Bild: Israelische Nationalbibliothek. Fotografiert von laStaempfli am 7.12.2025. Eine Nationalbibliothekt, die übrigens neben den israelischen Publikationen über verschlungene Wege auch palästinensischen Kulturdokumente speichert.
laStaempflis Medienkritik an der NZZ, Karin Wengers Artikel: “Israel läuft Gefahr, zum Paria-Staat zu werden. Vielleicht wagt es 2026 aber auch einen Neuanfang. In Diplomatie, Kultur und öffentlicher Meinung verliert Israel seit dem Beginn des Gaza-Kriegs an Ansehen. Um nicht langfristig zu einem Paria-Staat zu werden, braucht das Land eine neue Führung.”
Israel ist laut Wenger also isoliert und selbst daran schuld. Das Land wird in Wengers Text personalisiert, polarisiert und so zusammengefasst, wie dies die NZZ über ein anderes Land nie schreiben würde. Die Prämisse, Israel sei ein “Paria-Staat” hat alles mit der Journalistin, wenig mit der Realität zu tun. Die „Isolation“ ist keine diplomatische Tatsache, sondern Wengers mediale Konstruktion. Ein codiertes Narrativ einer Kultur- und Medienelite, die Israel als Paria-Staat definiert und die Gefahr des Islamofaschismus nicht nur für Israel, sondern für den Westen insgesamt, aus ideologischen Gründen negiert.
Israel ist nicht isoliert: militärisch nicht (enge Kooperation mit USA, Deutschland, Indien), wirtschaftlich nicht (Tech, Rüstung, Forschung), geheimdienstlich nicht (informiert die EU über drohende Anschläge), regional nicht (Abraham Accords on the go, stille Kooperation mit arabischen Staaten). Was Karin Wenger beschreibt, ist kein objektiver Zustand, sondern eine westliche Diskursblase, die Boykotte von Kulturinstitutionen und UN-Resolutionen mit geopolitischer Realität verwechselt.
Der Text verwendet zudem ständig ein Vokabular, das auf nicht-demokratische Staaten angewendet wird: Wenger schwafelt von „autoritäre Züge“, „Loyalisten“,„quasi rechtsfreier Raum“ – und sie konzentriert sich auf den demokratisch gewählten Regierungschef Benjamin Netanjahu, quasi Israel als One-Man-Show. Netanjahu wird mit ISRAEL gleich gesetzt, für alles persönlich verantwortlich gemacht. Kulturelle Boykotte, Trump-Frustrationen, gesellschaftliche Spaltung, alles lässt sich in Wengers Diktion und übrigens mit klassisch antisemitischen Klischees, auf den jüdischen Regierungschef zurück führen. Dies ist so vorhersehbar wie unoriginell. Uns Leserinnen und Leser würde viel mehr interessieren, wie Israel den Krieg, den es gewonnen hat, zu Ende bringen kann, so dass der islamofaschistische Terror nie mehr zur existentiellen Bedrohung von Israel und dem Westen heranwachsen kann. Der gesamte Text ist moralische Nivellierung, keine Analyse.
Die reale Problematik der Siedlergewalt wird zudem verallgemeinert, entkontextualisiert, nicht unterschieden von staatlicher Politik. Israel wird auf seine radikalsten Ränder reduziert – ein klassischer Delegitimierungsmechanismus, den man bei keinem anderen demokratischen Staat in dieser Form anwendet. Oder würde Wenger aus Frankreich auch nur aus der Warte von Marine Le Pen berichten? Der Text erklärt nicht Israels Isolation – er produziert sie, indem der Artikel moralische Kategorien und sog. Haltungsjournalismus betreibt. Dafür braucht es aber keine Korrespondentin, da reicht locker eine antizionistische Aktivistin mit islamofaschistischen dystopischen Fantasien. Wengers Text ist performativer Journalismus: Er erzeugt die Realität, die er beklagt. Allein die Frage: “Was für eine Nation wollen sie sein?“ ist paternalistisch und ahistorisch. Israel ist seit 75 Jahren eine Demokratie, unter permanentem globalen Angriff durch die islamofaschistischen Gruppierungen und Staaten, hält sich als Demokratie aber wacker mit einer pluralen, streitbaren Öffentlichkeit, die wir auch von der Schweiz her kennen.
Der Text von Karin Wenger erklärt Juden und Jüdinnen, wie diese zu existieren haben. Dies ist kein Journalismus, sondern moralischer Paternalismus, der selbst als Kommentar fehl am Platz wäre, als Artikel in der NZZ aber wirklich keine Berechtigung hat.
#DiePodcastin afghanisch: Isabel Rohner und Regula Staempfli über Talibans hier und dort, u.a. im Der Spiegel, Skandal des Deutschen Journalistenverbands DJV, Konstantin Wecker und die Epstein-Files und die neue postkoloniale Weisswaschung der Genitalverstuemmlung.
Was ist mit dem Deutschen Journalistenverband (DJV) los? Er veröffentlichte eine Handreichung (übrigens die einzige Handreichung auf seiner Homepage) ausgerechnet zur “Berichterstattung über Sexarbeit”. Entstanden ist die Broschüre dabei übrigens als Gemeinschaftsprojekt (!) mit einem Lobbyverband. Ziel: “eine sachliche, differenzierte und respektvolle Berichterstattung”. Interessanterweise ist die Broschüre dann voll von Ideologie und Verharmlosung: z.B. auf S. 15 “Sexarbeit ist nicht Problem, sondern die Lösung.” oder auf S. 8 “Sexarbeit schafft für Frauen ein Angebot für positive Erlebnisse. Sie kann ein Schutzraum sein für Opfer sexualisierter Gewalt.” Das erreichen die Journis natürlich nur durch eine gnadenlose Umdefinition und grundlegend neues Wording. So rät die Handreichung, nicht mehr von “Rotlichtmilieu” zu schreiben, sondern von “Branche”. Auch “Zuhälter” sei kein angemessenes Wording, besser sei es von “Betreiber” zu schreiben. “Armutsprostitution” gäbe es schlicht nicht, da es doch bei jeder Erwerbstätigkeit darum ginge, Geld zu verdienen. Und und und. Die Rohnerin bringts auf den Punkt: “Spinnt ihr, DJV?” https://www.djv.de/einsatzfelder/chancengleichheit-diversity/handreichung-berichterstattung-sexarbeit/
Hier laStaempflis Thesen zu Konstantin Wecker und die Epstein Files: Wie Minderjährige von den Medien sexualisiert und verkauft werden, siehe SZ-Titel: “Der Mann und das Mädchen” 20.11.2025. Die Frau, die den Epstein-Fall überhaupt ins Rollen brachte, heisst Julie K. Brown siehe https://www.sueddeutsche.de/medien/usa-epstein-trump-journalistin-julie-brown-1.4523865
Zehn Thesen zum Missbrauch von Macht, Ruhm und jungen Frauen – aus Sicht der Opfer von laStaempfli
Missbrauch beginnt nicht mit Gewalt, sondern mit Aufmerksamkeit. Epstein wie auch andere mächtige Männer, wie der Fall Konstantin Wecker zeigte, wurden nicht gefährlich, weil sie brutal waren, sondern weil sie zuhörten, förderten, versprachen. Aufmerksamkeit ist die erste Währung der Manipulation.
Das Narrativ vom „einvernehmlichen Verhältnis“ ist eine Tätererfindung. Minderjährige können Machtgefälle nicht „frei wählen“. Wer das behauptet, verschiebt Verantwortung vom Täter zum Opfer.
„Ich war in einer schwierigen Phase“ ist keine Erklärung, sondern eine Schuldabwehr. Persönliche Krisen (wie bei Konstantin Wecker Alkoholismus, Drogen etc.) rechtfertigen keinen Missbrauch. Dieses Argument dient ausschließlich dazu, Empathie für Täter zu erzeugen – nie für Opfer.
Kunst, Genie, Charisma oder politische Bedeutung sind keine mildernden Umstände, sondern Verstärker. Je größer die Bühne eines Mannes, desto größer sein Schutz. Ruhm funktioniert wie ein Schutzschild gegen Strafverfolgung.
Medien verharmlosen Missbrauch, wenn sie Täterliteratur betreiben. Titel wie „Der alte Mann und das Mädchen“ (Der Titel der Süddeutschen Zeitung zum Fall Konstantin Wecker) romantisieren Gewalt. Sie löschen das Leid der Betroffenen aus und ästhetisieren asymmetrische Macht.
Die sogenannte „Sexarbeit“-Rhetorik verschleiert systemischen Zwang. Wenn junge Frauen in ökonomisch abhängigen Situationen „freiwillig“ handeln sollen, handelt es sich nicht um Freiheit, sondern um Marktlogik ohne Schutzrechte.
Epstein und auch Konstantin Wecker sind keine Einzelfaelle, sondern ein Systemknoten. Sein Netzwerk zeigt, wie Kapitalismus, Patriarchat und Straflosigkeit zusammenwirken. Nicht wer die Täter sind, ist entscheidend – sondern wie lange die Täter geschützt wurden.
Opfer verlieren nicht nur ihre Unschuld, sondern ihre Erzählhoheit. Ihre Geschichten werden bezweifelt, relativiert, juristisch zermürbt oder medial trivialisiert. Das ist sekundäre Gewalt.
Gesellschaften schützen Täter, wenn sie ihnen nützen. Solange Männer Macht, Geld oder kulturelles Kapital liefern, wird ihr Missbrauch als „Fehltritt“, „Affäre“ oder „tragische Verstrickung“ umgedeutet.
Wirkliche Aufarbeitung beginnt erst, wenn wir aufhören, Täter interessant zu finden. Nicht ihre Biografien, ihre Gefühle oder ihre „dunklen Phasen“ sind relevant – sondern die zerstörten Leben der Mädchen und Frauen. Gebt endlich den Opfern die Stimmen.
Hier der offene Brief von Regula Staempfli im Anschluss an die Handreichung:
Good News zum Schluss: In der neuen EMMA wird das HEDWIG DOHM TRIO porträtiert https://www.emma.de/artikel/mehr-stolz-ihr-frauen-342205 – und auch sonst ist diese Ausgabe SEHR lesenswert, u.a. dank der besten Cover-Geschichte seit Jahren “Die neuen Frauen”.
Hier noch der offene Brief von Dr. Regula Staempfli an den DJV im Anschluss der Folge der “Die Podcastin.” Bitte teilen!
Offener Brief an den Deutschen Journalistenverband (DJV) Zur „Handreichung zur Berichterstattung über Sexarbeit“ 26.12.2025.
Sehr geehrte Damen und Herren des Deutschen Journalistenverbands,
was ist mit Ihnen los?
Der Deutsche Journalistenverband, der sich als Hüter journalistischer Standards, Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit versteht, veröffentlicht eine Handreichungauf der eigenen Website zur „Berichterstattung über Sexarbeit“ – dies ausgerechnet als Gemeinschaftsprojekt mit einem Lobbyverband. Allein dieser Umstand hätte höchste Alarmbereitschaft auslösen müssen. Stattdessen wird die Broschüre als Beitrag zu einer „sachlichen, differenzierten und respektvollen Berichterstattung“ beworben.
Was Sie tatsächlich vorlegen, ist jedoch keine journalistische Handreichung, sondern ein ideologisch durchtränktes Framing-Papier, das zentrale Probleme sexualisierter Ausbeutung sprachlich entsorgt, strukturelle Gewalt verharmlost, ja streckenweise legitimiert, und kritische Begriffe systematisch aus dem öffentlichen Diskurs tilgen will.
Wenn in Ihrer Broschüre Sätze stehen wie
„Sexarbeit ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ (S. 15)
oder
„Sexarbeit schafft für Frauen ein Angebot für positive Erlebnisse. Sie kann ein Schutzraum sein für Opfer sexualisierter Gewalt“ (S. 8),
dann überschreiten Sie jede Grenze der Würde des Menschen. Ihre “Handreichung” ist das Gegenteil von faktenbasierten Journalismus. Die Handreichungreproduziert Narrative, die seit Jahren von der Prostitutionsbranche, den Interessenverbänden vertreten werden. Ihre Handreichung missachtet alle bisherigen Statistiken, Recherchen, Opferstudien sowie Traumaforschung.
Besonders skandalös ist das von Ihnen propagierte neue Wording, das Realitäten nicht beschreibt, sondern umdeutet:
Das „Rotlichtmilieu“ soll zur „Branche“ werden.
„Zuhälter“ heißen plötzlich „Betreiber“.
„Armutsprostitution“ soll es gar nicht geben – schließlich gehe es bei jeder Erwerbsarbeit um Geld.
Diese sprachlichen Eingriffe sind keine Präzisierung, sondern politische Propaganda. Sprache wird hier nicht genutzt, um Wirklichkeit sichtbar zu machen, sondern um Menschenhandel mit neuen Begriffen zu normalisieren, ja zu legalisieren. Journalismus wird so zum Transportmittel von Zuhälter-Interessen – nicht zu deren kritischer Instanz.
Gerade von einem Journalistenverband müsste man erwarten, dass er seine Mitglieder zur Skepsis gegenüber Lobby-Sprech, zur Trennung von Bericht und Aktivismus und zur Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Befunden anhält. Stattdessen liefern Sie eine Anleitung zur Selbstzensur kritischer Begriffezugunsten der Propaganda von Prostitution, den Menschenfleischverkauf auf Zeit.
Die Frage, die sich stellt, ist daher schlicht: Wessen Interessen vertreten Sie hier eigentlich – die der journalistischen Öffentlichkeit oder die eines politischen Projekts?
Die Podcastin Dr. Isabel Rohner brachte es in der neusten Folge von der „Die Podcastin“ – aufgeschaltet 26.12.25 treffend auf den Punkt:
„Spinnt ihr, DJV?“
Diese Frage ist leider berechtigt.
Wir fordern den DJV daher auf,
diese Handreichung kritisch zu überarbeiten oder zurückzuziehen,
die Nähe zu Lobbyorganisationen transparent zu machen,
und endlich wieder das zu tun, wofür Journalismus steht: nicht für Sprachregelungen einzutreten und sie den Mitgliedern des DJV quasi zu verordnen, sondern für Fakten und Qualität zu sorgen.
Mit nachdrücklichen Grüßen
Dr. Regula Stämpfli Politische Philosophin, Bestellerautorin, Journalistin BR
Zwei Bilder aus Jerusalem 7.12.2025 vom Morgengrauen ins Licht. Regula Staempfli copyright 2025.
Auf der Suche von Regula Staempfli in Jerusalem und Hannah Arendt, erfindet Gemini folgend Geschichte: Bildschirmfoto 23.12.2025, 19.00 Uhr.
This is what really happened: Radiolabor Hannah Arendt: Über das Böse
Zum 50. Todestag von Hannah Arendt (1906–1975)
4. bis 7. Dezember 2025, Theater Stok Zürich & Zürichsee
Zum 50. Todestag von Hannah Arendt widmet sich eine viertägige Veranstaltungsreihe am Theater Stok und auf dem Zürichsee der wohl bedeutendsten politischen Denkerin des 20. Jahrhunderts.
Arendts Schriften über Verantwortung, Totalitarismus, Gewalt und Freiheit prägen bis heute den politischen und kulturellen Diskurs – und wird zugleich immer wieder missverstanden, instrumentalisiert, vereinfacht.
Die Veranstaltungsreihe spürt diesen Spannungsfeldern nach: zwischen Ethik und Macht, Denken und Handeln, Sprache und Verantwortung.
Den Auftakt bildet am 4. Dezember die Premiere der szenischen Lesung «Über das Böse» mit Hagar Schipper-Admoni (Schauspiel) und Avital Cohen (Flöte), unter der Regie von Sama Schwarz. Im Anschluss spricht Michael Pfister über Arendt, ihr Verständnis des Bösen und ihre Ethik des Selbstgesprächs.
Am 5. Dezember folgt ein öffentliches Labor, das Arendts Denkbewegungen performativ weiterführt.
Der 6. Dezember verbindet Literatur, Philosophie und Gegenwart: eine Schifffahrt auf dem Zürichsee mit Hildegard Keller, sowie die Diskussion «Judenhass im Kunstbetrieb» mit Bettina Spoerri, Matthias Naumann, Rüdiger Suchsland und Lea Wohl von Haselberg.
Am 7. Dezember findet ein zeitgleicher frühmorgendlicher Hannah-Arendt-Walk in Zürich und Jerusalem mit Regula Stämpfli über Tom Segevs Vortrag statt, gefolgt von einem Familiennachmittag mit Hildegard Keller und der Abschlussperformance «Über das Böse – Teil 2».
Eine Veranstaltung über Denken, Verantwortung und das Weiterwirken von Arendts radikalem Mut zur Sprache, eine Veranstaltung, die sich speziell auch dem Antisemitismus widmet und einer Denkerin, die diese Themen mit radikaler Humanität angegangen ist.
Sonntag, 7. Dezember 7.00 Uhr, Zürich
Hannah Arendt Walk: Zürich & Jerusalem
Mit:Regula Stämpfli
Themen: Ort, Exil, Erinnerung und Zeitgleichheit von Erfahrung.
Hier von Regula Staempfli zehn Thesen, weshalb die Rede von Tom Segev über “Hannah Arendt in Jerusalem” völlig an der Denkerin vorbei und über sie hinweg argumentierte.
Zehn Gründe, warum Tom Segevs Berliner Rede so verheerend war.Von Regula Staempfli. 7. 12. 2025 „Hannah Arendt in Jerusalem.“ Hier die Rede von Tom Segev; https://www.youtube.com/watch?v=1XTgDKp-deA
1. Linker Moralismus statt politische Analyse Tom Segev spricht nicht als Historiker, sondern als moralischer Richter. Damit ersetzt er historische Komplexität durch Schuldnarrative — eine typisch europäische, postkoloniale Falle, die die Realität Israels ausblendet.
2. Gleichsetzung von Täter und Opfer Wenn Segev den israelischen Gegenschlag „brutal“ nennt, ohne die islamistische Aggression und Ideologie als Ursache zu benennen, wiederholt er das alte Muster der moralischen Äquidistanz — Hannah Arendt nannte das “die Flucht ins Urteil ohne Denken.”
3. Der Missbrauch von Hannah Arendt Segev zitiert Arendt, um „Menschlichkeit“ gegen Israel auszuspielen – dabei übersieht er, dass Arendt Totalitarismus als System verstand, das durch die Abschaffung des Politischen entsteht. Hamas ist totalitär, nicht Israel.
4. Pazifismus als Luxusideologie Segev steht in der Tradition eines israelischen Linkspazifismus, der nur in friedlichen Zeiten funktioniert – und im Angesicht von Terror, Geiselnahmen und Pogromen zur moralischen Pose verkommt. Arendt hätte gesagt: „Politik beginnt, wo man die Welt bejaht – nicht wo man ihr entflieht.“
5. Islamistische Propaganda als „Narrativ der Unterdrückten“ Wenn Segev Begriffe wie „brutaler Krieg“ oder „Wohngebiete bombardiert“ benutzt, ohne zu erwähnen, dass Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt, übernimmt er deren semantische Waffen – das ist Propaganda-Recycling.
6. Das Schweigen über Antisemitismus Segev vermeidet es, die antisemitische Dimension der Hamas zu benennen – das ist die intellektuelle Feigheit vieler Linker, die lieber über „Ungleichheit“ reden als über Judenhass.
7. Sentiment statt Urteilskraft Segev emotionalisiert, statt zu urteilen. Er spricht von „Soldaten“ und „Opfern“, aber nicht von Ideologien, Strategien, Strukturen. Arendt hätte ihn daran erinnert: „Denken ohne Geländer heißt, Verantwortung zu übernehmen, nicht Gefühle zu wiederholen.“
8. Die Entpolitisierung des Krieges Indem Segev Gaza als humanitäre Katastrophe, nicht als politisch-militärische Konstellation beschreibt, nimmt er den Akteuren (insbesondere Hamas) die Verantwortung – und infantilisiert damit die arabische Welt.
9. Koloniales Schuldnarrativ im israelischen Gewand Segev internalisiert das westliche Schuldgefühl und wendet es gegen Israel: ein paradoxes Selbsthass-Muster, das die israelische Linke seit den 1980ern lähmt. Das ist kein Pazifismus, sondern postkolonialer Masochismus.
10. Verrat an der Realität – Verrat an Hannah Arendt Arendt lehrte, dass Wahrheit im Politischen nie bequem ist. Segev aber will sich gefallen, besonders in Berlin. Er liebt den Applaus der deutschen Linken mehr als die unbequeme Realität Israels. Damit verrät er Arendts Ethos des politischen Denkens, der Nähe allen Denkens an Wirklichkeit und Wahrheit.
Von Dr. Regula Stämpfli – Die israelische Künstlerin Ruth Patir gehört zu den besten Videokünstlerinnen unserer Zeit. Deshalb wurde sie zur Biennale 2024 in Venedig eingeladen, denn ihre Ausstellung (M)Otherland versprach, KI und feministische Kunst auf ganz ungewöhnliche Weise zu verbinden. Die Ausstellung wurde «aus Gründen» abgesagt, der israelische Pavillon blieb in Venedig zugesperrt.
In Tel Aviv hatte ich in diesen Wochen die Gelegenheit, die Ausstellung von Ruth Patir zu besuchen, und war überwältigt. Ihre eigene Geschichte, eine von genetischem Defekt und Fruchtbarkeitsideologie im Staate Israel geformte Story, verpackt sie in Gespräche, Figuren, reflektiert Fortpflanzungstechnik und Archäologie. Die Künstlerin, ihre Mutter, ihr Geliebter, die demonstrierenden Frauen agieren in den Filmen als antike Venusfiguren, sprechen mit Originalstimmen. Selten wurde ich mit solcher Wucht mit unserer biopolitischen Gegenwart und meiner eigenen Körperlichkeit konfrontiert. Ein Thema übrigens, das ich in den «Nächten der Philosophie» im Mai in Wien, natürlich im Café Korb, noch näher vertiefen werde. Patir bringt den weiblichen Körper, Fruchtbarkeit und Mutterschaft in den Kontext politischer Repräsentation – ohne in Klischees zu verfallen. Die zentrale Figur: eine computergenerierte Frau, eine Art hybride Göttin der Reproduktionsmedizin, die sowohl verletzt als auch mächtig erscheint.
Zwischen Erschöpfung, Aufbegehren und Intimität verhandelt Patir die Grenzen des eigenen Körpers, aber auch die patriarchalen Erwartungen an Weiblichkeit und Nation. (M)Otherland ist nicht nur ein Kommentar auf den biopolitischen Zugriff auf weibliche Körper im Patriarchat, sondern eine universelle Reflexion über Kontrolle, Zeit und das Erbe der Mutterschaft. Die Arbeit ist ebenso politisch wie poetisch und historisch.
Wie schon erwähnt, verleiht Patir den Körpern per Computer generierte uralte Venusfigürchen, wie sie in Israel wie in Europa tausendfach bei Ausgrabungen gefunden werden. So wird die Geschichte von Göttinnen, Müttern, Fruchtbarkeit und Sexualität und Frauen auf völlig neue Art und Weise verwoben, was zufälligerweise mit der neusten archäologischen Forschung zusammentrifft.
Venusfiguren sind auch der Gegenstand von Karin Bojs’ «Mütter Europas. Die letzten 43 000 Jahre». Ausgehend von der sog. «Venus von Willensdorf», die eigentlich ganz klassisch keine Aphrodite, sondern eine wunderschöne, postmenstruelle Frau darstellt, erzählt Karin Bojs die Menschheitsgeschichte völlig neu. Über 150 Jahre wurden die Wissenschaftlerinnen ausgelacht, die behaupteten, dass die Steinzeit nicht mit Jägern und Sammlerinnen, also entlang der geschlechtsstereotypen Funktionen, operierte, sondern matrilinear, matriarchal und mit vielen weiblichen Göttinnensymbolen konstituiert war. Die postkolonialen Historikerinnen verleugnen das mit den Archäologie-Patriarchen des 19. Jahrhunderts bis heute, weil sie Matrilinearität ausschliesslich indigenen Gesellschaften zugestehen wollen. In postkolonialen Augen gehen Patriarchat und Imperialismus und Westen Hand in Hand – was ein archäologischer Fehler ist, denn Europa war matrilinear, Persien war matrilinear. Karin Bojs’ Buch geht so weit, festzustellen, dass das bis vor Kurzem von der klassischen Altertumswissenschaft bestrittene Matriarchat in Europa nicht nur Tausende von Jahren bestanden haben muss, sondern nur brutal mit den Raubzügen patriarchaler Männerhorden aus dem Osten beendet wurde. Eine Vernichtung von weiblicher Geschichte, die bis heute blutige Spuren zeigt. Die Vergewaltigung Europas durch Zeus, von der uns die klassischen Sagen des Altertums berichten, wird in diesem Lichte betrachtet vom Mythos zum Logos, vom Fleisch zum Wort. Die unterschiedlichen Venusfiguren werden in der Literatur nun also völlig neu interpretiert – und die Künstlerin Ruth Patir hat dies in ihrem Werk sehr klug zum Ausdruck gebracht. In der herkömmlichen Archäologie wurden die Tongöttinnen sexistisch als Pornofiguren der Steinzeitmänner bezeichnet – die Wahrheit könnte nicht weiter entfernt sein. Es waren matrilokale Kulturen, deren Bedeutung aus ideologischen Gründen jahrhundertelang vernachlässigt wurde.
Die Biologie spricht nun ein strenges Machtwort gegen Ideologien von links bis rechts. Gene pflegen nämlich nicht zu lügen. DNA-Analysen zeigen: Steinzeitfrauen haben andere Gene als Steinzeitmänner. Und die gefundenen Artefakte passen in diese unterschiedlichen Frau-Mann-Schemata, die sich ausserdem als rituelle Unterschiede von Göttinnen-Kult und Phallus-Kult feststellen lassen. Es waren die indogermanischen Migrationsströme, die matrilineare Kulturen in Europa in patrilokale Gesellschaften umbauten, so die neuste Forschung. Und zwar so, wie es uns in einem anderen Mythos, nämlich dem der «Raub der Sabinerinnen», erzählt wird. Eine Erzählung nicht nur als Metapher, sondern als Menschheitsgeschichte: der Überfall von Männerhorden zwecks systematischer patriarchaler Ausbeutung, Aneignung und Unterwerfung des weiblichen Körpers durch kollektive männliche Gewalt. Wie aktuell diese Erzählung ist, zeigen die Taliban in Afghanistan; eine abscheuliche Gegenwart, leider viel zu selten in unseren Medienberichten erscheinend – tja, es geht eben «nur» um Frauen, da haben wir es wieder. Die Menschheitsgeschichte zeigt, wie das weibliche Echo jahrtausendealter Stimmen immer schwächer wird. Gerade das Zeitalter digitaler Reproduktion lässt Frauen als Körper zugunsten eines Sprechaktes verschwinden: Sexuelle Gewalt gekoppelt mit ideologischen Löscharbeiten von weiblicher Macht und Freiheit lässt sich in der Geschichte der Menschheit leider viel zu oft nachweisen.
Umso wichtiger die Erinnerung. Deshalb empfehle ich zum Schluss auch noch das neue Werk von Ann-Cathrin Harders, «Kleopatra. Ägyptens letzte Königin». Der schmale Band in der «Wissen»-Reihe von C.H. Beck ist extrem aufschlussreich, gut geschrieben und wahnsinnig spannend. Wir erfahren in «Kleopatra» nicht nur viel über Göttinnen, Geschwisterehen und den Untergang des Pharaonentums, sondern nebenbei auch ganz coolen Klatsch aus der Antike. Kleopatra war zweimal mit einem eigenen Bruder verheiratet: mit Ptolemaios XIII., nach dessen Tod mit Ptolemaios XIV. Kinder kriegte Kleopatra von ihren Brüdern keine, dafür eines von Julius Caesar, mit dem sie nicht verheiratet war, und drei von Marcus Antonius – herrlich dargestellt im Hollywoodfilm «Cleopatra» mit der unvergleichlichen Elizabeth Taylor. Ann-Cathrin Harders geht der letzten grossen matriarchal inspirierten Herrscherin Kleopatra mit grossem archäologischen Wissen nach. Weibliche Herrschaft war in Rom unbekannt, deshalb waren schon die Zeitgenossen fasziniert von einer Frau, deren Macht sich über Weltreiche ausbreiten konnte. Kleopatra residierte während ihres Romaufenthaltes unter Julius Caesar wie eine Königin, was den prüden Cicero unheimlich ärgerte. «Ich hasse die Königin! – Reginam odi!» schrieb der grosse Rhetoriker empört an Atticus. Dies nicht zuletzt, weil Caesar für die «Venus Genetrix» kurz vor seinem Tod noch eine neue Goldstatue in Auftrag gegeben hatte und in den Tempel stellte: Es war ein Abguss von Kleopatra, nackt, wie sie die römischen Mythen schufen. Ann-Cathrin Harders erzählt genüsslich von diesem Skandalon, das die Zeitgenossen damals extrem beschäftigt haben muss. Wäre Caesar nicht ermordet worden, wer weiss, wie die Geschichte Roms unter dem Einfluss von Kleopatra noch weitergegangen wäre. Denn die Pharaonin war nicht nur schön, sondern vor allem unglaublich clever: Sie bot Caesar Stabilität im Osten an, verbesserte die Finanzen des gesamten Römischen Reiches. Ägypten war die Getreidekammer der Antike, lieferte auch Öl, Papyrus, Textilien, Parfüm; über die ägyptischen Häfen lief der Handel mit Arabien und Indien. Und Kleopatra, wie die Pharaoninnen vor ihr, war eine durchaus würdige Herrscherin, die die multinationalen Geschäfte Ägyptens durchaus im Griff hatte. Caesar sicherte im Gegenzug die Herrscherin und deren Traditionen.
Pharaoninnen standen seit jeher als Göttinnen für Ehe, Mutterschaft, Fruchtbarkeit und Ernte, Isis als älteste Gottheit im ägyptischen Pantheon wurde überall angebetet. Kleopatra fügte durch den Kontakt mit den Römern den Symbolen eines hinzu: die Venus. Diese sollte sich als bestimmende Frauenfigur auch lange nach dem Untergang Ägyptens und Roms durchsetzen. Von Plutarch bis Shakespeare und Hollywood, Kleopatra beschäftigt bis heute, und zwar nicht zuletzt, weil mit ihr nicht nur die Person, sondern auch ihr Reich und die Tradition weiblicher Herrschaft endeten. «Kleopatra wird damit zu einer Leerstelle, die immer wieder neu interpretiert werden kann, zu einem ‹mythischen Zeichen›, das als Projektionsfläche für unterschiedlichste Konflikte aufgerufen und verstanden werden kann», meint Ann-Cathrin Harders in ihrem Buch.
Matrilineare Spuren Kleopatra, Herrscherin über Nil, Macht und Begehren, wird bis heute durch den Schleier westlicher Projektion gesehen – entweder als Hure oder als Hexe. Dabei war sie eine Staatsfrau von unfassbarem Format, die in einer Welt aus Männermorden die Kontrolle behielt – über Flotten, Intrigen und Sprache. Sie sprach neun davon. Die meisten können nicht mal eine richtig.
Maria, die jungfräuliche Mutter, ist eigentlich eine radikale Figur. Sie gebiert Gott, ohne männliche Beteiligung. Was für eine subversive Idee! Sie wird zur «Königin des Himmels» erhoben – ein Titel, der einst Ishtar, Isis, Kybele galt. Die Kirche hat versucht, sie unschädlich zu machen. Hat sie auf Podeste gestellt, wo man sie als echte Frau nicht wirklich sehen, sondern nur anbeten darf.
Europa, die von Zeus Entführte, reitet auf einem Stier aus Gewalt in unsere Vorstellungskraft. Aber ich sehe in ihr keine passive Jungfrau. Ich sehe eine Frau, die sich nicht einsperren lässt – weder in den Götterhimmel noch in die Archive der Männergeschichte. Europa ist Bewegung, ist Mischung, ist Widerstand, der lebt, trotz Domestikation.
Fazit: Die Wiege Europas war weiblich. Nicht in der kitschigen Göttinnensymbolik, sondern in der realen, matrilinearen Macht der frühen Zivilisationen: Ägypten, Kreta, Mykene, Etrurien. Dort entschieden Frauen über Land, Rituale, Legitimation. Patriarchale Systeme existierten – aber sie waren gezähmt, gebändigt, durchwoben mit der Logik des Weiblichen.
Leseliste – Karin Bojs: Mütter Europas. Die letzten 43 000 Jahre. – Ann-Cathrin Harders: Kleopatra. Ägyptens letzte Königin. CH Beck Wissen. -(M)Otherland von Maayan Sheleff (Herausgeberin), Ruth Patir (Autorin), Taschenbuch 2021
Ali Khamenei regiert den Iran nicht wie ein Staatspräsident, sondern wie ein sakral legitimierter Autokrat: als Kalif, Papst und Schattenherrscher zugleich. In ihrer Rezension von Ali Sadrzadehs Buch Ali Khamenei. Aufstieg und Herrschaftzeigt Regula Stämpfli, warum der iranische Mullahstaat weniger einem modernen Staat als einem religiösen Gewaltkartell gleicht. Sadrzadeh schreibt keinen nüchternen Lebenslauf, sondern einen politischen Thriller, der offenlegt, wie Macht durch Mythos, Ideologie und systematische Gewalt gesichert wird.
Besonders eindrücklich ist die Analyse der geistigen Grundlagen des Regimes: Der Antisemit Ahmad Fardid, Heidegger-Jünger und Vordenker der Islamischen Republik, verbindet europäische Gegenaufklärung mit islamistischem Totalitarismus. Das Buch zeigt schonungslos, wie der Westen – aus Schuld, Ignoranz und falscher Toleranz – zum Kollaborateur einer der gefährlichsten Herrschaftsformen der Gegenwart wurde: ideologischer Islamismus im Gewand des Antiimperialismus. Eine Pflichtlektüre für alle, die den Iran, den politischen Islam und die fatalen Verstrickungen westlicher Eliten verstehen wollen
Medienzeilen von Regula Staempfli, laStaempfli, copyright laStaempfli.
Anne Frank im Palästinensertuch ist keine Provokation – es ist eine politische Gewaltverherrlichung
Von Dr.phil. Regula Staempfli, 18.12.2025 www.regulastaempfli.eu
Das Porträt von Anne Frank mit Palästinensertuch im Potsdamer Museum Fluxus+ markiert die ästhetische Normalisierung eines politischen Programms, das explizit zur Ermordung von Juden aufruft.
Die palästinensische Hamas – die herrschende Regierung im Gazastreifen – hat in ihrer Gründungscharta wie auch in späteren programmatischen Texten, den Mord an Juden als religiös legitimierte Pflicht formuliert. Das ist kein Geheimwissen, keine Randmeinung, kein „umstrittener Kontext“, sondern dokumentierte Ideologie. Nach dem 7. Oktober 2023 ist diese Ideologie zudem nicht mehr theoretisch, sondern blutig real.
Wer unter diesen Bedingungen Anne Frank – ein jüdisches Kind, ermordet, weil es Jüdin war – mit palästinensischer Symbolik versieht, betreibt nicht nur Relativierung des Holocausts. Er verschiebt die Bedeutung von Gewalt selbst. Aus der ermordeten Jüdin wird eine Ikone für eine politische Erzählung, in der jüdisches Leben erneut entwertet wird. Das ist kein Zufall. Das ist ein symbolischer Akt mit klarer Wirkung. Bilder wirken nicht neutral. Bilder codieren Wirklichkeit. Und dieses Bild kodiert eine tödliche Botschaft: Die jüdische Geschichte soll sich dem aktuellen antiisraelischen Narrativ unterordnen. Wer widerspricht, gilt als Zensor. Wer protestiert, als Unterdrücker der Kunstfreiheit. Das ist die perfide Logik.
Der neue Antisemitismus kommt heute nicht in Springerstiefeln, sondern mit Palästinensertuch, millionenfach automatisierten Codes wie „Genozid“, via Förderanträge und Preisverleihungen als moralische Überhöhung daher. Der neue Antisemitismus nennt sich „kritisch“, „antikolonial“, „revolutionär“, „antifaschistisch“, „solidarisch“. Er arbeitet mit Bildern, Gefühlen, automatisierten antisemitischen Stereotypen und unterscheidet sich beim näheren Hinsehen nicht vom klassischen Judenhass. In diesem Milieu gibt es „apartheitsfreie Zonen“, gibt es „Boykotte“, gibt es Zuschreibungen, die Juden und Jüdinnen eine Herrscherkaste unterstellen. Gefühle werden bedient, ahistorischer Live-Fetischismus mit entsprechenden „fashionable“ Elementen. Deshalb ist der neue Judenhass so kulturfähig: „Antizionism sells.“ Doch Kunstfreiheit endet dort, wo Mord legitimiert wird.
Niemand verlangt, Kunst solle harmlos sein. Die Kunstfreiheit in liberalen Demokratien wurde aber nie als Freibrief zur historischen Umcodierung von Judenhass im Grundgesetz verankert. Im Gegenteil. Weshalb meint das Museum mit einer in seinen Augen antifaschistischen Umcodierung den Judenhass mit dem Bild von Anne Frank bewerben zu dürfen? Wenn eine Ausstellung und Werke darin, explizit als Wegweiser für mörderische Ideologien werben, dann ist es die politische Aufgabe von öffentlichen Institutionen, hier Grenzen zu ziehen.
Fortissima – DAS GESCHENK FÜR DIESE TAGE UND DARÜBER HINAUS!
Raphaela Gromes gehört zu den international besten Cellistinnen & spielt für Sony Music (Platz 1 der Klassik Charts) prominente Konzerte und Musiker ein. Mit Femmes und jetzt Fortissima macht sich die geniale Klassikerin, Musikerin und Autorin auf den Weg der Suche nach den verlorenen Komponistinnen und findet nicht nur die unglaublichesten, bezaubernden Geschichten, sonder hat mit Julian Riem auch die vergessenen Komponistinnen eingespielt. Im Gespräch mit Regula Stämpfli erklärt Raphaela Gromes weshalb es so wichtig und erfüllend ist, klassische Musik zu recherchieren, einzuspielen und darüber Bücher zu schreiben:
„Fortissima“ ist mehr als ein Buch – es ist ein musikalischer Aufstand. Raphaela Gromes, international gefeierte Cellistin, macht sich auf die Suche nach Komponistinnen. Nach „Femmes“ legt sie mit „Fortissima“ eine Partitur der verschwiegenen Musikgeschichte frei: Komponistinnen, die Jahrhunderte lang gespielt, gehört, gefeiert wurden – und dennoch aus dem Kanon fielen, als hätte jemand die Zeit bearbeitet wie ein schlechtes Archiv. Wie bei „Femmes“ ist auch dieses Buch eine Zusammenarbeit mit Sue Wosnitzka, der grossen Kennerin des „Archiv Frau und Musik“ – artisapieceofcake.art hat eine ganze Serie mit der Musikwissenschaftlerin gemacht.
Im Gespräch von Raphaela Gromes und Regula Staempfli geht es um alles: die Kraft des Cellos, die politische Dimension von Musik, die das das Verschwinden weiblicher Genies beförderte. Es geht um die Frage, weshalb selbst in ihrer Zeit gefeierte Künstlerinnen im Schatten stehen. Die Antworten darauf sind vielfältig und doch eintönig: Der Kanon bleibt männlich, weil Männer vorwiegend Männer zitieren. Wieder und wieder und wieder – bis heute.
Raphaela Gromes spricht mit Leidenschaft, Witz und Präzision über ihre Recherchearbeit, über musikalische Wiederentdeckungen, über die Wut und die Schönheit dieser unsichtbaren Tradition und sie bringt die Musik der Komponistinnen zurück auf die Bühnen dieser Welt.
Ein Gespräch über Kraft, Klang und Sichtbarkeit – und darüber, wie Musik Denken verändert.
Noch ein Nachtrag: Die Heldinnen, auf deren Schultern wir Alle stehen, gehen immer wieder vergessen: So hat Luise F. Pusch mit ihrer Fembio seit über 30 Jahren eine Datenbank gefüllt mit über 30.000 berühmten, bekannten Frauen, deren Biographien frau online nachlesen kann. https://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographieforschung/zur-person-luise-f-pusch/
Anflug auf Ben Gourion im Dezember 2025 von Regula Stämpflis erster Pressereise, die aber nichts mit der Pressereise zu tun hat, die im taz-Artikel beschrieben ist. copyright laStaempfli 2025.
Seit dem 7. Oktober 2025 pflegt auch der deutsche Journalismus eine bedenkliche Vereinfachung höchst komplexer geopolitischer Sachlagen. Dabei wird gerne die „moralische Dringlichkeit“, über Fakten und Sachwissen gestellt.
Hier bringt die Politikwissenschaftlerin & Historikerin Regula Stämpfli als Beispiel einen Artikel der taz, siehe https://taz.de/Lobbyorganisation-Elnet/!6130001/ (Kurzversion hier, die Langversion ist auf www.regulastaempfli.eu zu finden.) Im Artikel der taz wird aus einer ganz normalen Pressereise eine jüdische Verschwörung konstruiert.
Es beginnt schon beim Titel: „Elnet lobbyiert für die Regierung Netanjahu. Über hundert deutsche Abgeordnete reisten mit dem Verein, der Kontakt zu Siedlern und Trump-Fans hat.“
Medias in res sind wir mitten im Bösen: Siedler, Trump und Netanjahu – fertig ist die deutsche Klischeemaschine gegen Israel schon in der Headline. Der taz Titel setzt den Ton als Urteil, es ist keine Reportage, keine Recherche, sondern ein Frame, der nur ein Ziel verfolgt: Die Diskreditierung einer ganz normalen Lobbyorganisation und von Israel.
Lobbies gibt es tonnenweise. Deutschland lobbyiert mit seinen Goethe-Instituten in der ganzen Welt für die deutsche Kultur. Damit war Deutschland übrigens sehr erfolgreich: Von Xi Jinping weiss man, dass er einer der größten Goethe-Fans ist, er hat nicht nur alle Werke übersetzen lassen, sondern die VR China hat auf Betreiben des kommunistischen Staatenlenkers die einzige Gesamtedition von Goethe in einer nicht-europäischen Sprache produzieren lassen. Alles über Goethe ist in China übersetzt, digitalisiert, archiviert, selbst der kleinste Fetzen Goethes Italienreise gibt es auf chinesisch. Vom Goethe-Institut als „politischen Netzwerk“ verwoben mit der „kommunistischen Führung in China“ zu raunen, käme aber wohl nicht einmal Donald Trump in den Sinn.
Bei Israel geht es aber immer um andere Maßstäbe. Im taz-Artikel gibt es keine Information, sondern Haltungsjournalismus. Mit „Trump-Fans“ und „Siedler“ wird die großzügige, vom israelischen Steuerzahler bezahlten Reise von den für ihren Geiz bekannten deutschen Journalisten („was, wir sollen dem Fahrer über 30 Euro für 7 Tage Servicefahrten von Hotel zur nächsten Destination zahlen?“) als rechtspopulistische Veranstaltung diskreditiert. Dieses Raunen ist im Artikel omnipräsent. So wird das Bestreben Israels, nach dem Krieg den deutschen Journalisten wieder das Reiseland im Nahen Osten nahe zu bringen, als rechtsextreme zionistische Meinungsmanipulation von den Journalisten diffamiert. Gleichzeitig wird eine gezielte Einflussnahme auf die deutsche Regierungspolitik fabuliert, weil ja, so der Artikel der taz, Bundeskanzler Merz die deutschen Waffenlieferungen nach Israel gestoppt hätte, was Israel im Mark getroffen haben muss – so der Artikel der taz. Dass Deutschland wohl eher auf Israel als umgekehrt angewiesen ist, wird im taz Artikel wohlweislich verschwiegen. Ohne technologisches Know How von Israel ist der gesamte Westen gegenüber den wirklichen Kriegstreibern Russlands, Iran und letztlich auch der Volksrepublik China, völlig ausgeliefert. Diese Umkehr von wer braucht wen, ist in einer sog. Reportage schon erstaunlich faktenfrei. Doch die Journalisten überschätzen sich gerne. Wollte Israel die Meinung und Öffentlichkeit in Deutschland wirklich manipulieren, wäre es besser aufgestellt, es würde auf Codes, Bots, Desinformation, Auslassungen setzen statt grosszügig über 150 Deutsche auf israelische Staatskosten zu bewirten.
Dabei ging es in der Reise um eine Normalisierung nach dem Waffenstillstand – offensichtlich haben dies die Deutschen Delegierten nicht begriffen. So macht die taz aus dem Bestreben, das Land zu bewerben und übrigens auch die diversen Reisewarnungen für den wunderbaren Tourismus-Spot Israel aufzuheben, eine ganz üble Verschwörungstheorie. Elnet, so der Artikel, soll, ohne auch nur einen einzigen Beleg zu liefern, auf die deutschen Journalisten Druck ausgeübt haben, dass „schwerste Kriegsverbrechen“ der „israelischen Armee“ sowie die Untergrabung der „Netanjahu-Regierung rechtsstaatlicher Strukturen“ hierzulande nicht berichtet werden durften: „In diese Landschaft fügt sich Elnet ein.“ Wie bitte? Wann, wo und wie hat Elnet direkt Einfluss auf die deutsche Berichterstattung eingenommen? Hören wir Sophie von der Tann auf der ARD oder Elmar Theveßen im ZDF zu, dann gibt es nur zwei Kriegsverbrecher, die dringend verfolgt werden müssten und die verantwortlich seien für das gesamte Elend der Welt: Donald Trump und Bibi Netanjahu. Sophie von der Tann wurde für diese kolossalen Fehleinschätzungen sogar mit einem renommierten Journalismus-Preis ausgezeichnet. Würde Elnet wirklich Druck ausüben, dann hätten wir doch völlig andere Informationen als dieses ständige Rauschen über das „Elend von Gaza!“
Doch wer will sich schon von Fakten leiten lassen, wenn ein anti-isrealisches Narrativ konstruieren lässt!
Die taz macht aus den Informationsreisen von Israel, die übrigens freiwillig sind, gekauften Journalismus. Würde ich Elnet punkto Reisen beraten (ich kenne Elnet nicht und hatte noch nie etwas mit Elnet zu tun), ich würde für die Werbung für das Land nie auf Journalisten, Wissenschaftler oder Kulturschaffende setzen, denn deren postkoloniale Theorien sind so fix, dass sie sich durch nichts beeindrucken lassen. Schon gar nicht durch die Realität! Die wirklichen Opinionmakers bewegen sich eh ausserhalb des klassischen Journalismus, nur die Politiker und Politikerinnen haben dies nicht gemerkt, deshalb lohnt es sich sehr wohl, mit denen, zwischen Parlamenten und Kommissionen engen Kontakt zwecks gutem Austausch zu pflegen. So wie es die Europäische Union sehr geschickt macht: Jeder Ausschuss, jede Fraktion, jede Abteilung hat unzählige Delegationen in die ganze Welt. Der EU-Parlamentarier gönnt sich auf Steuerkosten, neben einem Jahresgehalt von dem 80 Prozent der Deutschen nur träumen können, die genialsten Familienferien – meist gut getimed mit den diversen Delegationsreisen.
Darüber schreibt die taz nie, obwohl Nico Semsrott darüber sogar ein sehr kritisches Brüssel-Buch verfasst hat.
Also, liebe taz: Es reicht! Also liebe Kollegen der Delegationsreise, von denen ich einige per Zufall auf meiner kulinarischen Reise getroffen habe: Es reicht! Meinungsbildung durch Metaphern statt Fakten, durch Narrative und deutsche Arroganz (hey Ihr reist grad durch ein höchst traumatisiertes Kriegsland, dessen Jugend und Kibbuzim brutalst angegriffen, ermordet und über 250 Menschen entführt wurden, wovon wiederum fast 100 ermordet wurden!) ersetzen keine Information, sondern betreiben Manipulation. Deshalb ist dieser Text ein Paradebeispiel für all die Blindspiralen, die alle Texte über Israel prägen: Es geht immer nur um die moralische Selbstentlastung Deutschlands, das zwar offiziell vom Existenzrecht Israels immer wieder schwafelt, dessen Medienakteure aber genau dies quasi als Nebensache behandeln. Israel ist für viele Deutsche, die Medien, Kultur und Universitäten moralische Projektionsfläche und nichts anderes. Die taz und mit ihr wohl auch die Delegation der deutschen Influencer, die sich über das Verhalten der israelischen Akteure aufgeregt haben, sehen Israel quasi als pädagogischen Fall, der behandelt werden muss und zwar im Sinne postkolonialer Therapie als Selbstauflösung. Dass sich Israel nicht nur weigert, sich therapieren zu lassen, sondern aktiv auf wehrhaft auf Selbstbestimmung, Verteidigung und Unabhängigkeit pocht, daran werden sich die Deutschen wohl nie mehr gewöhnen.
Der taz Artikel hat über all dem Raunen nämlich etwas überhaupt nicht realisiert: Der 7. Oktober 2023 hat nicht nur den globalen Antisemitismus forciert, er hat Israel zu einem ganz anderen Land gemacht. Und wie dieses aussieht, das wäre doch spannender zu erfahren als all das antisemitische Geraune, das diesem Artikel in der taz anhängt.
Zwischen Filterblasen und KI-Journalismus. Ein Plädoyer für Demokratie, Diskurs und Urteilskraft im Medienzeitalter. „Träumen Algorithmen von Demokratie? Nur mit folgenden Vorschlägen:“ Literaturliste/Linkliste zum 26. Österreichischen Journalistinnenkongress 2024
Die Beispiele sind zahlreich: Desinformation der BBC, der ARD, von SRF – keine Entschuldigungen, nur weitere Hamas-PR. Hungersnot, Bombardierung von Spitälern, Zerstörung von Gaza wird als Genozid durch Israel herbegelogen statt wirklichkeitsnah als Resultat des islamofaschistischen Regimes der Hamas darzustellen.Kein Mensch bei der BBC wäre jemals auf die Idee gekommen, 1944 von Goebbels direkt die Kriegsberichte in die eigene Redaktion zu tragen. Doch 2025 ist dies offensichtlich für die Agenturen und Nahost-Journalisten völlig normal: Gaza, der Nahe Osten sowie die Schlachten werden allein von der Hamas, der Hisbollah und den Islamogauchisten unter den Reportern beschrieben, gezeigt, besprochen, analysiert. Israel hat diesem ideologischen Bilderhaufen als einzig existierende Demokratie in der Region, als politisch zerstrittene Nation, als schwerst traumatisierte Menschen in der Region, keine Chance. 55 mal häufiger wird mörderische, antisemitische Hamas/Hisbollah/Iran/Postkoloniale-PR auf TikTok geteilt als dass es ein Statement gibt, dass sich für den Westen, für Israel und gegen antisemitische Terroranschläge ausspricht. Die Codierung von Unrecht findet in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien LAUTEN WIDERHALL, wird ergänzt durch eigenen Antisemitismus und/oder Israelhass, der an allen westlichen Universitäten seit “Bologna” eifrig gelehrt wurde (siehe Algorithmic Age von Regula Staempfli.) In Zeiten, in denen Bilder schneller wirken als Fakten und Emotionen lauter sind als Recherche, verlieren Medien ihre wichtigste Aufgabe: Wahrheit sichtbar zu machen: Sagen, was ist. Immer häufiger übernehmen deutsche und schweizerische Redaktionen Informationen, ohne ihre Herkunft offenzulegen, und lassen Täterorganisationen wie die Hamas als scheinbar neutrale Quellen auftreten. So wird aus Journalismus ein ideologisches Echo — und aus Berichterstattung eine gefährliche Verzerrung.
2024 kriegte ausgerechnet die SRF Nahost-Korrespondentin Susanne Brunner von ihren Kollegen den „Journalistin des Jahres“-Preis. Eine schallende Ohrfeige für alle, die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den Service Public noch retten wollen und entsetzt sind über die islamo-gauchiste Präferenzen bspw. von SRF online und den Nachrichten, sowie eben der Korrespondenten aus dem Nahen Osten. SRF hat mehrere Klagen wegen der Desinformations-Kampagne und ideologischen Berichterstattung am Halse, Klagen, die „Popularbeschwerden“ heissen, und denen zum Teil schon stattgegeben wurden. Fehlerkompetenz ist leider bei SRF keine festzustellen und so wird wohl der Service Public wegen der ideologisch fehlgesteuerten und den Qualitätsjournalismus verletzende Berichterstattung einiger weniger Dominanter, abgebaut werden. Eine Schande, die der Demokratie massiv schadet.
Überall gilt: Was fehlt, ist Transparenz. Was fehlt, ist Kontext. Was fehlt, ist Urteilskraft. Und genau darum geht es im Folgenden: um die Mechanismen, die unsere öffentliche Wahrnehmung formen — und deformieren.
Deshalb hier auch das Beispiel von Sophie von der Tann, die am 4.12.2025 ausgerechnet den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises (er würde sich im Grabe umdrehen) erhalten soll. Hier konkrete Gründe, weshalb dies den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, den Preis und die Berichterstattung der ÖRR insgesamt massiv entwertet:
Hamas ist keine Quelle, sondern eine Täterorganisation — jede Information von ihr ist Propaganda, keine Nachricht.
Wenn Journalisten und Journalistinnen Hamas-Angaben übernehmen, ohne dies offen auszuweisen, betreiben sie Desinformation im Namen der Objektivität.
Es gibt wenig journalistische Berichterstattung in Gaza, sondern unglaublich viel TERROR & JUDENHASS-PR, ein Umstand, den die ARD- und ZDF-Zuhörenden und Zuschauenden unbedingt vernehmen sollten.
Dazu kommt: Wer nicht vor Ort ist und dennoch den Eindruck erweckt, er wisse, was in Gaza geschehe, fabuliert Wirklichkeit statt sie zu prüfen.Eine Berichterstattung, die Täter zu Quellen macht und eigene Recherche ersetzt, zerstört die Urteilskraft des Publikums.
Die ständige Wiederholung der immer gleichen Bilder und Narrative schafft keine Wahrheit, sondern emotionale Steuerung, die gezielt antisemitische Gefühle bedient. Das Weglassen entscheidender Fakten — Hamas-Strategien, Terrorakte, Missbrauch der eigenen Bevölkerung — erzeugt ein völlig verzerrtes Bild, das Demokratien im Gegensatz zum islamofaschistischen Regime der Hamas als Täter darstellt. Dies ist nicht nur journalistisch völlig falsch, sondern demokratisch verheerend.
Manon Garcia ist die Philosophin der Stunde. Ihre Bücher erscheinen bei Suhrkamp, sie lehrt in Berlin, sie schreibt auf Französisch, wird von der deutschen Presse gefeiert, von der Süddeutschen über die Zeit bis hin zum Spiegel. In Frankreich spielt sie mit Titeln wie Simone de Beauvoir oder Hannah Arendt; in Deutschland bekommt sie einen Suhrkamp-Titel, der klingt wie eine Lifestyle-Broschüre: Mit Männern leben. Really?
Regula Staempfli im Ensuite über Manon Garcias Buch “Mit Männern leben.”
Hier die Kurzfassung: Banalität des Männlichen versus Digitalisierung des Begehrens
Von Regula Stämpfli
Manon Garcia ist die Philosophin der Stunde. Sie lehrt in Berlin, schreibt auf Französisch, wird von Süddeutscher, Zeit und Spiegel gefeiert. In Frankreich spielt sie mit Simone de Beauvoir und Hannah Arendt, in Deutschland erscheint sie bei Suhrkamp – mit einem Titel, der klingt wie eine Lifestyle-Broschüre: Mit Männern leben. Really?
Das französische Original ist präziser: La banalité du mâle – ein Wortspiel auf Arendts „Banalität des Bösen“. Doch Garcia verwechselt Philosophie mit Psychologie, Denken mit Marketing. Sie universalisiert Einzelfälle, moralisiert Begehren und erklärt das Monströse zum Normalen.
Ihr neues Buch über Die Banalität des Männlichen kreist um den Fall Gisèle Pelicot – einer Frau, die von ihrem Mann betäubt und von siebzig Nachbarn vergewaltigt wurde. Garcia macht daraus ein Allgemeinbild: Alle Männer potenzielle Täter, jeder heterosexuelle Akt potenziell Gewalt. Damit übernimmt sie die Selbstbeschreibung der Monster – und banalisiert das Böse, anstatt es zu analysieren.
Garcia steht symptomatisch für ein Denken, das Geschichte verdrängt und Politik in Lifestyle verwandelt. Feminismus wird zu „Empowerment“, der Hijab zum Accessoire, Philosophie zum Slogan. Vergessen sind Bewegungen wie Ni putes, ni soumises, die in den 2000er Jahren gegen islamistischen Sexismus kämpften – ein Feminismus, der Freiheit über Identität stellte.
Hannah Arendt unterschied klar zwischen privat und öffentlich. Privat darf Intimität alles sein – Lust, Machtspiele, Unterwerfung. Politik aber bedeutet Öffentlichkeit, Gleichheit, Urteilskraft. Diese Unterscheidung fehlt bei Garcia völlig.
Die eigentliche Banalität heute ist nicht „das Männliche“, sondern der Verlust von Unterscheidungskraft. Codes ersetzen Denken, Algorithmen ersetzen Verantwortung. Die Digitalisierung des Begehrens, die Pornographisierung der Kultur, die Intimisierung der Politik – das sind die wahren Phänomene unserer Zeit.
Pornographie ist längst keine Randkultur mehr, sondern Weltordnung. Sie prägt Sprache, Körperbilder, Erwartungen. Männer lernen Sex über Bildschirme, Frauen vermessen sich selbst nach Codes. Social Media verwandelt Körper in Content, das Selfie in „Porno light“.
Garcias Moralisierung lenkt vom Strukturellen ab. Philosophie darf nicht Empörung auf Autopilot sein, sondern muss die Mechanismen der Macht im digitalen Zeitalter entlarven.
Denn: Die Banalität des Männlichen ist nicht das Problem. Das Problem ist, dass wir aufgehört haben, zwischen pervers und normal, zwischen Code und Wirklichkeit zu unterscheiden.