Regula Stämpfli zu Gast in der Körber Stiftung Hamburg über damalige “Neue Orte des Politischen.” Ein sehr spannender Beitrag aus dem Jahre 2011 & 2022 zum Freiheitsbegriff von Hannah Arendt im Aktionsradius Wien. #HannahArendtLectures Zusatzmaterial.

Regula Stämpfli war eine der ersten digitalen Unternehmerinnen und als solche gern geladener Gast in öffentlich-rechtlichen Institutionen zu Themen wie Revolution, Populismus, Propaganda, Krieg, Medienwandel, Digitalisierung, Demokratisierung und Gleichstellung. Hier nun ein altes, immer noch aktuelles Gespräch aus dem Jahr 2011 im Körber Forum. Zur Körber-Stiftung Folgendes: “Der Stifter Kurt A. Körber (1909 bis 1992) war ein erfolgreicher Industrieller – und übertrug seinen unternehmerischen Gestaltungswillen auf die Gesellschaft. Als Anstifter wurde er zum Vorbild für gelebte gesellschaftliche Verantwortung. Mit seinem sicheren Gespür für drängende Themen der Zeit und seinen zupackenden Aktivitäten überzeugte er Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im In- und Ausland und alle, die sich vor Ort für Veränderungen engagieren.” siehe https://koerber-stiftung.de/die-stiftung/der-stifter/

Das Gespräch hier zum Nachhören: https://koerber-stiftung.de/mediathek/interventionen-neue-orte-des-politischen/

Regula Stämpfli im Körber Forum “Neue Orte des Politischen.” Damals ging es um das Aufkommen der Social Media und laStaempfli war noch in der Liebesphase mit den Social Media: Ein Aufbruch, eine Befreiung, der erste schwarze Präsident in den USA und der arabische Frühling. Doch die dunklen Wolken waren schon nah. https://koerber-stiftung.de/mediathek/interventionen-neue-orte-des-politischen/

Text von der Körper-Stiftung: “Politische Auseinandersetzung findet zunehmend außerhalb der Parlamente statt. Nicht selten haben dabei auch künstlerische Interventionen eine impulsgebende Funktion. Wie wirken diese neuen Protestformen auf die etablierte Politik? Der Studienpreisträger Friedrich von Borries, Hochschule für bildende Künste Hamburg, diskutierte am 15. Juni 2011 unter anderem mit dem Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen), dem Soziologen Dieter Rucht und der Schweizer Politologin und Publizistin Regula Stämpfli. Norbert Seitz, Kulturredakteur Deutschlandfunk, moderiert. Eine Kooperation mit der Süddeutschen Zeitung, Deutschlandfunk und DRadio Wissen.” https://koerber-stiftung.de/mediathek/interventionen-neue-orte-des-politischen/

Regula Stämpfli, Thomas Meyer und Ania Gleich im Gespräch in Wien in der Demokratie& Freiheitswoche des Aktionsradius zu Hannah Arendt. Zum Nachgucken & Hören hier: https://www.aktionsradius.at/content/de/videoarchiv-themenveranstaltungen#Veranstaltung_2022-05-24

Dann auf vielfältige Bitte hier der Link zum genialen Gespräch zwischen Günter Gaus und Hannah Arendt auf YouTube aus dem Jahr 1964. Ein Gespräch, von dem Gaus schwärmte, es sei das intelligenteste gewesen, das er je geführt hatte. https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw

Regula Staempfli an der HSG 2024 #HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen.

Die erste Vorlesung hat stattgefunden: Sie können sich immer noch einschreiben & zur zweiten Vorlesung von laStaempfli (Regula Stämpfli) kommen.

Regula Staempfli, Regula Stämpfli in der von ihr seit 2018 initiierten #HannahArendtLectures an der HSG, Universität St. Gallen 2024 zu Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen.

Biographien zu Hannah Arendt empfohlen von laStaempfli, die von Thomas Meyer, Alois Prinz, Laure Adler (Dans les pas de Hannah Arendt) sowie den Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Mary McCarthy “Im Vertrauen.” Anzumerken ist: Hannah Arendt wird mangels echten Erbinnen und Erben gerne popularisiert, vereinnahmt, instrumentalisiert. Deshalb ist immer wieder ihr Werk zu empfehlen, vor allem das Totalitarismus-Buch und die Vita Activa sowie Über das Böse – eine der besten Vorlesungen überhaupt.

Hier ein paar Thesen Totalitarismus & Digitalisierung im Überblick.

Von der Urteilskraft zu den Codes. Die Eroberung der Welt als Zahl. laStaempfli 2011 copyright.

«Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft» oder im englischen Original noch präziser: «Computer Power and Human reason. From Judgement to Calculation» (Weizenbaum 1977).6

Vier Schritte: Vorlesung 1.

  1. Leben und Werk Hannah Arendts mit Anekdoten und Zitaten
  2. Totalitarismus bei Arendt und Arendt als Methode
  3. Digitalismus bei laStaempfli
  4. VITA ACTIVA UND DIGITALISIERUNG

A.  Leben und Werk Hannah Arendts

  1. Frühe Jahre und Bildung (1906-1929): Hannah Arendt wurde am 14. Oktober 1906 in Hannover, Deutschland, geboren. Sie wuchs in einer assimilierten jüdischen Familie auf und erhielt eine umfassende Bildung in Literatur, Philosophie und Politik. Sie studierte in Marburg, Affäre Heidegger und promovierte 1929 in Heidelberg bei Jaspers über das Konzept des Liebesbegriffs bei Augustinus. Denkerisch nahm sie Husserls Phänomenologie, das In der Welt sein von Heidegger und das Gespräch bei Jaspers, das sie dann zu einem genuin eigenen Denken entwickelte.
  2. Flucht und Exil (1933-1941): Aufgrund der Machtergreifung der Nationalsozialisten und der Verfolgung von Juden musste Arendt, die 1933 für die zionistische Widerstandsbewegung Unrechtsstaats-Dokumentationen sammelte. Sie wird festgenommen, kommt wegen noch nicht so ausgeschliffener Bürokratie raus und flieht nach Paris, wo sie dank zionistischen Kreisen ein Einkommen, zahlreiche Freundinnen und Freunde und ein intellektuelles Leben führt. Sie reist nach Palästina mit Kindertransporten, ist gleichzeitig Flüchtling als auch Fluchthelferin. Sie wird 1940 im “Camp de Gurs” internert, kann wegen den Wirren der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen fliegen – nimmt Dutzende von Frauen mit. Dank ihrem Ex-Ehemann Günter Anders/Stern können sie und ihre grosse Liebe Heinrich Blücher im letzten Moment in die USA auswandern.
  3. Amerikanische Jahre und akademische Karriere (1941-1963): In den USA etablierte sich Hannah Arendt als führende politische Theoretikerin. Sie arbeitete als Dozentin und Professorin an verschiedenen Universitäten, darunter die University of Chicago und die New School for Social Research in New York City. Arendt veröffentlichte wegweisende Werke wie “The Origins of Totalitarianism” (1951) und “The Human Condition” (1958/59), die sie als eine der bedeutendsten politischen Denkerinnen des 20. Jahrhunderts etablierten. Bis zum Prozess “Eichmann in Jerusalem” 1961/62eine sehr glückliche Zeit.
  4. Spätere Jahre und Tod (1963-1975): “Eichmann in Jerusalem” ist eine Zäsur in Arendts Leben, die mit ihrem Autounfall und der sich verschlechternden Gesundheit ihres Geliebten die letzten Jahre ebenso prägt wie die zunehmende Vereinsamung enger Freunde und Freundinnen durch Tod und Bruch im Zuge ihrer Haltung während “Eichmann in Jerusalem.” Im Nachhinein muss man von einer Rufmordkampagne der Linken, der Rechten und ihrer zionistischen Weggefährten sprechen: Sie alle haben Hannah Arendt letztlich nie gelesen, ihr Denken ohne Geländer zu verstehen gesucht. Arendt verstarb am 4. Dezember 1975 in New York City im Alter von 69 Jahren, hinterlassend ein reiches intellektuelles Erbe und einen bleibenden Einfluss auf die politische Theorie, die indessen von vielen Denkerinnen und Denker für eigene, ziemlich dümmliche Zwecke missbraucht wird. Links wird Hannah Arendts “Dazwischen” für identitäre Politik (Geesen, Neiman, Butler) ebenso missbraucht wie sie rechts für deren identitäre Politiken missbraucht wird ( sehr dummer und rassistischer Freiheitsbegriff, der nichts mit Hannah Arendt zu tun hat.) Vor allem der “Hannah Arendt Preis” der linken Heinrich-Böll-Stiftung ist bestes Beispiel der völligen Missachtung von Hannah Arendts Werk. Er wurde von der Stadt Bremen von einem linken Heidegger-Professoren ins Leben gerufen, weil aufgrund der nationalsozialistischen Anbindung Martin Heidegger dessen Name nicht mehr klingend genug war, aber dessen Geliebte (so dachten die wichtigen Philosophen damals in klassisch frauenfeindlicher Manier) gut für einen eigentlichen Heidegger-Preis den Namen opfern sollte. Erstaunlich, dass DIESE GESCHICHTE NOCH VON NIEMANDEN aufgearbeitet wurde.

***

B. Totalitarismus-Thesen von Hannah Arendt nach Regula Stämpfli.

Kritik an Totalitarismus als Phänomen der Moderne: Arendt argumentiert, dass Totalitarismus kein traditionelles politisches Phänomen ist, sondern eine spezifische Entwicklung der modernen Welt darstellt, die eng mit Ideologien, Massenbewegungen und Technologie verbunden ist.

Die Bedeutung der Ideologie: Arendt hebt hervor, dass Ideologien wie Nationalsozialismus und Stalinismus/Kommunismus mittels Propaganda/Technik/Masse, Automatismen gegen Menschen in Gang setzen, die den Menschen sowohl als Individuum als auch als Geschlecht auslöschen vermögen.

Der Verlust des Individuums: Arendt argumentiert, dass totalitäre Regime das Individuum entmenschlichen und atomisieren, indem sie dessen Autonomie und Individualität negieren. Dies geschieht durch Propaganda, Terror, Assimilierung der Elite in einheitliche Meinungsformationen sowie die Unterdrückung von jeglicher Art von öffentlicher Welt. Hannah Arendt ist die einzige Denkerin, die zeigt, dass TOTALITÄRE REGIMES SICH DURCH UNENDLICHE EINSAMKEIT VON MENSCHEN UNTER MENSCHEN AUSZEICHNEN. Jede und jeder ist auf sich und ihr Gewissen zurückgeworfen.

Die Rolle der Bürokratie: Arendt betont die entscheidende Rolle der Bürokratie bei der Durchführung totalitärer Herrschaft. Bürokratische Strukturen ermöglichen die Rationalisierung und Ausführung von Gewalt und Unterdrückung auf effiziente Weise. Kontrolle, Disziplinierung, Adaption an Hierarchie löscht den Einzelnen aus.

Die Instrumentalisierung von Terror: Arendt analysiert die Verwendung von Terror als zentrales Mittel totalitärer Herrschaft zur Aufrechterhaltung von Kontrolle und Disziplinierung der Bevölkerung.

Totalitäre Ideologie und Realität: Bei Hannah Arendts Anylyse der Elemente von Totalitarismen zeigt sich DER GRABEN ZWISCHEN PROPAGANDA UND REALITÄT. Totalitäre Herrschaften üben starke emotionale Anziehungskraft aus, wie Religionen, zeichnen sich ebenso durch die Welt-Fremdheit aus. Arendt untersucht den Widerspruch zwischen der propagierten Ideologie totalitärer Regime und der Realität ihrer Herrschaft. Sie argumentiert, dass totalitäre Ideologien oft irrational und widersprüchlich sind, aber dennoch eine starke emotionale Anziehungskraft auf die Massen ausüben können.

Die Totalität des Totalitarismus: Totalitarismus ist die Herrschaft des Niemands und von Allen. Arendt beschreibt Totalitarismus als ein umfassendes System der Herrschaft, das alle Aspekte des menschlichen Lebens durchdringt: Die Trennung zwischen öffentlich und privat ist aufgehoben: Alles ist öffentlich und privat gleichzeitig.

Die Notwendigkeit des Widerstands gegen alle Formen des Totalitarismus.: Trotz ihrer düsteren Analyse des Totalitarismus betont Arendt die Notwendigkeit des Widerstands und der Verteidigung der individuellen Freiheit und Würde gegen totalitäre Unterdrückung.

Methode Arendts: Proust

Im Totalitarismusbuch bringt sie viele Beispiele auch aus der Literatur, so Marcel Prousts, Suche nach der verlorenen Zeit, um menschliche Erfahrung, psychologische Seinszustände und philosophische Schlüsse daraus zu ziehen.

Hannah Arendt betrachtet Marcel Prousts Werk, insbesondere seine “Suche nach der verlorenen Zeit”, als eine bedeutende Quelle für das Verständnis von Zeit und Erinnerung. Sie zieht Prousts Analyse der menschlichen Erfahrung heran, um verschiedene philosophische und psychologische Konzepte zu erklären. Im Kontext ihrer eigenen Werke und Gedanken verwendet Arendt Proust, um verschiedene Ideen zu verdeutlichen:

  1. Die Natur der Erinnerung: Arendt greift Prousts Betonung der Erinnerung als zentralen Aspekt des menschlichen Bewusstseins auf. Sie betrachtet Erinnerung nicht nur als eine passive Wiederholung vergangener Ereignisse, sondern als einen aktiven Prozess der Konstruktion und Interpretation.
  2. Identität und Kontinuität: Arendt diskutiert Prousts Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Identität und Kontinuität über die Zeit hinweg. Sie zieht Parallelen zwischen Prousts Beschäftigung mit der Wiederentdeckung vergangener Erfahrungen und ihrem eigenen Konzept der menschlichen Pluralität und Kontingenz.
  3. Die Bedeutung des Moments: Arendt verwendet Prousts Betonung des Augenblicks und des “In-der-Welt-Seins” als Grundlage für ihre Diskussion über die Bedeutung von Handeln und politischer Teilhabe im Hier und Jetzt.
  4. Reflexion über Zeit: Arendt nutzt Prousts Reflexionen über Zeit, um die menschliche Erfahrung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu erforschen. Sie betrachtet Prousts Beschäftigung mit der Zeit als eine Möglichkeit, über das Wesen der Zeit selbst nachzudenken.
  5. Die Rolle der Erinnerung in der Politik: Arendt zieht Proust heran, um die Bedeutung der Erinnerung für politische Prozesse und kollektive Identität zu erörtern. Sie argumentiert, dass das Bewusstsein über Vergangenes und die Kontinuität historischer Erfahrungen entscheidend für das politische Handeln und die Vermeidung totalitärer Versuchungen ist.

Auf die Digitalisierung übersetzt heisst dies: Copyright von Regula Stämpfli 2024 (veröffentlicht hier auf der Homepage, was die Mampfler dieser Welt nicht dazu berechtigt, laStaempflis Ideen, Zitate, Konzepte, Namen, Begriffe, Bücher zu stehlen und als eigene Werke auszugeben. Dies als Bemerkung der Erfahrung, was Regula Stämpfli alles schon gestohlen wurde: Politik-Rating, Social Media School, Social Media Rating, Social Pay per View gegen die Gleichgültigkeit (Fussball WM 2016 in Brasilien), “Trumpism” als Begriff, “Selfism” als Begriff, “Die Podcastin” wurde als Konzept von einem anderen feministischen Podcast einfach gestohlen und und und.

PODCASTS ZUM THEMA: http://ta-swiss-futurepodcast.online/

Thesen aus der Vorlesung 1, 21. März 2024 von laStaempfli. Zitat Copyright 2024.

“Hier sind zehn Thesen zu den Elementen und Ursprüngen digitaler Totalitarismen, inspiriert von den Arbeiten von Regula Stämpfli und anderen: copyright hier laStaempfli.

  1. Überwachung als Kontrollmechanismus: Digitale Totalitarismen nutzen fortgeschrittene Überwachungstechnologien, um die Bevölkerung zu kontrollieren und zu überwachen, was zu einem starken Eingriff in die Privatsphäre und individuelle Freiheiten führt.
  2. Manipulation von Information und Meinungsbildung: Durch die Kontrolle von Nachrichten und die Verbreitung von Propaganda beeinflussen digitale Totalitarismen die öffentliche Meinung und formen die Wahrnehmung der Bevölkerung gemäß den Zielen des Regimes.
  3. Einschränkung der Meinungsfreiheit: Digitale Totalitarismen unterdrücken jegliche Form von Opposition oder abweichender Meinungen online, indem sie Zensur, Online-Überwachung und Strafverfolgung gegen Dissidenten einsetzen sowie Mehrheits-Trends gegen Einzelpersonen mittels konzentrierten Aktionen Troll, Bots, Keywords, Hashtags, Hyperlinks etc. eingesetzt werden. .
  4. Soziale Kontrolle und Konformität: Durch soziale Medien und digitale Plattformen fördern digitale Totalitarismen eine Kultur der Konformität und Selbstzensur, in der abweichende Meinungen oder Verhaltensweisen stigmatisiert und bestraft werden. Cancel -Culture ist kein Mythos, sondern hat Prominente und Nicht-Prominente Opfer getroffen. Wie, das zeigt, einer der besten Podcasts am Bsp von J. K. Rowling: https://open.spotify.com/show/2K186zrvRgeE2w0wQjbaw7
  5. Technologische Repression und Gewalt: Digitale Totalitarismen setzen Technologie zur Unterdrückung und Einschüchterung der Bevölkerung ein, indem sie beispielsweise Überwachungstechnologien, Gesichtserkennungssysteme und KI-gestützte Überwachung nutzen, um Oppositionelle zu identifizieren und zu unterdrücken.
  6. Entfremdung und Vereinzelung: Digitale Totalitarismen fördern eine Atmosphäre der Entfremdung und Vereinzelung, indem sie menschliche Interaktionen auf digitale Plattformen verlagern und traditionelle soziale Bindungen schwächen.
  7. Instrumentalisierung von Technologie für politische Zwecke: Digitale Totalitarismen nutzen Technologie als Mittel zur Konsolidierung und Ausweitung politischer Macht, indem sie Big Data, Algorithmen und KI zur Überwachung und Kontrolle, entweder von Mehrheitsgesellschaft gegen Minderheitsgesellschaft oder von Elite gegen Wirklichkeit einsetzen. So konnten die Begriffe “Lab Leak” während der Pandemie nicht recherchiert werden, wie die #TwitterFiles zeigen. https://www.derstandard.de/story/2000142134877/twitter-files-hat-twitter-die-corona-debatte-manipuliert
  8. Manipulation von Identität und Wahrheit: Digitale Totalitarismen manipulieren Identität und Wahrheit durch die Verbreitung von Falschinformationen, gefälschten Nachrichten und digitalen Täuschungen, um die Realität zu verzerren und die Bevölkerung zu täuschen. Siehe dazu von Regula Stämpfli, Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt.
  9. Digitaler Tribalismus und Polarisierung: Digitale Totalitarismen fördern einen digitalen Tribalismus, der die Gesellschaft in gegnerische Lager spaltet und die Polarisierung verstärkt, indem sie Hassrede und Online-Mobbing tolerieren oder sogar fördern.
  10. Widerstand durch digitale Solidarität und Aktivismus: Trotz der Herausforderungen des digitalen Totalitarismus nutzen Menschen digitale Werkzeuge und Plattformen, um Widerstand zu leisten, Solidarität zu zeigen und für demokratische Werte einzutreten, was Hoffnung auf Veränderung und Widerstand gegen die Unterdrückung durch digitale Totalitarismen bietet.

Shoshana Zuboff hat auch Hannah Arendts Totalitarismusthese benutzt und ist zu folgenden Ausführungen gekommen:

  1. Datensammlung als Geschäftsmodell: Unternehmen im digitalen Überwachungskapitalismus sammeln kontinuierlich und in großem Umfang persönliche Daten von Nutzern, um sie zu analysieren, zu verarbeiten und für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen.
  2. Verwandlung von Verhalten in Rohstoffe: Persönliche Daten werden als Rohstoff betrachtet, der verwendet wird, um Verhaltensvorhersagen zu generieren und zielgerichtete Werbung sowie andere Formen der Verhaltensmanipulation zu ermöglichen.
  3. Umfassende Überwachung: Digitale Technologien ermöglichen eine umfassende Überwachung des Verhaltens und der Interaktionen von Nutzern in digitalen Umgebungen, was zu einem beispiellosen Maß an Kontrolle über persönliche Daten führt.
  4. Invasion der Privatsphäre: Der digitale Überwachungskapitalismus dringt in die Privatsphäre der Menschen ein, indem er ihre persönlichen Daten sammelt und analysiert, ohne ihre Zustimmung oder ihr Wissen.
  5. Monopolisierung von Daten und Macht: Einige wenige Unternehmen im digitalen Überwachungskapitalismus kontrollieren einen Großteil der persönlichen Daten und nutzen diese Monopolstellung, um ihre Macht über Märkte und Gesellschaft zu festigen.
  6. Manipulation von Verhalten und Entscheidungen: Durch die Analyse persönlicher Daten können Unternehmen im digitalen Überwachungskapitalismus individuelle Verhaltensmuster erkennen und gezielt beeinflussen, um das Verhalten von Nutzern zu steuern und ihre Entscheidungen zu manipulieren.
  7. Gefährdung demokratischer Prinzipien: Der digitale Überwachungskapitalismus bedroht demokratische Prinzipien wie Privatsphäre, Meinungsfreiheit und individuelle Autonomie, indem er die Macht und Kontrolle über persönliche Daten in den Händen weniger Unternehmen konzentriert.
  8. Soziale Ungleichheit und Ausbeutung: Der digitale Überwachungskapitalismus verstärkt soziale Ungleichheit, indem er diejenigen benachteiligt, die keine Kontrolle über ihre persönlichen Daten haben, und gleichzeitig diejenigen belohnt, die Zugang zu und Kontrolle über Daten haben.
  9. Widerstand und Regulierung: Angesichts der wachsenden Bedrohung durch den digitalen Überwachungskapitalismus fordert Zuboff eine verstärkte Regulierung und Kontrolle über die Sammlung, Verarbeitung und Nutzung persönlicher Daten, um demokratische Werte und Grundrechte zu schützen.
  10. Utopie des Informationszeitalters: Zuboff schlägt eine alternative Vision für das Informationszeitalter vor, die auf dem Schutz der Privatsphäre, demokratischen Prinzipien und der sozialen Gerechtigkeit basiert, anstatt auf der ungezügelten Ausbeutung persönlicher Daten durch Unternehmen im digitalen Überwachungskapitalismus.”

Zitat Ende von laStaempfli.

Wer sehen will, wie laStaempfli Hannah Arendt in der Digitalisierung wissenschaftlich denkt, hier nur zwei ihrer zahlreichen Artikel als Beispiele : https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2020/09/datenloch-swissfuture-methodenderzukunft.pdf und https://www.denknetz.ch/wp-content/uploads/2021/08/Staempfli_Europa_Bankensprech_Sehnsuchtsort.pdf

Leben verboten! Oder «Und dennoch leben»? Radikalsäkulare jüdische Frauenliteratur damals und heute. Regula Staempfli mit wichtigen Kultur- und Lesetipps zum Nahostkonflikt.

Bild: Die Keramik stammt von Susi Singer, einer jüdischen Keramikerin der Wiener Werkstätte, die 1955 in Los Angeles starb, nachdem sie sich dort trotz Emigration, eine Karriere hatte aufbauen können. Foto: R. Stämpfli

Regula Stämpfli zur Radikalsäkularität der Feministinnen in Israel mit Bild links: Die Keramik stammt von Susi Singer, einer jüdischen Keramikerin der Wiener Werkstätte, die 1955 in Los Angeles starb, nachdem sie sich dort auch eine Karriere hatte aufbauen können. Foto: R. Stämpfli
REGULA STÄMPFLI: ESSAY ZUR RADIKALSÄKULAREN FRAUENLITERATUR DAMALS UND HEUTE IM ENSUITE, DEM KULTURMAGAZIN DER SCHWEIZ.

Von Dr. Regula Stämpfli — Unsere Essayistin Regula Stämpfli wollte «Die Netanjahus» von Joshua Cohen besprechen, dies sei hiermit getan, denn lesen sollten wir alle die jüdischen Frauen. Hier zwei Werke radikal-säkularer Schriftstellerinnen mit dem Aufruf zur Besinnung und der Aufforderung an unsere Institutionen, die Millionenförderung islamofaschistischer Organisationen zu stoppen.

Die Stadt ist der Sehnsuchtsort all jener, die gleichzeitig Weltenbürgerin und jüdisch sind. Deshalb ist Wien eine jüdische Stadt mit dem jüdischen Humor. Dazu eine lustige Begebenheit. Bestellt ein Nazi einen kleinen Braunen, meint der Kellner, das sehe er sofort, er wolle nur wissen, was der Herr denn trinken wolle; also dieses stundenlange Streiten unter Gleichen, Freien und Solidarischen – das ist Stadt und das ist sehr jüdisch. Weiterlesen in ENSUITE SIEHE https://www.ensuite.ch/leben-verboten-oder-und-dennoch-leben-radikalsaekulare-juedische-frauenliteratur-damals-und-heute/

Hannah Arendt Kontroversen an den “Nächte der Philosophie” mit Regula Stämpfli.

Nächte der Philosophie 2024

Hannah Arendt-Kontroversen von Regula Stämpfli im Café Korb, 23.5.2024, 19.00 Uhr.

23.05. 19:00h
Regula Stämpfli
Die Hannah Arendt-Kontroversen.
Butler, Neiman, Geessen

Café Korb, Brandstätte 9, 1010 Wien

Die Hannah Arendt-Kontroverse(n)

Im Namen von Hannah Arendt werden unzählige Siege der Meinungen auf Kosten der Wahrheit errungen. Damit steht die Existenz geschichtlicher Realitäten auf dem Spiel; so, wie dies Hannah Arendt im Totalitarismusbuch beschreibt. Die Politphilosophin PD Dr. Regula Stämpfli lehrt an der HSG die von ihr initiierten #HannahArendtLectures. laStaempfli – so ihr social media name – wird im Rahmen der Nächte der Philosophie, an aktuellen Beispielen Urteilskraft, Politik und Öffentlichkeit mit Hannah Arendts Werk diskutieren: Denken ohne Geländer garantiert.

Hannah Arendt Kontroversen an den “Nächte der Philosophie” mit Regula Stämpfli – Hier mit einigen Folgen der #diepodcastin, die sie zusammen mit Isabel Rohner seit 2020 leitet. Sprechendes Denken pur: www.diepodcastin.de

#HannahArendtLectures by Regula Staempfli an der HSG, Universität St. Gallen 2024.

Regula Stämpfli ist eine politische Philosophin, die die Auswirkungen des Trumpismus auf die moderne Politik analysiert. Sie betont die Bedeutung von Fiktionen, Storytelling, Codes, Algorithmen und deren Wirkung im Hinblick auf totalitäre Systeme. Sie sah schon im “Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt” die Allmacht der Codes “Die Eroberung der Welt als Zahl. ” laStaempflis Arbeiten werfen ein Licht auf die Herausforderungen, die durch den Einsatz von Technologie und sozialen Medien für politische Manipulation und die Untergrabung demokratischer Prinzipien entstehen.

HannahArendtLectures by Regula Staempfli an der HSG, Universität St. Gallen 2024.

Die HSG, Universität St. Gallen offeriert jedes Jahr ÖFFENTLICHE VORLESUNGEN. Seit 2018 bietet Privatdozentin PD Dr. Regula Stämpfli die #HannahArendtLectures an. Diesmal über TikTok, Tanks & (Media)Wars unter dem Titel: “Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen.” Hier das öffentliche Programm im PDF siehe https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2024/03/Oeffentliches-Programm-FS24-3.pdf

#HannahArendtLectures von PD Dr. Regula Stämpfli, angekündigt im öffentlichen Programm der Vorlesungen der HSG, Universität St. Gallen.
Die Vorlesungen sind öffentlich. Einschreiben an der HSG, Universität St. Gallen. Der Besuch der öffentlichen Vorlesungen kostet zwanzig Franken, für Angehörige der Universität St.Gallen, Studierende, Dozierende wie auch Mitarbeitende ist der Besuch kostenlos. Die erste Vorlesung einer Reihe kann gratis besucht werden. Die Gebühr ist vor Beginn der zweiten Vorlesung mit dem Einzahlungsschein oder mit den untenstehenden E-Banking- Angaben zu bezahlen. Dieser Beleg, beziehungsweise der Ausdruck der Online-Zahlung, dient als Semesterpass.
PostFinance-Konto: 90-747-8
BIC/SWIFT-Code: POFICHBEXXX
IBAN: CH21 0900 0000 9000 0747 8
lautend auf: Universität St.Gallen (HSG), Dufourstrasse 50, 9000 St.Gallen
Zahlungszweck: Öffentliche Vorlesungen, 433 310 / S08950002
Bitte nehmen Sie als Semesterpass einen Beleg der Überweisung zu den Vorlesungen mit. Vielen Dank.

#HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen von Regula Stämpfli an der HSG, Universität St. Gallen FS/SS 2024 Öffentliche Vorlesung. Über TikTok, Tanks & (Media)Wars.

#HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen von Regula Stämpfli an der HSG, Universität St. Gallen FS/SS 2024 Öffentliche Vorlesung. Über TikTok, Tanks & (Media)Wars.
HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen von Regula Stämpfli an der HSG, Universität St. Gallen FS/SS 2024 Öffentliche Vorlesung. Über TikTok, Tanks & (Media)Wars.

Hannah Arendts monumentales Werk: “Elemente und Ursprünge totalitärer Systeme” beginnt mit Platos berühmten Kampf gegen die Sophisten. Medien spielen in totalitären Systemen entscheidende Rollen – Die Vorlesung versteht sich als Fortsetzung von Arendts grossem Werk.

Regula Stämpfli widmet sich dem fortwährenden Kampf um Wahrheitsfindung und den Bezug zu Welt und Wirklichkeit im Dienste der Demokratie. Sie richtet ihren Fokus auf die automatischen, repetitiven Meinungsdiktaturen in den sozialen Netzwerken wie X/Twitter, Facebook, TikTok, Instagram, Telegram, Google, YouTube et al. Dienste, die laStaempfli rege nutzt. Die Vorlesung stellt sich dabei der Aufgabe, die schwer fassbaren zeitgenössischen Entwicklungen zu analysieren, den Zerfall der westlichen Erfolgsmodelle und Demokratien aufzuzeigen und fragt gleichzeitig nach möglichen Massnahmen, um diesen Prozess zu stoppen.

#HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen von Regula Stämpfli an der HSG, Universität St. Gallen FS/SS 2024 Öffentliche Vorlesung. Über TikTok, Tanks & (Media)Wars.
#HannahArendtLectures: Elemente und Ursprünge digitaler Totalitarismen von Regula Stämpfli an der HSG, Universität St. Gallen FS/SS 2024 Öffentliche Vorlesung. Über TikTok, Tanks & (Media)Wars.

Interview von Regula Stämpfli in der Schweizer Illustrierte: Über Royals, Reality TV & was dies mit der Politik zu tun haben könnte.

Interview von Regula Stämpfli in der Schweizer Illustrierte: Über Royals, Reality TV & was dies mit der Politik zu tun haben könnte.
Interview von Regula Stämpfli in der Schweizer Illustrierte: Über Royals, Reality TV & was dies mit der Politik zu tun haben könnte. Bild von Regina Hügli.

“KÖNIGSHÄUSER IM HOCH

«Royals sind die Projektion unserer Träume»

Nach dem Tod von Diana lag nicht nur die britische Monarchie in Trümmern. Heute werden Royals angebetet wie ­Popstars. Politphilosophin Regula Stämpfli über das Comeback der Königshäuser und darüber, was Frauen damit zu tun haben.” Nachzulesen hier

https://www.schweizer-illustrierte.ch/people/royals/royals-sind-die-projektion-unserer-traume-675072

Wo lässt es sich besser über die Royals diskutieren als in der Stadt der Kaiser und Könige? Wir treffen die Berner Historikerin und Medienwissenschaftlerin Regula Stämpfli in ihrer Wohnung voller Patina in Wien, wo sie seit der Pandemie für ein Auktionshaus arbeitet und einen Podcast über Kunst, Finanzen, politische Gegenwart und Vergangenheit leitet.

Frau Stämpfli, wer ist Ihr Lieblingsroyal?
Ich bitte Sie! Ich bin durch und durch demokratisch. Aber wenn royal, dann früher Diana und jetzt Harry. Aber wehe, Sie sagen dies dem britischen Teil meiner Familie. Dann ist Feuer unter dem Dach (lacht).

Nach Dianas Tod stand die britische Monarchie fast vor dem Ende, und auch die anderen Königshäuser konnten kaum mehr Herzen erwärmen. Jetzt sind Royals plötzlich wieder beliebt – von der Krönung von Frederik von Dänemark gabs Liveticker. Warum?

Unsere Zeit zeichnet sich durch Eskapismus in Reality-Formate aus. Da passen die Royals mit ihren Traditionen und Werten aus vergangenen Jahrhunderten als Projektion für unsere Träume ganz gut hinein. Mit ihren Auftritten bieten sie eine Art Reality-TV-Format – unfassbar beliebt, vor allem auch unter jungen Menschen.

Ist das für die Monarchien gut oder schlecht?
Beides. Positiv ist: Die Serien und Dokus über Königshäuser mit viel Glanz und Gloria steigern die Bekanntheit und das Interesse und stützen damit die Monarchien. Sie fördern auch den Tourismus, indem sie Orte regelrecht zu Hotspots machen. Durch «The Crown» – diese originelle Mischung von Geschichtsdoku, Kostümdrama und Real-Life-TV – sind die britischen Royals noch mehr zur Marke und zu Stars der Kontinuität geworden.Und was ist negativ?
Problematisch ist, dass solche TV-Formate in die Privatsphäre der Royals eindringen und die Charaktere aufhören, die ihnen zugewiesene Rolle zu spielen. Dann kommt es zu Dramen wie etwa um Harry. Was bedeutet die Flucht in Reality-Formate für die Gesellschaft? Normale Menschen können zunehmend nicht mehr zwischen Wahrheit und Inszenierung unterscheiden. Digitale Medien gestalten unser Aussehen, unsere Lebensweise, unsere Information, unser Denken – ja einfach alles bis unter die Bettdecke mit. Das ist problematisch, aber im Gespräch miteinander können wir dem entgegenwirken. Oder einfach mal das Handy zu Hause lassen. Echt gefährlich ist der Wirklichkeitsverlust für die Politik.

Weshalb?
Weil wir dann nur noch die Fiktion wählen. Das heisst Ideologen, Hassprediger, starke Männer – statt sich gegenseitig vertrauende Demokratie. Furchtbar! Ich nehme mich da übrigens nicht davon aus. Nach einer Stunde Twitter bin ich ein Mensch, der ich nie sein wollte.

Funktionieren Reality-Formate auch bei klassisch demokratisch gewählten Regierungen?
Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass unsere Regierungen sich wie Reality-Formate inszenieren. Das Personal bleibt. Egal, was passiert.

Haben Sie da ein Beispiel?
Wie erklären Sie sich, dass selbst beim Untergang der Credit Suisse niemand Verantwortung übernehmen musste? Karin Keller-Sutter war genial darin, das Narrativ so zu beherrschen, dass die Geschichte sogar bei den Wahlen im selben Jahr kein Thema war. Oder denken Sie ans Bundesamt für Statistik. Es gibt einen Super-GAU bei den Wahlprozenten, und was passiert? Nichts. Wie bei Serien, wo sogar Tote wieder zum Leben erweckt werden.

Sie haben die Hassprediger erwähnt: Populismus à la Trump ist salonfähig geworden, Autokraten wie Viktor Orbán oder Jair Bolsonaro sind beliebt. Stehen Monarchien in diesem staatlichen Sittenzerfall für ein verschwindendes Wertebild?
Definitiv. Vor allem die Königinnen – da würde ich auch die ehemalige Kanzlerin Merkel dazuzählen – gelten für die Menschen als fester Anker in unruhigen Zeiten und schützen gegen all diese Superegos, Selfies und Narzissten. Aber auch das ist natürlich eine Fiktion. Das Schlamassel eines entwicklungsbedürftigen Deutschlands im Jahr 2024 haben natürlich die Merkel-Jahre verursacht. Aber wenn wir wählen müssen, bietet alles Trost, was nach bekannt und traditionell klingt. So auch die Royals.

Was machen Monarchien heute besser als noch Ende des vergangenen Jahrtausends?
Sie spielen die Medienklaviatur perfekt.

Weil PR-Berater und Imagekampagnen Einzug in die Königshäuser gehalten haben?
Bei William und Kate braucht es gar nicht mehr so viel PR, da die beiden als Millennials schon in der Ich-AG-Zeit des Selbstmarketings aufgewachsen sind. Besonders Kate scheint ein inkarnierter Medienprofi zu sein. Aber ja klar: In Zeiten codierter Wirklichkeit entscheidet letztlich ausschliesslich die Story. Fakten? Vernachlässigbar.

Weshalb?
Weil wir dann nur noch die Fiktion wählen. Das heisst Ideologen, Hassprediger, starke Männer – statt sich gegenseitig vertrauende Demokratie. Furchtbar! Ich nehme mich da übrigens nicht davon aus. Nach einer Stunde Twitter bin ich ein Mensch, der ich nie sein wollte.

Funktionieren Reality-Formate auch bei klassisch demokratisch gewählten Regierungen?
Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass unsere Regierungen sich wie Reality-Formate inszenieren. Das Personal bleibt. Egal, was passiert.

Haben Sie da ein Beispiel?
Wie erklären Sie sich, dass selbst beim Untergang der Credit Suisse niemand Verantwortung übernehmen musste? Karin Keller-Sutter war genial darin, das Narrativ so zu beherrschen, dass die Geschichte sogar bei den Wahlen im selben Jahr kein Thema war. Oder denken Sie ans Bundesamt für Statistik. Es gibt einen Super-GAU bei den Wahlprozenten, und was passiert? Nichts. Wie bei Serien, wo sogar Tote wieder zum Leben erweckt werden.

Sie haben die Hassprediger erwähnt: Populismus à la Trump ist salonfähig geworden, Autokraten wie Viktor Orbán oder Jair Bolsonaro sind beliebt. Stehen Monarchien in diesem staatlichen Sittenzerfall für ein verschwindendes Wertebild?
Definitiv. Vor allem die Königinnen – da würde ich auch die ehemalige Kanzlerin Merkel dazuzählen – gelten für die Menschen als fester Anker in unruhigen Zeiten und schützen gegen all diese Superegos, Selfies und Narzissten. Aber auch das ist natürlich eine Fiktion. Das Schlamassel eines entwicklungsbedürftigen Deutschlands im Jahr 2024 haben natürlich die Merkel-Jahre verursacht. Aber wenn wir wählen müssen, bietet alles Trost, was nach bekannt und traditionell klingt. So auch die Royals.

Was machen Monarchien heute besser als noch Ende des vergangenen Jahrtausends?
Sie spielen die Medienklaviatur perfekt.

Weil PR-Berater und Imagekampagnen Einzug in die Königshäuser gehalten haben?
Bei William und Kate braucht es gar nicht mehr so viel PR, da die beiden als Millennials schon in der Ich-AG-Zeit des Selbstmarketings aufgewachsen sind. Besonders Kate scheint ein inkarnierter Medienprofi zu sein. Aber ja klar: In Zeiten codierter Wirklichkeit entscheidet letztlich ausschliesslich die Story. Fakten? Vernachlässigbar.

Trotz aller Liveticker und Real-TV-Formate: Ganz werden wir nie hinter die Kulissen der royalen Welt blicken können. Macht diese Mischung aus Nähe und Geheimnis auch ein Stück der Faszination aus?
In Zeiten völliger Transparenz entsteht Spannung tatsächlich aus dem Wechselspiel zwischen Geheimnis und Position.

Haben Sie selber «The Crown» gesehen?
Sie scherzen! Ich war wohl die Erste in der Schweiz, die die Netflix-Serie verschlungen hat.

Wollen Sie noch einen Tipp?
Gerne! «Versailles», die ersten zwei Staffeln. Die Serie erklärt Ihnen, wie Frankreich zu dem wurde, was es auch heute noch ist: zentralistisch, absolutistisch, mit unfassbar viel Eleganz, Schönheit – und perfektem Essen.

laStaempfli: Art & Politics Worldwide. A reflection on the year 2023. Regula Stämpfli durch das Kunstjahr 2023 für ENSUITE, Zeitschrift für Kunst und Kultur.

Wer den Jahresrückblick hören will: Art & Politics Worldwide 2023 listen in to audio:

Das Jahr 2023 Art & Politics Worldwide by laStaempfli gelesen für ARTISAPIECEOFCAKE.ART.
laStaempfli in ART&POLITICS WORLDWIDE WIEN MÜNCHEN ZURICH LONDON BERLIN. laStaempfli walks through Abramovics Gate.

laStaempflis Art and Politics worldwide 2023

In purpurfarbenen Puschen, Burberry im Glanz,
Sanfte Berührung, ein Tanz im Herbstkranz.
Für sechshundertneunzig britische Pfund, ein Kunstwerk am Fuss
Die Welt, der Mode, eine Dekadenz, ein Genuss.

Im MOMA von New York, das Jahr 1936,
Legende erzählt von einer Ohnmacht im Raum,
Kunst und Kultur, ein politischer Traum.
Meret Oppenheimers Tasse, ein kühner Mix, Surrealismus – nun auch in der Politik?

Welch Horror, welch Elend – nein!
Surrealismus in der Politik darf nicht sein!
Allein Hannah Arendt Lectures garantieren Geleit
Durch das Jahr 2023 mit Podcasts, Kunst durch die Zeit.

Die Codes der Welt, verstanden im Verstand.

Flüstere ich immer lauter: „It is the codes, stupid!“
Kunst und Politik ziehen in den dunklen Abgrund
laStaempfli im Text, ein Echo, im Klang
Poetisch verwebt, im Algorithmus gefang‘.
Bringen Lösungen, Klarheit und Orientierung
Kultur, Literatur, Exposition, Meinung und Bildung.

Viel Vergnügen im etwas anderen Kulturjahr 2023 als laStaempfli VersionHier der LInk: https://www.ensuite.ch/lastaempflis-art-and-politics-worldwide-2023/

Hier Bildgalerie: laStaempfli Abramovic/ Xenia Hauser fotografiert by laStaempfli, Plakat von Instaacount: minamjafari.com/act Insta, Ausschnitt fotografiert von laStaempfli zu Frau, Leben, Freiheit im Iran. laStaempfli mit der grössten zeitgenössischen Künstlerin Elisabeth Eberle im Kunsthaus Zürich vor dem Kunstwerk “Grabmal für die unbekannte Künstlerin.” Die Puschen inszeniert bei laStaempfli. Malgorzata Chodakowska Skulptur, fotografiert vom Netz von Regula Stämpfli.Bild von Hulda Viljhialsdottir, fotografiert im Residenzzimmer von laStaempfli;Bild: Kafka-Ausstellung in der Villa Stuck, schlecht fotografiertes Zitat von Kafka durch laStaempfli. Frauen müssen sich selber lieben: Selfie im Kunstwerk der grossen Louise Deininger, von laStaempfli fotografiert.Bild: Die leeren Kinderwagen auf dem Wiener Stephansplatz mit Bildern der von den antisemitischen Terror-Barbaren entführten israelischen Kinder. für die gekidnappten israelischen Kinder, fotografiert von Regula Stämpfli im Netz, da das eigene Bild nicht brauchbar war – von Tränen verschmiert.Bild: It Hurts with a Scissor 1974-196 von Kiki Kogelnik, schlecht fotografiert von laStaempfli.

Regula Stämpfli in ihrem Essay zu Art&Politics Worldwide 2023. With great Fotos taken by the author.

Zur Poesie der Hässlichkeit: Regula Stämpfli rezensiert Mosthari Hilals Werk: Hässlichkeit.

Zur Poesie der Hässlichkeit: Eine Reise in die Tiefen der Menschlichkeit

Regula Stämpfli schreibt monatlich grosse Essays in ensuite: Es sind Rezensionen im Sinne von denkenden Schreiben. Hier ein Buch, das laStaempfli aus der postkolonialen Ecke – mit gewissen Einschränkungen – aber sehr überzeugt hat.

Leseprobe: Zur Poesie von Hässlichkeit

Von Dr. Regula Stämpfli — Jede Gesellschaft gibt sich echte Bilder, die Menschen und deren Körper falsch machen. Der Grund des Unglücks ist in unseren biopolitischen Gesellschaften in unseren Körpern gelagert. Deshalb hier eine warme Empfehlung für das Buch der Künstlerin Moshtari Hilal zur «Hässlichkeit».

Foto: Moshtari Hilal fotografiert von Andreas Sibler www.andreas-sibler.com

Hässlichkeit macht wütend. Ein weibliches Substantiv ohne Happy End. Das Buch «Hässlichkeit» von Moshtari Hilal ist dennoch umwerfend. Die Autorin ist ein Multitalent: Künstlerin, Schriftstellerin mit afghanischem Hintergrund, wohnt in Hamburg und in Berlin. Sie ist Co-Founder der «Afghan Visual Arts and History», leitet ein Forschungsprojekt zu «Conflict with Care». 2022 veröffentlichte sie zusammen mit der politischen Geografin Sinthujan Varatharjah einen Gesprächsband über globales Leben.  Beide haben dafür den Preis der Lessing-Akademie in Wolfenbüttel gekriegt. Hilal ist eine dieser umwerfend begabten jungen Frauen, die von den Medien gesehen und gefördert werden – mal abwarten, was mit ihr passiert ist, wenn sie mal 45 Jahre alt ist. Hilal schreibt über die Geschichte der plastischen Chirurgie, dass bspw. Nasen-OPs sich nicht um die Nase drehen, die korrigiert werden muss, sondern es darum geht, die Existenz der Person, die diese Nase trägt, abzulehnen. Erst kürzlich meinte Laura Berman, die jüdisch-amerikanische Intendantin des Theaters Hannover, lachend zur «Zeit»: «Wo ich aufgewachsen bin, haben einige Väter ihren Töchtern zum 16. Geburtstag eine Nasen-OP geschenkt, damit sie ihre ‚jüdischen Nasen‘ loswerden.» Well – here we are, mitten in Hilals Buch und ihrer poetisch-wütenden Abrechnung mit westlichen Schönheitsidealen.

Hilal beginnt ihr Werk biografisch. Sie schafft sich ein Bild von sich selber, sie entkommt ihrer bitteren Wirklichkeit durch die Visualisierung eines Traumkörpers: «In Gedanken, sofort wenn ich die Augen schloss, wurde ich zu dieser anderen Frau, die meine Mutter nicht kannte.» Ihre Tagträume werden zu Bauplänen, zu Schlachtfeldern. «Ein dürres Kind überschlägt sich. Es ohrfeigt seine Schenkel, hängt sich an seinen behaarten Achseln auf. Es kratzt sich die stoppligen Arme und bläht sich die kleinen Brüste auf. Es nimmt das Beil und hackt sich die Nase in zwei Teile.» Ende der Leseprobe, weiterlesen in ENSUITE im Abonnement oder hier grosszügigerweise zu WEIHNACHTEN UND CHANUKKA 2023: www.ensuite.ch/literaturblog

Erika Freemans Jahrhundertleben – zauberhaft in Dirk Stermanns Buch. Im Foto Erika Freeman und Regula Stämpfli, die dem zauberhaften Impressario des Café Korbs, Franz Schubert, für dieses Treffen und überhaupt alles dankt. Das Jahrhundertleben ist DAS Weihnachtsgeschenk für 2023. Und: Chanukka 2023 – chag urim sameach.

Dieser Essay ist Franz Schubert gewidment. Ohne ihn und das Café Korb wäre ich nie nach Wien gekommen. Ich bin ihm und dem schönsten Café in Wien ewig verbunden. Hier der Link zum Onlinetext: https://www.ensuite.ch/nie-wieder-ist-jetzt-erika-freemans-jahrhundertleben/

Von Dr. Regula Stämpfli — «Mir geht’s gut, wenn nicht heute, dann morgen.» Erika Freemans Optimismus macht Lust auf viele jüdisch-westlich-amerikanische Zukünfte. Nun ist ein wunderbar leichtes Buch mit grossem Tiefgang erschienen über eine, die von sich selbst sagt, sie sei die «Enkelin Freuds».

Die Kombination «alte Frau mit jungem Mann» ist eine charmante Zusammensetzung. Sie ist viel fruchtbarer als der bekannte Gegenpart «alter Mann mit junger Frau». Der fast 60-jährige Dirk Stermann, seines Zeichens bekannter ORF-Moderator («Willkommen Österreich»), gebürtiger Deutscher, und die mittlerweile 96-jährige Psychoanalytikerin Erika Freeman haben zusammen ein Buch gemacht, das unter jeden Weihnachtsbaum gehört. Die Mittwochsgespräche der beiden im Hotel Imperial in Wien verbinden unterschiedliche Zeitebenen und sind hochaktuell. Es geht einerseits um die Lebenserinnerungen der grossen US-amerikanischen Psychoanalytikerin und Entertainerin sowie um Wien, Israel und die USA heute. Es geht auch um die Storys dieser Räume, die ohne jüdische Menschen dem Untergang geweiht sind. Die Nazi- und die Sowjetherrschaft über Europa haben Leerstellen verursacht, die bis heute schmerzen. Erinnern wir uns hier deshalb nur an ein paar Frauen, die Wien verlassen mussten und, wären die verdammten Österreicher damals nicht Nazis geworden, ganz Europa hätten mitverändern können. Und zwar so, dass wir 2023 nicht wieder in dem braunen, linksextremen, antisemitischen Sud in unseren westlichen Grossstädten zu ersaufen drohten.

Da wären Maria Austria, geborene Marie Karoline Östreicher, DIE Avantgarde-Mode- und Porträtfotografin, Lotte Lenya, die umwerfende Kurt-Weill-Interpretin, Hedy Lamarr, Filmstar, Erfinderin von Funksteuerungen etc., Trude Fleischmann, eine weitere Porträtfotografin der Moderne, und Vally Wieselthier, die Keramikkünstlerin der Wiener Werkstätten, um nur einige zu nennen. Sie waren Jüdinnen, Intellektuelle, Weltmenschen, in Wien geboren und wurden mit Gewalt aus ihrer Heimatstadt vertrieben.

Dieses «vertrieben» klingt im Jahr 2023 nicht nach der Gewalt, die dieser Begriff real verkörpert. Mit diesen Frauen hörten die Wesen, die Körper, die Dinge, die Palais, die sie bewohnten, die Schulen, die sie besuchten, die Institutionen, die sie erfanden, von denen sie Teil waren, und die Zukunft für alle Frauen ihrer Art auf. Die Zerstörung des europäischen Judentums zieht bis heute Leerstellen nach sich und neu auch blutige Spuren durch die fehlgeleiteten Massen, die unsere Demokratien mit Demonstrationen zerstören, indem sie entsetzliche antisemitische Slogans schreien. Diese Fratzen und Fahnen ähneln so sehr dem Damals, dass das Heute für mich in deutschen Städten fast unerträglich geworden ist. «Vor Antisemitismus ist man nur noch auf dem Monde sicher», meinte einmal Hannah Arendt, und selbst da ist schon ein Elon Musk.

Deshalb ist «nie wieder» genau «jetzt»! Dazu passt das Buch über das Jahrhundertleben von Erika Freeman perfekt. Wie wohltuend der Titel: «Mir geht’s gut, wenn nicht heute, dann morgen». Ich las die fast 250 Seiten im schönsten Café Wiens, im Café Korb. Zwischendurch schaute dessen Impresario, der grosse Franz Schubert, vorbei, ein Herz von einem Menschen, ein wunderschöner Mann. Diesem ist es übrigens zu verdanken, dass wir alle von Erika Freeman hören. Denn es war Franz Schubert, der Erika Freeman ins Radio, ins TV und jetzt auch in den «Spiegel» brachte; er stellte sicher, dass nicht wieder eine grosse Wienerin von den Wienern erst dann verehrt wird, wenn sie sich tot nicht mehr gegen die Vereinnahmung wehren kann.

Erika Freeman wurde 1927 als Erika Polesiuk in Wien als Tochter einer Lehrerin und eines Arztes geboren, machte in den USA eine unglaubliche Karriere, die die Staatengründung Israels, die Verbreitung von Sigmund Freuds Psychoanalyse in den USA sowie die amerikanische Entertainmentindustrie umfasste. Nach Wien kam Erika Freeman wie alle Exilwiener nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst gar nicht gerne zurück. Und 1961, das erste Mal wieder in der Geburtsstadt, wurde Erika Freeman von einem Sternehotel rüde wieder auf die Strasse gesetzt. Doch 2019 fand sie in Wien eine neue Heimat. Sie traf an einer Veranstaltung, an der sie geehrt wurde – «They tried to kill me, now they decorate me!» –, Franz Schubert, zog ins Hotel Imperial in Wien und blieb in der wieder erblühten schönsten Stadt Europas. Diese «Rache an Hitler» geht sich gut aus im Hotel Imperial; Dr. Freeman wird dort wie eine Königin behandelt, und das ist richtig so: «Hitler war nur ein einziges Mal im Imperial. Ich wohne hier.» Erika Freeman überlebte den gescheiterten Postkartenmaler aus Österreich, selbst ihr Vater konnte den Nazi-Schergen entkommen. Erikas Mutter hingegen überlebte die Verfolgung zwar bis fast zum Kriegsende, doch am schrecklichen 12. März 1945 verbrannte sie in einem Wohnblock nur wenige Minuten vom Hotel Imperial entfernt; er wurde von den Bomben der Alliierten in Brand gesetzt. Davon erfuhr Erika Freeman glücklicherweise erst viel später und sie trauert bis heute: «Ich verstehe den lieben Herrgott nicht.» Es ist so kurz vor dem Ende, und dann stirbt die Mutter ausgerechnet ob der Bomben der Befreier.

Schnitt in die Gegenwart: Freeman hat Familie in Israel, und der 7. Oktober hat alles verändert, was an Zuversicht und Sicherheit in Israel war. Auch Freemans Familie musste vor Bomben und Hamas-Terror nach Haifa und Tel Aviv flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen. Erika Freeman meint dazu trocken: «Every war could be Vernichtung sein für die Juden.» Sie sagt dies in ihrer einzigartigen amerikanisch-wienerischen Mischung, mit Idiom und Schalk und Trauer, die unvergleichlich sind. Weiter meint sie gegenüber dem «Spiegel», der unbedingt über Aktualität reden will: «Judenhass ist eine Krankheit wie Krebs», doch sie wirft sofort hinterher: «Sorgen mache ich mir keine. Es macht dich nur schwach und dumm.»
Über Schnittlauchbrot, einem Ei im Glas, einem Joghurt nature «mit gerissenem Apfel und Himbeeren», der obligaten Melange und einer kleinen Tasse voller Kaffee treffen sich in Wirklichkeit und Buch der junge Herr Stermann, auch bald 60 Jahre alt, und die ewig junge Erika Freeman im besagten Imperial. «Be nice to yourself. You are entitled. Du hast das Recht dazu. Write yourself little Zettel how good you are and put them in your pockets», rät sie ihren Mitmenschen und ihren Patientinnen und Patienten, die sie immer noch online oder in einer der Residenzsäle des Imperial direkt behandelt. Dr. Freeman – sie mag ihren Titel, denn «Frau Freeman» sei ihre Schwiegermutter gewesen – ist nicht nur selber berühmt, sondern hat auch illustre Verwandtschaft. Dazu gehören Israel Ben Elieser, der Gründer der chassidischen Bewegung, und Ruth Klüger-Aliav. Letztere wurde 1910 in Kiew geboren, war ukranisch-israelische Zionistin, begründete im Jahr 1939 den israelischen Geheimdienst Mossad mit und organisierte die Flucht Tausender bedrohter europäischer Juden. Ruth Klüger-Aliav ist die Schwester von Erika Freemans Mutter, die ihrerseits die Vorlage abgibt für den Roman und den Film «Yentl», also die wahre Geschichte einer Frau, die lesen, schreiben und leben will, wie die orthodoxen Männer dies dürfen. Frauen spielen die Hauptrolle in Erika Freemans Leben: Barbra Streisand, Hillary Clinton, Lauren Bacall, Anaïs Nin, Elizabeth Taylor und viele andere mehr. «Wir waren Schneeflocken, die die Frauenbewegung weltweit zur Lawine machten.» Die Männer, well, das waren Paul Newman, Woody Allen, Marlon Brando u. a., doch über Patienten spricht sie eigentlich nie; die Namen sind alle durch die Prominenten selber bekannt geworden. Dr. Freeman war in den USA im Radio zu hören, im Fernsehen dauerpräsent – Arbeit hält sie bis heute am Leben. Ihr Motto? Sie verbannt alles Negative aus ihrem Leben: «Es zahlt sich nicht aus. Es macht krank. Es ist ansteckend. Also steck lieber mit Gesundheit an, nicht mit Krankheit.»

Traurig bleibt indessen Erika Freemans Beziehung zur Mutter. Die zwölfjährige Erika reiste allein über Amsterdam nach New York und schrieb ihrer Mutter kein einziges Mal. Weshalb? Weil sie sich weggeschickt gefühlt habe. Dieses zwölfjährige Kind, das wie alle Zwölfjährigen ungerecht und trotzig bleibt und dessen Gefühl die Türe zur Liebe der Mutter so verschlossen hat, dass die Tochter der Mutter nie sagen konnte, wie sehr sie sie doch verehrt hatte. Das ist das Einzige, was sich Erika Freeman nicht verzeihen kann. Dafür traf Erika Freeman durch einen unglaublichen Zufall – vielleicht sollte man den Herrgott nicht verstehen, sondern ihr (!) nur danken – ihren Vater. Dieser war ausgerechnet am höchsten jüdischen Feiertag, an Jom Kippur, am Broadway und rannte in seinen Bruder hinein – mehr Schicksal ist nicht möglich. Zwei totgeglaubte Juden sehen sich auf dem Broadway in New York: auf der Strasse, weil beide nicht in der Synagoge sind. Seitdem, so Erika Freeman, ist das Unmögliche nie mehr unmöglich oder, wie ich dieses Buch lese: Es ist höchste Zeit für Wunder – glauben wir nicht an diese, sondern machen wir sie doch, und zwar lieber heute als morgen.

Dirk Stermann. Mir geht’s gut, wenn nicht heute, dann morgen. Erika Freeman. Ein Jahrhundertleben, Rowohlt 2023