“Die Hannah Arendt Kontroversen.” Nächte der Philosophie von Regula Stämpfli, update mit #HannahArendtLectures 2026: Zehn Thesen gegen die politische Vereinnahmung der Philosophin Hannah Arendt.

Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Welt vor den Algorithmen retten. Alle Weisheit dieser Welt. Beitrag von Regula Stämpfli zu Hannah Arendt.
Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Demokratie in Zeiten digitaler Reproduktion retten.

Audio: https://www.podcast.de/episode/641278025

Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung

Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026

1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden

Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.

2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk

Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.

3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit

Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.

4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit

Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.

5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts

Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?

6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen

Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.

7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin

Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.

8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt

Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.

9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben

Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.

10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung

Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.

Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.

Regula Staempfli: “Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in den Nächten der Philosophie in Wien 2026 (Das Dorf.)

Audio: https://www.podcast.de/episode/704685149

Willkommen im gleichzeitigen polit-philosophischen Denken zu:

  • Institutionen,
  • Körper,
  • Codes,
  • Geschichte,
  • Narrative
  • Neue Architektur der Macht zu den Themen Krieg und Pornokratie

Ich nähere mich meinem Thema Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in drei Schritten:

Zunächst zehn Thesen zu Krieg, zehn zu Pornokratie und dann zehn Thesen von mir, wie wir Krieg und Pornokratie neu denken sollten. Einen Spoiler schon jetzt: Es geht um Menschenfleisch, den Austausch, den Transfer von Körper und Kapital, der in der Geschichte der letzten 6000 Jahre entlang gesellschaftlich gültige Narrative für die radikal sozialen Tiere namens Menschen von globalen Eliten organisiert wurden. Und ja: Es gibt durchaus Narrative, Menschenbilder, die besser sind als andere. Darin unterscheide ich mich vehement von den Sophisten, die Meinungen zu Fakten umdeuten und momentan im Zeitalter digitaler Reproduktion wieder die totalitäre Mehrheit bilden oder zumindest daran sind, diese zu etablieren.

Doch eines ist einfach zu verstehen: In der Menschheitsgeschichte gibt es Menschen, die ihr Fleisch zum Verkauf, zur Miete, zum Gebrauch anbieten müssen, verwendet und verkauft werden, und es gibt ein paar Akteure, Institutionen und Ideologien, die exakt benennt werden müssen, die dieses Menschenfleisch für sich in Anspruch nehmen. Menschen sind Körper, die beschriftet werden. Diese Beschriftung erfolgt zunächst durch mächtige Erzählungen und nistet sich dann unter die Haut ein. Krieg und Pornokratie, die die sog. Sexarbeit strukturiert, also Körperteile auf Zeit als Verfügungsmasse für eine schmale Elite bereitzustellen, lässt sich in die Menschheitsgeschichte einordnen. Es gibt nur eine kurze befreite Epoche, die diesen Tausch verändert hat und zwar die liberale Demokratie.

Pornokratie. Was für ein Wort. Es klingt nach spätrömischer Dekadenz, nach vergoldeten Leibern auf zerfressenen Imperienthronen, nach Pasolini-Filmen voller Dreck, Blut, Sperma und Macht, nach jener letzten Phase einer Kultur, in der der Körper nicht mehr als menschlicher Ausdruck, sondern nur noch als zirkulierende Oberfläche wahrgenommen wird. Und doch beschreibt das Wort die Gegenwart erschreckend präzise. Wir leben in einer Zeit, in der Krieg pornographisch geworden ist und Pornographie kriegerisch. Beide operieren mit denselben Mechanismen: Entmenschlichung, Wiederholung, Emotionalisierung, Reizüberflutung und algorithmischer Verstärkung. Der Körper ist nicht mehr Person, sondern Content. Das Opfer ist nicht mehr Mensch, sondern Bildträger. Und die Gewalt verschwindet paradoxerweise gerade dort, wo sie pausenlos sichtbar wird.

Der Krieg wird ästhetisch konsumiert wie eine Netflix-Serie. Und gleichzeitig wird Pornographie politisch aufgeladen. Jeder Körper wird ideologisch lesbar gemacht. Geschlecht, Hautfarbe, Opferstatus, sexuelle Orientierung, Trauma – alles verwandelt sich in codierte Zeichen innerhalb eines gigantischen digitalen Bedeutungsmarktes. Pasolini verstand dies früher als viele andere. Sein „Salò“ war nie bloss ein Skandalfilm, sondern eine philosophische Diagnose. Der Faschismus, so Pasolini, herrscht nicht allein durch Ideologie, sondern durch die totale Verfügbarkeit des Körpers. Die Konsumgesellschaft vollendet das, was die alten Diktaturen begonnen haben. Der Mensch wird Ware. Der Körper wird Objekt. Das Begehren wird industriell, neu codiert organisiert. Heute, Jahrzehnte später, erscheint Pasolini beinahe prophetisch. OnlyFans, KI-generierte Pornographie, Deepfake-Sexvideos und algorithmische Datingmärkte verwandeln Intimität in eine globale Ökonomie. Millionen junger Frauen und Männer wachsen in einer Welt auf, in der Selbstobjektivierung nicht Ausnahme, sondern Normalität geworden ist. Und gleichzeitig explodiert die Einsamkeit

Menschenfleisch war historisch immer Verhandlungsmasse: Als Söldner und Soldaten verkauft wurden, als Mädchen und Frauen als Tribut, als Sklavinnen der siegenden Macht ausgeliefert wurden. Einzig die westlichen liberalen Demokratien haben dies verändert. Kein Wunder, dass von globalen Eliten sehr mächtig und eindrucksvoll versucht wird, Menschenfleisch wieder ohne Probleme verkaufen und verhandeln zu können. Sei dies via Codes, automatisiert, sei dies für Kriege, kurz, die Errungenschaft der Moderne, die aus dem Christentum stammt, die Sklaverei zu verbieten, soll rückgängig gemacht werden und es ist eindrucksvoll wie Medien, Kulturschaffende, Intellektuelle dies wie in der Sowjetunion, wie in den sozialistischen und marxistischen Totalitarismen in Verbindung mit der jüngsten faschistischen Strömung, dem Islamismus, mittels Codes tatsächlich zu schaffen scheinen.

In der Geschichte der Philosophie spielt das Menschenbild die grundsätzliche Rolle für das jeweilige politische System. Wir wissen dies von den Souveränitätslehren der Aufklärung; Je nach Menschenbild entwickelt sich Herrschaft. Im Zeitalter codierter Fiktionen und Reprioduktionen ist das Menschenbild eines, das auf Auflösung der Biologie basiert. Wie im Christentum wird der Körper verteufelt, dafür die Ideologie geheiligt: Die Seele und auch den Geist gibt es nicht, dafür den Code, den Sprechakt, der Biologie auflösen soll. Krieg und sexuelle Gewalt sind immer an Narrativen gekoppelt. Denn kein Mensch führt aus freien Stücken Krieg, kein Mensch, ausser den Perversen, den krank sozialisierten und stumpfen Männern, würde einfallen, die schlimmste sexuelle Folter anzuwenden, ausser eben es gibt ne gute Geschichte dazu. Dann ist alles machbar. Die neuen technischen Mittel werden immer zuerst auf Krieg und Pornographie angewendet. Bildgebende Verfahren operieren seit über 150 Jahren mit Bildern, die emotionalisieren, entmenschlichen, Unaussprechliches legitimieren.  „Im Zeitalter der digitalen Reproduktion“ sind die ikonografischen und philosophischen Bilderrevolutionen algorithmisch verstärkt. Es verschränken sich so ideologische Narrative und materielle Politik: Der Körper wird zur Ware, das Schlachtfeld zum Content, Gewalt zur ästhetischen Oberfläche. Künstliche Intelligenz, Plattformen wie Grok, Gemini, ChatGPT beschleunigen diesen Prozess und produzieren Informationen, die auf Deepfakes, KI-generierten Bildern, basierend auf codierten pornographischen Menschenbildern bauen und Krieg inszenieren, lange bevor die Fakten überprüft sind. Schlimmer noch: Die Wirklichkeit, wie in jedem Krieg, spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr und wer es wagt, Wahrheit, Fakten zu schreien, wird hingerichtet.

Aufruf zum Guten: Wagt mehr Wirklichkeit!

https://www.podcast.de/episode/704685149

Rabbi Eli: Unkonventionell, spannend, literarischer Knüller. Die jüdische Ermittlerin zwischen N.Y., Psychoanalyse und Zürich; ihre Schöpferin Marianne Feder zu Gast bei Regula Stämpfli in „Art Is A Piece of Cake.“

„In Marianne Feders Kriminalroman «Die Kur. Rabbi Elis zweiter Fall» steht eine unkonventionelle Ermittlerin im Zentrum, die sich weder von Autoritäten noch von gesellschaftlichen Erwartungen einschüchtern lässt. Rabbi Eli ist eine starke, aufgeklärte und kluge Frau: intellektuell ebenso überzeugend wie spirituell, selbstsicher und sich ihrer persönlichen Ausstrahlung durchaus gewiss. Ihre riskanten Nachforschungen führen sie in ein Geflecht aus Abhängigkeiten, verdrängten Wahrheiten und subtiler Manipulation. Besonders eindrucksvoll sind Feders profunde Kenntnisse der Theorie und Geschichte der Psychotherapie. «Die Kur» zeigt eindrucksvoll, wie therapeutische Autorität entsteht, Deutungshoheit missbraucht und vermeintliche Hilfe zum Instrument der Kontrolle werden kann.„

Die Schriftstellerin und Kunsttherapeutin Marianne Feder vermittelt in ihren Romanen moderne, liberale und vielschichtiges Bilder jüdischen Lebens in Europa und in N.Y. – mit Ausflügen in die jüdische Geschichte bspw. von Odessa. Die Romane unterscheiden sich deutlich von den konfliktdominierten Bildern vieler Nachrichtensendungen über Israel und das Judentum und sie sind, neben brillanten Dialogen und literarischen Leckerbissen unfassbar komisch. Kulturelle und historische Hintergründe verbinden sich bei Marianne Feder mit einem leichten Zug ins Absurde; die Stories sind unterhaltsam und anspruchsvoll zugleich. Gerade in einer Zeit, die sich verstärkt mit Antisemitismus auseinandersetzen muss, ist dieser scharfsinnig gemachte Krimi von besonderer Aktualität – von Rabbi Eli und Marianne Feder werden wir in Zukunft noch viel mehr hören und erfahren. Das Gespräch zwischen der Schriftstellerin Marianne Feder und Regula Staempfli gehört zur wunderbaren Tradition des „sprechenden Denkens“ und macht Lust auf die Romane von Marianne Feder. Regula Staempfli würde sich ja über eine hochkarätige Netflix-Serie enorm freuen.

Hier zum Gespräch: https://artisapieceofcake.art/2026/09/22/rabbi-eli-unkonventionell-spannend-literarischer-knueller-die-juedische-ermittlerin-zwischen-n-y-psychoanalyse-und-zuerich-ihre-schoepferin-marianne-feder-zu-gast-bei-regula-staempfli-in-art/

Oder direkt Audio via Homepage laStaempfli:

Die Musik ist von Marianne Feder, auf Youtube abspielbar, grossen Dank an die Künstlerin: https://youtu.be/Q472bng9UFo

Die Podcastin spricht Klartext: Isabel Rohner und Regula Staempfli im sprechenden Denken über Medien, die einen Vergewaltiger “Polizistin” nennen, der österreichische Verfassungsbericht, der “es gibt zwei biologische Geschlechter” als gesichert rechtsextrem beurteilt und weshalb die Frauen in Deutschland keine Rolle mehr spielen – selbst beim Abgang Jan Böhmermann (oder auch Jens Spahn) nicht.

Seit 2020 führen Isabel Rohner und Regula Stämpfli gemeinsam den Podcast «Die Podcastin». 2021 wurden sie für den Grimme Online Award nominiert. Als erstes Frauenduo im deutschsprachigen Raum verbanden sie Woche für Woche Frauen mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst, Literatur und Geschichte. Seither begleiten sie die politischen, verfassungsrechtlichen und digitalen Umbrüche unserer Gegenwart: kenntnisreich, engagiert, literarisch und poetisch – und immer mit der Lust am klugen Widerspruch.

In der neuen Folge sprechen die beiden u.a. über die Erzbischöfin der anglikanischen Kirche, ihre irritierende Nähe zum Islamismus und einen Preis, den sie zurückgeben musste. Das bei der Verleihung entstandene Bild – neben dem Preisträger dessen vollständig schwarz verhüllte Ehefrau – verdichtet die Widersprüche dieser Geschichte zu einem Symbol von seltener Brisanz. Ausserdem: die FLINTA-Orwell-Neusprechanlagen öffentlich-rechtlicher Institutionen und der schleichende Niedergang einer einst grossartigen Gleichstellungspolitik in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Und schliesslich eine der besten Debatten über Briefwahl, über das Wahlrecht von Bürgerinnen und Bürgern im Ausland – und darüber, was Berlin 2026 für uns alle bedeuten könnte.

Die Podcastin: zwei Frauen, zwei unverwechselbare Stimmen und keine Angst vor den Fragen, denen andere lieber ausweichen. Jetzt hören.

Bild kreiert von Denkmaschine laStaempfli aufgrund einer realen Fotovorlage. 2026.

www.diepodcastin.de Hier direkt zur Folge per Link und Audio direkt: https://diepodcastin.de/2026/09/20/die-podcastin-korrigiert-isabel-rohner-und-regula-staempfli-uber-das-fest-der-demokratie-wahlen-in-berlin-die-notwendigkeit-von-realitat-sprache-und-weshalb-ein-vergewaltiger-keine-frau-ist/

Die USA-EXPERTIN, BESTSELLERIN UND POLITPHILOSOPHIN REGULA STAEMPFLI IM FERNSEHEN AUF PULS 4 & JOYN. Aufgenommen in Wien, 16.6.2026. Vorbeitung & Thesen der Sendung von Regula Staempfli.

Am 16.6.2026 war Regula Stämpfli in Wien zur Live-Sendung “Puls 4.” Jean Asselborn und Sandra Navidi waren die sehr lauten, sehr klischeefixierten und unter dem Trump Derangement-Syndrom leidenden Kontrahenten von George Weinberg und Regula Staempfli. Ursula Plassnik war die Diplomatin in der Runde. Ein Gespräch, das visuell fast mehr sagte als die Diskussion. War spannend. Hier der Sendetext:

Iran-Deal und Käfig-Kampf: Hat Trumps Show-Politik Erfolg? „Pro und Contra“ heute um 22:20 Uhr auf PULS 4 & JOYN

Hochkarätige Runde mit Jean Asselborn, Ursula Plassnik, Sandra Navidi & Co. Danach bei „Breaking Media“: Medienmanager Gerhard Zeiler im Interview zur ORF-Zukunft.

Wien (OTS) – 

Mitten in den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag und dem 250-jährigen Jubiläum der US-Unabhängigkeit verkündete Donald Trump überraschend eine Absichtserklärung zur Beendigung des Iran-Krieges. Einmal mehr schafft der US-Präsident im Alleingang Fakten und zwingt gleichzeitig die Staatengemeinschaft zum Handeln. Seine „America First“-Doktrin drängt die Europäische Union nun endgültig zu einer drastischen, eigenständigen Aufrüstung, um die eigene Sicherheit zu garantieren.

Diese harte Machtpolitik betrifft längst den Alltag der Menschen hierzulande – von der Energiesicherheit bis zu den Preisen an den Kassen. Wie sehr verändert Trump die Weltpolitik nachhaltig? Und was bedeutet diese neue Realpolitik konkret für Österreich? Darüber diskutieren bei Moderatorin Manuela Raidl:

  • Jean Asselborn: Langjähriger Außenminister von Luxemburg
  • Ursula Plassnik: Ehemalige österreichische Außenministerin und Diplomatin, ÖVP
  • Sandra Navidi: Deutsch-amerikanische Juristin und Finanzexpertin
  • George Weinberg: Geschäftsführer der „Republicans Overseas“ in Deutschland
  • Regula Stämpfli: Politphilosophin, USA-Expertin (Trumpism. The Algorithmic Age.)

Bildschirmfoto aus der Sendung PULS 4 mit Politphilosophin Regula Stämpfli zu den USA.

Die Thesen zur Vorbereitung zur Sendung von Dr.phil. Regula Staempfli:

These 1: Trump ist keine Ursache, sondern eine Reaktion

Trump ist die politische Fehlermeldung eines Systems, das über Jahre reale Probleme ignoriert hat. Wenn Millionen Wähler trotz aller Skandale Trump wählen, muss man die Wähler ernst nehmen und nicht nur Trump dämonisieren.

These 2: Die grösste Gefahr für Demokratien ist nicht Trump, sondern Wirklichkeitsverlust

Die letzten zehn Jahre waren geprägt von Symbolpolitik, Sprachpolitik und Identitätspolitik. Viele Bürger hatten das Gefühl, dass über Pronomen gesprochen wird, während Inflation, Wohnkosten, Migration und Sicherheit ungelöst bleiben.

These 3: Frauen haben den Kulturkampf früher verstanden als viele Eliten

Die Debatte um Frauenräume, Frauensport und die Definition von Geschlecht wurde von Medien oft als Randthema behandelt. Für viele Frauen war sie jedoch zentral. Gerade hier zeigt sich die Distanz zwischen Institutionen und Bevölkerung.

These 4: Migration ist auch ein Frauenthema

Migration betrifft nicht nur Arbeitsmärkte und Sozialstaaten. Sie betrifft Sicherheit, Schulen, Integration und öffentliche Räume. Wer diese Themen tabuisiert, stärkt nicht die Demokratie, sondern die Populisten.

These 5: Der Iran und der Islamismus sind reale geopolitische Herausforderungen

Der Westen diskutiert obsessiv über Trump, während autoritäre Regime und islamistische Bewegungen langfristig die eigentliche Herausforderung darstellen. Die iranische Revolution exportiert seit Jahrzehnten Ideologie, Terrornetzwerke und Instabilität.

These 6: Die Linke hat ihre soziale Basis teilweise verloren

Historisch standen Sozialdemokraten für Arbeiter, Löhne, Infrastruktur und sozialen Aufstieg. Heute beschäftigen sich viele linke Parteien stärker mit kulturellen Symbolfragen. Dadurch entstand ein Vakuum, das Trump besetzen konnte.

These 7: Die Medien haben aus Trump ein Geschäftsmodell gemacht

Trump verkauft Einschaltquoten. Viele Medien profitieren wirtschaftlich von permanenter Empörung. Dadurch wird jede Nachricht zu einer Trump-Geschichte, während strukturelle Themen untergehen.

These 8: Europa sollte Trump nicht kopieren, sondern verstehen

Trump zeigt die Symptome westlicher Demokratien. Europas Aufgabe ist nicht die Amerikanisierung der Politik, sondern die Rückkehr zu guter Verwaltung, funktionierenden Institutionen und demokratischer Urteilskraft.

These 9: Die Generation nach Woke sucht wieder Wirklichkeit

Viele junge Menschen haben genug von moralischer Selbstinszenierung. Sie wollen Arbeit, Wohnungen, Familiengründung, Sicherheit, Technologie und Wachstum. Das ist keine rechte Sehnsucht, sondern eine sehr menschliche.

These 10: Die eigentliche Frage lautet nicht „Sind die USA noch zu retten?“

Die eigentliche Frage lautet:

Warum vertrauen so viele Menschen ihren politischen, medialen und akademischen Eliten nicht mehr? Trump ist die Antwort auf diese Vertrauenskrise, nicht ihr Ursprung

Galerie zur Tätigkeit von Regula Staempfli, Bestsellerautorin, Politphilosophin, KI-Forensikerin. August 2026. Themen: Codes, Menschenbilder, Geschichte, Philosophie, Literatur, Ökonomie und Schwerpunkte: VR China und EU. Neu auch die UNO – als klare Kritik an der Pervertierung öffentlicher Institutionen.

China does not spy, It thinks in Empires and acts in Codes by Regula Staempfli.

CV: PD Dr. Regula Stämpfli ist Politphilosophin, Bestsellerautorin, Publizistin und KI-Forensikerin. Sie lehrte viele Jahre an der Schweizer Journalistenschule. leitete jahrelang als Intendantin das IFG ULM (International Forum for Design), ist bis heute als unabhängige wissenschaftliche Expertin für die EU-Kommission gelistet, begründete an der Universität St. Gallen die Hannah Arendt Lectures, die sie bis 2025 leitete. 2021 wurde sie zu den wichtigsten Intellektuellen der Schweiz gezählt; als „Lara Croft der Politologie“ verbindet laStaempfli politische Theorie mit publizistischer Streitlust und digitaler Gegenwartsanalyse – dazu gibt es Kolumnen und die Essays in ENSUITE und Weiterdenken Quarterly. 2025 erhielt sie gemeinsam mit Dr. Isabel Rohner den Frauenheldinnen-Preis für „Die Podcastin“, den feministischen Wochenrückblick für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Regula Stämpfli ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt in München.

China does not spy. It thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli.

China Doesn’t Spy. It Thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli (Politphilosopher/Bestselling Author/ AI Forensics/ Germany) see article published on X https://x.com/laStaempfli/status/2086816834355917092

The story that broke in The Daily Telegraph last week was, on its face, a security scare of the familiar kind. Cameras fitted to the Royal Navy’s K3 Scout drones—small, fast, unmanned vessels already in use by British special forces—had been sending regular “heartbeat” signals to an IP address in China. The components were Chinese-made. The Ministry of Defence promptly cut the cameras off from the internet. Officials insisted that no operational data had been compromised. The technical details were almost reassuring. And yet the episode left a deeper unease. Once again, critical military equipment had been assembled without anyone bothering to follow the supply chain all the way down to the last chip.

The real failure was not Chinese ingenuity. It was Western assumption.

For decades the West has treated technology as a commodity: something one buys, installs, and then largely forgets. China has never shared that illusion. In Beijing, technology is not a product. It is an instrument of sovereignty. Economy, technology, state, military, and Party are not separate spheres. They form a single continuum of power. We purchase cameras; China builds infrastructure. We license software; China cultivates influence. We optimize supply chains for cost; China designs them for leverage. The difference is not merely strategic. It is philosophical. The West still imagines that code is neutral—that a sensor is just a sensor, a chip just a chip. China understands that every piece of technology carries a political architecture inside it. Codes do not only shape individual lives. They embed themselves in states, in logistics networks, in standards, in the quiet protocols that determine who can see, who can listen, and who can decide. While Western capitals continue to debate data protection as a matter of individual privacy, China has long been constructing data sovereignty as a matter of national power. These are not the same conversation. One is about rights. The other is about control. The drone cameras that whispered their presence to a server in China are therefore less a scandal than a symptom. They reveal a persistent Western refusal to accept what has been obvious for twenty years: that critical infrastructure cannot safely rest on supply chains whose geopolitical logic runs in the opposite direction.

The interesting question is not why China behaves this way. The interesting question is why the West keeps acting as though it has only just discovered the fact. This is not, in the end, a story about Chinese espionage. It is a story about Western absent-mindedness—about a civilization that still believes technology can be bought without consequence.

Die Historikerin und Politphilosophin (Bestseller “Trumpism. The Algorithmic Age” und “Mit der Schürze in die Landesverteidigung. Frauen, Krieg und Staat 1914-45”) mit einer Medienkritik zur gegenwärtigen NS-Geschichtsverfälschung: “War Oma auch eine Nazi?” Und was dies alles mit der sog. Leihmutterschaft der Gegenwart zu tun haben könnte.

Medienkritik SZ/BAZ: “War OMA Nazi?” ÜBER GESCHICHTSVERFÄLSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenwärtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders für Frauengeschichte.

Die Schweizer Medien erhalten aus Deutschland seit Jahren nicht nur Nachrichten, sondern auch erstaunlich viel publizistisches Abfallobst. So titelte die Süddeutsche Zeitung am 14. Juli 2026: «War auch Oma ein Nazi?» Wenige Tage später erschien dieselbe Denkfigur in der Schweiz: «War auch Grossmutter ein Nazi? Die Rolle der Frauen in der NS-Zeit.» Schon der Titel verrät das Problem. Er übernimmt unkritisch eine Kategorie, die es im Nationalsozialismus nur als Rassen- und nicht als Geschlechterpolitik gab.

Es gab im Nationalsozialismus nämlich keine Frauen als historische oder politische Kategorie. Es gab ausschliesslich rassifizierte Frauen. Der Nationalsozialismus unterschied nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen «erbgesund» und «erbkrank», zwischen «arisch» und «nicht arisch», zwischen reproduktionswürdig und vernichtungswürdig.

Wer deshalb 2026 über «Frauen im Nationalsozialismus» schreibt, ohne diese grundlegende Differenz bereits im Titel sichtbar zu machen, beschreibt nicht die historische Wirklichkeit, sondern reproduziert ungewollt die Sprache der Täter.

Der Artikel reiht alles auf, was seit Jahrzehnten zum Standardwissen gehört: Mutterkreuz, NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, Winifred Wagner, Helene Bechstein, zwölf Millionen Frauen in NS-Verbänden. Alles richtig. Alles bekannt. Alles unerquicklich oberflächlich. Das Entscheidende fehlt. Denn während sogenannte arische Frauen als Gebärerinnen der «Volksgemeinschaft» ausgezeichnet wurden, wurden jüdische Frauen, Sinti- und Roma-Frauen, Frauen mit Behinderungen, politische Gegnerinnen, Lesben und und und, entrechtet, zwangssterilisiert, in Konzentrationslager verschleppt, medizinischen Experimenten unterzogen und millionenfach ermordet. Wer diesen Gegensatz unter der Kategorie „Frauen“ ausblendet, schreibt nicht über „Frauen im Nationalsozialismus.“ Er/Sie schreibt über die Privilegierung einer rassisch definierten Minderheit und erklärt sie anschliessend zur allgemeinen Frauengeschichte.

Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, die Nationalsozialisten hätten ein «traditionelles Frauenbild» vertreten. Nein. Genau das ist historisch falsch. Die Nationalsozialisten waren in ihrer Frauenpolitik keineswegs restaurativ. Sie waren revolutionär. Sie machten den weiblichen Körper zum Gegenstand einer bis dahin ungekannten staatlichen Biopolitik. Nicht die Frau interessierte sie, sondern ihre reproduktive Funktion. Nicht Mutterschaft, sondern Bevölkerungspolitik. Nicht Familie, sondern Eugenik. Das sogenannte Mutterkreuz war deshalb keine Ehrung der Mutterschaft, sondern eine staatliche Auszeichnung für die Produktion rassisch erwünschter Kinder. Ideologie entschied darüber, welche Schwangerschaft gefeiert und welche vernichtet wurde.

Gerade deshalb wirkt es befremdlich, wenn ausgerechnet Hans-Ulrich Wehlers Formulierung einer «indirekten Emanzipationsförderung» unkritisch wiederholt wird. Frauen arbeiteten im Krieg nicht deshalb ausser Haus, weil die Nationalsozialisten plötzlich emanzipatorisch geworden wären, sondern weil der totale Krieg Arbeitskräfte verschlang. Von Emanzipation zu sprechen, wo Zwang, Vernichtung und totale staatliche Kontrolle herrschten, verharmlost die Logik eines Regimes, das Leben nach biologischen Kategorien organisierte.

Der eigentliche blinde Fleck solcher Artikel liegt jedoch tiefer. Sie sprechen ständig von «Frauen», ohne zu fragen, wie Ideologien Frauen überhaupt erst definieren. Genau darin lag die Radikalität des Nationalsozialismus. Frau war keine anthropologische, sondern eine politische Kategorie. Wer zur richtigen Rasse gehörte, wurde zur Mutter verklärt. Wer nicht dazugehörte, wurde vernichtet. Der Begriff «Frau» bedeutete im Nationalsozialismus niemals dasselbe für alle Frauen.

Diese Einsicht ist auch deshalb bedeutsam, weil Sprache bis heute Wirklichkeit schafft. Begriffe sind nie unschuldig. Sie ordnen die Welt, lange bevor Gesetze oder Institutionen handeln. Wenn heute selbstverständlich von «Reproduktion», «genetischem Material», «Matching», «Eizellspende», «Leihmutterschaft» oder «optimierten Embryonen» gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sprache. Denn auch hier werden Frauen zunehmend über ihre reproduktive Funktion definiert. Eine Frau, die vierzig Wochen ein Kind unter ihrem Herzen trägt und zur Welt bringt, ist keine «Leihmutter». Sie ist Mutter. Der Begriff «Leihmutter» beschreibt keinen biologischen Sachverhalt, sondern eine juristische und ökonomische Konstruktion, die Mutterschaft sprachlich neu codiert.

Zwischen der nationalsozialistischen Rassenpolitik und den bioethischen Debatten der Gegenwart bestehen selbstverständlich fundamentale historische Unterschiede. Wer Geschichte ernst nimmt, verwischt diese Unterschiede nicht. Doch ebenso wenig darf übersehen werden, dass Ideologien immer zuerst an der Sprache arbeiten. Sie verändern Begriffe, bis die Wirklichkeit anders erscheint. Genau deshalb genügt es nicht, Grossmütter nachträglich in Täterinnen oder Mitläuferinnen einzuteilen. Historische Aufklärung beginnt nicht mit moralischen Etiketten. Sie beginnt mit der Analyse jener Begriffe, durch die Macht den Menschen überhaupt erst definiert.

Wer 2026 über „Frauen im Nationalsozialismus“ schreibt, betreibt ideologische Reproduktion, klischiert Geschichte und verharmlost die biopolitische Gegenwart, die gerade in sog. progressiven Kreisen ihr entsetzliches Unwesen treibt.

Regula Staempfli: CODIERTE REPRODUKTION. FALL SPAHN UND DAS VERSAGEN VON WISSENSCHAFT, MEDIEN UND PHILOSOPHIE. ALTER ESSAY, NEUE ERGÄNZUNGEN. ARTIKEL zu codierten Frauen: “Heute besonders günstig. Frauenfleisch. Ein verführerisches Kiloangebot.” Der Essay wurde zwei Jahre VOR JENS SPAHNS SOG “LEIHMUTTERSCHAFT” (der Begriff lügt schon, es gibt nur Mutterschaft) geschrieben. Es geht um Codierung, Menschenbilder und Frauen-wie Kinderausbeutung.

Hier direkt zum PDF des ARTIKELS AUS DEM JAHRE 2024. https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2026/07/ensuite_257_Mai_2024-Regula.pdf

Update und Copyright. by Regula Stämpfli im Juli 2026: “Codierte Reproduktion – oder: Warum Leihmutterschaft mehr ist als ein moralisches Problem“

Die Debatte über Jens Spahn, Leihmutterschaft und den verständlichen Kinderwunsch homosexueller Paare wird in Medien und an den Universitäten mit erstaunlicher Urteilslosigkeit geführt. Personalisierung ersetzt Denken. Wer Kritik an der Leihmutterschaft übt, gilt als homophob. Wer sie verteidigt, gilt als fortschrittlich. Genau diese binäre Mechanik verhindert die entscheidende Frage: Was geschieht mit unserem Menschenbild, wenn Schwangerschaft zum Gegenstand eines Vertrages wird? Seit Jahren, 2016 um genau zu sein, ist Regula Stämpfli involviert in den weltweiten Kampf gegen die sog. Leihmutterschaft. Die Verträge, die Agenturen, die medizinischen Vorgaben, die ökonomischen Abhängigkeiten und die globale Logistik reproduktiver Dienstleistungen sind keine Randerscheinungen. Sie bilden längst einen milliardenschweren Markt.

Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, die alles verändert. Sie verändert unsere Sprache, unsere Institutionen und schließlich unser Denken. Schwangerschaft erscheint nicht länger als leibliches Beziehungsgeschehen zwischen Mutter und Kind, sondern als steuerbarer biologischer Prozess. Aus einer Frau wird eine reproduktive Ressource. Aus dem Kind wird das Ergebnis eines planbaren Herstellungsprozesses. Aus Elternschaft wird ein Bündel einklagbarer Ansprüche.

Hier begegnen sich Biotechnologie und Digitalisierung.

Seit Jahren wird Künstliche Intelligenz als Bedrohung beschrieben, weil Maschinen angeblich menschlich werden könnten. Das ist eine faszinierende Erzählung – und möglicherweise die falsche. Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass Computer Gefühle entwickeln. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Menschen beginnen, sich selbst nach der Logik der Maschine zu verstehen. Codierung ersetzt Erfahrung. Und vertragliche Verfügbarkeit ersetzt Beziehung: Wie beispielsweise der sog. “Leihmutterschaft.” Mutter-Kind-Beziehung über 40 Wochen ist kein automatischer, sondern ein höchst komplexer Prozess. Gefühle, Gerüche, Musik, Stimmen, der Klang der Welt wird 40 Wochen in einem Körper geteilt – egal ob die Eizelle und der Samen fremd sind (was übrigens zu furchtbaren und gefährlichen Gesundheitsschäden vor allem der Mutter führen kann, also die Fremdheit von Eizelle und Samen.)

Doch Medien, Universitäten, Politik legitimieren in einer selten dagewesenen Hybris die technische Reproduktion von Menschen. Dies nicht zuletzt, weil Menschen wie Maschinen zu argumentieren beginnen.

Die sog. Leihmutterschaft ist deshalb kein isoliertes bioethisches Thema. Sie gehört zur gleichen kulturellen Bewegung wie algorithmische Steuerung, datenbasierte Bewertung, Social Scoring und die vollständige Vermessung des Menschen. Immer steht dieselbe Vorstellung dahinter: Der Mensch ist letztlich ein organisierbares System. Was berechnet werden kann, kann geplant werden. Was geplant werden kann, kann produziert werden. Was produziert werden kann, kann gekauft werden. Seit Jahren nennt dies Regula Staempfli die codierte Reproduktion auf allen Ebenen. Computer, Codes ersetzen Politik, machen alles zur persönlichen Entscheidung, Meinung und reproduzierbaren Ideologie. So wird menschliche Fortpflanzung zunehmend in Codes, Verträge, Datenbanken, Qualitätskontrollen und globale Lieferketten übersetzt Die Sprache verrät den kulturellen Wandel. Es ist von genetischem Material die Rede, von Embryonenqualität, Erfolgsraten, Matching, Auswahlverfahren, Eizellprofilen und Wunschmerkmalen. Das Vokabular stammt längst nicht mehr aus der Anthropologie, sondern aus Logistik, Verwaltung und Datenmanagement.

Wer darin ausschliesslich individuelle Freiheit erkennt, unterschätzt die Macht kultureller Paradigmen. Denn Märkte verändern nicht nur unser Verhalten. Sie verändern unsere Vorstellung davon, was ein Mensch überhaupt ist. Deshalb greift auch die Gegenüberstellung von konservativ und progressiv zu kurz. Die entscheidende Trennlinie verläuft heute zwischen zwei Menschenbildern.

Das eine versteht den Menschen als leibliches Wesen, dessen Würde gerade dort beginnt, wo sich nicht alles kontrollieren, berechnen und verfügen lässt. Das andere macht aus Frauen und Kindern optimierbare Projekte (siehe auch Elon Musk und Peter Thiel). Diese Entwicklung betrifft uns alle. Denn dieselbe Logik, die den weiblichen Körper zur reproduktiven Infrastruktur macht, verwandelt auch Öffentlichkeit in Datenströme, Demokratie in Plattformarchitektur und Bürger in berechenbare Profile. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Maschinen menschlicher werden. Die eigentliche Frage lautet, warum wir Menschen uns selbst immer häufiger als Maschinen begreifen.

Und genau darin liegt die grosse Herausforderung unserer Zeit.