#diepodcastin: Isabel Rohner & Regula Stämpfli aktuell. 23. April 2022: Der feministische Wochenrückblick: #Podcast #Podcastwomen

Hier die neuste Folge #diepodcastin von Isabel Rohner & Regula Stämpfli: https://diepodcastin.de/2022/04/23/diepodcastin-isabel-rohner-regula-stampfli-zu-yoko-ono-liebe-hanser-kotz-sexistische-enteignung-steinzeit-weise-von-willendorf-and-the-great-huschke-mau/

Die Folge wurde von vielen deutschsprachigen Medien rezipiert, ohne indessen die Quelle zu nennen oder Huschke Mau, Isabel Rohner, Regula Stämpfli zu folgen auf #TWITTER. Es gibt eine #Politik der sexistischen Enteignung, auch durch Frauen. Deshalb verlinken wir hier die Folgeberichte nicht. Was natürlich allen Frauen schadet. Das Angepasste Geschlecht, die Parvenüs nach Hannah Arendt haben noch nicht realisiert, dass sie zueinander schauen müssten. #Patriarchatremainsstrong Sieht man am Frauenversteher Sascha Lobo, der vorgibt Feminist zu sein, aber in einer Fiktivwelt lebt, in welcher ihm Teresa Bücker die Slogans vorgaben, die mit der Wirklichkeit des Menschenfleischhandels nichts zu tun haben: Nachzulesen in: https://www.ensuite.ch/menschenfleischarbeit-piff-paff-puff/

Die Podcastin ist im Rennen um den Deutschen Podcastpreis: Rohnerin & Staempfli.

Voten Sie hier: https://www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/die-podcastin-2/

Hier der Werbespot:

#diepodcastin: Isabel Rohner & Regula Stämpfli zu Yoko Ono -Liebe, Hanser-Kotz, sexistische Enteignung, Steinzeit, WEISE von Willendorf and the great Huschke Mau.Good News: laStaempfli bringt Yoko Ono: Kunstmuseum Zürich besuchen, alle Folgen von #diepodcastin zu Frauen und Kunst hören und Pipilotti Rist geniessen – Pixelwald Turicum 2021.Womit wir denn auch schon beim Schluss der Good News sind und bei den Bad News: Die Rohnerin analysiert: Der Hanser Verlag hat sein neues Sachbuchprogramm für Herbst 2022 veröffentlicht. Spoiler: Es ist frauenfrei. Unter 16 groß vorgestellten Büchern stammt gerade mal eines von einer Autorin. Auf S. 40 dann (wo auch ältere Bücher nochmals erwähnt werden) der Hinweis auf das Buch “Weibliche Unsichtbarkeit – wie alles begann”. Sehr witzig… “Die Podcastin”, Isabel Rohner und Regula Stämpfli sind am Ende ihrer Geduld. Wir kaufen nur noch Bücher von Verlagen, die Autorinnen mit derselben Kraft verlegen, fördern und vermarkten wie Autoren.laStaempfli erklärt den Skandal durch die Diskrepanz zwischen Woke-Debatten in sozialen Medien und sexistischer Wirklichkeit.  Es ist eine Zeit der Unsichtbarkeit von Frauen und der Gleichzeitigkeit von Codeideologien: Ein Diskurs der automatisierten Repetition, der die totalitären Elemente des digitalen Wirklichkeitsverlustes aufzeigt – wie laStaempfli in ihren HSG-HannahArendt-Lectures dies wieder und wieder zu erklären versucht und oft darin scheitert. Passt aber trotzdem: Die Unsichtbarmachung von Frauen und die Verhinderung der Kapitalbildung für Frauen und dem daraus folgenden Zwang, halt irgendwie Geld zum Überleben machen zu müssen, bleiben im 21. Jh. brennendes Thema.Dann nimmt die Rohnerin  uns mit in ihre Kindheit. Schon damals war ihr klar, dass die herkömmlichen Geschichten über das Leben in der Steinzeit – die Männer gehen auf die Jagd, während die Frauen zu Hause Gemüse kochen – nicht aufgehen kann. WissenschaftlerINNEN sagen das seit über 100 Jahren, inzwischen kommen sie langsam im Forschungskanon an: Die Art und Weise, wie Forscher jahrhundertelang auf unsere Geschichte geschaut haben, ist geprägt von ihren eigenen Vorstellungen und Prämissen – und ihrem Familienbild. Kein Wunder also, dass das Kunstwerk “Frau von Willendorf” (ca. 30.000 Jahre vor unserer Zeit) von den drei Forschern, die es 1908 entdeckt haben, fälschlicherweise als “Venus” bezeichnet und als “Sexsymbol” bzw. “Furchtbarkeitssymbol” interpretiert wurde. Heutige Forscherinnen gehen davon aus, dass die “Frau von Willendorf” die Darstellung einer alten, weisen Frau ist. Denn diese wurden damals besonders verehrt. Darauf konnten die Herren Entdecker 1908 nicht kommen, weil es ihren Horizont weit übertraf. ORF Science hat hierüber einen sehenswerten Bericht gemacht.Die Steinzeit-Exkurse der Rohnerin machen laStaempfli etwas unwirsch. Seit den 1980er Jahren gibt es “Ursprünge und Befreiungen”, die dissidente Kulturtheorie von Carola Meier-Seethaler. Beat Schneider nennt die Venus übrigens schon 1999 “Frau von Willendorf” in seinem Buch: “Penthesilea. Die andere Kultur- und Kunstgeschichte. sozialgeschichtlich und patriarchatskritisch im Zytglogge-Verlag. Leider kennt auch dieses Buch fast niemand. Wir hätten die Möglichkeit, alles schon zu wissen und zweihundert Jahre Gleichstellung weiter zu sein. Aber, was soll’s: Jede Generation beginnt auch bei #diepodcastin wieder neu. Diesmal mit einer Wiederauflage der “Venus von Willendorf”, die jetzt die “Grossmutter von Willendorf” ist, besser noch die “Weise von Willendorf”.Huschke Mau – Kämpferin gegen Prostitution und Ausbeutung von Frauen – war zu Gast bei der NDR-Talkshow “deep und deutlich”. Die Rohnerin hat es geschaut und findet den Kampf von Huschke Mau bewundernswert: Huschke Mau argumentierte, schilderte, forderte – doch traf mit ihren Ausführungen und Frauen (“In welcher Gesellschaft wollen wir leben?”) nur auf Wohlstandsbesserwisserei und das naive Märchen von der selbstbestimmten “Sexarbeiterin”. Bis sie gegangen ist. #diepodcastin sagt: Hut ab, Huschke Mau! Das Statistische Bundesamt geht übrigens davon aus, dass in Deutschland aktuell 400.000 Frauen ihren Körper verkaufen müssen und mit Prostitution ein Jahresumsatz von 14,6 Milliarden Euro gemacht wird. Spoiler: Das Geld bekommen nicht die Frauen.laStaempfli aus ihren Essay zu “Menschenfleisch-Verkauf” zum Buch von Aline Wüst: “Die Schreiberlinge und ihre RepräsentantInnen haben keine Ahnung über Träume, Leben, Drogen, Traumata, Bilder, Körpergefühle, die Menschen ohne Geld, ohne Kapital, ohne Besitz umtreiben. Kein Geld zu haben, bedeutet nicht einfach Armut, sondern konstituiert zahlreiche fehlende Beziehungen zur Welt: Leerstellen. Diese werden dann mit Schrottideologien der Reichen aufgefüllt. Beispielsweise, dass Prostitution eine «Arbeit wie jede andere» sei. Die Sexindustrie, die MenschenhändlerInnen, die zahlreichen Pimps und «Loverboys» promoten mit den ihnen unglaublich wohlgesinnten Medien Prostitution quasi als soziale Mobilität für Mädchen und Frauen, die in Armut, ökonomisch prekären Verhältnissen, in dysfunktionalen Familien, mit süchtigen Eltern etc. aufwachsen mussten. In der Legende der SexarbeiterInnen gibt es nie die Geschichten der Frauen, zwei Jahrzehnte später, die ohne Geld, ohne Job, ohne Familie, ohne Ansehen, ohne soziale Beziehungen dastehen, kurz vor dem Nichts stehen. «Pretty Woman» gibt es nur in Hollywood. Denn Prostitution ist keine Karriereleiter, sondern der Treppenabstieg in die Hölle.” siehe https://www.ensuite.ch/menschenfleischarbeit-piff-paff-puff/Links:– ORF Science über die “Frau von Willendorf”: https://science.orf.at/stories/3212596/– Das frauenfreie Sachbuch-Programm des Hanser Verlags 2022: https://www.hanser-literaturverlage.de/files/hanser-vorschau-sachbuch-herbst-2022.pdf– Huschke Mau bei der NDR-Talkshow “deep und deutlich”: https://www.ardmediathek.de/video/deep-und-deutlich/deep-und-deutlich-mit-huschke-mau/ndr/

Ab April bis 8.5.2022 Deutscher Podcast-Preis: Isabel Rohner & Regula Stämpfli sind nominiert. Bitte Abstimmen!

Der Podcast boomt. Und meistens erklären uns darin Männer die Welt. Darum machen wir „Die Podcastin“. Seit 2020 schließen das Duo Isabel Rohner (Kulturwissenschaftlerin & Krimi-Autorin) und Regula Stämpfli (Politphilosophin) mit ihrem Wochenrückblick eine klaffende Lücke: „Die Podcastin“ diskutiert alle denkbaren Themen – von Geld bis Kunst, von Corona, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz bis zu Architektur, Politik und Demokratie – konsequent aus feministischer Perspektive. Frauenthemen? Sind sämtliche Themen! Die Rohnerin & LaStämpfli erweitern den Blick auf das vermeintlich Bekannte um die vergessenen und verdrängten Frauen. Gemeinsam diskutieren sie und denken weiter. Messerscharf, politisch, streitbar – und unabhängig: LaStämpfi & die Rohnerin machen und finanzieren bei „Die Podcastin“ alles selber. www.diepodcastin.de

https://www.deutscher-podcastpreis.de/podcasts/die-podcastin-2/

Regula Stämpfli denkt mit Hannah Arendt über den #Ukrainekrieg. In zwei Folgen mit Isabel Rohner in #diepodcastin

#diepodcastin über den Krieg: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über den Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine mit dialogischen und technischen Erschütterungen der Rohnerin & der Stämpfli. Weiter Leihmutterschaft in der Ukraine, Ausbeutung in der immer noch legalen Prostitution des Bordells Europa, strategische Synthese von Geschlecht.Die Rohnerin beginnt mit dem Auszug aus einem Gedicht von Hedwig Dohm (1831-1919), das diese mitten im Ersten Weltkrieg veröffentlicht hat (in Gänze nachzulesen u.a. in Rohners Dohm-Biografie “Spuren ins Jetzt”). Isabel Rohner reflektiert die Verletzlichkeit von Menschen und erinnert daran.laStaempfli zitiert in der Mitte der Sendung Hannah Arendt: “Sprechend und handelnd schalten wir uns in die Welt der Menschen ein, die existierte, bevor wir in sie geboren wurden. Diese Einschaltung ist wie eine zweite Geburt, in der wir die nackte Tatsache des Geborenseins bestätigen, gleichsam die Verantwortung dafür auf uns nehmen. Für Regula Stämpfli ergibt sich hier die militärische Strategie und die Sicherheitskonzeptionen für die westlichen Demokratien.Regula Stämpfli beginnt heftig mit Militärstrategie, mit Überlegungen der eigenen Haltung, die sich angesichts des Widerstandes der Ukrainerinnen und Ukrainer verändert hat: Die Militärhistorikerin, die laStaempfli neben der Politphilosophin auch ist, spricht sich für die Verteidigung der westlichen Demokratien aus. Damit auch Feministinnen dies besser verstehen, macht sie mit Putin, denn der Russlandkrieg nennt laStaempfli konsequenterweise Putinkrieg, also laStaempfli vergleicht Putin mit einem Stalker, der, wenn er nicht gestoppt wird, die Exfreundin mit hundertprozentiger Sicherheit ermorden wird. Femizide werden nicht durch Friedensaufrufe an Männer gestoppt, sondern durch die Polizei und durch die Ermächtigung von Frauen, durch Demokratie, Chancengleichheit, Sichtbarkeit und Durchbrechen der patriarchalen Frauenmord-Motive. Genau dies gilt auch auf internationaler Ebene. “Dieser Krieg findet statt, weil in den letzten Jahrzehnten Milliardengeschäfte mit globalen Stalkern gemacht wurden und gemacht werden.”Uneinig sind sich die Rohnerin und laStaempfli in der Reaktion, auch der militärischen und wirtschaftlichen Reaktion: laStaempfli plädiert für konsequenten humanitären Korridor mit westlichen Schutzflugzeugen, um die NoFlyZone zu ermöglichen, die Rohnerin warnt vor dem Nuklearkrieg, von dem laStaempfli meint, der werde vor allem als Putinpropaganda an die Wand gemalt. “Mourir pour Kiew”-Analogie. Die Diskussion ist spannend, laStaempfli dominiert etwas stark, weil sie so engagiert ist und entschuldigt sich im Nachhinein bei Isabel Rohner und den Hörerinnen dazu. 

Auch über das Geschäft mit sogenannten ukrainischen “Leihmüttern” (was für ein Euphemismus! Die Podcastin spricht daher von “Fortpflanzungssklavinnen” und “Menschenfleischhandel”) sprechen Regula Stämpfli und Isabel Rohner. Sie sind entsetzt über die vielen frauenverachtenden und völlig unkritischen Berichte in Deutschland, das Frauen entmenschlicht und sie auf den Status trächtiger Kühe reduziert. laStaempfli fügt ganz unten den Originalartikel aus der Süddeutschen zum Thema an: Die frauenverachtende Diktion ist mittlerweile Usus, wenn es um Menschenfleischverkauf von weiblichen Menschen geht. Es ist unerträglich.Diese Folge zeigt: Krieg zerstört alles, manchmal auch die Gesprächkultur. Dazu kamen technische Verzögerungen, #diepodcastin entschuldigt sich dafür, weiss aber, dass die Folge wichtig ist für uns alle.  Zur Bildauswahl: Die Sonnenblume ist das Symbol für die Ukraine: Der Blumenstraus als Symbol für die Demokratien.

Hier die Links zu den zwei Folgen : https://diepodcastin.de/2022/03/12/diepodcastin-uber-den-krieg-isabel-rohner-regula-stampfli-uber-den-angriffskrieg-putins-gegen-die-ukraine-mit-dialogischen-und-technischen-erschutterungen-der-rohnerin-der-stampfli-weiter-leihm/ Und https://diepodcastin.de/2022/03/19/diepodcastin-ist-100-isabel-rohner-regula-stampfli-on-ukraine-krieg-die-heldin-marina-owsjannikowa-geflohene-frauenkinder-neue-genderhierarchien-im-krieg-taz-als-taliban-flusterer-bohmermann/

Hannah Arendt revisited: Elemente & Ursprünge digitaler Auflösung der Wirklichkeit. Regula Stämpfli an der HSG – Vorlesung, ab 7.4.2022.

Hannah Arendt Briefmarke Commons
Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und «virologisch basierter Datenhoheit» habe ein «Zeitalter der totalen Gewissheit» geschaffen, schreibt die Politikwissenschafterin Regula Stämpfli. Die Urteilskraft gegenüber Richtig und Falsch sei auf der Strecke geblieben.Regula Stämpfli am 9.5.2020 in der NZZ.

Hannah Arendt revisited: Elemente und Ursprünge digitaler
Auflösung der Wirklichkeit
von Regula Stämpfli an der HSG – Universität St. Gallen.

Für 20 SFr. die Vorlesung hören, für 20 SFr. die Bücher von Regula Stämpfli nachlesen.

Politische Philosophie: Diese Vorlesung beschäftigt sich mit Fiktionen, technischer Reproduktion,
Digitalisierung und der «Eroberung der Welt durch Narration und Zahl» auf den
Spuren Hannah Arendts. Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und
«automatisierter digitaler Reproduktion» erschafft ein neues «Zeitalter der totalen
Gewissheit», analysiert die Politphilosophin Stämpfli, die durch diese Vorlesung
führt. Die Urteilskraft gegenüber richtig und falsch bleibt dabei oft auf der
Strecke. Wir gehen in der Vorlesung unterschiedlichen Beispielen nach, die «den
Verstand mit Argumenten so bezaubern» (Hannah Arendt), damit der öffentliche
Diskurs nur noch den Meinungen und nicht mehr der Information dient.
Das Medium der Digitalisierung ist nicht nur die Message, sondern mehr und
mehr totalitäre Ideologie. Datenpakete «beweisen» gegenüber der Wirklichkeit
bald diese, bald jene Meinungen, so dass sie oft gar nichts mehr «wirklich»
erklären. All dies macht die Existenz von uns als Bürgerinnen und Bürger, als
Weltangehörige eines undurchsichtigen, datenbasierten Systems, fragil.
Donnerstag, 18.15 bis 19.45 Uhr, Online (Podcast)

Regula Stämpfli über Pandemie & Männerkumpanei in der Schweiz: Nebelspalter 17.4.2021

Es gibt punkto weiblicher Teilhabegerechtigkeit kein Dazwischen, sondern nur linke und rechte Penisträger. Mit 16 SFr. sind Sie dabei und abonnieren #DerNebelspalter. Sie können ja explizit machen, dass Sie dies nur tun, um laStaempfli immer aktuell lesen zu können.

#MediaToo laStaempfli on Culture & Politics

Regula Stämpfli: Die Wahrheit der Wirklichkeit, Nebelspalter 19.3.2021

Regula Stämpfli: Über die Wahrheit der Wirklichkeit, Nebelspalter 19.3.2021:

laStaempfli: wahr ist wirklich

Über die Wahrheit der Wirklichkeit Letzte Woche hielt ich einen Vortrag an der kleinen und feinen Fachhochschule für Design und Kunst in Luzern. Es ging um „Wahrheit“. Doch wie es so ist, lenkten mich die Fesseln codierter Ablenkung stundenlang vom Thema ab. Dabei fand ich viel Erstaunliches, Sinniges und erstaunlich Unsinniges: War „postfaktisch“ das Modewort des Jahres 2016 als – horribile dictu – Donald Trump zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, dominiert seit 2020 der denglische Begriff „Lockdown“. Ein „lock“ oder „to lock“ gibt es seit dem 13. Jahrhundert und hatte eigentlich einen hübschen, romantischen Anfang. „Loken love“ besangen die Troubadoure ihre heimlichen Liebschaften und nicht wenige verloren dabei ihr Leben, weil sie gegen geltende „Lockdown“ – Beschränkungen verstießen und der Besungenen gar zu nahe kamen. Einmal im Lockdown-Surfmodus ging es weiter in meiner Recherche: Erinnern Sie sich noch daran, als alle von „social distancing“ sprachen? Eigentlich meinten die Statistikmediziner damit die räumliche Trennung von Lebewesen untereinander, doch WIRKLICH bezeichneten sie mit diesem Begriff, die totalitäre Vision eines politischen Programms, das jede von uns zur Vereinzelung, Isolation und Vereinsamung verdammte. Womit ich endlich wieder bei der Wahrheit landete. Selbstverständlich gehört ein flexibler Umgang mit der Wahrheit seit jeher zur Politik und es gibt durchaus Bedingungen, unter welchen es moralisch vertretbar ist, zu lügen. Aber die unverhohlene Art, mit der in jüngerer Zeit auch in Demokratien durch das Weglassen wichtiger Fakten digitales wie politisches Kapital auf Kosten von uns allen geschlagen wird, ist alarmierend. Einzig die Schweiz hält hier dagegen, indem Politik nicht einfach Labern, sondern Handeln impliziert. So geschehen am 7. März 2021 als die Stimmenden der Regierung eine saftige Klatsche verabreichten. Sie sprachen Wahrheit, die sich dadurch definiert, dass sie öffentlich, nachvollzieh- und legitimierbar ist: Nein zu privatisierten Plattform-Identitäten, nein zur postmodernen Perlenketten-Metaphern der auf Versklavung geschneiderten Verhüllung der Frau. Ebenso verwiesen die realen Bürger und Bürgerinnen pragmatisch, in meinen Augen leider zu kurzsichtig, aber trotzdem wahrhaftig, auf die Wichtigkeit internationaler wirtschaftlicher Beziehungen. Und da haben wir es wieder: Wahrheit, so auch Hannah Arendt, ist ohne Wirklichkeit nichts, im besten Falle eine Behauptung. Diese findet sich in der zeitgenössischen Berichterstattung digital und unendlich repetiert: Denn die kalten Regisseure ihrer eigenen Dunkelheit verbreiten sich perfekt via Tweets, Hashtags und Trends.

Wir alle leben seit über einem Jahr unwahr, unwirklich, unnormal. Doch statt dies plural, vielfältig und anregend zu diskutieren, werden wir wie Algorithmen in binäre Codes eingesperrt: Entweder gehören wir zur Gruppe der engen Umarmung unserer Regierungen oder wir partizipieren unter den Covidioten, deren Aluhüte noch das geringste Problem darstellen. Wirklich wahr ist weder das Eine noch das andere: wahr ist lediglich, dass am 13. März 2020 die Welt, wie wir sie kennen, zusammengebrochen ist. Höchste Zeit, endlich die Trümmer wegzuräumen und den Wiederaufbau zu wagen: Mit menschlichen Kernkompetenzen wie Kooperieren statt Gehorchen, Kommunizieren statt Rechnen, Begreifen statt auswendig lernen und erkennen, dass es kein Recht der Welt gibt, den Sinn von Politik, nämlich den der Freiheit, ein weiteres Jahr einfach auszusetzen.

Regula Stämpfli über die Wirklichkeit der Wahrheit: Hannah Arendt & Pandemie

REGULA STAEMPFLI. Über die Wahrheit der Wirklichkeit: 19.3.2021 im NEBELSPALTER

Letzte Woche hielt ich einen Vortrag an der kleinen und feinen Fachhochschule für Design und Kunst in Luzern. Es ging um „Wahrheit“. Doch wie es so ist, lenkten mich die Fesseln codierter Ablenkung stundenlang vom Thema ab. Dabei fand ich viel Erstaunliches, Sinniges und erstaunlich Unsinniges: War „postfaktisch“ das Modewort des Jahres 2016 als – horribile dictu – Donald Trump zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, dominiert seit 2020 der denglische Begriff „Lockdown“. Ein „lock“ oder „to lock“ gibt es seit dem 13. Jahrhundert und hatte eigentlich einen hübschen, romantischen Anfang. „Loken love“ besangen die Troubadoure ihre heimlichen Liebschaften und nicht wenige verloren dabei ihr Leben, weil sie gegen geltende „Lockdown“ – Beschränkungen verstießen und der Besungenen gar zu nahe kamen… Abonnieren Sie den Nebelspalter, um weiterzulesen

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