Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung
Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026
1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden
Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.
2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk
Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.
3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit
Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.
4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit
Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.
5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts
Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?
6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen
Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.
7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin
Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.
8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt
Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.
9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben
Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.
10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung
Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.
Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.
Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpit-Tür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug. Wäre der Flug nicht vom beherzten Kapitän, unter Einsatz seines eigenen Lebens und der israelischen Besatzung im Flugzeug, wieder auf Kurs gebracht worden, wäre ein Verbrechen in der Dimension von 9/11 geschehen: Das Flugzeug war auf Kurs von Tel Aviv – es hätte wohl als Werkzeug der terroristischen Verheerung dienen sollen.
Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.
CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.
George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.
Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.
Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.
Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.
Pornokratie & Epstein, Essay von Regula Staempfli März 2026 im Ensuite.
CV: PD Dr. Regula Stämpfli ist Politphilosophin, Bestsellerautorin, Publizistin und KI-Forensikerin. Sie lehrte viele Jahre an der Schweizer Journalistenschule. leitete jahrelang als Intendantin das IFG ULM (International Forum for Design), ist bis heute als unabhängige wissenschaftliche Expertin für die EU-Kommission gelistet, begründete an der Universität St. Gallen die Hannah Arendt Lectures, die sie bis 2025 leitete. 2021 wurde sie zu den wichtigsten Intellektuellen der Schweiz gezählt; als „Lara Croft der Politologie“ verbindet laStaempfli politische Theorie mit publizistischer Streitlust und digitaler Gegenwartsanalyse – dazu gibt es Kolumnen und die Essays in ENSUITE und Weiterdenken Quarterly. 2025 erhielt sie gemeinsam mit Dr. Isabel Rohner den Frauenheldinnen-Preis für „Die Podcastin“, den feministischen Wochenrückblick für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Regula Stämpfli ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt in München.
Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen? Interview für Corrigenda: Lukas Steinwandter fragt Politphilosophin Regula Staempfli. 13.8.2026
Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen?
Ein US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.
Von Lukas SteinwandterEin US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.
Einleitung: Der kurze Clip sorgt für Fassungslosigkeit, Kopfschütteln und Entsetzen – und Wut.Die Gouverneurin des US-Bundestaats Massachusetts, Maura Healey (Demokratische Partei), unterzeichnet am Montag im State House in Boston den „Prioritizing Patient Access to Care Act“ (H.5595). Das harmlos klingende Gesetz hebt die bisherige 24-Wochen-Frist für Abtreibungen auf und erlaubt sie bis zur Geburt, sofern ein Arzt ein entsprechendes „fachliches Urteil“ abgibt.
Neben Healey, die angeblich katholisch ist und vor zwei Jahren noch schrieb, ihr lägen die Schwächsten am Herzen, befinden sich rund ein Dutzend weiterer Frauen in dem Regierungsbüro, darunter Ärzte und Abtreibungsaktivisten. Nachdem die Politikerin die Unterschrift gesetzt hat, lachen und klatschen die Frauen, was nicht nur unter Christen und Lebensschützern für Empörung gesorgt hat
Bereits vor der neuen Regelung waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche möglich. Allerdings mussten dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Ein Arzt musste beispielsweise feststellen, dass der „Schwangerschaftsabbruch“ zur Erhaltung des Lebens der Frau oder ihrer psychischen und physischen Gesundheit notwendig ist. Diese Bedingungen sind nun weggefallen.
„Als Gouverneurin verspreche ich: Ganz gleich, was Donald Trump oder die Republikaner im Kongress oder am Obersten Gerichtshof tun, wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen in ihrer Gesundheitsversorgung treffen können – und nicht die Regierung“, sagte Healey. Und die Gouverneurin versprach: „Abtreibungen werden hier in Massachusetts weiterhin sicher, legal und zugänglich sein.“
In sozialen und klassischen Medien feierten linke und feministischeGruppen das Gesetz. Konservative äußerten schwere Kritik. Aber nicht nur sie. Denn es gibt auch Feministinnen, die ein tiefes Störgefühl haben angesichts der sich brutal ausbreitenden Kultur des Todes. Eine von ihnen ist die promovierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli.
Die Schweizerin ist Privatdozentin, Kolumnistin, Designerin und betreibt zusammen mit Isabel Rohner den feministischen Wochenrückblick „Die Podcastin“. Im Interview mit Corrigenda erklärt die in München lebende Autorin, warum sie als progressive Frau und Feministin für das Lebensrecht ungeborener Kinder und gegen eine nur vermeintlich liberale Politik ist, wie sie von den Demokraten in den USA gerade gemacht wird.
Frau Staempfli, Sie bezeichnen sich als feministisch und progressiv, sind aber pro life. Wie passt das zusammen?
Es ist total logisch! Frauen kämpfen seit Jahrhunderten dafür, Frauen und Kinder vor Gewalt, Ausbeutung, Vergewaltigung, Mord und ökonomischer Sklaverei zu beschützen. Lassen Sie sich von den sogenannten neuen Feministinnen nicht verwirren! Die haben so viel mit Feminismus zu tun wie der Islamismus mit der Katholischen Kirche! (lacht) Ich stehe in einer langen Tradition von Frauen, die sich weigern, Schwangerschaft, Mutterschaft und Kinder den Mächtigen zu überlassen. Früher waren dies die Adeligen, heute ist es eine neue technokratische Elite und eine Gesundheitsindustrie, deren Optimierungszwang in vielen Fällen zu einem regelrechten Totenkult mutiert ist. Eine wirklich fortschrittliche und feministische Gesellschaft huldigt der Mutterschaft und behandelt sie nicht als Optimierungs- und Störfall.
Wie kommen Sie mit dieser Position bei anderen Feministinnen an?
(lacht) Wie kommen Sie als Pro-Life-Journalist bei Ihren vornehmlich linken Kollegen an? Frauen werden nur in der Unterdrückung zu einer Kategorie. Ansonsten sind Frauen immer vielstimmig. Heute machen Medien, Unis und Kultureliten ausgerechnet die Abtreibung zum feministischen Loyalitätstest. Dies ist ideologisch verblendet, unerquicklich misogyn und außerordentlich dumm. Mit Frauen- und Kinderschutz hat das woke Geschrei rund um den „Feminismus“ eh schon lange nichts mehr zu tun. Es geht mit der Abtreibung bis zur Geburt auch nicht um politisch links oder rechts, sondern es geht um die Abtreibung des würdigen, liberalen, freiheitlichen und in Demokratien geschützten Menschenlebens.
„Die Frau ist. Nur noch ‘Warenträgerin’ – das kennen wir aus kommunistischen Ländern“
Am Montag hat die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, unter großem Applaus und Lachen ein Gesetz unterzeichnet, das keine gesetzliche zeitliche Obergrenze für Abtreibungen mehr vorsieht. Sie sprechen von „industrieller Qualitätskontrolle“. Warum?
Weil es genau das ist. Das werdende Kind wird zwischen Arzt und „Auftraggeber“ verhandelt. Das neue Gesetz, von Dutzenden von ideologisch verblendeten Frauen beklatscht, ist der Triumph der biopolitischen Logik, den Menschen zur ökonomischen Verfügungsmasse zu erklären. Das Kind wird zu „Menschenfleisch-Daten“ und entsprechend gültiger medizinischer und sozial kompatibler Praxis abgetrieben oder geboren. Die Frau ist in diesem Zusammenhang nur „Warenträgerin“.
Dies kennen wir übrigens auch aus den kommunistischen Ländern, wo Kinder aus ideologischen Gründen massenweise abgetrieben, und nach der Geburt, ebenfalls aus ideologischen Gründen, sofort als sogenannte „Wochenkinder“ den Eltern entrissen wurden. Dass die Unterzeichnung eines solchen Gesetzes mit Lachen und Applaus von Frauen inszeniert wird, halte ich für eine nihilistische Entgleisung. Selbst wer Abtreibungsrechte verteidigt, müsste angesichts einer Abtreibung im letzten Schwangerschaftsdrittel verstummen. Eine Gesellschaft, die hier jubelt, hat ihr Gewissen entfernt.
Sie sagen, Mütter würden zu „Sklaven eines Gesundheitsmarktes“, der Mutterschaft zur Dienstleistungstätigkeit pervertiere. Kinder würden zu Produkten. Was meinen Sie damit?
Exakt das, was ich sage. Schauen Sie auf die semantischen Verschiebungen der vergangenen Jahre. Mütter werden u.a. von ARD, ZDF, WDR, SRF, ORF etc. nicht mehr Mütter genannt. Oder Schwangere als schwangere Frauen bezeichnet. Weshalb? So entledigt sich die neue globale Medien-, Kultur- und Wissenschaftselite der Leiblichkeit des Menschen. Gemäß herrschender Sprechaktideologie gibt es keine Körper oder gar Menschenseelen, sondern verwertbare Fleischstücke, die auf dem kapitalistischen Markt der Influencer, Selfies, „Ich Ich Ich“-Religionen wie zum Beispiel „Only Fans“ verkauft werden können. Menschen sind keine Lebewesen mehr, sondern codierte Kategorien – hören Sie doch endlich mal dem Jargon der Zoomer richtig zu! In meiner Vorlesungsreihe „Hannah Arendt Lectures“ traf ich bspw. auf Studentinnen, die außer ihrer Produktidentität nichts anderes mehr kannten. Sie wussten nicht, wer sie waren oder wer sie sein könnten – aber ihren Marktwert kannten sie auf die zweite Kommastelle genau.
Es ist entsetzlich und selbst die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich vergangenes Jahr zu einer Revision von Paragraf 218 Strafgesetzbuch bekannt, ohne zu realisieren, welchen ethischen Rückschritt dies für uns alle bedeuten würde.
„Abtreibung ist keine Freiheit, sondern aus der Not geboren. Auch heute noch“ Regula Stämpfli.
Ist Abtreibung, die von vielen Feministinnen als Selbstbestimmung glorifiziert wird, nicht genau das, was Generationen von Feministinnen wollten?
Das war doch eine ganz andere Zeit als heute! Die große französische Politikerin Simone Veil, Auschwitz-Überlebende und damalige französische Ministerin, hat 1974 für die Entkriminalisierung der Abtreibung gekämpft. Sie argumentierte, dass keine einzige Frau leichten Herzens abtreibt. Dass Abtreibung keine Freiheit ist, sondern immer aus der Not geboren ist. Dies ist übrigens auch heute noch so. Das, was in Massachusetts unter „Abtreibung“ propagiert und beklatscht wird, ist Warenpolitik im Menschenfleischpark. Das hat schon längst nichts mehr mit dem Recht von Frauen in Notlagen zu tun, nicht in den Hinterzimmern einer Engelsmacherin zu verbluten.
Dieses Zitat von Ihnen könnte auch von einem Papst stammen: „Der Mensch wird nur noch nach seiner künftigen ökonomischen Produktivität und Fehlerfreiheit bemessen.“ Sie sprechen damit eugenische Abtreibungen an. Die Mehrzahl der abgetriebenen Kinder ist jedoch gesund.
Das widerlegt meine Kritik nicht. Es erweitert sie. Bei diagnostizierbaren Krankheiten oder Behinderungen tritt die Selektionslogik einfach besonders brutal hervor. Bei gesunden Kindern greift dieselbe Verwertungslogik auf einer anderen Ebene: Passt dieses Kind zu meinem Partner, meinem Studium, meiner Karriere, meinem Zeitplan, meinem Lebensentwurf?
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Das Kind wird nicht mehr als neues Gegenüber begriffen, sondern als kalkulierbares Projekt. Es gilt als Störung, weil das schützende Umfeld aus Tanten, Großmüttern, Schwestern, Nachbarinnen und gelebter Großfamilie weitgehend verschwunden ist. Der neoliberale Mensch soll autonom sein – also allein. Und was allein nicht zu bewältigen ist, wird beseitigt oder an einen Markt delegiert.
Wenn ein Papst diese Entwicklung ebenfalls erkennt, wird meine Analyse dadurch nicht falsch. Der Kampf gegen Eugenik und Menschenvermessung gehört weder der Kirche noch einer bestimmten politischen Seite. Er gehört allen, die Frauen und Kindern, den Menschen insgesamt, nicht auf Sprechakte, Codes, Fehlerfreiheit und Verwertbarkeit reduzieren wollen
Unbedingt. Beides gehört zur selben Verschiebung des Menschenbildes. Wir leben im Zeitalter der algorithmischen Reproduktion. Bei der Leihmutterschaft wird der Körper einer Frau als Produktionsort benutzt. Das Kind ist Gegenstand eines Vertrags. Bei der selektiven Abtreibung entscheidet die Qualitätskontrolle darüber, welches Leben den Erwartungen entspricht. Das eine Kind wird bestellt, das andere verworfen. Dazwischen liegen Tests, Verträge, Plattformen, Kliniken, Agenturen und sehr viel Geld. Ich spreche deshalb von Sklavenmutterschaft. Denn wo ein Mann (oder zwei Männer, das ist ja meist die Praxis) den Körper einer Frau für die Produktion eines Kindes beansprucht, verwandelt sich Mutterschaft in eine käufliche Dienstleistung und einen neuen Menschenfleischmarkt.
China Doesn’t Spy. It Thinks in Empires and acts in Codes, by Regula Staempfli (Politphilosopher/Bestselling Author/ AI Forensics/ Germany) see article published on X https://x.com/laStaempfli/status/2086816834355917092
The story that broke in The Daily Telegraph last week was, on its face, a security scare of the familiar kind. Cameras fitted to the Royal Navy’s K3 Scout drones—small, fast, unmanned vessels already in use by British special forces—had been sending regular “heartbeat” signals to an IP address in China. The components were Chinese-made. The Ministry of Defence promptly cut the cameras off from the internet. Officials insisted that no operational data had been compromised. The technical details were almost reassuring. And yet the episode left a deeper unease. Once again, critical military equipment had been assembled without anyone bothering to follow the supply chain all the way down to the last chip.
The real failure was not Chinese ingenuity. It was Western assumption.
For decades the West has treated technology as a commodity: something one buys, installs, and then largely forgets. China has never shared that illusion. In Beijing, technology is not a product. It is an instrument of sovereignty. Economy, technology, state, military, and Party are not separate spheres. They form a single continuum of power. We purchase cameras; China builds infrastructure. We license software; China cultivates influence. We optimize supply chains for cost; China designs them for leverage. The difference is not merely strategic. It is philosophical. The West still imagines that code is neutral—that a sensor is just a sensor, a chip just a chip. China understands that every piece of technology carries a political architecture inside it. Codes do not only shape individual lives. They embed themselves in states, in logistics networks, in standards, in the quiet protocols that determine who can see, who can listen, and who can decide. While Western capitals continue to debate data protection as a matter of individual privacy, China has long been constructing data sovereignty as a matter of national power. These are not the same conversation. One is about rights. The other is about control. The drone cameras that whispered their presence to a server in China are therefore less a scandal than a symptom. They reveal a persistent Western refusal to accept what has been obvious for twenty years: that critical infrastructure cannot safely rest on supply chains whose geopolitical logic runs in the opposite direction.
The interesting question is not why China behaves this way. The interesting question is why the West keeps acting as though it has only just discovered the fact. This is not, in the end, a story about Chinese espionage. It is a story about Western absent-mindedness—about a civilization that still believes technology can be bought without consequence.
Regula Staempfli als KI Forensikerin. Hier die KI-generierte Fassung von Regula Staempfli mit Originalfrisur und Klamotten auf BaiRBIE.me – vor einigen Jahren der Superhit in der künstlichen Fotomontage.
Wikipedia war einmal eine schöne Geschichte. Wikipedia ist auch heute noch in vielen Bereichen unersetzlich, wertvoll und informativ. Wikipedia ist indessen zum politischen Schlachtfeld geworden, in welchem sich höchst einflussreiche Kräfte, eine radikale Minderheit, höchste Macht gesichert hat. Themen wie Trans, Israel, intellektuelle Frauen (es sei denn sie seien tot), werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen, extrem negativ, polarisierend, politisch abwertend, desinformativ durch Auslassungen, Framing, antisemitischen und misogynen Positionen, auf Wikipedia behandelt. “Sexarbeit” ist auf Wikipedia great, “Pornographie” noch besser und “Leihmutterschaft” soll unbedingt global legalisiert werden. Das Christentum und das Judentum verlieren gegen den Islam und den im Westen sehr beliebten Atheismus/Nihilismus. Es gibt mittlerweile hochrangige Studien, die die algorithmischen und reaktionären wie politisch extremen Wikipedia-Warriors aufzeigen und die für die Demokratie verheerenden Wirkungen.
Dies interessiert hier nicht. Hier interessiert nur das Berufsfeld der PD Dr. Regula Staempfli oder Regula Stämpfli, laStaempfli, der Gründerin der #HannahArendtLectures, der Erfinderin der Europäischen Bürgerinitiative – European Citizen Initative, der langjährigen Leiterin des Programms an der IFG “Designing Politics – the Politics of Design”, der langjährigen und erfolgreichsten Politik-Dozentin (Auslandjournalismus und politischer Journalismus) an der Schweizer Journalistenschule MAZ, der Bestsellerautorin und der Erfinderin des Algorithmen-Rates, der Social Media School, dem Social Pay for View, des “No Data without Representation”, der Code- Algorithmenverfassung für die Zukunft.
Wir leben in einer Zeit, in der Menschen immer seltener auf Gedanken reagieren und immer häufiger auf deren Herkunft. Kaum erscheint ein Text, eine Rede oder ein Interview, lautet die erste Frage nicht mehr: Ist das wahr? Oder: Ist das klug? Sondern: Wo wurde das gesagt?Die Plattform ersetzt den Gedanken. Wer im Deutschlandfunk spricht, gilt als seriös. Wer bei Kontrafunk auftritt, gilt als rechts. Wer auf X publiziert, wird anders gelesen als jemand auf Bluesky. Dass derselbe Gedanke auf einer anderen Plattform plötzlich eine andere Bedeutung erhält, zeigt bereits, wie weit sich die Öffentlichkeit von der Urteilskraft entfernt hat.
In einer demokratischen Öffentlichkeit geschieht genau das Gegenteil. Dort besitzen Gedanken zunächst einen Eigenwert. Sie werden geprüft, kritisiert, weiterentwickelt oder verworfen – unabhängig davon, auf welcher Bühne sie ausgesprochen wurden. Demokratie lebt davon, dass Argumente zirkulieren können. Nicht die Herkunft entscheidet über ihre Qualität, sondern ihre Überzeugungskraft. Die Aufklärung war deshalb nie eine Geschichte der richtigen Orte. Sie war eine Geschichte der besseren Argumente.
Die codierte Öffentlichkeit funktioniert anders. Sie bewertet nicht mehr den Gedanken, sondern den Kontext. Jeder Ort wird zu einem politischen Marker, jede Plattform zu einem moralischen Code, jede Einladung zu einem Bekenntnis. Der Mensch verschwindet hinter der Zuordnung. Aus Urteil wird Wiedererkennung. Aus Kritik wird Etikettierung. Wer einmal einem Lager zugeschrieben wurde, wird fortan über dieses Lager gelesen. Genau darin liegt die Macht des Codes: Er vereinfacht die Wirklichkeit, bis sie in bekannte Kategorien passt.
Das ist die radikale Veränderung der Demokratie. Denn Öffentlichkeit lebt von der Möglichkeit, dass ein Gedanke seinen Ort überschreiten kann. Wenn aber der Ort den Gedanken ersetzt, verliert die Öffentlichkeit ihre Beweglichkeit. Sie wird zu einem System geschlossener Resonanzräume, in denen nicht mehr gefragt wird, was gesagt wird, sondern wer es wo gesagt hat.
Deshalb ist die Freiheit des Denkens heute nicht nur die Freiheit, seine Meinung zu äussern. Sie ist die Freiheit, sich der Codierung durch Orte, Plattformen und Milieus zu entziehen. Ein Gedanke sollte die Kraft besitzen, Grenzen zu überschreiten. Sonst ist er keine Intervention in die Öffentlichkeit, sondern nur ein Echo der eigenen Gemeinschaft. copyright Regula Stämpfli, August 2026.
Deshalb hier die Ergänzung zu Wikipedia von PD Dr. phil/ Dipl. Coach Regula Stämpfli, laStaempfli, Regula Staempfli:
Regula Staempfli ist eine Schweizer Politphilosophin, Autorin und KI-Forensikerin. Sie zählt zu den eigenständigsten Stimmen im deutschsprachigen und US-amerikanischen Raum, wenn es um die Analyse von Macht, Medien und dem Wandel des Menschenbildes im digitalen Zeitalter geht.
Staempfli hat die Hannah-Arendt-Lectures begründet und fast ein Jahrzehnt an der HSG, Universität St. Gallen geleitet. Zwanzig Jahre lang unterrichtete sie Politik und Journalismus für Korresponendenten/EU an der Schweizer Journalistenschule MAZ. Über zehn Jahre leitete sie im Vorstand und als Intendanz das International Forum for Design IFG in Ulm – mehrere Publikationen und der Wettbewerb “Designing Politics – the Politics of Design” gehen auf ihre Initiative hin zurück. Für ihre historische Arbeiten zu “Frauen im Krieg” erhielt sie bedeutende universitäre Auszeichnungen, leitete den internationalen Kriegskongress. Als unabhängige Expertin der EU füllte sie jahrelang Expertisen im Rahmen des EU HORIZON WISSENSCHAFTSPROJET durch. laStaempfli ist in der Schweiz die bekannteste Kolumnistin und Essayistin – ihre Diskussionsbeiträge wirbeln regelmässig die deutschsprachige Öffentlichkeit auf. Regula Staempfli führte über Jahre erfolgreich den Future-Podcast von TA SWISS und leitet bis heute den “Art is a piece of Cake”, macht mit bei Sama Schwarz Kreativprojekten und Podcasts im Maison Future und ist Co-Leiterin/Co-Host & Co-Autorin des Bestseller-Podcasts “Die Podcastin” zusammen mit der ebenfalls preisgekrönten Dr. Isabel Rohner. Regula Staempfli ist Bestsellerautorin zweier Sachbücher und das “Trumpism. The Algorithmic Age” auf Amazon verteilt sich sehr gut in der Welt. Regula Stämpfli, Regula Staempfli ist regelmässig in Fernseh- und Printformaten mit Essays und Diskussionsbeiträgen präsent.
In den letzten Jahren hat Regula Staempfli ihr Profil um die “KI-Forensik” erweitert. Dabei versteht Regula Staempfli Künstliche Intelligenz nicht als Schreibautomat, nicht als dystopische Zukunftsgefahr, sondern als weitere menschliche und technische Fortentwicklung zwecks Veraenderung und Erweiterung von Denkstrukturen, narrativen Dramaturgien, politischen Reformen sowie eine politphilosophisch und technisch neuen Gesellschafts-Architektur. Muster und Urteilsvermögen verbinden sich bei Regula Staempfli in einer Person und in den von ihr programmierten Maschinen. Dies ergibt ein neues Berufsfeld, auf welchem Regula Staempfli, einmal mehr, zu den Vordenkerinnen ihrer Zeit gehört.
Mit diesem Ansatz verbindet Staempfli politische Philosophie, literarische Analyse und digitale Methodik zu einem neuen Berufsfeld: KI-FORENSIK.
Regula Stämpfli/ Regula Staempfli/ laStaempfli is a Swiss political philosopher, bestsellerin author, and AI forensic analyst. She is widely recognized as one of the most independent voices in the German-speaking world regarding power dynamics, media, and the digital transformation of humanity.
For nearly a decade, Stämpfli directed the Hannah Arendt Lectures, which she founded at the University of St. Gallen (HSG). She also spent twenty years teaching politics and journalism at the Swiss School of Journalism (MAZ). For over a decade, she also served on the board and as artistic director of the International Forum for Design (IFG) Ulm, where she launched the “Designing Politics – the Politics of Design” initiative. Her award-winning historical research on “Women in War” culminated in a major international congress. Additionally, she has contributed her expertise to the European Union’s Horizon research projects for several years.
As one of Switzerland’s most prominent columnists and essayists, her work consistently sparks public debate. Her creative endeavors include hosting the TA-SWISS Future Podcast, leading the project “Art is a Piece of Cake,” and collaborating with Sama Schwarz at Maison Future. She also co-hosts the bestselling podcast “Die Podcastin” alongside Dr. Isabel Rohner.
Stämpfli/Staempfli is the author of two bestselling non-fiction books, including Trumpism: The Algorithmic Age, which gained a wide international readership. Recently, she has pioneered the field of AI forensics. Rather than viewing artificial intelligence as a mere tool or a dystopian threat, she approaches it as an evolution of human and technical capacity. By blending pattern recognition with independent judgment, Stämpfli continues to shape the future of political, social, and cultural thought.
Update und Copyright. by Regula Stämpfli im Juli 2026: “Codierte Reproduktion – oder: Warum Leihmutterschaft mehr ist als ein moralisches Problem“
Die Debatte über Jens Spahn, Leihmutterschaft und den verständlichen Kinderwunsch homosexueller Paare wird in Medien und an den Universitäten mit erstaunlicher Urteilslosigkeit geführt. Personalisierung ersetzt Denken. Wer Kritik an der Leihmutterschaft übt, gilt als homophob. Wer sie verteidigt, gilt als fortschrittlich. Genau diese binäre Mechanik verhindert die entscheidende Frage: Was geschieht mit unserem Menschenbild, wenn Schwangerschaft zum Gegenstand eines Vertrages wird? Seit Jahren, 2016 um genau zu sein, ist Regula Stämpfli involviert in den weltweiten Kampf gegen die sog. Leihmutterschaft. Die Verträge, die Agenturen, die medizinischen Vorgaben, die ökonomischen Abhängigkeiten und die globale Logistik reproduktiver Dienstleistungen sind keine Randerscheinungen. Sie bilden längst einen milliardenschweren Markt.
Wir befinden uns in einer digitalen Revolution, die alles verändert. Sie verändert unsere Sprache, unsere Institutionen und schließlich unser Denken. Schwangerschaft erscheint nicht länger als leibliches Beziehungsgeschehen zwischen Mutter und Kind, sondern als steuerbarer biologischer Prozess. Aus einer Frau wird eine reproduktive Ressource. Aus dem Kind wird das Ergebnis eines planbaren Herstellungsprozesses. Aus Elternschaft wird ein Bündel einklagbarer Ansprüche.
Hier begegnen sich Biotechnologie und Digitalisierung.
Seit Jahren wird Künstliche Intelligenz als Bedrohung beschrieben, weil Maschinen angeblich menschlich werden könnten. Das ist eine faszinierende Erzählung – und möglicherweise die falsche. Die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass Computer Gefühle entwickeln. Die eigentliche Gefahr besteht darin, dass Menschen beginnen, sich selbst nach der Logik der Maschine zu verstehen. Codierung ersetzt Erfahrung. Und vertragliche Verfügbarkeit ersetzt Beziehung: Wie beispielsweise der sog. “Leihmutterschaft.” Mutter-Kind-Beziehung über 40 Wochen ist kein automatischer, sondern ein höchst komplexer Prozess. Gefühle, Gerüche, Musik, Stimmen, der Klang der Welt wird 40 Wochen in einem Körper geteilt – egal ob die Eizelle und der Samen fremd sind (was übrigens zu furchtbaren und gefährlichen Gesundheitsschäden vor allem der Mutter führen kann, also die Fremdheit von Eizelle und Samen.)
Doch Medien, Universitäten, Politik legitimieren in einer selten dagewesenen Hybris die technische Reproduktion von Menschen. Dies nicht zuletzt, weil Menschen wie Maschinen zu argumentieren beginnen.
Die sog. Leihmutterschaft ist deshalb kein isoliertes bioethisches Thema. Sie gehört zur gleichen kulturellen Bewegung wie algorithmische Steuerung, datenbasierte Bewertung, Social Scoring und die vollständige Vermessung des Menschen. Immer steht dieselbe Vorstellung dahinter: Der Mensch ist letztlich ein organisierbares System. Was berechnet werden kann, kann geplant werden. Was geplant werden kann, kann produziert werden. Was produziert werden kann, kann gekauft werden. Seit Jahren nennt dies Regula Staempfli die codierte Reproduktion auf allen Ebenen. Computer, Codes ersetzen Politik, machen alles zur persönlichen Entscheidung, Meinung und reproduzierbaren Ideologie. So wird menschliche Fortpflanzung zunehmend in Codes, Verträge, Datenbanken, Qualitätskontrollen und globale Lieferketten übersetzt Die Sprache verrät den kulturellen Wandel. Es ist von genetischem Material die Rede, von Embryonenqualität, Erfolgsraten, Matching, Auswahlverfahren, Eizellprofilen und Wunschmerkmalen. Das Vokabular stammt längst nicht mehr aus der Anthropologie, sondern aus Logistik, Verwaltung und Datenmanagement.
Wer darin ausschliesslich individuelle Freiheit erkennt, unterschätzt die Macht kultureller Paradigmen. Denn Märkte verändern nicht nur unser Verhalten. Sie verändern unsere Vorstellung davon, was ein Mensch überhaupt ist. Deshalb greift auch die Gegenüberstellung von konservativ und progressiv zu kurz. Die entscheidende Trennlinie verläuft heute zwischen zwei Menschenbildern.
Das eine versteht den Menschen als leibliches Wesen, dessen Würde gerade dort beginnt, wo sich nicht alles kontrollieren, berechnen und verfügen lässt. Das andere macht aus Frauen und Kindern optimierbare Projekte (siehe auch Elon Musk und Peter Thiel). Diese Entwicklung betrifft uns alle. Denn dieselbe Logik, die den weiblichen Körper zur reproduktiven Infrastruktur macht, verwandelt auch Öffentlichkeit in Datenströme, Demokratie in Plattformarchitektur und Bürger in berechenbare Profile. Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob Maschinen menschlicher werden. Die eigentliche Frage lautet, warum wir Menschen uns selbst immer häufiger als Maschinen begreifen.
Und genau darin liegt die grosse Herausforderung unserer Zeit.
Die Medien haben sich geirrt. Wieder einmal. Nicht weil Donald Trump ein Genie wäre, sondern weil die Wirklichkeit hartnäckiger ist als Narrative. LASTAEMPFLI
UPDATE Als ich diesen Essay nach den US-Wahlen 2024 schrieb, war die Aufregung über Donald Trump so gross, dass viele Beobachter übersahen, worum es eigentlich ging: nicht um eine Person, sondern um den Zusammenbruch alter politischer und medialer Gewissheiten. Eineinhalb Jahre später zeigt sich ein paradoxes Bild. Donald Trump bleibt eine disruptive Figur, oft erratisch, manchmal grössenwahnsinnig, häufig unberechenbar. Doch die entscheidenden politischen Konfliktlinien verlaufen nicht entlang seiner Person, sondern entlang von Themen, die Medien, Universitäten und Kulturinstitutionen lange ignorierten. Dazu gehört definitiv das Thema MIGRATION. UND ZWAR NICHT als abstrakte Menschenrechtsfrage, sondern als konkrete Frage von Sicherheit, Integration, Wohnraum, Löhnen und vor allem der Stellung von Frauen. Wer durch europäische Städte geht, erkennt rasch: Die Folgen einer fehlgeleiteten Migrationspolitik tragen häufig Frauen zuerst – im öffentlichen Raum, in Schulen, im Sport und in den sozialen Institutionen. Punkto “Frauen im Sport” – ein von den Medien völlig vernachlässigtes Thema ist nach wie vor festzuhalten: In den USA DAUERPRÄSENT. Mädchen und junge Frauen verlieren massenhaft Stipendien und Auszeichnungen an junge Männer, die sich per Sprechakt zu Frauen erklären. Geht dies so weiter, wird die Sparte “Frauensport” durch Transfrauen besetzt – mit ein paar Frauen so nebenbei. Die Verteidigung des Frauensports bleibt unter Frauen, die wählen, ein wirklich wichtiges Thema und wird zur zentralen demokratischen Frage: Haben Frauen als Frauen das Recht auf eigene Räume, eigene Wettbewerbe und eigene politische Vertretung? Millionen Wählerinnen beantworteten diese Frage anders als Medien, Universitäten und Verbände. Dann Stichwort Geopolitik. Die grösste Bedrohung für westliche Demokratien geht heute nicht von alten Gespenstern des 20. Jahrhunderts aus, sondern von autoritären Regimen und ideologischen Bewegungen, die Freiheit, Gleichberechtigung und Rechtsstaatlichkeit offen bekämpfen. Die islamische Republik Irans und ihre Proxies, die Europa und Israel regelmässig in Terrorattacken bedrohen, in Israel mit Dauer-Raktenbeschuss operieren, gehören sicher dazu. Weshalb ausgerechnet die brave Sozialdemokratie, die sich über ein Jahrhundert um die Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Wohlstand in Demokratien gekümmert hat, nun die Islamofaschisten symbolisch und mit Kandidierenden unterstützt, wird die grosse Herausforderung künftiger Historikerinnen und Historiker sein. Oder es ist so simpel, wie es im “Archipel Gulag” beschrieben wurde: Kommunismus endet in Listen, Theorie und Mordpraktiken. Vielleicht ist der Islamismus ja auch nur eine Variante davon. Punkto Trump zeigt auch Venezuela, dass Autokratien nicht einfach durch gutes Zureden verschwinden: Geopolitisch hat Donald Trump die Weltpolitik neu gemischt, die VR China von ihren Allianzen mit Iran und Venezuela entfernt und naja: Als Frau im Westen gegen Taliban aller Art zu kämpfen, war noch nie falsch. Ein Blick auf Afghanistan, wo ein totalitäres Mordregime gegen Mädchen und Frauen als Religion verkauft wird und von der UNO toleriert, sollte eigentlich reichen.
Zur Amtszeit von Donald Trump ist deshalb festzuhalten: Trump bleibt eine paradoxe Intervention. Er zwingt politische Eliten, sich mit Realitäten auseinanderzusetzen, die sie zu lange moralisiert, ignoriert oder wegdefiniert haben. Seine grösste Wirkung besteht nicht darin, neue Antworten zu liefern. Seine Wirkung besteht darin, Fragen wieder sichtbar zu machen, die nicht verschwinden, nur weil man sie tabuisiert.
Deshalb bleibt die wichtigste Erkenntnis meines Essays dieselbe wie 2024:
Nicht die Menschen haben sich radikal verändert. Die Codes haben sich verändert. Und wer die Gegenwart verstehen will, muss lernen, zwischen Narrativ und Wirklichkeit zu unterscheiden.
Trumpism. The Algorithmic Age by Regula Staempfli.
(Die aktuelle Sendung zum Thema im Servus TV: https://www.derpragmaticus.com/tv-sendungen 7.6.2026: In der aktuellen Folge Der Pragmaticus geht es um die Frage wie das „Land of the free“ seine Spitzenposition halten kann? Zu Gast sind Schriftsteller und Kulturphilosoph Leon De Winter, Professor für Politikwissenschaft (Uni Salzburg) Reinhard Heinisch und Politikwissenschaftler Ralph Schöllhammer und als Expertin Dr. Regula Staempfli zum Thema Kulturkampf.)
Hier der Essay von damals im Original, siehe https://ensuite.we-are.gmbh/die-unverstandenen-staaten-amerika-hat-gewaehlt/: “Von Dr. Regula Stämpfli – Unsere Essayistin hat zu Donald Trump ein enges Verhältnis. Als Erste prägte sie 2017 den Begriff «Trumpismus», schrieb dazu zwei Jahre später einen Bestseller und rechnete mit den mit Personalisierung, Brands und Polarisierung operierenden Medien ab. Dies nehmen ihr die Journalisten bis heute übel. Weshalb sie 2024 mit dem «Case against Kamala Harris» die US-Wahlen ganz anders sieht als alle anderen – wie, lesen Sie hier.
«Ich glaube, ich hätte einen verflucht guten Hitler abgegeben.» Dieses Zitat stammt nicht etwa von Donald Trump, sondern von David Bowie aus dem Jahr 1976. Es ist im Kultbuch «Sex Revolts» über Musik und Politik der USA zu finden. Von «Hitler» war 2024 auch viel die Rede. Es war leider die einzige Wahlmobilisierung der unterirdisch schlechten Kampagne der Demokratischen Partei. «Hitler» wurde gewählt, und zwar mit einem Erdrutschsieg, der in der Geschichte der USA fast einmalig ist.
Wie konnte es so weit kommen?
«It is the codes, stupid!» Barack Obama war der erste Smartphone-Präsident, Donald Trump der erste Twitter-Präsident, Joe Biden der letzte klassische Präsident. Seit dem 5. November 2024 sind wir nicht mehr bei den Medienpräsidenten, sondern im neuen «Zeitalter digitaler Reproduktion» angekommen. Dieses kombiniert Codes und «real world» in Echtzeit. Donald Trump bespielte im Wahlkampf alle codierten Medien und kombinierte sie mit realen Auftritten: Podcasts, soziale Netzwerke, Youtube, Tiktok, ein bisserl Facebook, viel Truth Social, noch mehr X/Twitter, ab und an Fox. Gleichzeitig tourten er und sein designierter Vize J.D. Vance durchs Land wie Rockstars. Diese Kombi, «codes and reality», brachte den Erdrutschsieg. Kamala Harris verfügte zwar über ein fünffaches Budget, unglaubliche 1 Milliarde Dollar, doch die Wahlen verlor sie haushoch, und das Wahlkampfteam schreibt bis zum Redaktionsschluss rote Zahlen. Wo sind denn diese Millionen hingeflossen? Das Team Harris, von den Obamas installiert – die Wahlkampfleiterin, die Pollster, die Social-Media-Fütterer sind seit 2008 für die Demokratische Partei engagiert –, hat auf klassische Medien gesetzt. Und zwar fast vollständig. Kein Wunder, berichteten die Fernsehsender alle so wohlwollend über Kamala Harris! Sie machten mit der Kandidatin der Demokraten ein Vermögen. Das letzte wohl in einem US-Präsidentschaftswahlkampf.
Das Harris-Team soll sogar einige Interviews gekauft haben. Dokumentiert sind Spenden an Oprahs Produktionsfirma – die wird es ja auch nötig haben – und an «Call Her Daddy». Letzteres ist ein Sex-Podcast, dem Kamala Harris die Zusage gegeben hat, weil sie nicht zum bekanntesten Podcaster, Joe Rogan, einem Neurechten mit linker Vergangenheit, wollte. Während Joe Rogan mit Donald Trump über 30 Millionen Zuhörende erreichte, plauderte Kamala Harris im Sex-Podcast – wirklich, echt jetzt? – übers «Frausein» und andere Beschwerden. Sie erreichte damit eine sich selbst völlig überschätzende Female Community mit den üblichen Frauenthemen, die ganz normale Frauen echt beleidigen. Meinen die Pop-up-Girls jungen und mittleren Alters echt, dass «Abtreibung» das einzig wichtige Thema von Frauen ist? Was ist mit Lohngleichheit und Karriereposten? Wo blieb die Diskussion um strukturelle Gewalt? Und überhaupt: Weshalb war die Gender-Apartheid im Iran, in Afghanistan, in Saudi-Arabien bspw. kein Thema? Was sollen die Attacken junger, postkolonial indoktrinierter Frauen bspw. auf die bürgerlichen Sufragetten? Ohne diese Heldinnen der Geschichte könnten die gestylten Influencerinnen von heute immer noch nicht studieren, ein eigenes Konto führen, arbeiten und das Geld davon auch behalten! Punkto Frauen haben die meisten Frauen leider immer noch keine Ahnung – and it shows. Die ganze Unterhaltung war oberpeinlich. Wo blieb die substanzielle Diskussion darüber, dass Frauen auch im Westen wenig medienpräsent sind, ausser sie bedienen «Body-Politics» – Stichwort Kim Karda-shian? Weshalb sind die Ärmsten der Armen alleinerziehende Mütter? Weshalb ist der Finanzsektor immer noch ein Boys’ Club mit alltagspornografischer Gesprächskultur? Wo bleiben all die «self-made female millionaires»? Was in aller Welt ist eigentlich im Macho-Silicon-Valley los? Fragen über Fragen, keine gestellt, keine thematisiert. Das Gespräch von Harris bei «Call Her Daddy» – allein der Titel dieses Podcasts ist frauenbeleidigend – gab auch den hinterletzten Frauen das Gefühl: Kamala Harris hat keine Politik, sie kann nichts anderes als Kamala Harris. Welch Schande für die Frauen! Denn wie schon bei Hillary Clinton, auch eine fehlplatzierte Kandidatin, werden amerikanische Möchtegern-Präsidentinnen von der Presse hochgejubelt, um dann umso tiefer zu fallen. Und zwar so, dass sich die Männer ziemlich primitiv gegenseitig auf die Schenkel klopfen können. Oder wird von Frauen einfach mehr erwartet als von Männern? Mit Blick auf den Erfolg von «Call Her Daddy» in den USA möchte ich dies zwar vehement verneinen, trotzdem: Daran ist etwas. Vor allem in Amerika. Denn wenn Amis die Wahl zwischen einer Frau und einem Clown haben, dann gewinnt immer der Clown.
Die krachende Niederlage von Kamala Harris muss dennoch Weckruf bleiben. Frauen haben für die wichtigsten Ämter dieser Welt nur dann eine Chance, wenn sie tatsächlich ebenso qualifiziert sind wie ihr männlicher Konkurrent. Nun werden die meisten einwerfen, Kamala Harris sei ja wohl tausendmal besser qualifiziert gewesen als der orange Clown und Reality-TV-Star Trump. Nun, so einfach sollten wir es uns nicht machen. Donald Trump hat an einer besseren Uni studiert als Kamala Harris. Donald Trump hat mehr Exekutiverfahrung als Harris. Donald Trump wurde in mehreren Wahlverfahren gewählt, Harris immer zuerst ernannt und dann einfach bestätigt. Donald Trump war in diesem Wahljahr überall präsent, Harris versteckte sich in Elitezirkeln. Es kommt noch eines hinzu: Frauen in den USA sind einer derart starken Pornografisierung des Alltags durch Sprache, Memes und Kultur ausgesetzt, dass sie sich dieser Dominanz meist unterwerfen: in Gestus, Frisur, Figur, Kleidung und Stimme. Tja. Harris war definitiv keine gute Kandidatin, andererseits zeigt ihr Beispiel wieder: Auf eine US-Präsidentin müssen wir wohl noch Jahrzehnte warten. Am ehesten wird das Rennen wohl eine Transfrau machen – was eigentlich alles sagen würde über den Zustand der Gleichstellungspolitik.
Was lief denn so schief?
Obwohl mit Kamala Harris die erste schwarze Frau für das höchste Amt in den Vereinigten Staaten kandidierte, waren «Frauen als Frauen» kein Thema. Ging es um Sex, Verhütung, Familie und Karriere, benutzte die demokratische Wahlmaschine das Gender-Speak einer Minderheit. Dieses Neusprech mögen die meisten Unter- und Mittelschichtsamis nicht. Latinx? Eine abstruse Fehlkonstruktion extrem linkstotalitärer Sprachfetischisten. Der Begriff hatte in den Wahlen keine Chance. Frauen wählten Kamala Harris nicht – daran gibt es nichts zu rütteln. Frauen wählten Kamal Harris nicht nicht, weil sie eine Frau war – das haben sicherlich viele Männer getan –, sondern weil Harris keine Themen ausser «Abtreibung» bewarb. Die erste Euphorie für Kamala Harris als erste nicht weisse weibliche Präsidentschaftskandidatur legte sich dann nach den ersten Wochen auch sofort. Vor allem auch deshalb, weil Kamala Harris kaum öffentliche Auftritte pflegte und wenn, diese dann in peinlichen Wortsalat-Antworten, Nervosität und Inkompetenz endeten. Harris war ständig überfordert, und das könnte, unbekannt in der Öffentlichkeit, damit zu tun haben, dass Joe Biden Kamala Harris hinter ihrem Rücken enorm schadete. Erinnern Sie sich an die Müll-Geschichte? Richtig. Da beschimpfte Biden Trumps Wähler als «Müll». Später wurde dieser Ausspruch mit «Klammern» korrigiert, doch bis dahin war Trump schon als Müllmann verkleidet bei den Müllmännern auf der Strasse. Zudem wirkte noch ein anderer Faktor zuungunsten von Kamala Harris:
Von Joe Biden erzählt man sich, er habe die Kandidatur von Harris bewusst hintertrieben. Biden war bis zum Schluss der Überzeugung, dass nur er Donald Trump besiegen könne. Nach dem desaströsen TV-Duell mit Trump wurde Biden aber von Nancy Pelosi und den Obamas, den führenden Kräften der demokratischen Parteimaschine, gegen seinen Willen zum Rücktritt als Präsidentschaftskandidat gezwungen. Deshalb schwärmte Obama nach dem Statement von Joe Biden auf X sofort vom «kommenden Parteitag als Chance eines Neubeginns». Doch Barack Obama hatte die Rechnung ohne den alten Haudegen Biden gemacht. Denn dieser verkündete zur grossen Überraschung aller, dass seine Delegiertenstimmen direkt an seine herausragende Vizepräsidentin Kamala Harris gehen würden. Pelosi und den Obamas blieb gar nichts anderes übrig, als die Kröte zu schlucken und schnell auf heile demokratische Welt zu machen.
So war das Desaster vorprogrammiert, und siehe da: Die lauten Querelen innerhalb der Partei der Demokraten nach dem Erdrutschsieg von Donald Trump scheinen diese These zu stützen. Statt in den Spiegel zu schauen, beschimpfen sich nun die Demokratinnen und Demokraten gegenseitig.
Kamala Harris’ Kandidatur könnte also von Beginn weg die Chronik eines angekündigten Versagens gewesen sein.
Zurück zu den Frauen, denn die entschieden über die US-Elections 2024. Die weiblichen Normies – normale, nicht genderbewegte Frauen – verweigerten sich dem politmechanischen Kalkül der Obamas vollständig. Dieses lautete: Frauen wählen immer Frauen – Bullshit. Frauen und Männer wählen generell weniger Frauen, doch wer will schon die Wahrheit, wenn die Ideologie besser klingt? Die Mehrheit der amerikanischen Frauen wählte nicht die «Dea ex Machina»-Kandidatin von der Parteielite Gnaden, sondern sie wählten Themen: Inflation, Migration und Anti-Woke und somit das Programm von Donald Trump. Dieser, clever wie eh und je, erfand die Welt nicht neu, sondern bediente sich bei seinen Slogans gewissenlos am alten Programm der Partei der Demokraten der USA. Deshalb widersetzte sich Trump so vehement einem ungezügelten Freihandel – für ihn waren die Arbeiter wichtig. Auch direkt aus den Wahlprogrammen der ehemaligen Demokraten stammt Trumps Analyse der «Kriegsmüdigkeit der Amerikanerinnen und Amerikaner». Trump klang zwischendurch wie ein Antikriegshippie, wenn er über die Kriege der Welt sprach. Trump setzte sich für Schutzzölle, gegen die Migration in die Unterschichten, für die Bekämpfung von Kriminalität und für den klassischen Wohlstand aufgrund von Leistung ein. Alles Themen, die ehemals die Demokraten bewirtschafteten. Trump konnte auch extrem leicht den Kulturkampf innerhalb der Linken zu seinen Gunsten verkehren. Das Motto Trumps war immer: gegen die Funktionäre, für die Basis. Über zwei Drittel der Gewerkschaftsangehörigen sollen laut Exit-Polls für Trump und nicht für Kamala Harris gestimmt haben. Ein schon fast erdrückender Anteil.
Und dennoch schreien Medien, Wissenschaft und demokratische Partei immer noch «Faschismus». Die Weigerung der Liberalen, Linken und Progressiven, in den absurden Spiegel von «gutem Krieg» (Ukraine), «schlechtem Krieg» (gegen Israel), von Sprech- und Denkgeboten bei gleichzeitiger Bevormundung von Nichtintellektuellen oder Andersdenkenden zu schauen, ist grotesk. Und an die Adresse der Linken gewandt habe ich schlechte Nachrichten: Der Erdrutschsieg von Donald Trump war kein «faschistischer Feldzug», sondern ein gelungener Wahlkampfmix von Themen, die Instrumentalisierung von Codes und die gleichzeitige Präsenz mit Tausenden von Menschen. Title 9 war innenpolitisch ein wirklich wichtiges Thema. Die Biden-Harris-Administration hat damit, grad zu Beginn ihrer Amtszeit, Transmädchen und Transfrauen im Frauensport zugelassen. Tausende von Podcasts, Tiktok-Beiträgen und Diskussionen innerhalb der Frauengruppen berichteten daraufhin von der Gefahr für Mädchen im Schulsport und vom «Diebstahl» unzähliger Medaillen durch Transfrauen. Während die «NY Times», MSNBC und CNN die Olympiade in Paris als gelungenes Fest feierten, inklusive Bejubeln der Boxerin aus Algerien, die sehr eindrücklich und mit höchster Brutalität ihre Konkurrentinnen wegboxte, liefen die sozialen Medien heiss. Die «Legacy-Media» beschimpfte alle Kritikerinnen von Transen im Frauensport als «Faschistinnen», «Terfs» und als «Republikanerinnen». Diese Medien ahnten nicht, dass sie damit allen Frauen schaden. So wählten denn am 5. November 2024 die Frauen auch nicht wie üblich die Demokratische Partei, sondern Donald Trump! Ausgerechnet! Wechselwählende, so die Exit-Polls, wurden nicht durch Inflation und Migration, sondern durch Kulturthemen überproportional mobilisiert.
Medien, Wissenschaft und Kultur scheren sich jedoch nicht um Realität, sondern beharren auf ihrem hegelianischen Weltbild: Driften Theorie und Realität auseinander, umso bedauerlicher für die Realität. Deshalb verstehen auch europäische Medien den Aufstieg von Georgia Meloni und Marine Le Pen nicht. Es waren die Frauen als Wählerinnen, die ihre üblichen Parteien – Grüne, Linke, Liberale – abwählten. Statt sich mit den Frauen auseinanderzusetzen, poltern indessen alle Medien und Experten über den in ihren Augen angeborenen US-amerikanischen Rassismus und Sexismus. Schon 2022 entwickelte ich in «Die Podcastin» die Theorie des «Nationalfeminismus», damals für die «Neue Zürcher Zeitung». Dies auf die empörte Frage des Journalisten, weshalb denn Frauen «immer» gegen ihre eigenen Interessen wählen würden. Well: Frauen wählen nicht gegen ihre eigenen Interessen, weil «eigene Interessen» vielfältiger sind als die Geschlechtszugehörigkeit. Und wie gesagt: Männer und Frauen wählen einfach immer weniger Frauen. Georgia Meloni, Marine Le Pen, Geert Wilders – sie alle werden, wie Donald Trump, in einer Mehrheit von Frauen (und Männern) gewählt. Vielleicht ist es nicht einmal ein «dafür wählen», sondern eher ein «dagegen»: gegen Parteien, die Frauen in den letzten Jahren so explizit betrogen («es gibt keine Frauen»), ausgebeutet («Sexarbeit und Leihmutterschaft sind ganz normale Jobs») und beschimpft (Terfs, Nazi, Faschistin) haben.
Die Wahlen in den USA zeigen: Frauen spielen in den westlichen Demokratien eine so viel wichtigere Rolle, als dies der Mainstream erkennt. Dabei wäre es höchste Zeit, mal bei den Frauen nachzufragen, weshalb sie wann wen wie wählen.
Bari Weiss, die Gründerin der Free Press, hat es in ihrem TED-Talk erst kürzlich so formuliert: Sie sei, als sie zum letzten Mal genau hingeguckt habe, eine Feministin, eine klassische Dem-Wählerin, eine Befürworterin der «Ehe für alle», für die Entkriminalisierung von Drogen und für eine allgemeine Gesundheitsversicherung gewesen. All dies sei ihr immer noch wichtig, doch für die demokratische Partei, für eine linke Bubble und in den «Legacy-Media» gelte sie trotzdem als Rechtsextreme, weshalb? Weil Bari Weiss Frauen nicht als Sprechakte sieht, den Islam als Todfeind für die Demokratie benennt und nicht etwa Israel und die Pronomen ihres Gegenübers nicht wichtiger findet als dessen Aussagen.
Kurz: Anfang November 2024 haben entgegen dem Geschrei in Medien, Kultur und an den Universitäten die Normies gewonnen. Sie werden zwar als Faschisten beschimpft, doch wenn alle wie Hitler sind, spielt es ja auch keine Rolle mehr, oder?”
Die Schrumpelgurke der Woche verlieht die Rohnerin diese Woche an den Deutschlandfunk Kultur: Eine freie Journalistin des DLF hatte sie um ein Interview über Hedwig Dohm und den Begriff des Antifeminismus gebeten, der auf Dohm zurückgeht – und die Rohnerin dann wieder ausgeladen. Warum? “Wie ich der weiteren Recherche entnehmen konnte scheint mir Ihre Definition von Feminismus und Antifeminismus zu eng und auch nicht dem Forsschungsstand entsprechend.” schreibt die Journalistin der Rohnerin am 4. Mai 2026. Wenn das mal keine Cancel Culture ist! Übrigens, lieber DLF Kultur und liebe namenlose Journalistin, die wir hier aus Anstand nicht namentlich nennen: Eine solche Mail würden Sie einem Mann niemals schreiben, der für die Forschung zu irgendeinem Gebiet so relevant ist wie Isabel Rohner für die Hedwig Dohm-Forschung. Wetten?
Ein weiterer Akt des Cancelns traf in dieser Woche den linksliberalen Club Volantaire: https://club-volantaire.de/ Eine Veranstaltung mit Inge Bell, Till Randolf Amelung, Prof. Dr. Ilse Jacobsen und Marie-Luise Vollbrecht am 29.5.2026 muss kurzfristig in einen anderen Veranstaltungsort verlegt werden. Der Grund: Verfassungsfeinde (nichts anderes sind die Gegnerinnen und Gegner der Meinungsfreiheit!) haben den ursprünglichen Veranstaltungsort bedroht. Sie wollen nicht, dass eine Veranstaltung mit dem Titel “Was ist eine Frau? Feminismus außer Rand und Band” stattfindet. Wetten, dass das Event trotzdem steigt?
Eine wichtige Dokumentation lieferte diese Woche der Journalist Marcel Trocoli-Castro für den RBB: In “Prostitution unterm Pentouse” (https://www.rbb-online.de/doku/o-r/rbb24-reportage/prostitution-unterm-penthouse.html) berichtet er schonungslos von der Realität auf der Kurfürstenstraße, dem bekanntesten Straßenstrich Berlins. Frauen gibts dort schon ab 5 Euro zu kaufen. Diese Doku hätte sich der DGB mal anschauen müssen. Vielleicht hätte der Deutsche Gewerkschaftsbund dann nicht seinen frauenverachtenden Beschluss gefasst, in dem er sich “nachdrücklich gegen ein Sexkaufverbot (auch im Rahmen des sogenannten Nordischen Modells)” ausspricht.
Medienkritik: Der ideologisch motivierte Realitätsverlust der Medien zeigte sich erneut sehr schmerzlich bei der Terrorattacke in Modena, Italien, wo ein Terrorist mit muslimischen Hintergrund in die Menschenmenge raste. Sämtliche Medien redeten von einem “Auto, das in die Menge fuhr” und spekulierte wieder von “pschischen Schwierigkeiten” des “Fahrers.” Diese totalitäre und immer wiederkehrende Pathologisierung von Terrorattacken verletzt die Rechte und die Würde der Opfer und entpolitisiert die Terrorattacken. Dies einzig und allein zum Zweck, über mögliche islamistische Motive nicht mehr sprechen zu dürfen, Terror als ganz normale Verbrechen zu verharmlosen sowie aktiven Täterschutz zu betreiben. Dies muss aufhören.
laStaempfli war in San Francisco und plädiert für mehr San Francisco in der internationalen Berichterstattung statt den Fokus auf den islamo-gauchist Mamdani zu legen.
Und zum Schluss: Australien zeigte diese Woche, was passiert, wenn Gesetze auf Ideologien gründen anstatt auf Realität. Im Fall “Giggle v Tickle” verlor die australische Unternehmerin ihren Berufungsfall vor dem Federal Court gegen einen Mann (Jason Tickle), der ihre App “Giggle for Girls” ebenfalls nutzen will. Das Gericht entschied auf Diskriminierung und eine satte Schadenersatzzahlung. Die Botschaft ist verheerend: Wegen des ideologischen “Sex Discrimination Act” von 2013 fallen auch “Diskriminierungen” aufgrund von “Sprechakten”, d.h. Genderidentitäten unter dieses Gesetz. Frauenrechte werden neu als Männerrechte verhandelt: Es braucht nur einen Mann, um allen Mädchen und Frauen zu befehlen, was Mädchen und Frauen sind. laStaempfli hat schon beim erstinstanzlichen Gerichtsfall rund um Sall Grover, die mutige und nun weltweit unterstützte Feministin, davor gewarnt, dass dieser australische Präzendenzfall global die Mädchen- und Frauenrechte bedroht.
Bild von laStaempfli aus American Asia Museum San Francisco: Daoist goddess Magu 1800-1911.
Und hier noch der alte Artikel als der Fall Giggle bekannt wurde: Australia really has gone mad.
Screenshot von Artikel von Regula Stämpfli über Sall Grover, die in Australien Prozesse gegen einen Mann verliert, weil sie ihn Mann nennt und aus ihrer Lesben-Dating-Plattform rausgeschmissen hat. Die Welt ist tatsächlich wahnsinnig geworden. Wie meinte Regula Staempfli schon 2023? “Wer immer noch meint, die Transdiskussionen seien ein Nebenschauplatz, irrt gewaltig. Denn sollte Sall Grover den Prozess verlieren, ist global die Lawine losgetreten, die Frauen in westlichen Demokratien per Sprechakte wie unter den Taliban in Afghanistan unsichtbar, rechtlos und unfrei macht und die Definition, was eine Frau ist, wieder den Männern obliegt. Horror.
“Die Biologie ist kein Nebenschauplatz, sondern die Hauptsache. Der weibliche Körper ist keine These – und er verschwindet nicht, nur weil es politisch opportun erscheint.” Gleichzeitig erklärt Regula Stämpfli den Entscheid des EU-Gerichtshofes gegenüber Bulgarien und Ungarn, wie die Sprechakt-Ideologie von Brüssel verordnet werden soll. Einem EU-Gerichtshof, der NICHT ÜBER GESELLSCHAFTSPOLITIK entscheiden darf, sondern nur Binnenmarkt-Entscheide zu fällen hat. Alles spannende Themen, die medial viel zu wenig aufgenommen werden.