
Spaziergang durch feministische Debatten
Alice Schwarzer: Feminismus pur. 99 Worte. Heyne. 224 S., Fr. 34.90
In ihrem neuen Buch ordnet Alice Schwarzer das grosse, widerspenstige Projekt der Frauenemanzipation von A bis Z ein – kenntnisreich, pointiert und erstaunlich frisch. Das Buch liest sich wie ein Spaziergang durch die Jahrhunderte feministischer Debatten: klug, informativ, manchmal streng, oft sehr unterhaltsam. Kein Manifest, keine Pose, sondern eine Denkbewegung mit historischem Gedächtnis und politischer Klarheit.
Nehmen wir den Eintrag unter M wie „missbrauch von kindern” – nur die Titel sind immer klein geschrieben, der Text liest sich sonst ganz normal. Also was finden wir da?
1978 berichtete Schwarzers Zeitschrift Emma erstmals breit über das Tabu der sexuellen Gewalt an Mädchen. Man geht davon aus, dass jedes vierte Mädchen und jeder zehnte Junge sexuell missbraucht wird. Alice Schwarzer benennt nüchtern, was viele nicht hören wollen: Mütter sind selten Täterinnen, aber meist Mitwisserinnen. Diese Sätze sitzen, weil sie nicht moralisieren, sondern Verantwortung benennen. Lesen Sie weiter in Die Weltwoche, Ausgabe 7, 2026 die Rezension von laStaempfli
“Schwarzer erzählt, wie Frauenrechte nicht aus Hashtags entstehen, sondern Resultat harter, oft einsamer Kämpfe sind. Besonders eindrücklich zeigt sie dies mit dem Stichwort «sotudeh, nasrin.» Die Menschen- und Frauenrechtlerin wird die «Nelson Mandela des Irans» genannt. Alice Schwarzer und sie korrespondieren regelmässig. Am Beispiel der Trägerin des «Alternativen Nobelpreises» erzählt Schwarzer in kurzen, präzisen Sätzen das gesamte, schreckliche Schicksal der Menschen in der islamischen Republik Iran – ohne Pathos, aber mit unbestechlicher Klarheit.“
https://regulastaempfli.eu/wp-content/uploads/2026/03/alice-schwarzer-.pdf