Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.

Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.
Sprechaktpolitik statt Journalismus: Wie ÖRR & Leitmedien einen Terroranschlag in der Grösse eines neuen 9/11 mit Ziel Tel Aviv verharmlosen, nicht benennen und dadurch den Dschihadsmus, die Schlachten der ISLAMISTEN legitimieren. Regula Stampfli/laStaempfli über das Zeitalter algorithmischer Reproduktion und dessen Folgen für die mediale Demokratie.

Die Zerstörung der Grammatik der Tatsachen. UPDATE zu 9/11 auf Tel Aviv, 3. Oktober 2026: Die «Auseinandersetzung» war ein Terrorakt. Regula Stämpfli, laStaempfli über Algorithmen, Codes, Medien und weshalb der Journalismus unsere liberalen Demokratien mehr und mehr verrät.

Einen Tag nach Veröffentlichung von Regula Stämpflis Medienkritik (siehe https://x.com/laStaempfli/status/2105604654214033538 und weiter unten im Beitrag) ist aus der vermeintlichen «Auseinandersetzung im Cockpit» offiziell geworden, was die Tatsachen von Anfang an nahelegten: ein Terrorakt.

“Die Generalstaatsanwaltschaft der Vereinigten Arabischen Emirate bezeichnet den Angriff auf Flydubai-Flug 1073 inzwischen als terroristische Tat. Der Copilot soll den Kapitän nicht bloss mit einem Messer, sondern mit einer im Cockpit befindlichen Notfallaxt angegriffen und versucht haben, die Kontrolle über die nach Tel Aviv fliegende Maschine zu erlangen. Berichten zufolge war er bereits früher wegen extremistischer Auffälligkeiten vom Flugbetrieb ausgeschlossen worden. Das Medien immer noch über die Motive spekulieren, ist sehr seltsam und zeigt, wie weit die Legitimierung islamistischen Terrors durch eine individuelle Motivlage fortgeschritten ist. Vor 25 Jahren wäre es keinem Menschen in den Sinn gekommen, die Motive 9/11 je nach Täter unterschiedlich, auszuklabüstern. Die Urteilskraft, was Terror, Täter und Islamist und wer Opfer ist, wird im „Zeitalter algorithmischer Reproduktion“ regelrecht ausgesetzt. Damit erhält das anfängliche Sprachversagen von BBC, ARD, SRF, New York Times und anderen Medien eine zusätzliche Dimension. Die ÖRR & Leitmedien meldeten eine «altercation», einen «fight», einen «struggle», eine «Auseinandersetzung» oder einen «Vorfall». Nun erklären die zuständigen Behörden: Terror.

Aus der Prügelei wurde ein Terroranschlag, ohne dass sich die Tat nachträglich verändert hätte. Verändert hat sich lediglich die behördliche Erlaubnis, die linksislamistisch sensible öffentlich-rechtliche Medien brauchen, um überhaupt den Terror beim Namen zu nennen.

Genau darin liegt das Problem.

Journalistische Vorsicht verlangt, ein noch nicht erwiesenes Motiv als unbestätigt zu kennzeichnen. Sie verlangt nicht, bereits bekannte Handlungen sprachlich zu verniedlichen. Ein Angriff mit einer Axt ist keine Auseinandersetzung. Ein Sturzflug mit 174 Passagieren ist kein Streit unter Kollegen. Der Transpondercode für widerrechtliche Einwirkung ist kein atmosphärisches Missverständnis. Wer Täter und Opfer unter dem Wort «Konflikt» zusammenführt, informiert nicht vorsichtig. Er zerstört die Grammatik des Geschehens.

Die Tatsachen lagen vor. Nur die Wörter durften ihnen nicht folgen.

Schreiben, was ist. Regula Stämpfli.
Schreiben, was ist. Regula Stämpfli.

Hinter dieser sprachlichen Vernebelung steht ein tieferes Problem: die Furcht, eine islamistische Motivation auch nur als begründete Möglichkeit zu benennen. Nicht aus Mangel an Anzeichen, sondern aus Angst vor dem politischen Vorwurf, «islamophob» zu berichten.

So entsteht ein perfekter ideologischer Zirkelschluss:

Islamistische Gewalt darf nicht als islamistisch bezeichnet werden, solange das Motiv nicht abschliessend bewiesen ist. Hinweise auf Radikalisierung dürfen aber ebenfalls nicht offen diskutiert werden, weil bereits deren Thematisierung als Vorurteil gegenüber Muslimen gilt. Wer dennoch fragt, gerät unter Islamophobieverdacht. Und weil kaum jemand diesen Verdacht riskieren will, verschwindet die Wirklichkeit aus der Berichterstattung, die dann zur Wiederholung der islamistischen Ideologie verkommt.

Am Ende gibt es eine Tat ohne Weltanschauung, einen Täter ohne Absicht und Opfer ohne erkennbaren Grund.Das ist keine Rücksichtnahme auf Muslime. Es ist die Preisgabe journalistischer Urteilskraft.

Der Islam ist eine Religion, der Islamismus eine politische Herrschaftsideologie und der Dschihadismus deren terroristische Zuspitzung. Muslimische Menschen verdienen Schutz vor Hass und Diskriminierung. Religionen, Verbände, politische Bewegungen und totalitäre Programme müssen hingegen kritisiert und zwecks Überleben der liberalen Demokratie auch rechtsstaatlich und aktiv bekämpft werden dürfen. Wer diese Ebenen absichtlich vermischt, schützt nicht Menschenrechte. Er errichtet ein informelles Blasphemieverbot.

Terroristen und ihre und ihre westlichen Apologeten profitieren genau von dieser Vermischung: Sie stellen Kritik an einer politischen Ideologie als Angriff auf eine Bevölkerungsgruppe dar. Aus dem Schutz von Menschen wird der Schutz einer Weltanschauung. Aus Antidiskriminierung wird Zerstörung der liberalen Demokratie.

Das ist der Wahnsinn unserer Gegenwart: Eine Ideologie wird aus ideologischen Gründen vor ihrer Benennung geschützt.

Diese Sprachpolitik macht zwei Gruppen unsichtbar.

Sie macht zunächst die Opfer islamistischer Gewalt unsichtbar: Juden, Israelis, säkulare Muslime, Ex-Muslime, Frauen, Homosexuelle, Oppositionelle, Journalistinnen und all jene, die unter religiös begründeter Herrschaft leben oder vor ihr geflohen sind.

Und sie macht jene Muslime unsichtbar, die selbst gegen Islamismus kämpfen. Wer jede Kritik und Benennung des politischen Islam als «islamophob» bezeichnet, unterstellt letztlich, alle Muslime müssten mit islamistischen Forderungen identifiziert werden. Genau das ist die Pauschalisierung, die angeblich bekämpft werden soll. Die erste Pflicht des Journalismus lautet deshalb nicht, eine Religion zu schützen oder eine politische Empfindlichkeit zu verwalten. Seine erste Pflicht gilt der Wirklichkeit und sagen, was ist.

Origiginalartikel auf X von Regula Staempfli: *** „Auseinandersetzung“: Wie BBC, ARD, SRF, N.Y. Times einen Anschlag als Auseinandersetzung in der Teeküche behandeln.

Von Regula Stämpfli

Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpittür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug.

Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.

CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.

George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.

Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.

Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.

Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.

Wer die Rettung wie SRF als Würdigung durch Würdenträger erzählt, erzählt nicht den Flug. Er erzählt die eigene Angst vor dem Wort. Orwell hätte dies sofort entlarvt, Hannah Arendt hätte dies dokumentiert. Es ist eine Schande, eine bösartige Manipulation und eine organisierte Desinformation, die hier dokumentiert werden muss

“Die Hannah Arendt Kontroversen.” Nächte der Philosophie von Regula Stämpfli, update mit #HannahArendtLectures 2026: Zehn Thesen gegen die politische Vereinnahmung der Philosophin Hannah Arendt.

Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Welt vor den Algorithmen retten. Alle Weisheit dieser Welt. Beitrag von Regula Stämpfli zu Hannah Arendt.
Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Demokratie in Zeiten digitaler Reproduktion retten.

Audio: https://www.podcast.de/episode/641278025

Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung

Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026

1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden

Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.

2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk

Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.

3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit

Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.

4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit

Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.

5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts

Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?

6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen

Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.

7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin

Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.

8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt

Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.

9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben

Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.

10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung

Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.

Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.

Ein Mann zwischen zwei Welten – und die Medien, die nur eine davon sehen. George Weinberg über die “The Art of Disagreement” – Die Kunst des politischen Widerspruchs auf Art is a Piece of Cake. Mit Regula Stämpfli.

George Weinberg und Regula Stämpfli im Gespräch über die Kunst des Widerspruchs, über die Kunst der Politik.
George Weinberg und Regula Stämpfli im Gespräch über die Kunst des Widerspruchs, über die Kunst der Politik.

Ein Land, zwei Lager und eine politische Debatte, die festgefahren scheint. Wenn wir über die Zukunft der westlichen Welt sprechen, fällt ein Name unweigerlich zuerst: Donald Trump. Für die einen ist er ein rotes Tuch, für die anderen ein notwendiger Disruptor. In diesem Podcast geht es um die Kunst der Politik und das Experiment, die eigene laStaempfli Komfortzone der links-feministischen Bubble zu verlassen und einen sehr klugen Gesprächspartner zu Wort kommen zu lassen. Wir blicken mit George Weinberg (Unternehmer, Berater, Geschäftsführer “Grundwert USA” und Republicans Oversees) hinter die Kulissen der Macht und fragen: Was, wenn der radikale Bruch mit den alten Konventionen genau das ist, was das System braucht?

Zu Gast ist heute George Weinberg. George Weinberg ist einer der profiliertesten politischen Vertreter der US-Republikaner im deutschsprachigen Raum. Als Vorsitzender und Geschäftsführer der Republicans Overseas Germany repräsentiert er die Interessen der konservativen US-Bürger im Ausland und gilt als überzeugter Verfechter des Trump-Flügels (der MAGA-Bewegung). George Weinberg und Regula Stämpfli sprechen über eine Stunde zur Kunst der Politik, zum Mediafail der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland, wenn es um die USA und Israel geht, wir reden über strategische Allianzen und die steile These, weshalb Donald Trump am Ende gut für uns alle sein könnte. Ein Gespräch über Realpolitik abseits der gängigen Schlagzeilen. Schärfen Sie Ihre Argumente, öffnen Sie den Geist – und los geht’s. Zur Webseite George Weinberg, https://www.republicans-germany.de/blog

Kunst entsteht nicht nur dort, wo Menschen einander bestätigen. Sie entsteht auch im Widerspruch, in der Reibung und im Versuch, eine andere politische Wirklichkeit zu verstehen, ohne sie sich zu eigen zu machen.

Eine persönliche Bemerkung von Regula Stämpfli. Mein heutiger Gast, Dr. George Weinberg, vertritt in mehreren Fragen deutlich andere Positionen als normalerweise auf Art Is A Piece of Cake geäussert werden. Besonders in der Einschätzung der AfD liegen Regula Stämpfli und George Weinberg weit auseinander. Gerade deshalb veröffentliche ich dieses Gespräch. Ein Podcast ist kein Gesinnungszertifikat und ein Interview keine Zustimmungserklärung. Art is a Piece of Cake versteht Kunst auch als Kunst des Gesprächs: als Fähigkeit, Unterschiede auszuhalten, Widerspruch kenntlich zu machen und dennoch zuzuhören. Das folgende Gespräch dokumentiert eine demokratische Begegnung auf Augenhöhe – etwas, das viel zu selten passiert.

Regula Staempfli: “Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in den Nächten der Philosophie in Wien 2026 (Das Dorf.)

Audio: https://www.podcast.de/episode/704685149

Willkommen im gleichzeitigen polit-philosophischen Denken zu:

  • Institutionen,
  • Körper,
  • Codes,
  • Geschichte,
  • Narrative
  • Neue Architektur der Macht zu den Themen Krieg und Pornokratie

Ich nähere mich meinem Thema Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in drei Schritten:

Zunächst zehn Thesen zu Krieg, zehn zu Pornokratie und dann zehn Thesen von mir, wie wir Krieg und Pornokratie neu denken sollten. Einen Spoiler schon jetzt: Es geht um Menschenfleisch, den Austausch, den Transfer von Körper und Kapital, der in der Geschichte der letzten 6000 Jahre entlang gesellschaftlich gültige Narrative für die radikal sozialen Tiere namens Menschen von globalen Eliten organisiert wurden. Und ja: Es gibt durchaus Narrative, Menschenbilder, die besser sind als andere. Darin unterscheide ich mich vehement von den Sophisten, die Meinungen zu Fakten umdeuten und momentan im Zeitalter digitaler Reproduktion wieder die totalitäre Mehrheit bilden oder zumindest daran sind, diese zu etablieren.

Doch eines ist einfach zu verstehen: In der Menschheitsgeschichte gibt es Menschen, die ihr Fleisch zum Verkauf, zur Miete, zum Gebrauch anbieten müssen, verwendet und verkauft werden, und es gibt ein paar Akteure, Institutionen und Ideologien, die exakt benennt werden müssen, die dieses Menschenfleisch für sich in Anspruch nehmen. Menschen sind Körper, die beschriftet werden. Diese Beschriftung erfolgt zunächst durch mächtige Erzählungen und nistet sich dann unter die Haut ein. Krieg und Pornokratie, die die sog. Sexarbeit strukturiert, also Körperteile auf Zeit als Verfügungsmasse für eine schmale Elite bereitzustellen, lässt sich in die Menschheitsgeschichte einordnen. Es gibt nur eine kurze befreite Epoche, die diesen Tausch verändert hat und zwar die liberale Demokratie.

Pornokratie. Was für ein Wort. Es klingt nach spätrömischer Dekadenz, nach vergoldeten Leibern auf zerfressenen Imperienthronen, nach Pasolini-Filmen voller Dreck, Blut, Sperma und Macht, nach jener letzten Phase einer Kultur, in der der Körper nicht mehr als menschlicher Ausdruck, sondern nur noch als zirkulierende Oberfläche wahrgenommen wird. Und doch beschreibt das Wort die Gegenwart erschreckend präzise. Wir leben in einer Zeit, in der Krieg pornographisch geworden ist und Pornographie kriegerisch. Beide operieren mit denselben Mechanismen: Entmenschlichung, Wiederholung, Emotionalisierung, Reizüberflutung und algorithmischer Verstärkung. Der Körper ist nicht mehr Person, sondern Content. Das Opfer ist nicht mehr Mensch, sondern Bildträger. Und die Gewalt verschwindet paradoxerweise gerade dort, wo sie pausenlos sichtbar wird.

Der Krieg wird ästhetisch konsumiert wie eine Netflix-Serie. Und gleichzeitig wird Pornographie politisch aufgeladen. Jeder Körper wird ideologisch lesbar gemacht. Geschlecht, Hautfarbe, Opferstatus, sexuelle Orientierung, Trauma – alles verwandelt sich in codierte Zeichen innerhalb eines gigantischen digitalen Bedeutungsmarktes. Pasolini verstand dies früher als viele andere. Sein „Salò“ war nie bloss ein Skandalfilm, sondern eine philosophische Diagnose. Der Faschismus, so Pasolini, herrscht nicht allein durch Ideologie, sondern durch die totale Verfügbarkeit des Körpers. Die Konsumgesellschaft vollendet das, was die alten Diktaturen begonnen haben. Der Mensch wird Ware. Der Körper wird Objekt. Das Begehren wird industriell, neu codiert organisiert. Heute, Jahrzehnte später, erscheint Pasolini beinahe prophetisch. OnlyFans, KI-generierte Pornographie, Deepfake-Sexvideos und algorithmische Datingmärkte verwandeln Intimität in eine globale Ökonomie. Millionen junger Frauen und Männer wachsen in einer Welt auf, in der Selbstobjektivierung nicht Ausnahme, sondern Normalität geworden ist. Und gleichzeitig explodiert die Einsamkeit

Menschenfleisch war historisch immer Verhandlungsmasse: Als Söldner und Soldaten verkauft wurden, als Mädchen und Frauen als Tribut, als Sklavinnen der siegenden Macht ausgeliefert wurden. Einzig die westlichen liberalen Demokratien haben dies verändert. Kein Wunder, dass von globalen Eliten sehr mächtig und eindrucksvoll versucht wird, Menschenfleisch wieder ohne Probleme verkaufen und verhandeln zu können. Sei dies via Codes, automatisiert, sei dies für Kriege, kurz, die Errungenschaft der Moderne, die aus dem Christentum stammt, die Sklaverei zu verbieten, soll rückgängig gemacht werden und es ist eindrucksvoll wie Medien, Kulturschaffende, Intellektuelle dies wie in der Sowjetunion, wie in den sozialistischen und marxistischen Totalitarismen in Verbindung mit der jüngsten faschistischen Strömung, dem Islamismus, mittels Codes tatsächlich zu schaffen scheinen.

In der Geschichte der Philosophie spielt das Menschenbild die grundsätzliche Rolle für das jeweilige politische System. Wir wissen dies von den Souveränitätslehren der Aufklärung; Je nach Menschenbild entwickelt sich Herrschaft. Im Zeitalter codierter Fiktionen und Reprioduktionen ist das Menschenbild eines, das auf Auflösung der Biologie basiert. Wie im Christentum wird der Körper verteufelt, dafür die Ideologie geheiligt: Die Seele und auch den Geist gibt es nicht, dafür den Code, den Sprechakt, der Biologie auflösen soll. Krieg und sexuelle Gewalt sind immer an Narrativen gekoppelt. Denn kein Mensch führt aus freien Stücken Krieg, kein Mensch, ausser den Perversen, den krank sozialisierten und stumpfen Männern, würde einfallen, die schlimmste sexuelle Folter anzuwenden, ausser eben es gibt ne gute Geschichte dazu. Dann ist alles machbar. Die neuen technischen Mittel werden immer zuerst auf Krieg und Pornographie angewendet. Bildgebende Verfahren operieren seit über 150 Jahren mit Bildern, die emotionalisieren, entmenschlichen, Unaussprechliches legitimieren.  „Im Zeitalter der digitalen Reproduktion“ sind die ikonografischen und philosophischen Bilderrevolutionen algorithmisch verstärkt. Es verschränken sich so ideologische Narrative und materielle Politik: Der Körper wird zur Ware, das Schlachtfeld zum Content, Gewalt zur ästhetischen Oberfläche. Künstliche Intelligenz, Plattformen wie Grok, Gemini, ChatGPT beschleunigen diesen Prozess und produzieren Informationen, die auf Deepfakes, KI-generierten Bildern, basierend auf codierten pornographischen Menschenbildern bauen und Krieg inszenieren, lange bevor die Fakten überprüft sind. Schlimmer noch: Die Wirklichkeit, wie in jedem Krieg, spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr und wer es wagt, Wahrheit, Fakten zu schreien, wird hingerichtet.

Aufruf zum Guten: Wagt mehr Wirklichkeit!

https://www.podcast.de/episode/704685149

Die Podcastin über Codes: Isabel Rohner und Regula Staempfli über den Zusammenhang von Biopolitik und Grundgesetz. Und sie feiern Dolly Parton.

Regula Stämpfli fotografiert HR Giger in Gruyère 2026.
Regula Stämpfli fotografiert HR Giger in Gruyère 2026.

https://diepodcastin.de/2026/08/30/die-podcastin-on-codes-isabel-rohner-und-regula-staempfli-ueber-den-zusammenhang-von-biopolitik-und-grundgesetz

Die Pornografisierung des Alltags – über Codes, Körper und Verfügungsgewalt von Regula Stämpfli, copyright (c)2026.

Hintergrund sind die Medienberichte eines Mordes einer 16-Jährigen in Australien in der BBC und dem The Guardian, die über den Tod durch “suspected chocking during sex” spekulieren. Die Polizei ermittelt, die Medien und deren Berichte sind abscheulich, aber typisch für die Ideologie-Information im Zeitalter digitaler Reproduktion. Nochmals: Im australischen Fall ist bisher weder eine Vergewaltigung noch ein Mord gerichtlich festgestellt. Die Polizei untersucht den Tod einer Sechzehnjährigen nach mutmasslicher Strangulation. Gerade deshalb ist die sprachliche Kritik entscheidend: Auch der Ausdruck «sexual choking» behauptet bereits eine Deutung. Er verwandelt Strangulation in eine sexuelle Praktik und Gewalt in eine Spielart des Begehrens. Regula Stämpfli nimmt diesen Fall, um über den engen Zusammenhang zwischen Codierung und aktueller Politik auch in Deutschland, nachzudenken.

1. Die Pornografisierung beginnt mit der Sprache

«Sexual choking» klingt nach einer sexuellen Präferenz. Strangulation bezeichnet dagegen, was mit einem Körper geschieht: Ein Mensch drückt einem anderen Menschen die Luft oder Blutzufuhr ab. Das eine Wort kommt aus der Unterhaltungsindustrie, das andere aus Medizin und Strafrecht. Wer Strangulation als «choking» bezeichnet, übernimmt bereits das Wörterbuch der Pornografie. Die Gewalt verschwindet nicht – aber ihr Name verschwindet.

2. Pornografie ist nicht Sex, sondern Macht

Sex setzt Gegenseitigkeit voraus: Wahrnehmung, Berührung, Antwort, Überraschung, die Möglichkeit des Rückzugs. Pornografie verwandelt diese Intimität in einen öffentlichen Raum, in ein Drehbuch. Pornographie ist nicht Sex – Pornografie ist Macht. Körper werden positioniert, kategorisiert, verfügbar gemacht und für einen fremden Blick zurechtgeschnitten. Deshalb handelt Pornografie im Kern weniger von Sexualität als von Verfügungsgewalt: Wer tut was mit wem? Wer schaut zu? Wer verdient daran? Wer bleibt als Person, Subjekt unsichtbar?

3. Der Code macht aus Gewalt eine Identität

Im codierten Zeitalter genügt eine neue Bezeichnung, um eine bisher verachtungswürdige Handlung zu transformieren, zu legitimieren und konstant die menschliche Würde zu verletzen. Aus Würgen wird «breath play», aus Erniedrigung ein «Kink», aus Verletzung und Folter eine «Präferenz». Der Sprechakt soll den Körper überstimmen. Doch ein Code kann den Sauerstoffmangel nicht wegdefinieren. Folter hinterlässt körperliche Spuren, selbst wenn sie als BDSM cachiert werden. Junge Frauen machen alles mit, um dazu zu gehören. Remember? Männer haben Angst, lächerlich gemacht zu werden, Frauen haben Angst, ermordet oder aus der Gesellschaft ausgeschlossen zu werden. Frauen machen alles mit. Jede Religion, jede Widerlichkeit, jede “Kultur”, wenn sie Mehrheit ist. Frauen sind zur Anpassung hergerichtet, nicht für den Widerstand. Ist eine Frau widerständig, wird sie meist zuerst von den Frauen schon ausgeschlossen.

4. «Consent» wird zum Ablasswort der Verfügungsgewalt

Ein Ja ist wichtig, aber es verwandelt nicht jede Handlung in eine harmlose Handlung. Menschen können weder in schwere Körperverletzung noch in ihren eigenen Tod einwilligen. Trotzdem wird «Consent» zunehmend wie ein magischer Freispruch verwendet: Zustimmung ausgesprochen, Verantwortung erledigt. Dabei kann Einwilligung durch Angst, Pornoskripte, Gruppendruck und emotionale Abhängigkeit vorgeformt sein. Laut einer britischen Untersuchung hatten schon 43 Prozent der sexuell aktiven Sechzehn- und Siebzehnjährigen körperliche Erfahrungen mit Strangulation – weshalb dies kein Skandal, kein Thema ist, ist unerhört. Die Pornografisierung des Alltags ist zur Pornokratie der jungen Generationen geworden.

5. Pornografie besetzt jede neue Technik

Fotografie, Film, Videokassette, Kabelfernsehen, Kreditkartenzahlung, Streaming, Webcam, Smartphone, algorithmische Empfehlung, Virtual Reality und künstlich erzeugte Bilder: Pornografie wartet nicht auf technische Entwicklungen, sie erprobt und kommerzialisiert sie. Das ist kein Nebeneffekt. Die Pornografieindustrie erkannte früh, dass Scham, Geheimhaltung und unmittelbare Bedürfnisbefriedigung ideale Bedingungen für digitale Bezahlmodelle schaffen.

6. Pornografie war ein Labor des kommerziellen Internets

Pornografie hat das bezahlte Internet nicht allein erfunden. Sie hat jedoch Abonnements, Affiliate-Marketing, personalisierte Werbung, diskrete Onlinezahlungen und datenbasierte Kundenbindung früh vorangetrieben. Die hervorragende Bayern-2-Serie «Der Pornhub-Effekt» erzählt, wie aus einer technischen Geschäftsidee eine globale Infrastruktur entstand.

7. Der Pornhub-Code hat den Alltag erobert

Auf Plattformen wird der Mensch nicht als Person, sondern als abrufbare Kategorie organisiert. Suchbegriffe zerlegen Körper nach Alter, Hautfarbe, Herkunft, Handlung und angeblicher Vorliebe. Dieselbe Logik regiert inzwischen soziale Medien und Datingplattformen: auswählen, wegwischen, bewerten, ersetzen. Die Pornografisierung des Alltags bedeutet deshalb nicht, dass überall nackte Körper erscheinen. Sie bedeutet, dass Menschen einander nach der Logik des pornografischen Katalogs wahrnehmen.

8. Die alte Herrschaft kehrt als individuelle Freiheit zurück

Das Neue an der Pornografisierung ist ihre moralische Tarnung. Die Unterwerfung wird nicht mehr befohlen, sondern als Selbstverwirklichung angeboten. Vor allem Mädchen und junge Frauen sollen Gewalt nicht nur erdulden, sondern als eigene Lust bezeichnen. Der Körper soll lächeln, während er zugerichtet wird. So wird Anpassung zur Emanzipation umcodiert und jede Kritik als Prüderie, Intoleranz oder «Kink-Shaming» abgewehrt.

9. Patriarchale Religion und Pornografie sind feindliche Zwillinge

Religiöser Fundamentalismus verhüllt den weiblichen Körper, Pornografie entblösst ihn. Doch beide können derselben Machtordnung folgen: Der Körper der Frau erscheint als öffentlich zu kontrollierendes Gebiet. Hier wird er aus Scham bedeckt, dort für den Markt geöffnet. Die Frau als handelnde Person verschwindet zwischen Heiligkeit und Ware. Pornografisierung und religiöser Autoritarismus widersprechen sich deshalb weniger, als ihre jeweiligen Vertreter behaupten.

10. Fortschritt beginnt mit der Rückeroberung der Wörter

Wir glaubten, Menschen, Maschinen und Gesellschaften seien weiter. Tatsächlich multiplizieren die Maschinen oft nur die ältesten Herrschaftsbilder der Menschheit. Der erste Widerstand besteht deshalb in sprachlicher Genauigkeit: Strangulation heisst Strangulation. Gewalt heisst Gewalt. Ein Tod durch Pornokratie, soll nicht in einem Vokabular einer sexuellen Präferenz verschwinden. Sexuelle Präferenzen sind zu unterscheiden: Es gibt menschenwürdige und solche, die nie und nimmer zum Mainstream werden sollten. Die Pornografisierung des Alltags ist der biopolitische Paradigmenwechsel unserer Zeit: Der menschliche Körper wird zur programmierbaren Oberfläche, die Gewalt zum Lifestyle und Herrschaft zum individuellen Wunsch. Die Gegenbewegung beginnt dort, wo wir die Codes sichtbar machen. Denn kein Algorithmus, kein Sprechakt und keine sexuelle Erzählung darf aus einem Menschen eine verfügbare Sache machen.

Und hier die Warnung: Die Pornografisierung des Alltags soll nun im Grundgesetz in Deutschland fixiert werden: Unter der Initiative eines CDU-Landes, das in den Bundesrat die biopolitische Kategorie der “sexuellen Identität” eingeführt hat. Damit wird erneut – wie schon beim Selbstbestimmungsgesetz – ein Sprechakt zur politischen Kategorie, der alle Tore öffnet zur Zerstörung der Menschenwürde von Kindern, Mädchen und Frauen. Hier zeigt sich der biopolitische Paradigmenwechsel des codierten Zeitalters. Der Mensch wird zunehmend über körperliche, sexuelle und psychologische Kategorien vermessen. Er soll sich identifizieren, einordnen und einen passenden Code wählen. Was als Befreiung erscheint, kann in eine neue Verwaltung der Körper umschlagen. Der Staat fragt dann nicht mehr nur: Wurde dieser Mensch benachteiligt? Er muss zuerst entscheiden: Welche sexuelle Identität besitzt dieser Mensch, wer definiert sie und welche Rechtsfolgen löst die gewählte Kategorie aus?

Das ist die eigentliche Gefahr der Identitätspolitik: Sie bekämpft die Reduktion von Menschen auf Merkmale, indem sie diese Merkmale verfassungsrechtlich verewigt. Ausgerechnet die Sexualität, die gegen staatliche und religiöse Kontrolle verteidigt werden sollte, wird zur öffentlich beglaubigten Identität – sie wird verordnet. Die Freiheit durch Biopolitik abgeschafft. Dies sind Themen, die alle rund um die glücklicherweise verhinderte Wahl von Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin, besprochen werden müssen. Denn Brosius-Gersdorf zeigte erst diese Woche bei Lanz wieder, welche biopolitischen Waren-Menschenbilder sie vertritt: Sie ist die Kronjuristin des neuen biopolitisch codierten Zeitalter, das sich “frei” nennt und jede Versklavung als Fortschritt definiert.

Am 3. September 2026 verfasste Regula Stämpfli den Artikel zur sog. Konversationstherapie, die der Bundesrat verbieten solle – ein ideologisch geprägter Artikel von SRF, der hier auch rezipiert werden soll, um aufzuzeigen, wie die Aufladung von Verfassung und Grundgesetz durch sog. “Sexuelle Identität” in die Richtung einer biopolitischen Revolution aller westlicher Demokratien führt: Der Artikel

https://www.srf.ch/news/schweiz/schutz-der-sexualitaet-regierung-erwaegt-nationales-verbot-von-konversionstherapien tut so, als referiere er einen Bundesratsbericht. Dabei führt er eine Kampagne für eine totalitäre Queerideologie, die sich durch neue Codierung und Umwälzung der gesellschaftlichen, demokratischen Ordnung auszeichnet.

Der ideologische Kern Homosexualität und „Geschlechtsidentität“ werden in einem Atemzug zu „queer“. Was früher die brutale Umpolung Schwuler und Lesben meinte, wird so zur Hülle für etwas anderes: jedes Gespräch, das eine Geschlechtsidentität nicht bestätigt, soll als illegal erklärt werden. Wer sich gegen die totalitäre Neucodierung von Geschlecht durch eine extreme Minderheitsgruppe wehrt, wird als gleichstellungsfeindlich dargestellt. Dabei ist “queer” keineswegs ein demokratischer Begriff, sondern ein ideologischer Kampfbegriff geworden. Die alte Diskriminierung von Lesben und Homosexuellen wird mit dem Neusprech “queer” – verglichen. Das ist ahistorische, ideologische Weisswaschung einer neuen totalitären Bewegung. “Queer” ist nicht nur ein Begriff, sondern eine Ideologie, die Menschen auf sog. “sexuelle Identitäten” festlegt will. Queer ist die Definition eines neuen Menschenbild, der ehemaligen UdSSR und DDR-Umdefinition von Menschen nicht unähnlich. Alle, die sich als Bürger und Bürgerinnen gegen die staatspolitisch totalitäre Gleichsetzung mit Sexualität, Identität und Geschlecht wehren, sollen per Gesetz künftig verurteilt werden können. Durch die Wortverschiebung von klassischer Diskriminierung hin zur Ideologie, macht SRF eine völlig unzulässige ideologische Kampagne zugunsten einer totalitären Sexualisierung von Menschen.

Die Sprache arbeitet vor der Sache „Queere Menschen“, „traditionellere, heterosexuelle Lebensform“, „Umerziehung“, „Umpolung“, „Heilung“ stehen alle in Anführungszeichen. Der Leser soll empört sein, bevor er weiß, ob von Zwang, Gebet, Elektroschock oder von Psychotherapie an Minderjährigen mit plötzlicher Trans-Diagnose die Rede ist. SRF liefert die Empörung. Die Unterscheidung bleibt in der Box zum Aufklappen. Bei Kindern ist die Frage, ob man ein Geschlecht medizinisch festschreibt, keine „Konversion“. Sie ist Diagnose: Abwarten, prüfen, Komorbidität ernst nehmen. Wer das Verbot so weit fasst, dass schon Zurückhaltung als Umpolung gilt, schützt keine Homosexuellen und Lesben. Er schützt ein Dogma.

Religion, Familie und Therapie sind verschiedene Orte. Ein Zwangsritual in einer Sekte ist nicht dasselbe wie ein Gespräch beim Psychologen und nicht dasselbe wie eine Mutter, die Zeit verlangt. Wer alles in ein Wort packt, will nicht klären. Er will treffen. Und wenn Berufsregeln „religiöse Beeinflussung“ verbieten, ohne zu sagen, wo Seelsorge endet und Zwang beginnt, wird aus Berufspflicht Weltanschauungskontrolle. Der Staat bestimmt dann nicht nur, was man einem Kind antun darf. Er bestimmt, was man noch denken darf, bevor man spricht.

Die Zahl als Weihrauch Die Zahlen 15,5 Prozent „transsexuelle Personen“, 9,5 Prozent lesbisch, schwul, bisexuell – „einschlägige Erfahrungen“, meist Kindheit, Religion, aber auch Schule, Therapie, Medizin, Familie, werden alles in einen Topf geworfen. Was zählt als Massnahme? Ein Vater, der bittet, zuzuwarten? Eine Ärztin, welche die Gleichzeitigkeit von zwei Krankheiten prüft? Ein Imam, der lieber eine Transfrau als einen Homosexuellen unterstützen will (siehe Iran)? Alles landet in derselben Statistik. Eine Behörde, die selbst sagt, die Daten seien begrenzt, wird trotzdem als Beweis für ein nationales Verbot aufgeführt. Das ist Politik mit Prozenten, die niemand verifiziert hat und die ideologisch totalitäre Ziele verfolgt, nämlich, das Verbieten über die Diskussion von “queer”, Verbot einer Diskussion über die biopolitische Neuordnung unseres Staates.

SRF berichtet nicht, sondern verwaltet und dirigiert Moral.

Was fehlt, weil es das Frame sprengt Zwang gegen Homosexuelle und Lesben ist Unrecht – dafür hat meine Generation gekämpft und gewonnen. Punkt. Dies nun mit einer Kritik an “queer” gleichzusetzen, ist eine totalitäre Umkehr des damaligen politischen Kampfes für Freiheit. Unser Freiheitskampf von damals und unsere politischen Errungenschaften sollen nicht für eine neue biopolitische, totalitäre Queerideologie missbraucht werden. SRF tut dies hier und die einfältige Politik lässt sich von derartiger Semantik beeindrucken. Der Titel “Schutz der Sexualität” löst Geschlecht zu Sex auf – das ist keine Information, sondern ideologische Indoktrination.

Bild von Regula Stämpfli: Ausschnitt zur Serie, Tod der Demokratie, (c)2026.

Galerie zur Tätigkeit von Regula Staempfli, Bestsellerautorin, Politphilosophin, KI-Forensikerin. August 2026. Themen: Codes, Menschenbilder, Geschichte, Philosophie, Literatur, Ökonomie und Schwerpunkte: VR China und EU. Neu auch die UNO – als klare Kritik an der Pervertierung öffentlicher Institutionen.

China does not spy, It thinks in Empires and acts in Codes by Regula Staempfli.

CV: PD Dr. Regula Stämpfli ist Politphilosophin, Bestsellerautorin, Publizistin und KI-Forensikerin. Sie lehrte viele Jahre an der Schweizer Journalistenschule. leitete jahrelang als Intendantin das IFG ULM (International Forum for Design), ist bis heute als unabhängige wissenschaftliche Expertin für die EU-Kommission gelistet, begründete an der Universität St. Gallen die Hannah Arendt Lectures, die sie bis 2025 leitete. 2021 wurde sie zu den wichtigsten Intellektuellen der Schweiz gezählt; als „Lara Croft der Politologie“ verbindet laStaempfli politische Theorie mit publizistischer Streitlust und digitaler Gegenwartsanalyse – dazu gibt es Kolumnen und die Essays in ENSUITE und Weiterdenken Quarterly. 2025 erhielt sie gemeinsam mit Dr. Isabel Rohner den Frauenheldinnen-Preis für „Die Podcastin“, den feministischen Wochenrückblick für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Regula Stämpfli ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt in München.

Abortion as an Industrial Quality Control. A progressive, feminist critique of Massachuttes’new law. August 13th 2026 By Regula Staempfli, AI Forensic, Politphilosopher, Author of “The Algorithmic Age.” -sorry the Spelling Mistake in Picture… it is Massachusetts’ New Law – but hey, laStaempfli decided on authenticity.

In August 2026, Massachusetts quietly abolished every remaining time limit on abortion. Under bill H.5595, a pregnancy may now be ended at any point up to the fortieth week, solely at the discretion of a physician and the pregnant woman. The New York Times reported the fact with the usual calm. The political class responded with the usual script.

Republicans called it radical. Democrats called it healthcare. Public broadcasters and progressive outlets dutifully framed the dispute as another round in the endless war between religious conservatives and defenders of individual choice. The framing is convenient. It is also false.

What happened in Massachusetts is not merely an expansion of reproductive rights. It is the formal adoption of a biopolitical logic that treats the human being, at its most dependent stage, as manageable biological material. The fetus becomes data—flesh that can be measured, evaluated, and, if it fails the current medical standard, discarded. The woman who has carried it for nine months is recast as a temporary vessel whose decisions are guided, often decisively, by professional authority. Few patients, after all, contradict a doctor who has just diagnosed a severe disability and recommended termination. For years I have argued that moving fundamental moral questions into the neutral-sounding category of “healthcare” would eventually strip them of political and ethical weight. Massachusetts has now taken that logic to its extreme. Once the continued existence of a viable fetus is redefined as a medical service rather than a matter of public concern, the democratic state performs a quiet abdication. It transfers its protective responsibility to the medical-industrial complex and calls the transfer empowerment.

The familiar liberal phrase—“a decision between a woman and her doctor”—sounds intimate and respectful. In practice it conceals an economic reality. In a market-driven healthcare system the physician is not a disinterested moral guide. He or she is a service provider operating inside constraints of cost, liability, insurance, and institutional protocol. Remove legal boundaries and the logic of optimization fills the vacuum. Bodies are scanned, probabilities calculated, outcomes ranked. What remains is an industrial conception of the human: life assessed according to projected productivity and freedom from defect.

Criticism of this development is routinely dismissed as conservative or theocratic. That is a failure of imagination. There is a coherent progressive argument against treating disability as a problem best solved by elimination. A society that claims solidarity with the vulnerable cannot simultaneously offer their non-existence as the preferred technical solution. Jürgen Habermas, hardly a reactionary, warned that selecting future human beings according to functional specifications destroys the moral symmetry between generations. A person whose right to exist depends on meeting someone else’s quality standards is no longer an end in themselves. They become a product.

The same logic that turns the late-term fetus into disposable data quietly converts the mother into a service provider within a healthcare market. Motherhood is reframed as a temporary logistical function. If the product does not meet specifications, the process can still be terminated.

This is not liberation. It is the extension of market rationality into the one domain that was supposed to resist it. Massachusetts has not expanded freedom. It has refined a system of industrial quality control and called it care.

Image: Heart behind Bars by Regula Staempfli

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen? Interview für Corrigenda: Lukas Steinwandter fragt Politphilosophin Regula Staempfli. 13.8.2026

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts, verabschiedet am 11.9.2026 unter Applaus von unterzeichnenden Gouverneurin und Dutzenden von Frauen. Zum Artikel see https://www.corrigenda.online/leben/abtreibung-bis-zur-geburt-massachusetts-frau-staempfli-sie-sind-feministin-und-pro-life-wie

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen?

Ein US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Von Lukas SteinwandterEin US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Einleitung: Der kurze Clip sorgt für Fassungslosigkeit, Kopfschütteln und Entsetzen – und Wut. Die Gouverneurin des US-Bundestaats Massachusetts, Maura Healey (Demokratische Partei), unterzeichnet am Montag im State House in Boston den „Prioritizing Patient Access to Care Act“ (H.5595). Das harmlos klingende Gesetz hebt die bisherige 24-Wochen-Frist für Abtreibungen auf und erlaubt sie bis zur Geburt, sofern ein Arzt ein entsprechendes „fachliches Urteil“ abgibt. 

Neben Healey, die angeblich katholisch ist und vor zwei Jahren noch schrieb, ihr lägen die Schwächsten am Herzen, befinden sich rund ein Dutzend weiterer Frauen in dem Regierungsbüro, darunter Ärzte und Abtreibungsaktivisten. Nachdem die Politikerin die Unterschrift gesetzt hat, lachen und klatschen die Frauen, was nicht nur unter Christen und Lebensschützern für Empörung gesorgt hat

Bereits vor der neuen Regelung waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche möglich. Allerdings mussten dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Ein Arzt musste beispielsweise feststellen, dass der „Schwangerschaftsabbruch“ zur Erhaltung des Lebens der Frau oder ihrer psychischen und physischen Gesundheit notwendig ist. Diese Bedingungen sind nun weggefallen. 

„Als Gouverneurin verspreche ich: Ganz gleich, was Donald Trump oder die Republikaner im Kongress oder am Obersten Gerichtshof tun, wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen in ihrer Gesundheitsversorgung treffen können – und nicht die Regierung“, sagte Healey. Und die Gouverneurin versprach: „Abtreibungen werden hier in Massachusetts weiterhin sicher, legal und zugänglich sein.“ 

In sozialen und klassischen Medien feierten linke und feministischeGruppen das Gesetz. Konservative äußerten schwere Kritik. Aber nicht nur sie. Denn es gibt auch Feministinnen, die ein tiefes Störgefühl haben angesichts der sich brutal ausbreitenden Kultur des Todes. Eine von ihnen ist die promovierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli. 

Die Schweizerin ist Privatdozentin, Kolumnistin, Designerin und betreibt zusammen mit Isabel Rohner den feministischen Wochenrückblick „Die Podcastin“. Im Interview mit Corrigenda erklärt die in München lebende Autorin, warum sie als progressive Frau und Feministin für das Lebensrecht ungeborener Kinder und gegen eine nur vermeintlich liberale Politik ist, wie sie von den Demokraten in den USA gerade gemacht wird.

Frau Staempfli, Sie bezeichnen sich als feministisch und progressiv, sind aber pro life. Wie passt das zusammen?

Es ist total logisch! Frauen kämpfen seit Jahrhunderten dafür, Frauen und Kinder vor Gewalt, Ausbeutung, Vergewaltigung, Mord und ökonomischer Sklaverei zu beschützen. Lassen Sie sich von den sogenannten neuen Feministinnen nicht verwirren! Die haben so viel mit Feminismus zu tun wie der Islamismus mit der Katholischen Kirche! (lacht) Ich stehe in einer langen Tradition von Frauen, die sich weigern, Schwangerschaft, Mutterschaft und Kinder den Mächtigen zu überlassen. Früher waren dies die Adeligen, heute ist es eine neue technokratische Elite und eine Gesundheitsindustrie, deren Optimierungszwang in vielen Fällen zu einem regelrechten Totenkult mutiert ist. Eine wirklich fortschrittliche und feministische Gesellschaft huldigt der Mutterschaft und behandelt sie nicht als Optimierungs- und Störfall.

Wie kommen Sie mit dieser Position bei anderen Feministinnen an?

(lacht) Wie kommen Sie als Pro-Life-Journalist bei Ihren vornehmlich linken Kollegen an? Frauen werden nur in der Unterdrückung zu einer Kategorie. Ansonsten sind Frauen immer vielstimmig. Heute machen Medien, Unis und Kultureliten ausgerechnet die Abtreibung zum feministischen Loyalitätstest. Dies ist ideologisch verblendet, unerquicklich misogyn und außerordentlich dumm. Mit Frauen- und Kinderschutz hat das woke Geschrei rund um den „Feminismus“ eh schon lange nichts mehr zu tun. Es geht mit der Abtreibung bis zur Geburt auch nicht um politisch links oder rechts, sondern es geht um die Abtreibung des würdigen, liberalen, freiheitlichen und in Demokratien geschützten Menschenlebens. 

„Die Frau ist. Nur noch ‘Warenträgerin’ – das kennen wir aus kommunistischen Ländern“

Am Montag hat die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, unter großem Applaus und Lachen ein Gesetz unterzeichnet, das keine gesetzliche zeitliche Obergrenze für Abtreibungen mehr vorsieht. Sie sprechen von „industrieller Qualitätskontrolle“. Warum?

Regula Stämpfli© Regula Stämpfli

Weil es genau das ist. Das werdende Kind wird zwischen Arzt und „Auftraggeber“ verhandelt. Das neue Gesetz, von Dutzenden von ideologisch verblendeten Frauen beklatscht, ist der Triumph der biopolitischen Logik, den Menschen zur ökonomischen Verfügungsmasse zu erklären. Das Kind wird zu „Menschenfleisch-Daten“ und entsprechend gültiger medizinischer und sozial kompatibler Praxis abgetrieben oder geboren. Die Frau ist in diesem Zusammenhang nur „Warenträgerin“. 

Dies kennen wir übrigens auch aus den kommunistischen Ländern, wo Kinder aus ideologischen Gründen massenweise abgetrieben, und nach der Geburt, ebenfalls aus ideologischen Gründen, sofort als sogenannte „Wochenkinder“ den Eltern entrissen wurden. Dass die Unterzeichnung eines solchen Gesetzes mit Lachen und Applaus von Frauen inszeniert wird, halte ich für eine nihilistische Entgleisung. Selbst wer Abtreibungsrechte verteidigt, müsste angesichts einer Abtreibung im letzten Schwangerschaftsdrittel verstummen. Eine Gesellschaft, die hier jubelt, hat ihr Gewissen entfernt.

Sie sagen, Mütter würden zu „Sklaven eines Gesundheitsmarktes“, der Mutterschaft zur Dienstleistungstätigkeit pervertiere. Kinder würden zu Produkten. Was meinen Sie damit?

Exakt das, was ich sage. Schauen Sie auf die semantischen Verschiebungen der vergangenen Jahre. Mütter werden u.a. von ARD, ZDF, WDR, SRF, ORF etc. nicht mehr Mütter genannt. Oder Schwangere als schwangere Frauen bezeichnet. Weshalb? So entledigt sich die neue globale Medien-, Kultur- und Wissenschaftselite der Leiblichkeit des Menschen. Gemäß herrschender Sprechaktideologie gibt es keine Körper oder gar Menschenseelen, sondern verwertbare Fleischstücke, die auf dem kapitalistischen Markt der Influencer, Selfies, „Ich Ich Ich“-Religionen wie zum Beispiel „Only Fans“ verkauft werden können. Menschen sind keine Lebewesen mehr, sondern codierte Kategorien – hören Sie doch endlich mal dem Jargon der Zoomer richtig zu! In meiner Vorlesungsreihe „Hannah Arendt Lectures“ traf ich bspw. auf Studentinnen, die außer ihrer Produktidentität nichts anderes mehr kannten. Sie wussten nicht, wer sie waren oder wer sie sein könnten – aber ihren Marktwert kannten sie auf die zweite Kommastelle genau.

Es ist entsetzlich und selbst die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich vergangenes Jahr zu einer Revision von Paragraf 218 Strafgesetzbuch bekannt, ohne zu realisieren, welchen ethischen Rückschritt dies für uns alle bedeuten würde. 

„Abtreibung ist keine Freiheit, sondern aus der Not geboren. Auch heute noch“ Regula Stämpfli.

Ist Abtreibung, die von vielen Feministinnen als Selbstbestimmung glorifiziert wird, nicht genau das, was Generationen von Feministinnen wollten?

Das war doch eine ganz andere Zeit als heute! Die große französische Politikerin Simone Veil, Auschwitz-Überlebende und damalige französische Ministerin, hat 1974 für die Entkriminalisierung der Abtreibung gekämpft. Sie argumentierte, dass keine einzige Frau leichten Herzens abtreibt. Dass Abtreibung keine Freiheit ist, sondern immer aus der Not geboren ist. Dies ist übrigens auch heute noch so. Das, was in Massachusetts unter „Abtreibung“ propagiert und beklatscht wird, ist Warenpolitik im Menschenfleischpark. Das hat schon längst nichts mehr mit dem Recht von Frauen in Notlagen zu tun, nicht in den Hinterzimmern einer Engelsmacherin zu verbluten. 

Dieses Zitat von Ihnen könnte auch von einem Papst stammen: „Der Mensch wird nur noch nach seiner künftigen ökonomischen Produktivität und Fehlerfreiheit bemessen.“ Sie sprechen damit eugenische Abtreibungen an. Die Mehrzahl der abgetriebenen Kinder ist jedoch gesund.

Das widerlegt meine Kritik nicht. Es erweitert sie. Bei diagnostizierbaren Krankheiten oder Behinderungen tritt die Selektionslogik einfach besonders brutal hervor. Bei gesunden Kindern greift dieselbe Verwertungslogik auf einer anderen Ebene: Passt dieses Kind zu meinem Partner, meinem Studium, meiner Karriere, meinem Zeitplan, meinem Lebensentwurf? 

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Das Kind wird nicht mehr als neues Gegenüber begriffen, sondern als kalkulierbares Projekt. Es gilt als Störung, weil das schützende Umfeld aus Tanten, Großmüttern, Schwestern, Nachbarinnen und gelebter Großfamilie weitgehend verschwunden ist. Der neoliberale Mensch soll autonom sein – also allein. Und was allein nicht zu bewältigen ist, wird beseitigt oder an einen Markt delegiert.

Wenn ein Papst diese Entwicklung ebenfalls erkennt, wird meine Analyse dadurch nicht falsch. Der Kampf gegen Eugenik und Menschenvermessung gehört weder der Kirche noch einer bestimmten politischen Seite. Er gehört allen, die Frauen und Kindern, den Menschen insgesamt, nicht auf Sprechakte, Codes, Fehlerfreiheit und Verwertbarkeit reduzieren wollen

Unbedingt. Beides gehört zur selben Verschiebung des Menschenbildes. Wir leben im Zeitalter der algorithmischen Reproduktion. Bei der Leihmutterschaft wird der Körper einer Frau als Produktionsort benutzt. Das Kind ist Gegenstand eines Vertrags. Bei der selektiven Abtreibung entscheidet die Qualitätskontrolle darüber, welches Leben den Erwartungen entspricht. Das eine Kind wird bestellt, das andere verworfen. Dazwischen liegen Tests, Verträge, Plattformen, Kliniken, Agenturen und sehr viel Geld. Ich spreche deshalb von Sklavenmutterschaft. Denn wo ein Mann (oder zwei Männer, das ist ja meist die Praxis) den Körper einer Frau für die Produktion eines Kindes beansprucht, verwandelt sich Mutterschaft in eine käufliche Dienstleistung und einen neuen Menschenfleischmarkt.

China does not spy. It thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli.

China Doesn’t Spy. It Thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli (Politphilosopher/Bestselling Author/ AI Forensics/ Germany) see article published on X https://x.com/laStaempfli/status/2086816834355917092

The story that broke in The Daily Telegraph last week was, on its face, a security scare of the familiar kind. Cameras fitted to the Royal Navy’s K3 Scout drones—small, fast, unmanned vessels already in use by British special forces—had been sending regular “heartbeat” signals to an IP address in China. The components were Chinese-made. The Ministry of Defence promptly cut the cameras off from the internet. Officials insisted that no operational data had been compromised. The technical details were almost reassuring. And yet the episode left a deeper unease. Once again, critical military equipment had been assembled without anyone bothering to follow the supply chain all the way down to the last chip.

The real failure was not Chinese ingenuity. It was Western assumption.

For decades the West has treated technology as a commodity: something one buys, installs, and then largely forgets. China has never shared that illusion. In Beijing, technology is not a product. It is an instrument of sovereignty. Economy, technology, state, military, and Party are not separate spheres. They form a single continuum of power. We purchase cameras; China builds infrastructure. We license software; China cultivates influence. We optimize supply chains for cost; China designs them for leverage. The difference is not merely strategic. It is philosophical. The West still imagines that code is neutral—that a sensor is just a sensor, a chip just a chip. China understands that every piece of technology carries a political architecture inside it. Codes do not only shape individual lives. They embed themselves in states, in logistics networks, in standards, in the quiet protocols that determine who can see, who can listen, and who can decide. While Western capitals continue to debate data protection as a matter of individual privacy, China has long been constructing data sovereignty as a matter of national power. These are not the same conversation. One is about rights. The other is about control. The drone cameras that whispered their presence to a server in China are therefore less a scandal than a symptom. They reveal a persistent Western refusal to accept what has been obvious for twenty years: that critical infrastructure cannot safely rest on supply chains whose geopolitical logic runs in the opposite direction.

The interesting question is not why China behaves this way. The interesting question is why the West keeps acting as though it has only just discovered the fact. This is not, in the end, a story about Chinese espionage. It is a story about Western absent-mindedness—about a civilization that still believes technology can be bought without consequence.

Die Historikerin und Politphilosophin (Bestseller “Trumpism. The Algorithmic Age” und “Mit der Schürze in die Landesverteidigung. Frauen, Krieg und Staat 1914-45”) mit einer Medienkritik zur gegenwärtigen NS-Geschichtsverfälschung: “War Oma auch eine Nazi?” Und was dies alles mit der sog. Leihmutterschaft der Gegenwart zu tun haben könnte.

Medienkritik SZ/BAZ: “War OMA Nazi?” ÜBER GESCHICHTSVERFÄLSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenwärtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders für Frauengeschichte.

Die Schweizer Medien erhalten aus Deutschland seit Jahren nicht nur Nachrichten, sondern auch erstaunlich viel publizistisches Abfallobst. So titelte die Süddeutsche Zeitung am 14. Juli 2026: «War auch Oma ein Nazi?» Wenige Tage später erschien dieselbe Denkfigur in der Schweiz: «War auch Grossmutter ein Nazi? Die Rolle der Frauen in der NS-Zeit.» Schon der Titel verrät das Problem. Er übernimmt unkritisch eine Kategorie, die es im Nationalsozialismus nur als Rassen- und nicht als Geschlechterpolitik gab.

Es gab im Nationalsozialismus nämlich keine Frauen als historische oder politische Kategorie. Es gab ausschliesslich rassifizierte Frauen. Der Nationalsozialismus unterschied nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen «erbgesund» und «erbkrank», zwischen «arisch» und «nicht arisch», zwischen reproduktionswürdig und vernichtungswürdig.

Wer deshalb 2026 über «Frauen im Nationalsozialismus» schreibt, ohne diese grundlegende Differenz bereits im Titel sichtbar zu machen, beschreibt nicht die historische Wirklichkeit, sondern reproduziert ungewollt die Sprache der Täter.

Der Artikel reiht alles auf, was seit Jahrzehnten zum Standardwissen gehört: Mutterkreuz, NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, Winifred Wagner, Helene Bechstein, zwölf Millionen Frauen in NS-Verbänden. Alles richtig. Alles bekannt. Alles unerquicklich oberflächlich. Das Entscheidende fehlt. Denn während sogenannte arische Frauen als Gebärerinnen der «Volksgemeinschaft» ausgezeichnet wurden, wurden jüdische Frauen, Sinti- und Roma-Frauen, Frauen mit Behinderungen, politische Gegnerinnen, Lesben und und und, entrechtet, zwangssterilisiert, in Konzentrationslager verschleppt, medizinischen Experimenten unterzogen und millionenfach ermordet. Wer diesen Gegensatz unter der Kategorie „Frauen“ ausblendet, schreibt nicht über „Frauen im Nationalsozialismus.“ Er/Sie schreibt über die Privilegierung einer rassisch definierten Minderheit und erklärt sie anschliessend zur allgemeinen Frauengeschichte.

Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, die Nationalsozialisten hätten ein «traditionelles Frauenbild» vertreten. Nein. Genau das ist historisch falsch. Die Nationalsozialisten waren in ihrer Frauenpolitik keineswegs restaurativ. Sie waren revolutionär. Sie machten den weiblichen Körper zum Gegenstand einer bis dahin ungekannten staatlichen Biopolitik. Nicht die Frau interessierte sie, sondern ihre reproduktive Funktion. Nicht Mutterschaft, sondern Bevölkerungspolitik. Nicht Familie, sondern Eugenik. Das sogenannte Mutterkreuz war deshalb keine Ehrung der Mutterschaft, sondern eine staatliche Auszeichnung für die Produktion rassisch erwünschter Kinder. Ideologie entschied darüber, welche Schwangerschaft gefeiert und welche vernichtet wurde.

Gerade deshalb wirkt es befremdlich, wenn ausgerechnet Hans-Ulrich Wehlers Formulierung einer «indirekten Emanzipationsförderung» unkritisch wiederholt wird. Frauen arbeiteten im Krieg nicht deshalb ausser Haus, weil die Nationalsozialisten plötzlich emanzipatorisch geworden wären, sondern weil der totale Krieg Arbeitskräfte verschlang. Von Emanzipation zu sprechen, wo Zwang, Vernichtung und totale staatliche Kontrolle herrschten, verharmlost die Logik eines Regimes, das Leben nach biologischen Kategorien organisierte.

Der eigentliche blinde Fleck solcher Artikel liegt jedoch tiefer. Sie sprechen ständig von «Frauen», ohne zu fragen, wie Ideologien Frauen überhaupt erst definieren. Genau darin lag die Radikalität des Nationalsozialismus. Frau war keine anthropologische, sondern eine politische Kategorie. Wer zur richtigen Rasse gehörte, wurde zur Mutter verklärt. Wer nicht dazugehörte, wurde vernichtet. Der Begriff «Frau» bedeutete im Nationalsozialismus niemals dasselbe für alle Frauen.

Diese Einsicht ist auch deshalb bedeutsam, weil Sprache bis heute Wirklichkeit schafft. Begriffe sind nie unschuldig. Sie ordnen die Welt, lange bevor Gesetze oder Institutionen handeln. Wenn heute selbstverständlich von «Reproduktion», «genetischem Material», «Matching», «Eizellspende», «Leihmutterschaft» oder «optimierten Embryonen» gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sprache. Denn auch hier werden Frauen zunehmend über ihre reproduktive Funktion definiert. Eine Frau, die vierzig Wochen ein Kind unter ihrem Herzen trägt und zur Welt bringt, ist keine «Leihmutter». Sie ist Mutter. Der Begriff «Leihmutter» beschreibt keinen biologischen Sachverhalt, sondern eine juristische und ökonomische Konstruktion, die Mutterschaft sprachlich neu codiert.

Zwischen der nationalsozialistischen Rassenpolitik und den bioethischen Debatten der Gegenwart bestehen selbstverständlich fundamentale historische Unterschiede. Wer Geschichte ernst nimmt, verwischt diese Unterschiede nicht. Doch ebenso wenig darf übersehen werden, dass Ideologien immer zuerst an der Sprache arbeiten. Sie verändern Begriffe, bis die Wirklichkeit anders erscheint. Genau deshalb genügt es nicht, Grossmütter nachträglich in Täterinnen oder Mitläuferinnen einzuteilen. Historische Aufklärung beginnt nicht mit moralischen Etiketten. Sie beginnt mit der Analyse jener Begriffe, durch die Macht den Menschen überhaupt erst definiert.

Wer 2026 über „Frauen im Nationalsozialismus“ schreibt, betreibt ideologische Reproduktion, klischiert Geschichte und verharmlost die biopolitische Gegenwart, die gerade in sog. progressiven Kreisen ihr entsetzliches Unwesen treibt.