“Die Hannah Arendt Kontroversen.” Nächte der Philosophie von Regula Stämpfli, update mit #HannahArendtLectures 2026: Zehn Thesen gegen die politische Vereinnahmung der Philosophin Hannah Arendt.

Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Welt vor den Algorithmen retten. Alle Weisheit dieser Welt. Beitrag von Regula Stämpfli zu Hannah Arendt.
Alle Weisheit dieser Welt. Regula Stämpfli darüber, wie wir mit Hannah Arendt die Demokratie in Zeiten digitaler Reproduktion retten.

Audio: https://www.podcast.de/episode/641278025

Hannah Arendt Kontroversen: Zehn Thesen gegen ihre politische Vereinnahmung

Von Dr. Regula Stämpfli, Politphilosophin, Bestseller-Autorin, KI-Forensikerin. Copyright 2026

1. Hannah Arendt darf nicht zur Heiligen einer politischen Gesinnung gemacht werden

Hannah Arendt war keine linke, rechte, liberale oder konservative Gewährsfrau. Sie dachte gegen ideologische Lager und verweigerte sich der intellektuellen Bequemlichkeit. Wer einzelne Sätze aus ihrem Werk herauslöst, um gegenwärtige politische Positionen nachträglich mit ihrer Autorität auszustatten, verrät ihr „Denken ohne Geländer“. Arendt hinterliess keine Glaubenslehre, sondern eine Methode des politischen Urteilens: Wirklichkeit wahrnehmen, Unterschiede benennen und sich der eigenen Meinung niemals sicherer sein als der Tatsachen.

2. Die Liebesgeschichte mit Martin Heidegger verdeckt Arendts eigenes Werk

Die populäre Erzählung von der jüdischen Denkerin und ihrem nationalsozialistischen Lehrer reduziert Hannah Arendt auf eine dramatische Nebenfigur im Leben eines berühmten Mannes. Aus einer klassischen Schwärmerei der Schülerin für ihren Lehrer – eine Schülerin, die Heideggers Werk überhaupt erst international bekannt gemacht hat – entsteht eine kulturelle Endlosschleife, die Heideggers politische Verantwortung ästhetisiert und Arendts Eigenständigkeit verkleinert. Hannah Arendt muss aus dem Schatten Heideggers herausgelesen werden: als Flüchtlingshelferin, Staatenlose, Autorin, politische Theoretikerin und öffentliche Intellektuelle.

3. Arendts Denken entstand aus Verfolgung, Flucht und Staatenlosigkeit

Arendts politische Theorie ist nicht am Schreibtisch allein entstanden. Gestapo-Haft, Flucht, Internierung, Staatenlosigkeit und Exil prägten ihr Denken über Herrschaft, Menschenrechte und Zugehörigkeit. Ihre berühmte Forderung nach dem „Recht, Rechte zu haben“ bezeichnet deshalb kein abstraktes Menschenrecht. Sie meint das elementare Recht, einer politisch organisierten Gemeinschaft anzugehören, in der ein Mensch sprechen, handeln und als Person erscheinen kann.

4. Totalitarismus beginnt mit der Zerstörung der gemeinsamen Wirklichkeit

Totalitäre Herrschaft benötigt nicht nur Gewalt, Polizei und Führerkult. Sie gedeiht dort, wo Tatsachen ihren bindenden Charakter verlieren, Menschen vereinsamen und Propaganda die gemeinsame Welt durch ideologische Fiktionen ersetzt. Im digitalen Zeitalter treten an die Stelle zentral gelenkter Propaganda millionenfach wiederholte Frames, automatisierte Empörung, algorithmische Belohnung und öffentliche Pranger. Der digitale Totalitarismus besitzt nicht immer ein Ministerium – oft genügt ihm eine Plattform.

5. Codes sind die Ideologien des 21. Jahrhunderts

Was Arendt als Ideologie analysierte, erscheint heute zunehmend als Code: als technische Vorgabe, sprachliche Schablone, algorithmische Sortierung und scheinbar alternativlose Klassifikation. Codes beschreiben die Welt nicht nur, sie ordnen Sichtbarkeit, Anerkennung und Ausschluss. Sie entscheiden darüber, welche Wirklichkeit auffindbar ist und welche im Datenloch verschwindet. Deshalb lautet die demokratische Frage unserer Zeit nicht nur: Wer regiert? Sie lautet auch: Wer programmiert, wer kategorisiert, wer berichtet, wer verschweigt, und wer und was wird aus dem Bild gestrichen?

6. „Die Banalität des Bösen“ darf Eichmanns Überzeugungen nicht verharmlosen

Arendts Formel bezeichnet die erschreckende Gedankenlosigkeit moderner Täter: Menschen können sich in Verwaltung, Sprache und Pflichterfüllung einrichten, ohne über die Bedeutung ihrer Handlungen zu urteilen. Doch Adolf Eichmann war nicht lediglich ein farbloser Bürokrat. Er war Akteur und Organisator eines antisemitischen Vernichtungsprogramms. Er definierte sich nicht als Judenhasser, tat aber alles in seiner Macht stehende, um das jüdische Volk auszurotten. Arendts Begriff bleibt erkenntnisreich, wenn er die moderne Arbeitsteilung des Verbrechens erklärt. Er wird problematisch, sobald die Banalität des Bösen auf alles und jedes angewendet wird. Wenn Alle zu Tätern erklärt werden, ist letztlich niemand mehr schuldig.

7. Arendt war weder antizionistische Prophetin noch unkritische Zionistin

Hannah Arendt arbeitete für zionistische Organisationen, half jüdischen Jugendlichen bei der Flucht und verteidigte jüdische Selbstbehauptung. Sie verdankt zionistischen Organisationen ihr Überleben und Einkommen. Hannah Arendt ist aber auch ein Kind ihrer Zeit und stark sozialistisch, und mit ihrer grossen Liebe zu Heinrich Blücher, auch kommunistisch geprägt. Deshalb war sie vehemente Internationalistin. Laut Eigenzeugnis wurde Hannah Arendt ja auch erst zur Jüdin von den Nationalsozialisten gemacht. Hannah Arendt als Denkerin gegen Israel benutzen, ist nichts anderes als Hannah Arendt posthum zwecks antisemitischer Legitimation heranzuziehen. Hannah Arendts Judentum war säkular, ihre Einschätzung zu Israel widersprüchlich und – wie auch im Diskurs zur Aufhebung der Rassentrennung an US-amerikanischen Schulen, von Fehleinschätzungen geprägt. Hannah Arendts Schriften berechtigen zur Kritik an staatlichem Handeln – nicht zur Leugnung des jüdischen Rechts auf politische Existenz und Selbstverteidigung.

8. Arendts Name wird heute häufig gegen ihr Denken eingesetzt

Preise, Institute, Konferenzen und politische Kampagnen berufen sich auf Hannah Arendt, während sie zentrale Elemente ihres Werks missachten: Tatsachenbindung, Pluralität, Urteilskraft, Schutz der politischen Öffentlichkeit und Widerstand gegen Antisemitismus. Ein Name ersetzt keine Auseinandersetzung. Wo „Hannah Arendt“ lediglich als moralisches Gütesiegel dient, muss gefragt werden, ob nicht gerade jene ideologische Vereinnahmung stattfindet, gegen die sie ihr Leben lang anschrieb.

9. Frauen haben das geistige Erbe des 20. Jahrhunderts mitgeschaffen – und wurden daraus herausgeschrieben

Hannah Arendt schrieb nicht nur eigene grosse Werke. Sie unterstützte, vermittelte und publizierte die Arbeiten anderer, darunter Walter Benjamin, Karl Jaspers und Martin Heidegger. Dennoch wird ihre Biografie immer wieder über die Männer erzählt, denen sie begegnete. Diese Umkehrung ist strukturell: Frauen erscheinen als Musen, Geliebte oder Helferinnen, obwohl sie Netzwerke schufen, Manuskripte retteten und intellektuelle Karrieren ermöglichten. Eine gerechte Geistesgeschichte muss diese unsichtbare Arbeit sichtbar machen.

10. Amor Mundi ist keine sentimentale Weltliebe, sondern eine politische Verpflichtung

Arendts Liebe zur Welt bedeutet nicht, die Welt schönzureden. Sie verlangt, sie mit anderen zu teilen, ihre Tatsachen auszuhalten und Verantwortung für ihren Fortbestand zu übernehmen. Politik entsteht im Dazwischen: dort, wo verschiedene Menschen sprechen, handeln und etwas Neues beginnen können. Gegen ideologische Gewissheit, algorithmische Vereinzelung und digitale Wirklichkeitsflucht setzt Arendt die Urteilskraft. Freiheit beginnt mit der Geburt – doch sie besteht nur fort, wenn Menschen den Mut haben, die gemeinsame Welt immer wieder neu zu gründen.

Schluss: Die Popularisierung von Hannah Arendt inklusive Ausschöpfung ihrer Briefe, Schriften, Darstellung jedes Details ihres Lebens, banalisieren die grosse Denkerin der Moderne. An den Hochschulen kommt dies einem riesigen Versäumnis der Lehre und Forschung gleich.

Regula Staempfli: “Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in den Nächten der Philosophie in Wien 2026 (Das Dorf.)

Audio: https://www.podcast.de/episode/704685149

Willkommen im gleichzeitigen polit-philosophischen Denken zu:

  • Institutionen,
  • Körper,
  • Codes,
  • Geschichte,
  • Narrative
  • Neue Architektur der Macht zu den Themen Krieg und Pornokratie

Ich nähere mich meinem Thema Krieg, Pornokratie und die strategische Macht der Narrative in drei Schritten:

Zunächst zehn Thesen zu Krieg, zehn zu Pornokratie und dann zehn Thesen von mir, wie wir Krieg und Pornokratie neu denken sollten. Einen Spoiler schon jetzt: Es geht um Menschenfleisch, den Austausch, den Transfer von Körper und Kapital, der in der Geschichte der letzten 6000 Jahre entlang gesellschaftlich gültige Narrative für die radikal sozialen Tiere namens Menschen von globalen Eliten organisiert wurden. Und ja: Es gibt durchaus Narrative, Menschenbilder, die besser sind als andere. Darin unterscheide ich mich vehement von den Sophisten, die Meinungen zu Fakten umdeuten und momentan im Zeitalter digitaler Reproduktion wieder die totalitäre Mehrheit bilden oder zumindest daran sind, diese zu etablieren.

Doch eines ist einfach zu verstehen: In der Menschheitsgeschichte gibt es Menschen, die ihr Fleisch zum Verkauf, zur Miete, zum Gebrauch anbieten müssen, verwendet und verkauft werden, und es gibt ein paar Akteure, Institutionen und Ideologien, die exakt benennt werden müssen, die dieses Menschenfleisch für sich in Anspruch nehmen. Menschen sind Körper, die beschriftet werden. Diese Beschriftung erfolgt zunächst durch mächtige Erzählungen und nistet sich dann unter die Haut ein. Krieg und Pornokratie, die die sog. Sexarbeit strukturiert, also Körperteile auf Zeit als Verfügungsmasse für eine schmale Elite bereitzustellen, lässt sich in die Menschheitsgeschichte einordnen. Es gibt nur eine kurze befreite Epoche, die diesen Tausch verändert hat und zwar die liberale Demokratie.

Pornokratie. Was für ein Wort. Es klingt nach spätrömischer Dekadenz, nach vergoldeten Leibern auf zerfressenen Imperienthronen, nach Pasolini-Filmen voller Dreck, Blut, Sperma und Macht, nach jener letzten Phase einer Kultur, in der der Körper nicht mehr als menschlicher Ausdruck, sondern nur noch als zirkulierende Oberfläche wahrgenommen wird. Und doch beschreibt das Wort die Gegenwart erschreckend präzise. Wir leben in einer Zeit, in der Krieg pornographisch geworden ist und Pornographie kriegerisch. Beide operieren mit denselben Mechanismen: Entmenschlichung, Wiederholung, Emotionalisierung, Reizüberflutung und algorithmischer Verstärkung. Der Körper ist nicht mehr Person, sondern Content. Das Opfer ist nicht mehr Mensch, sondern Bildträger. Und die Gewalt verschwindet paradoxerweise gerade dort, wo sie pausenlos sichtbar wird.

Der Krieg wird ästhetisch konsumiert wie eine Netflix-Serie. Und gleichzeitig wird Pornographie politisch aufgeladen. Jeder Körper wird ideologisch lesbar gemacht. Geschlecht, Hautfarbe, Opferstatus, sexuelle Orientierung, Trauma – alles verwandelt sich in codierte Zeichen innerhalb eines gigantischen digitalen Bedeutungsmarktes. Pasolini verstand dies früher als viele andere. Sein „Salò“ war nie bloss ein Skandalfilm, sondern eine philosophische Diagnose. Der Faschismus, so Pasolini, herrscht nicht allein durch Ideologie, sondern durch die totale Verfügbarkeit des Körpers. Die Konsumgesellschaft vollendet das, was die alten Diktaturen begonnen haben. Der Mensch wird Ware. Der Körper wird Objekt. Das Begehren wird industriell, neu codiert organisiert. Heute, Jahrzehnte später, erscheint Pasolini beinahe prophetisch. OnlyFans, KI-generierte Pornographie, Deepfake-Sexvideos und algorithmische Datingmärkte verwandeln Intimität in eine globale Ökonomie. Millionen junger Frauen und Männer wachsen in einer Welt auf, in der Selbstobjektivierung nicht Ausnahme, sondern Normalität geworden ist. Und gleichzeitig explodiert die Einsamkeit

Menschenfleisch war historisch immer Verhandlungsmasse: Als Söldner und Soldaten verkauft wurden, als Mädchen und Frauen als Tribut, als Sklavinnen der siegenden Macht ausgeliefert wurden. Einzig die westlichen liberalen Demokratien haben dies verändert. Kein Wunder, dass von globalen Eliten sehr mächtig und eindrucksvoll versucht wird, Menschenfleisch wieder ohne Probleme verkaufen und verhandeln zu können. Sei dies via Codes, automatisiert, sei dies für Kriege, kurz, die Errungenschaft der Moderne, die aus dem Christentum stammt, die Sklaverei zu verbieten, soll rückgängig gemacht werden und es ist eindrucksvoll wie Medien, Kulturschaffende, Intellektuelle dies wie in der Sowjetunion, wie in den sozialistischen und marxistischen Totalitarismen in Verbindung mit der jüngsten faschistischen Strömung, dem Islamismus, mittels Codes tatsächlich zu schaffen scheinen.

In der Geschichte der Philosophie spielt das Menschenbild die grundsätzliche Rolle für das jeweilige politische System. Wir wissen dies von den Souveränitätslehren der Aufklärung; Je nach Menschenbild entwickelt sich Herrschaft. Im Zeitalter codierter Fiktionen und Reprioduktionen ist das Menschenbild eines, das auf Auflösung der Biologie basiert. Wie im Christentum wird der Körper verteufelt, dafür die Ideologie geheiligt: Die Seele und auch den Geist gibt es nicht, dafür den Code, den Sprechakt, der Biologie auflösen soll. Krieg und sexuelle Gewalt sind immer an Narrativen gekoppelt. Denn kein Mensch führt aus freien Stücken Krieg, kein Mensch, ausser den Perversen, den krank sozialisierten und stumpfen Männern, würde einfallen, die schlimmste sexuelle Folter anzuwenden, ausser eben es gibt ne gute Geschichte dazu. Dann ist alles machbar. Die neuen technischen Mittel werden immer zuerst auf Krieg und Pornographie angewendet. Bildgebende Verfahren operieren seit über 150 Jahren mit Bildern, die emotionalisieren, entmenschlichen, Unaussprechliches legitimieren.  „Im Zeitalter der digitalen Reproduktion“ sind die ikonografischen und philosophischen Bilderrevolutionen algorithmisch verstärkt. Es verschränken sich so ideologische Narrative und materielle Politik: Der Körper wird zur Ware, das Schlachtfeld zum Content, Gewalt zur ästhetischen Oberfläche. Künstliche Intelligenz, Plattformen wie Grok, Gemini, ChatGPT beschleunigen diesen Prozess und produzieren Informationen, die auf Deepfakes, KI-generierten Bildern, basierend auf codierten pornographischen Menschenbildern bauen und Krieg inszenieren, lange bevor die Fakten überprüft sind. Schlimmer noch: Die Wirklichkeit, wie in jedem Krieg, spielt plötzlich überhaupt keine Rolle mehr und wer es wagt, Wahrheit, Fakten zu schreien, wird hingerichtet.

Aufruf zum Guten: Wagt mehr Wirklichkeit!

https://www.podcast.de/episode/704685149

Die Podcastin spricht Klartext: Isabel Rohner und Regula Staempfli im sprechenden Denken über Medien, die einen Vergewaltiger “Polizistin” nennen, der österreichische Verfassungsbericht, der “es gibt zwei biologische Geschlechter” als gesichert rechtsextrem beurteilt und weshalb die Frauen in Deutschland keine Rolle mehr spielen – selbst beim Abgang Jan Böhmermann (oder auch Jens Spahn) nicht.

Seit 2020 führen Isabel Rohner und Regula Stämpfli gemeinsam den Podcast «Die Podcastin». 2021 wurden sie für den Grimme Online Award nominiert. Als erstes Frauenduo im deutschsprachigen Raum verbanden sie Woche für Woche Frauen mit Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kunst, Literatur und Geschichte. Seither begleiten sie die politischen, verfassungsrechtlichen und digitalen Umbrüche unserer Gegenwart: kenntnisreich, engagiert, literarisch und poetisch – und immer mit der Lust am klugen Widerspruch.

In der neuen Folge sprechen die beiden u.a. über die Erzbischöfin der anglikanischen Kirche, ihre irritierende Nähe zum Islamismus und einen Preis, den sie zurückgeben musste. Das bei der Verleihung entstandene Bild – neben dem Preisträger dessen vollständig schwarz verhüllte Ehefrau – verdichtet die Widersprüche dieser Geschichte zu einem Symbol von seltener Brisanz. Ausserdem: die FLINTA-Orwell-Neusprechanlagen öffentlich-rechtlicher Institutionen und der schleichende Niedergang einer einst grossartigen Gleichstellungspolitik in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Und schliesslich eine der besten Debatten über Briefwahl, über das Wahlrecht von Bürgerinnen und Bürgern im Ausland – und darüber, was Berlin 2026 für uns alle bedeuten könnte.

Die Podcastin: zwei Frauen, zwei unverwechselbare Stimmen und keine Angst vor den Fragen, denen andere lieber ausweichen. Jetzt hören.

Bild kreiert von Denkmaschine laStaempfli aufgrund einer realen Fotovorlage. 2026.

www.diepodcastin.de Hier direkt zur Folge per Link und Audio direkt: https://diepodcastin.de/2026/09/20/die-podcastin-korrigiert-isabel-rohner-und-regula-staempfli-uber-das-fest-der-demokratie-wahlen-in-berlin-die-notwendigkeit-von-realitat-sprache-und-weshalb-ein-vergewaltiger-keine-frau-ist/

Wie »Die Zeit« den fanatischen Israelhasser Zohran Mamdani zur politischen Lichtgestalt umdeutet. Und Elif Eralp diesem Muster: “First we take Manhatten, then we take Berlin” folgen will. Eine aktualisierte Kritik des Medienartikels von Regula Stämpfli in der Jüdischen Allgemeinen JA, 3.9.2026.

https://www.juedische-allgemeine.de/meinung/der-schoengefaerbte-sozialist-so-framed-die-zeit-den-fanatischen-israelhasser-zohran-mamdani-zur-politischen-lichtgestalt

In der “Basler Zeitung” freut sich ein linksextremer Schwärmer, dass die linksextreme Elif Eralp mit grosser Wahrscheinlichkeit zur ersten Bürgermeisterin türkischer Abstammung in Berlin wird. Ihr Vorbild sei Zohran Mamdani, eine Lichtgestalt, wenn wir der “Die Zeit” vertrauen wollen. Hier eine fulminante Medienkritik von Regula Stämpfli über das Unterdrücken klassisch antisemitischer Programme. Judenhass? Ist nur noch eine kleine Anmerkung im Siegeszug der islamogauchiste Linken in allen Grossstädten. “Paul Middelhoffs Text in der Wochenzeitung »Die Zeit« beginnt wie ein Broadway-Titel: »If he can make it there …« Da ist sie, diese Atmosphäre! Ein Aufbruch, der, so toll erzählt, in einem etwas zugemüllten Raum beginnt, mit Marx-Lektüre, Pronomen-Runde und Menschen, die an die »richtige Revolution« glauben. Es riecht nach Theorie, Klischees, Nudeln und Aufbruch. New York ist teuer, die Mieten sind absurd und der Sozialismus plötzlich sexy. Mittendrin steht Zohran Mamdani, lächelnd, elegant, volksnah: der Mann, der das Unmögliche möglich gemacht hat. Damit ist die Dramaturgie im Artikel gesetzt. Mamdanis Sozialismus erscheint als logische politische Antwort. Sein Verhältnis zu Israel und zu den Juden hingegen erscheint als rein psychologisches Problem. Der verräterischste Satz steht groß über der Seite: »Da ist auch Angst. Davor, dass in ihm ein Israel-Feind steckt, vielleicht sogar ein Antisemit.« Aha. Angst also. Nicht politische Entscheidungen, Äußerungen, Allianzen. Nein, da ist ein »Muster« – Juden haben halt Angst, aber Mamdani macht eben Politik – richtige Politik! Im Text handeln nur Mamdani und seine fanatischen Anhängerinnen – seine Kritiker fühlen nur. Sie empfinden Unbehagen – als ob Antisemitismus und aktive Israel-Vernichtungspolitik ein Gefühl und nicht politische Programm wäre. So funktioniert Framing. Sozialismus wird zur Politik, Antisemitismus zur Befindlichkeit. Daran ist alles falsch. Ob »in Mamdani« ein Antisemit »steckt«, ist die falsche Frage. Demokratie beurteilt keine Herzen, sondern Sprache, Entscheidungen, Personal und Macht. Antisemitismus ist kein geheimes Gefühl im Innern eines Politikers. Er ist ein Code, der bestimmt, wessen Geschichte sichtbar bleibt, wessen Angst ernst genommen wird und wer aus den Institutionen verschwindet. Genau diese institutionelle Ebene unterschlägt das Porträt der »Zeit«-Edelfeder Paul Middelhoff, obwohl es doch so viele Beispiele dafür gibt. Am ersten Amtstag kassierte Mamdani viele Erlasse seines Vorgängers Eric Adams in einem Paket (Trump nicht unähnlich). Darunter war die Übernahme der Arbeitsdefinition der »International Holocaust Remembrance Alliance« zum Antisemitismus – jene Definition, die auch bestimmte Formen der Israel-Dämonisierung als antisemitisch erfasste. Selbst nach Protesten wurde sie nicht ersetzt oder ergänzt. Man wolle keine kodifizierte Definition von Hass, ließ Mamdanis Büro verlauten. Das ist keine Befindlichkeit. Das ist klare Amtsmacht. Zohran Mamdani hat das Existenzrecht Israels bejaht, sich aber geweigert, Israel als jüdischen Staat zu anerkennen. Das ist keine Wortklauberei. Eine Stadt mit der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels arbeitet also ohne verbindlichen Maßstab dafür, wann Israelhass in Judenhass umschlägt.

Im Juli 2026 protestierten vier jüdische Juristenvereinigungen dagegen, dass Mamdanis 18-köpfiger Ausschuss für Richterempfehlungen keinen einzigen jüdischen Juristen umfasste. In New York stellen Juden einen sehr großen Teil der Anwaltschaft. Das Büro des Bürgermeisters bestritt die Leerstelle nicht. Es verwies lediglich darauf, dass der Bürgermeister auch jüdische Richter ernannt hätte. Beides gehört zur Wahrheit. Eine Zeitung wie »Die Zeit«, die sich sonst sehr für Diversity und Anti-Diskriminierung stark macht, müsste zumindest fragen, warum ausgerechnet Juden in einem angeblich repräsentativen Querschnitt New Yorks fehlen. Kurz zuvor hatte eine von der Stadt verbreitete Karte die Einwanderungsquartiere »Little Palestine« und »Little Egypt« verzeichnet, die zahlreichen jüdischen Einwanderungsräume jedoch ausgelassen. Die Karte stammte aus dem Jahr 2023 und wurde von Mamdanis Verwaltung ergänzt und erneut publiziert. Nach Protesten versprach der Bürgermeister Korrekturen. Auch das ist fair.

Die Episode zeigt trotzdem, wie Auslöschung heute oft funktioniert: nicht durch ein Verbot, sondern durch eine Karte, auf der bestimmte Menschen einfach nicht stattfinden. »Die Zeit« hätte darin ein Thema erkennen können. Stattdessen liefert sie Atmosphäre.

Die wirklich hässlich redaktionelle Choreografie sitzt jedoch unter dem großen Foto von Mamdani in den kleineren Bildern. Unter Jacob Kornbluh steht: »Besorgt: der jüdische Reporter.« Unter Rama Duwaji: »Beliebt: Mamdanis Frau.« Unter Darializa Avila Chevalier: »Berüchtigt: die Aktivistin.« Drei Wörter, eine Ideologie. Der Jude erhält eine Emotion. Die Frau des Bürgermeisters erhält sozialen Glanz. Die Radikale erhält rebellisches Kapital. Gerade bei Rama Duwaji wäre Nüchternheit angebracht. Die Associated Press und andere Medien berichteten über ältere Posts, für die sie sich später entschuldigte. Nach dem 7. Oktober 2023 likte sie Beiträge, die den Hamas-Überfall als Widerstand feierten. Sie lieferte eine Illustration zu einem Band im Umfeld der Autorin Susan Abulhawa, die Juden in brutaler Sprache entmenschlicht. Mamdani nannte Abulhawas Sprache unangepasst, erklärte im selben Atemzug seine Ehefrau zur Privatperson. Dies ist keine Randnotiz für »beliebt«. Noch schwerer wiegt Hasan Piker, der reichweitenstarke Streamer, der öffentlich behauptet hat, Amerika habe 9/11 verdient. Piker gehört ins engere Umfeld von Mamdani. Bei einem rechten Politiker würde »Die Zeit« dies nicht unter »Charisma« des Bürgermeisters abbuchen, sondern als ziemlich umstrittenes Netzwerk entlarven. Und Darializa Avila Chevalier ist nicht einfach »berüchtigt«, sondern eine ausgesprochen laute Antizionistin, die am 8. Oktober 2023 auf die Straße ging, um für die Hamas zu demonstrieren.

»Globalisiert die Intifada«: Mamdani solidarisiert sich mit der Mordwelle gegen unschuldige jüdische Zivilisten während der »Intifada«.

Selbst Alexandria Ocasio-Cortez hatte diese Kundgebung wegen der Verharmlosung der Hamas-Gewalt kritisiert. Es ist also sicher keine Folklore, wenn genau beschrieben wird, mit wem sich der Bürgermeister solidarisiert. Den Slogan »Globalisiert die Intifada« hat Mamdani übrigens auch nie verworfen, aber das scheint »Die Zeit« ohnehin nicht zu stören. Möchten die Redakteure in Hamburg nicht wissen, oder ist es ihnen egal? Bei der letzten »Intifada« haben palästinensische Terroristen mehrere Hundert unschuldige Juden in Israel ermordet. Mamdani solidarisiert sich mit diesen Morden, indem er diesen Schlachtruf verwendet. Ein Skandal? Mitnichten. Juden zählen nicht! Beziehungsweise fast nicht. Zugestanden wird ihnen immerhin, Angst zu haben. Immer diese Juden mit ihren Gefühlen und dieser irrationalen Angst!

Der größte kosmetische Eingriff aber betrifft die Herkunft. Mamdani wird als Sohn mit »indisch-ugandischen Wurzeln« eingeführt. Das klingt nach Rand, Migration, Aufstieg. Er ist der Sohn der Filmemacherin Mira Nair und des Columbia-Professors Mahmood Mamdani. Privilegierte Schulen, elitäres College, eine global bewegliche Kultur- und Wissenschaftselite. Daran ist nichts Verwerfliches. 

Aber: Ein rechter Politiker mit den Ansichten von Mamdani würde von der »Zeit« massiv kritisiert werden. Zu Recht.

Verwerflich ist die Maskerade, die aus zwei geografischen Adjektiven eine Legende vom Rand konstruiert. »Wurzeln« sind in diesem Text kein Befund. Sie sind Make-up. Bei einem rechten Politiker würde dieselbe Zeitung nach Elternhaus, Schulen, Netzwerken und ideologischer Sozialisation fragen. Hier genügt die magische Formel, und aus dem Sohn zweier prominenter, dezidiert antizionistischer Intellektueller wird ein authentischer Repräsentant der Einwandererstadt. Dieser doppelte Standard trägt das ganze Porträt. Ein Rechter mit einem judenfreien Richtergremium, einer Verwaltungskarte ohne jüdische Quartiere und einer antisemitisch gefärbten Entourage würde nicht als aufregendes demokratisches Experiment beim Italiener beobachtet. Man würde ein Netzwerk zeichnen. Man würde fragen, wie aus solchem Ressentiment schnell gefährlich institutionelle Macht wird. Zu Recht.

Mamdanis Judenhass stört nur das Flirten der »Zeit« mit Rebellion, Revolution und dem »guten Sozialismus«.

Was für eine vertane Chance von der »Zeit.« Dabei ist es so offensichtlich: Bei Mamdani sticht Gaza jedes Mal die Sozialpolitik. Der Sozialismus mag Wärme liefern, die postkolonialen Gefährten indessen kennen nur Kälte gegenüber Israel und den Juden. Bei Mamdani kommt der politische Islamismus nicht mit Bartzwang, sondern als bunte Koalition und mächtige Bündnisform daher – jung, postkolonial, mit dem Versprechen auf bezahlbare Mieten und Karrieren für die junge Generation, gern mit muslimischem Hintergrund, und immer mit einem Antipoden im rhetorischen Gepäck: der einzige jüdische Staat als universelles Symbol des Bösen. All das fehlt im »Zeit«-Artikel über Zohran Mamdani. Nicht weil die Fakten unbekannt wären. Sondern weil es das Flirten mit Rebellion, Revolution und dem »guten Sozialismus« stört. Paul Middelhoff hat Atmosphäre geliefert. Mundgerecht für den 0815-»Zeit«-Leser, der am 9. November die tote Juden beweint, an allen anderen Tagen aber umso mehr aus dem jüdischen Staat einen Täterstaat konstruiert, der abgeschafft gehört. Die Institutionen hat Middelhoff stehen lassen. Genau dort entscheidet sich, ob Juden in New York vorkommen – oder nur noch Angst haben dürfen.

Homer, The Odyssey and Women who fight at home. English Podcast by classic scholar and political philosopher Regula Stämpfli (laStaempfli) exploring Homer’s epic, Christopher Nolan’s The Odyssee, and the women who sustain the world while its heroes wander. A podcast for the Goddesses. Podcast on www.artisapieceofcake.art

Regula Stämpfli, Regula Staempfli, liest Nolan gegen Homer: Nicht der Krieg steht im Mittelpunkt, sondern die Frau, die bleibt. Regula Staempfli reads Nolan against Homer — and finds, at the center, not the war, but the woman who remains.

Homer, Penelope and Nolan revisited by laStaempfli. Here Athene in Vienna. An “Artisapieceofcake” Podcast from Regula Staempfli, listen here directly (in English).

Or anywhere you listen to your Podcasts and via Art Is A Piece of Cake: https://artisapieceofcake.art/2026/09/01/homer-the-odyssey-and-women-who-fight-at-home-english-podcast-by-classic-scholar-and-political-philosopher-regula-staempfli-lastaempfli-exploring-homers-epic-christopher-nolans-the-odyssee/

Die USA-EXPERTIN, BESTSELLERIN UND POLITPHILOSOPHIN REGULA STAEMPFLI IM FERNSEHEN AUF PULS 4 & JOYN. Aufgenommen in Wien, 16.6.2026. Vorbeitung & Thesen der Sendung von Regula Staempfli.

Am 16.6.2026 war Regula Stämpfli in Wien zur Live-Sendung “Puls 4.” Jean Asselborn und Sandra Navidi waren die sehr lauten, sehr klischeefixierten und unter dem Trump Derangement-Syndrom leidenden Kontrahenten von George Weinberg und Regula Staempfli. Ursula Plassnik war die Diplomatin in der Runde. Ein Gespräch, das visuell fast mehr sagte als die Diskussion. War spannend. Hier der Sendetext:

Iran-Deal und Käfig-Kampf: Hat Trumps Show-Politik Erfolg? „Pro und Contra“ heute um 22:20 Uhr auf PULS 4 & JOYN

Hochkarätige Runde mit Jean Asselborn, Ursula Plassnik, Sandra Navidi & Co. Danach bei „Breaking Media“: Medienmanager Gerhard Zeiler im Interview zur ORF-Zukunft.

Wien (OTS) – 

Mitten in den Feierlichkeiten zu seinem 80. Geburtstag und dem 250-jährigen Jubiläum der US-Unabhängigkeit verkündete Donald Trump überraschend eine Absichtserklärung zur Beendigung des Iran-Krieges. Einmal mehr schafft der US-Präsident im Alleingang Fakten und zwingt gleichzeitig die Staatengemeinschaft zum Handeln. Seine „America First“-Doktrin drängt die Europäische Union nun endgültig zu einer drastischen, eigenständigen Aufrüstung, um die eigene Sicherheit zu garantieren.

Diese harte Machtpolitik betrifft längst den Alltag der Menschen hierzulande – von der Energiesicherheit bis zu den Preisen an den Kassen. Wie sehr verändert Trump die Weltpolitik nachhaltig? Und was bedeutet diese neue Realpolitik konkret für Österreich? Darüber diskutieren bei Moderatorin Manuela Raidl:

  • Jean Asselborn: Langjähriger Außenminister von Luxemburg
  • Ursula Plassnik: Ehemalige österreichische Außenministerin und Diplomatin, ÖVP
  • Sandra Navidi: Deutsch-amerikanische Juristin und Finanzexpertin
  • George Weinberg: Geschäftsführer der „Republicans Overseas“ in Deutschland
  • Regula Stämpfli: Politphilosophin, USA-Expertin (Trumpism. The Algorithmic Age.)

Bildschirmfoto aus der Sendung PULS 4 mit Politphilosophin Regula Stämpfli zu den USA.

Die Thesen zur Vorbereitung zur Sendung von Dr.phil. Regula Staempfli:

These 1: Trump ist keine Ursache, sondern eine Reaktion

Trump ist die politische Fehlermeldung eines Systems, das über Jahre reale Probleme ignoriert hat. Wenn Millionen Wähler trotz aller Skandale Trump wählen, muss man die Wähler ernst nehmen und nicht nur Trump dämonisieren.

These 2: Die grösste Gefahr für Demokratien ist nicht Trump, sondern Wirklichkeitsverlust

Die letzten zehn Jahre waren geprägt von Symbolpolitik, Sprachpolitik und Identitätspolitik. Viele Bürger hatten das Gefühl, dass über Pronomen gesprochen wird, während Inflation, Wohnkosten, Migration und Sicherheit ungelöst bleiben.

These 3: Frauen haben den Kulturkampf früher verstanden als viele Eliten

Die Debatte um Frauenräume, Frauensport und die Definition von Geschlecht wurde von Medien oft als Randthema behandelt. Für viele Frauen war sie jedoch zentral. Gerade hier zeigt sich die Distanz zwischen Institutionen und Bevölkerung.

These 4: Migration ist auch ein Frauenthema

Migration betrifft nicht nur Arbeitsmärkte und Sozialstaaten. Sie betrifft Sicherheit, Schulen, Integration und öffentliche Räume. Wer diese Themen tabuisiert, stärkt nicht die Demokratie, sondern die Populisten.

These 5: Der Iran und der Islamismus sind reale geopolitische Herausforderungen

Der Westen diskutiert obsessiv über Trump, während autoritäre Regime und islamistische Bewegungen langfristig die eigentliche Herausforderung darstellen. Die iranische Revolution exportiert seit Jahrzehnten Ideologie, Terrornetzwerke und Instabilität.

These 6: Die Linke hat ihre soziale Basis teilweise verloren

Historisch standen Sozialdemokraten für Arbeiter, Löhne, Infrastruktur und sozialen Aufstieg. Heute beschäftigen sich viele linke Parteien stärker mit kulturellen Symbolfragen. Dadurch entstand ein Vakuum, das Trump besetzen konnte.

These 7: Die Medien haben aus Trump ein Geschäftsmodell gemacht

Trump verkauft Einschaltquoten. Viele Medien profitieren wirtschaftlich von permanenter Empörung. Dadurch wird jede Nachricht zu einer Trump-Geschichte, während strukturelle Themen untergehen.

These 8: Europa sollte Trump nicht kopieren, sondern verstehen

Trump zeigt die Symptome westlicher Demokratien. Europas Aufgabe ist nicht die Amerikanisierung der Politik, sondern die Rückkehr zu guter Verwaltung, funktionierenden Institutionen und demokratischer Urteilskraft.

These 9: Die Generation nach Woke sucht wieder Wirklichkeit

Viele junge Menschen haben genug von moralischer Selbstinszenierung. Sie wollen Arbeit, Wohnungen, Familiengründung, Sicherheit, Technologie und Wachstum. Das ist keine rechte Sehnsucht, sondern eine sehr menschliche.

These 10: Die eigentliche Frage lautet nicht „Sind die USA noch zu retten?“

Die eigentliche Frage lautet:

Warum vertrauen so viele Menschen ihren politischen, medialen und akademischen Eliten nicht mehr? Trump ist die Antwort auf diese Vertrauenskrise, nicht ihr Ursprung

Galerie zur Tätigkeit von Regula Staempfli, Bestsellerautorin, Politphilosophin, KI-Forensikerin. August 2026. Themen: Codes, Menschenbilder, Geschichte, Philosophie, Literatur, Ökonomie und Schwerpunkte: VR China und EU. Neu auch die UNO – als klare Kritik an der Pervertierung öffentlicher Institutionen.

China does not spy, It thinks in Empires and acts in Codes by Regula Staempfli.

CV: PD Dr. Regula Stämpfli ist Politphilosophin, Bestsellerautorin, Publizistin und KI-Forensikerin. Sie lehrte viele Jahre an der Schweizer Journalistenschule. leitete jahrelang als Intendantin das IFG ULM (International Forum for Design), ist bis heute als unabhängige wissenschaftliche Expertin für die EU-Kommission gelistet, begründete an der Universität St. Gallen die Hannah Arendt Lectures, die sie bis 2025 leitete. 2021 wurde sie zu den wichtigsten Intellektuellen der Schweiz gezählt; als „Lara Croft der Politologie“ verbindet laStaempfli politische Theorie mit publizistischer Streitlust und digitaler Gegenwartsanalyse – dazu gibt es Kolumnen und die Essays in ENSUITE und Weiterdenken Quarterly. 2025 erhielt sie gemeinsam mit Dr. Isabel Rohner den Frauenheldinnen-Preis für „Die Podcastin“, den feministischen Wochenrückblick für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Regula Stämpfli ist Mutter dreier erwachsener Kinder und lebt in München.

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen? Interview für Corrigenda: Lukas Steinwandter fragt Politphilosophin Regula Staempfli. 13.8.2026

Regula Stämpfli über Abtreibung bis zur Geburt in Massachusetts, verabschiedet am 11.9.2026 unter Applaus von unterzeichnenden Gouverneurin und Dutzenden von Frauen. Zum Artikel see https://www.corrigenda.online/leben/abtreibung-bis-zur-geburt-massachusetts-frau-staempfli-sie-sind-feministin-und-pro-life-wie

Frau Stämpfli, Sie sind Feministin und pro life. Wie passt das zusammen?

Ein US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Von Lukas SteinwandterEin US-Bundesstaat erlaubt Abtreibungen bis zur Geburt. Linke und Feministinnen jubeln, Konservative sind empört. Doch so einfach ist es nicht: Regula Stämpfli ist progressiv, gebildet und feministisch. Und kritisiert das neue Gesetz scharf. Im Interview erklärt sie, warum das sehr wohl zusammenpasst.

Einleitung: Der kurze Clip sorgt für Fassungslosigkeit, Kopfschütteln und Entsetzen – und Wut. Die Gouverneurin des US-Bundestaats Massachusetts, Maura Healey (Demokratische Partei), unterzeichnet am Montag im State House in Boston den „Prioritizing Patient Access to Care Act“ (H.5595). Das harmlos klingende Gesetz hebt die bisherige 24-Wochen-Frist für Abtreibungen auf und erlaubt sie bis zur Geburt, sofern ein Arzt ein entsprechendes „fachliches Urteil“ abgibt. 

Neben Healey, die angeblich katholisch ist und vor zwei Jahren noch schrieb, ihr lägen die Schwächsten am Herzen, befinden sich rund ein Dutzend weiterer Frauen in dem Regierungsbüro, darunter Ärzte und Abtreibungsaktivisten. Nachdem die Politikerin die Unterschrift gesetzt hat, lachen und klatschen die Frauen, was nicht nur unter Christen und Lebensschützern für Empörung gesorgt hat

Bereits vor der neuen Regelung waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche möglich. Allerdings mussten dafür bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Ein Arzt musste beispielsweise feststellen, dass der „Schwangerschaftsabbruch“ zur Erhaltung des Lebens der Frau oder ihrer psychischen und physischen Gesundheit notwendig ist. Diese Bedingungen sind nun weggefallen. 

„Als Gouverneurin verspreche ich: Ganz gleich, was Donald Trump oder die Republikaner im Kongress oder am Obersten Gerichtshof tun, wir werden dafür sorgen, dass Frauen ihre eigenen Entscheidungen in ihrer Gesundheitsversorgung treffen können – und nicht die Regierung“, sagte Healey. Und die Gouverneurin versprach: „Abtreibungen werden hier in Massachusetts weiterhin sicher, legal und zugänglich sein.“ 

In sozialen und klassischen Medien feierten linke und feministischeGruppen das Gesetz. Konservative äußerten schwere Kritik. Aber nicht nur sie. Denn es gibt auch Feministinnen, die ein tiefes Störgefühl haben angesichts der sich brutal ausbreitenden Kultur des Todes. Eine von ihnen ist die promovierte Historikerin und Politikwissenschaftlerin Regula Stämpfli. 

Die Schweizerin ist Privatdozentin, Kolumnistin, Designerin und betreibt zusammen mit Isabel Rohner den feministischen Wochenrückblick „Die Podcastin“. Im Interview mit Corrigenda erklärt die in München lebende Autorin, warum sie als progressive Frau und Feministin für das Lebensrecht ungeborener Kinder und gegen eine nur vermeintlich liberale Politik ist, wie sie von den Demokraten in den USA gerade gemacht wird.

Frau Staempfli, Sie bezeichnen sich als feministisch und progressiv, sind aber pro life. Wie passt das zusammen?

Es ist total logisch! Frauen kämpfen seit Jahrhunderten dafür, Frauen und Kinder vor Gewalt, Ausbeutung, Vergewaltigung, Mord und ökonomischer Sklaverei zu beschützen. Lassen Sie sich von den sogenannten neuen Feministinnen nicht verwirren! Die haben so viel mit Feminismus zu tun wie der Islamismus mit der Katholischen Kirche! (lacht) Ich stehe in einer langen Tradition von Frauen, die sich weigern, Schwangerschaft, Mutterschaft und Kinder den Mächtigen zu überlassen. Früher waren dies die Adeligen, heute ist es eine neue technokratische Elite und eine Gesundheitsindustrie, deren Optimierungszwang in vielen Fällen zu einem regelrechten Totenkult mutiert ist. Eine wirklich fortschrittliche und feministische Gesellschaft huldigt der Mutterschaft und behandelt sie nicht als Optimierungs- und Störfall.

Wie kommen Sie mit dieser Position bei anderen Feministinnen an?

(lacht) Wie kommen Sie als Pro-Life-Journalist bei Ihren vornehmlich linken Kollegen an? Frauen werden nur in der Unterdrückung zu einer Kategorie. Ansonsten sind Frauen immer vielstimmig. Heute machen Medien, Unis und Kultureliten ausgerechnet die Abtreibung zum feministischen Loyalitätstest. Dies ist ideologisch verblendet, unerquicklich misogyn und außerordentlich dumm. Mit Frauen- und Kinderschutz hat das woke Geschrei rund um den „Feminismus“ eh schon lange nichts mehr zu tun. Es geht mit der Abtreibung bis zur Geburt auch nicht um politisch links oder rechts, sondern es geht um die Abtreibung des würdigen, liberalen, freiheitlichen und in Demokratien geschützten Menschenlebens. 

„Die Frau ist. Nur noch ‘Warenträgerin’ – das kennen wir aus kommunistischen Ländern“

Am Montag hat die demokratische Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey, unter großem Applaus und Lachen ein Gesetz unterzeichnet, das keine gesetzliche zeitliche Obergrenze für Abtreibungen mehr vorsieht. Sie sprechen von „industrieller Qualitätskontrolle“. Warum?

Regula Stämpfli© Regula Stämpfli

Weil es genau das ist. Das werdende Kind wird zwischen Arzt und „Auftraggeber“ verhandelt. Das neue Gesetz, von Dutzenden von ideologisch verblendeten Frauen beklatscht, ist der Triumph der biopolitischen Logik, den Menschen zur ökonomischen Verfügungsmasse zu erklären. Das Kind wird zu „Menschenfleisch-Daten“ und entsprechend gültiger medizinischer und sozial kompatibler Praxis abgetrieben oder geboren. Die Frau ist in diesem Zusammenhang nur „Warenträgerin“. 

Dies kennen wir übrigens auch aus den kommunistischen Ländern, wo Kinder aus ideologischen Gründen massenweise abgetrieben, und nach der Geburt, ebenfalls aus ideologischen Gründen, sofort als sogenannte „Wochenkinder“ den Eltern entrissen wurden. Dass die Unterzeichnung eines solchen Gesetzes mit Lachen und Applaus von Frauen inszeniert wird, halte ich für eine nihilistische Entgleisung. Selbst wer Abtreibungsrechte verteidigt, müsste angesichts einer Abtreibung im letzten Schwangerschaftsdrittel verstummen. Eine Gesellschaft, die hier jubelt, hat ihr Gewissen entfernt.

Sie sagen, Mütter würden zu „Sklaven eines Gesundheitsmarktes“, der Mutterschaft zur Dienstleistungstätigkeit pervertiere. Kinder würden zu Produkten. Was meinen Sie damit?

Exakt das, was ich sage. Schauen Sie auf die semantischen Verschiebungen der vergangenen Jahre. Mütter werden u.a. von ARD, ZDF, WDR, SRF, ORF etc. nicht mehr Mütter genannt. Oder Schwangere als schwangere Frauen bezeichnet. Weshalb? So entledigt sich die neue globale Medien-, Kultur- und Wissenschaftselite der Leiblichkeit des Menschen. Gemäß herrschender Sprechaktideologie gibt es keine Körper oder gar Menschenseelen, sondern verwertbare Fleischstücke, die auf dem kapitalistischen Markt der Influencer, Selfies, „Ich Ich Ich“-Religionen wie zum Beispiel „Only Fans“ verkauft werden können. Menschen sind keine Lebewesen mehr, sondern codierte Kategorien – hören Sie doch endlich mal dem Jargon der Zoomer richtig zu! In meiner Vorlesungsreihe „Hannah Arendt Lectures“ traf ich bspw. auf Studentinnen, die außer ihrer Produktidentität nichts anderes mehr kannten. Sie wussten nicht, wer sie waren oder wer sie sein könnten – aber ihren Marktwert kannten sie auf die zweite Kommastelle genau.

Es ist entsetzlich und selbst die Evangelische Kirche in Deutschland hat sich vergangenes Jahr zu einer Revision von Paragraf 218 Strafgesetzbuch bekannt, ohne zu realisieren, welchen ethischen Rückschritt dies für uns alle bedeuten würde. 

„Abtreibung ist keine Freiheit, sondern aus der Not geboren. Auch heute noch“ Regula Stämpfli.

Ist Abtreibung, die von vielen Feministinnen als Selbstbestimmung glorifiziert wird, nicht genau das, was Generationen von Feministinnen wollten?

Das war doch eine ganz andere Zeit als heute! Die große französische Politikerin Simone Veil, Auschwitz-Überlebende und damalige französische Ministerin, hat 1974 für die Entkriminalisierung der Abtreibung gekämpft. Sie argumentierte, dass keine einzige Frau leichten Herzens abtreibt. Dass Abtreibung keine Freiheit ist, sondern immer aus der Not geboren ist. Dies ist übrigens auch heute noch so. Das, was in Massachusetts unter „Abtreibung“ propagiert und beklatscht wird, ist Warenpolitik im Menschenfleischpark. Das hat schon längst nichts mehr mit dem Recht von Frauen in Notlagen zu tun, nicht in den Hinterzimmern einer Engelsmacherin zu verbluten. 

Dieses Zitat von Ihnen könnte auch von einem Papst stammen: „Der Mensch wird nur noch nach seiner künftigen ökonomischen Produktivität und Fehlerfreiheit bemessen.“ Sie sprechen damit eugenische Abtreibungen an. Die Mehrzahl der abgetriebenen Kinder ist jedoch gesund.

Das widerlegt meine Kritik nicht. Es erweitert sie. Bei diagnostizierbaren Krankheiten oder Behinderungen tritt die Selektionslogik einfach besonders brutal hervor. Bei gesunden Kindern greift dieselbe Verwertungslogik auf einer anderen Ebene: Passt dieses Kind zu meinem Partner, meinem Studium, meiner Karriere, meinem Zeitplan, meinem Lebensentwurf? 

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Das Kind wird nicht mehr als neues Gegenüber begriffen, sondern als kalkulierbares Projekt. Es gilt als Störung, weil das schützende Umfeld aus Tanten, Großmüttern, Schwestern, Nachbarinnen und gelebter Großfamilie weitgehend verschwunden ist. Der neoliberale Mensch soll autonom sein – also allein. Und was allein nicht zu bewältigen ist, wird beseitigt oder an einen Markt delegiert.

Wenn ein Papst diese Entwicklung ebenfalls erkennt, wird meine Analyse dadurch nicht falsch. Der Kampf gegen Eugenik und Menschenvermessung gehört weder der Kirche noch einer bestimmten politischen Seite. Er gehört allen, die Frauen und Kindern, den Menschen insgesamt, nicht auf Sprechakte, Codes, Fehlerfreiheit und Verwertbarkeit reduzieren wollen

Unbedingt. Beides gehört zur selben Verschiebung des Menschenbildes. Wir leben im Zeitalter der algorithmischen Reproduktion. Bei der Leihmutterschaft wird der Körper einer Frau als Produktionsort benutzt. Das Kind ist Gegenstand eines Vertrags. Bei der selektiven Abtreibung entscheidet die Qualitätskontrolle darüber, welches Leben den Erwartungen entspricht. Das eine Kind wird bestellt, das andere verworfen. Dazwischen liegen Tests, Verträge, Plattformen, Kliniken, Agenturen und sehr viel Geld. Ich spreche deshalb von Sklavenmutterschaft. Denn wo ein Mann (oder zwei Männer, das ist ja meist die Praxis) den Körper einer Frau für die Produktion eines Kindes beansprucht, verwandelt sich Mutterschaft in eine käufliche Dienstleistung und einen neuen Menschenfleischmarkt.

Die Historikerin und Politphilosophin (Bestseller “Trumpism. The Algorithmic Age” und “Mit der Schürze in die Landesverteidigung. Frauen, Krieg und Staat 1914-45”) mit einer Medienkritik zur gegenwärtigen NS-Geschichtsverfälschung: “War Oma auch eine Nazi?” Und was dies alles mit der sog. Leihmutterschaft der Gegenwart zu tun haben könnte.

Medienkritik SZ/BAZ: “War OMA Nazi?” ÜBER GESCHICHTSVERFÄLSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenwärtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders für Frauengeschichte.

Die Schweizer Medien erhalten aus Deutschland seit Jahren nicht nur Nachrichten, sondern auch erstaunlich viel publizistisches Abfallobst. So titelte die Süddeutsche Zeitung am 14. Juli 2026: «War auch Oma ein Nazi?» Wenige Tage später erschien dieselbe Denkfigur in der Schweiz: «War auch Grossmutter ein Nazi? Die Rolle der Frauen in der NS-Zeit.» Schon der Titel verrät das Problem. Er übernimmt unkritisch eine Kategorie, die es im Nationalsozialismus nur als Rassen- und nicht als Geschlechterpolitik gab.

Es gab im Nationalsozialismus nämlich keine Frauen als historische oder politische Kategorie. Es gab ausschliesslich rassifizierte Frauen. Der Nationalsozialismus unterschied nicht zwischen Männern und Frauen, sondern zwischen «erbgesund» und «erbkrank», zwischen «arisch» und «nicht arisch», zwischen reproduktionswürdig und vernichtungswürdig.

Wer deshalb 2026 über «Frauen im Nationalsozialismus» schreibt, ohne diese grundlegende Differenz bereits im Titel sichtbar zu machen, beschreibt nicht die historische Wirklichkeit, sondern reproduziert ungewollt die Sprache der Täter.

Der Artikel reiht alles auf, was seit Jahrzehnten zum Standardwissen gehört: Mutterkreuz, NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, Winifred Wagner, Helene Bechstein, zwölf Millionen Frauen in NS-Verbänden. Alles richtig. Alles bekannt. Alles unerquicklich oberflächlich. Das Entscheidende fehlt. Denn während sogenannte arische Frauen als Gebärerinnen der «Volksgemeinschaft» ausgezeichnet wurden, wurden jüdische Frauen, Sinti- und Roma-Frauen, Frauen mit Behinderungen, politische Gegnerinnen, Lesben und und und, entrechtet, zwangssterilisiert, in Konzentrationslager verschleppt, medizinischen Experimenten unterzogen und millionenfach ermordet. Wer diesen Gegensatz unter der Kategorie „Frauen“ ausblendet, schreibt nicht über „Frauen im Nationalsozialismus.“ Er/Sie schreibt über die Privilegierung einer rassisch definierten Minderheit und erklärt sie anschliessend zur allgemeinen Frauengeschichte.

Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, die Nationalsozialisten hätten ein «traditionelles Frauenbild» vertreten. Nein. Genau das ist historisch falsch. Die Nationalsozialisten waren in ihrer Frauenpolitik keineswegs restaurativ. Sie waren revolutionär. Sie machten den weiblichen Körper zum Gegenstand einer bis dahin ungekannten staatlichen Biopolitik. Nicht die Frau interessierte sie, sondern ihre reproduktive Funktion. Nicht Mutterschaft, sondern Bevölkerungspolitik. Nicht Familie, sondern Eugenik. Das sogenannte Mutterkreuz war deshalb keine Ehrung der Mutterschaft, sondern eine staatliche Auszeichnung für die Produktion rassisch erwünschter Kinder. Ideologie entschied darüber, welche Schwangerschaft gefeiert und welche vernichtet wurde.

Gerade deshalb wirkt es befremdlich, wenn ausgerechnet Hans-Ulrich Wehlers Formulierung einer «indirekten Emanzipationsförderung» unkritisch wiederholt wird. Frauen arbeiteten im Krieg nicht deshalb ausser Haus, weil die Nationalsozialisten plötzlich emanzipatorisch geworden wären, sondern weil der totale Krieg Arbeitskräfte verschlang. Von Emanzipation zu sprechen, wo Zwang, Vernichtung und totale staatliche Kontrolle herrschten, verharmlost die Logik eines Regimes, das Leben nach biologischen Kategorien organisierte.

Der eigentliche blinde Fleck solcher Artikel liegt jedoch tiefer. Sie sprechen ständig von «Frauen», ohne zu fragen, wie Ideologien Frauen überhaupt erst definieren. Genau darin lag die Radikalität des Nationalsozialismus. Frau war keine anthropologische, sondern eine politische Kategorie. Wer zur richtigen Rasse gehörte, wurde zur Mutter verklärt. Wer nicht dazugehörte, wurde vernichtet. Der Begriff «Frau» bedeutete im Nationalsozialismus niemals dasselbe für alle Frauen.

Diese Einsicht ist auch deshalb bedeutsam, weil Sprache bis heute Wirklichkeit schafft. Begriffe sind nie unschuldig. Sie ordnen die Welt, lange bevor Gesetze oder Institutionen handeln. Wenn heute selbstverständlich von «Reproduktion», «genetischem Material», «Matching», «Eizellspende», «Leihmutterschaft» oder «optimierten Embryonen» gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sprache. Denn auch hier werden Frauen zunehmend über ihre reproduktive Funktion definiert. Eine Frau, die vierzig Wochen ein Kind unter ihrem Herzen trägt und zur Welt bringt, ist keine «Leihmutter». Sie ist Mutter. Der Begriff «Leihmutter» beschreibt keinen biologischen Sachverhalt, sondern eine juristische und ökonomische Konstruktion, die Mutterschaft sprachlich neu codiert.

Zwischen der nationalsozialistischen Rassenpolitik und den bioethischen Debatten der Gegenwart bestehen selbstverständlich fundamentale historische Unterschiede. Wer Geschichte ernst nimmt, verwischt diese Unterschiede nicht. Doch ebenso wenig darf übersehen werden, dass Ideologien immer zuerst an der Sprache arbeiten. Sie verändern Begriffe, bis die Wirklichkeit anders erscheint. Genau deshalb genügt es nicht, Grossmütter nachträglich in Täterinnen oder Mitläuferinnen einzuteilen. Historische Aufklärung beginnt nicht mit moralischen Etiketten. Sie beginnt mit der Analyse jener Begriffe, durch die Macht den Menschen überhaupt erst definiert.

Wer 2026 über „Frauen im Nationalsozialismus“ schreibt, betreibt ideologische Reproduktion, klischiert Geschichte und verharmlost die biopolitische Gegenwart, die gerade in sog. progressiven Kreisen ihr entsetzliches Unwesen treibt.