ideologien immer zuerst an der Sprache arbeiten. Sie verändern Begriffe, bis die Wirklichkeit anders erscheint. Genau deshalb genügt es nicht, Grossmütter nachträglich in Täterinnen oder Mitläuferinnen einzuteilen. Historische Aufklärung beginnt nicht mit moralischen Etiketten. Sie beginnt mit der Analyse jener Begriffe, durch die Macht den Menschen überhaupt erst definiert.

Wer 2026 über „Frauen im Nationalsozialismus“ schreibt, betreibt ideologische Reproduktion, klischiert Geschichte und verharmlost die biopolitische Gegenwart, die gerade in sog. progressiven Kreisen ihr entsetzliches Unwesen treibt.

Regula Staempfli: CODIERTE REPRODUKTION. FALL SPAHN UND DAS VERSAGEN VON WISSENSCHAFT, MEDIEN UND PHILOSOPHIE. ALTER ESSAY, NEUE ERGÄNZUNGEN. ARTIKEL zu codierten Frauen: “Heute besonders günstig. Frauenfleisch. Ein verführerisches Kiloangebot.” Der Essay wurde zwei Jahre VOR JENS SPAHNS SOG “LEIHMUTTERSCHAFT” (der Begriff lügt schon, es gibt nur Mutterschaft) geschrieben. Es geht um Codierung, Menschenbilder und Frauen-wie Kinderausbeutung.

Hier direkt zum PDF des ARTIKELS AUS DEM JAHRE 2024. https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2026/07/ensuite_257_Mai_2024-Regula.pdf

Update und Copyright. by Regula Stämpfli im Juli 2026: “Codierte Reproduktion – oder: Warum Leihmutterschaft mehr ist als ein moralisches Problem“

Die Debatte über Jens Spahn, Leihmutterschaft und den verständlichen Kinderwunsch homosexueller Paare wird in Medien und an den Universitäten mit erstaunlicher Urteilslosigkeit geführt. Personalisierung ersetzt Denken. Wer Kritik an der Leihmutterschaft übt, gilt als homophob. Wer sie verteidigt, gilt als fortschrittlich. Genau diese binäre Mechanik verhindert die entscheidende Frage: Was geschieht mit unserem Menschenbild, wenn Schwangerschaft zum Gegenstand eines Vertrages wird? Seit Jahren, 2016 um genau zu sein, ist Regula Stämpfli involviert in den weltweiten Kampf gegen die sog. Leihmutterschaft. Die Verträge, die Agenturen, die medizinischen Vorgaben, die ökonomischen Abhängigkeiten und die globale Logistik reproduktiver Dienstleistungen sind keine Randerscheinungen. Sie bilden längst einen milliardenschweren Markt.

Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, die alles verändert. Sie verändert unsere Sprache, unsere Institutionen und schließlich unser Denken. Schwangerschaft erscheint nicht länger als leibliches Beziehungsgeschehen zwischen Mutter und Kind, sondern als steuerbarer biologischer Prozess. Aus einer Frau wird eine reproduktive Ressource. Aus dem Kind wird das Ergebnis eines planbaren Herstellungsprozesses. Aus Elternschaft wird ein Bündel einklagbarer Ansprüche.

Hier begegnen sich Biotechnologie und Digitalisierung.

Seit Jahren wird Künstliche Intelligenz als Bedrohung beschrieben, weil Maschinen angeblich menschlich werden könnten. Das ist eine faszinierende Erzählung – und möglicherweise die falsche. Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass Computer Gefühle entwickeln. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Menschen beginnen, sich selbst nach der Logik der Maschine zu verstehen. Codierung ersetzt Erfahrung. Und vertragliche Verfügbarkeit ersetzt Beziehung: Wie beispielsweise der sog. “Leihmutterschaft.” Mutter-Kind-Beziehung über 40 Wochen ist kein automatischer, sondern ein höchst komplexer Prozess. Gefühle, Gerüche, Musik, Stimmen, der Klang der Welt wird 40 Wochen in einem Körper geteilt – egal ob die Eizelle und der Samen fremd sind (was übrigens zu furchtbaren und gefährlichen Gesundheitsschäden vor allem der Mutter führen kann, also die Fremdheit von Eizelle und Samen.)

Doch Medien, Universitäten, Politik legitimieren in einer selten dagewesenen Hybris die technische Reproduktion von Menschen. Dies nicht zuletzt, weil Menschen wie Maschinen zu argumentieren beginnen.

Die sog. Leihmutterschaft ist deshalb kein isoliertes bioethisches Thema. Sie gehört zur gleichen kulturellen Bewegung wie algorithmische Steuerung, datenbasierte Bewertung, Social Scoring und die vollständige Vermessung des Menschen. Immer steht dieselbe Vorstellung dahinter: Der Mensch ist letztlich ein organisierbares System. Was berechnet werden kann, kann geplant werden. Was geplant werden kann, kann produziert werden. Was produziert werden kann, kann gekauft werden. Seit Jahren nennt dies Regula Staempfli die codierte Reproduktion auf allen Ebenen. Computer, Codes ersetzen Politik, machen alles zur persönlichen Entscheidung, Meinung und reproduzierbaren Ideologie. So wird menschliche Fortpflanzung zunehmend in Codes, Verträge, Datenbanken, Qualitätskontrollen und globale Lieferketten übersetzt Die Sprache verrät den kulturellen Wandel. Es ist von genetischem Material die Rede, von Embryonenqualität, Erfolgsraten, Matching, Auswahlverfahren, Eizellprofilen und Wunschmerkmalen. Das Vokabular stammt längst nicht mehr aus der Anthropologie, sondern aus Logistik, Verwaltung und Datenmanagement.

Wer darin ausschliesslich individuelle Freiheit erkennt, unterschätzt die Macht kultureller Paradigmen. Denn Märkte verändern nicht nur unser Verhalten. Sie verändern unsere Vorstellung davon, was ein Mensch überhaupt ist. Deshalb greift auch die Gegenüberstellung von konservativ und progressiv zu kurz. Die entscheidende Trennlinie verläuft heute zwischen zwei Menschenbildern.

Das eine versteht den Menschen als leibliches Wesen, dessen Würde gerade dort beginnt, wo sich nicht alles kontrollieren, berechnen und verfügen lässt. Das andere macht aus Frauen und Kindern optimierbare Projekte (siehe auch Elon Musk und Peter Thiel). Diese Entwicklung betrifft uns alle. Denn dieselbe Logik, die den weiblichen Körper zur reproduktiven Infrastruktur macht, verwandelt auch Öffentlichkeit in Datenströme, Demokratie in Plattformarchitektur und Bürger in berechenbare Profile. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Maschinen menschlicher werden. Die eigentliche Frage lautet, warum wir Menschen uns selbst immer häufiger als Maschinen begreifen.

Und genau darin liegt die grosse Herausforderung unserer Zeit.

Die hybride Kriegsführung neuer Totalitarismen: Regula Staempfli in einer ganzseitigen Rezension in der Die Weltwoche 27/2026 über das neue Buch von Heiko Heinisch, Nina Scholz und Gustav E. Gustenau. “Politischer Islam – eine hybride Bedrohung Europas. Der ‘Civilization Jihad’ der Muslimbruderschaft. Nomos.

Politischer Islam: Eine hybride Bedrohung des Westens

Ein Junge verblutet, von Messerstichen aufgeschlitzt, der Täter steht daneben und ruft die Polizei: „Kommen Sie schnell. Ich wurde rassistisch beleidigt.“ Die Polizei rückt an. Legt dem sterbenden 18-jährigen Mordopfer Handschellen an während sein Mörder von der Polizei gekuschelt wird. Dies ist keine Fiktion, sondern im Dezember 2025  in Grossbritannien geschehen und erschüttert, seit Bekanntwerden des Falles, die Politik. 

Willkommen in der erfolgreichen, hybriden Kriegsführung der Islamisten, von der nun auch ein Sikh, normalerweise eine sehr gut integrierte Religionsgruppe, profitiert hat. Die Agenda der britischen Polizei heisst zwar nicht „Civilization Jihad“, aber ihre Richtlinien passen in dieses Konzept. Weshalb ich das weiss? Ich habe das neue Buch von Heiko Heinisch, Nina Scholz und Gustav E. Gustenau gelesen: Politischer Islam – eine hybride Bedrohung Europas. Der ‚Civilization Jihad‘ der Muslimbruderschaft.

Das Buch gehört zu einer der präzisesten und unbequemsten Analysen, die in den letzten Jahren zum Thema „politischer Islam“ erschienen sind; es ist eine strategische Entschlüsselung. Die Autoren nehmen die Muslimbruderschaft (MB) beim Wort – beim eigenen Wort – und zeigen, dass hinter der zivilgesellschaftlichen Fassade ein langfristig geplantes und sehr durchdachtes Projekt zur kulturellen und institutionellen Transformation Europas steht. Der zentrale Begriff des Buches ist „hybride Bedrohung“. Die Autoren übertragen das Konzept moderner hybrider Kriegführung auf einen nicht-staatlichen, ideologisch kohärenten Akteur. Die islamistischen Gruppen agieren schon längst nicht mehr mit Bomben und offener Gewalt, so wie damals im IS-Staat. Sie setzen auf  legale Mittel, zivilgesellschaftliche Strukturen, Bildung, Kultur, Medien, Politik und Netzwerke. Und auf Subventionen von Europa, wie im Fall des unter dem IS-Terroristenführer und neuen Staatsmann in Syrien zu beobachten ist. Islamisten haben viel Zeit, viel Geld und nur ein einziges Ziel, dem sie in Europa immer näher kommen: Die Errichtung einer islamischen Ordnung. Der  „Civilization Jihadist Process“, formuliert von von Hasan al Banna (1906-1949) und Yusuf al-Qaradawi (1926-2022) zielt auf kulturelle Hegemonie, die die militärische Niederschlagung quasi unnötig macht. Die Autoren lesen die Texte der Muslimbrüder als Erste nicht als blosse Propaganda, sondern als ernstzunehmende, operative Pläne. Dadurch wird klar, dass entgegen der Meinung aller Integrationsbeauftragten, die Aktivitäten der Muslimbruderschaft nicht als zufällige oder rein religiöse Phänomene beschreibt, sondern als Teil einer kohärenten, adaptiven Strategie interpretiert. Eine hybride Kriegführung eben – eine, die Medien, Kultur und Wissenschaft bis heute vehement verneinen. 

Die hybride Kriegführung besteht in der Migration, respektive “Settlement”, also Niederlassung, in der Einflussnahme (via Vereine, Verbände & sog. Ökumene), geht dann zur Destabilisierung über bis hin zur massiven Konfrontation und schliesslich zur Übernahme der ehemaligen Mehrheitsgesellschaft. Die Destablisierung findet über die Aushöhlung der demokratischen Institutionen statt: Laizismus, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Religionsfreiheit, öffentliche Versammlungsfreiheit werden durchlöchert bis der Hijab hip, die Scharia zur Kultur und öffentlichen Plätze durch betende Muslime (Frauen haben dort nichts zu suchen) besetzt werden. Mittäter der hybriden Kriegführung sind die westlichen Eliten in Medien, an den Universitäten, in den Kulturinstitutionen sowie in der Politik.  Der „Dialog mit dem Islam“ oder wie der schweizerische Bundesrat Beat Jans auch meinte „Der Ramadan gehört zu der Schweiz“ ist im Buch kein Ausdruck von Toleranz, sondern gehören zu den Instrumenten bspw. der Muslimbruderschaft, um die eigenen antidemokratischen Strukturen unter dem Schutz der demokratischen Öffentlichkeit auszubauen. Die hybride Natur der Bedrohung besteht darin, legal aufzutreten, während parallel eine unumstössliche alternative Ordnung etabliert wird.  

Der ermordete Junge in England heisst Henry Nowak. Er musste sein Leben lassen, weil unser westliches Rechtsystem durch den Einfluss, durch die hybride Kriegführung der Islamisten in Zusammenarbeit mit den sozialistischen Revolutionären so pervertiert wurde, dass alle Opfer von nicht-weissen Täter zunächst als Täter vernommen werden und über diese ideologisch motivierte Sachlage elendiglich ihr Leben verlieren. Oder ihre brutale Vergewaltigung – wie jüngst der Fall einer 12-Jährigen in einem Sozialheim in Berlin – nicht verfolgt werden durfte, weil es sonst zu „rassistischen Stereotypen“ kommen könnte.

Wie meinte noch Mephisto bei Goethes Faust? “Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.” Grossbritannien zeigt in diesen Tagen, wie der Kampf gegen „strukturellen Rassismus“ der Geist ist, der im Bemühen um das Gute, das entsetzlichste Böse schafft und die hybride Kriegsführung des politischen Islam zu einer Erfolgstory macht. Lesen Sie das Buch von Heiko Heinisch, Nina Scholz und Gustav E. Gustenau und verteilen Sie es dem Amt und Amtsleiter Ihres Vertrauens!