laStaempfli im Trend: Der Rausch der Nüchternheit. Essay im ensuite, Oktober 2022.

Freiheit – DAS Thema von Regula Stämpfli Der BaZ gab sie mal zu Protokoll, dass sie lieber sterben würde als unfrei sein. Mit wachsenden Jahresringen ist sie etwas gnädiger geworden, doch die Unfreiheit während der Pandemie führte zur Freiheit von Nikotin und Alkohol. Ab und an gibt sie sich noch Orgien hin, doch der Normalzustand ist nicht mehr täglich beschwipst bis angetrunken, sondern rauschhaft nüchtern. Lesen Sie hier den Essay mit Buch- und Podcast-Tipps zum Thema: https://www.ensuite.ch/vom-rausch-der-nuechternheit/

Spirit durch Spiritualität – Achtsamkeit ersetzen; zum Rausch des Seins.

“Doch die Partys wurden länger, der Weisswein mit Gin Tonic als Apéro und einem Grappa nach dem Essen ergänzt, und einige Erlebnisse unter Fellow-Trinkenden, die allesamt davon überzeugt sind, kein Alkoholproblem zu haben, sind etwas schambedeckt. Alk ist DAS Accessoire der vermeintlich Erwachsenen, ein schönes Glas Prosecco verbindet Frauen, die ohne diese Fake-Champagnerlaune eigentlich nicht viel gemeinsam haben. Die Männer der Medienbranche meinen bis heute, Boxen, Stierkampf, Krieg, Abenteuer, Frauen und Saufen würden ihre Seichtschreibe verbessern: Irrtum. Wären sie nur einmal 100 Tage nüchtern, sie würden ihren Kolleginnen das Leben nicht derart erschweren. Meine Jobs, oft bestehend aus Apéros, Messen, Vorträgen, Lesungen, Ausstellungen, Kunstreisen, sind seit der Alkoholfreiheit glamouröser geworden; mein Kopf ist so klar, dass ich nach den Treffen gut zwei, drei Stunden nachdenken und schreiben kann: ein Riesengeschenk. Die «Mad Men»-Nostalgie mit Zigarre, nun neu auch für Frauen, kittet Medien, Politik, Kunst und Kultur: Die an solchen Abenden geteilten Geheimnisse über verpfuschte Abtreibungen, unglückliche Ehen, schlechten Sex, geheime Geliebte und entfremdete oder keine Kinder hinterlassen indessen Scham der Beteiligten, was erhebliche Komplikationen mit sich bringt. Doch Trinkende fallen nie auf, Abstinente werden sofort einer Inquisition unterzogen. Es ist einfacher, von Burn-out, Impotenz oder Scheidung zu sprechen, als keinen Alkohol zu trinken. Seit meiner Alkoholfreiheit habe ich mir für derartige Anlässe deshalb tausend Tricks angewöhnt, die meinen Nichtkonsum verschleiern: Einen Tropfen Apfelsaft, und das Weissweinglas passt, niemand fragt nach. Hätte ich nicht Stephen Kings «On Writing» gelesen, würde ich auch heute meinen, das Trinken gehöre zum Schreiben, ohne Whisky gebe es keine Bestseller, ohne Wodka keinen Buchpreis – von all den anderen Drogen, die Autoren einwerfen und sich dabei cool finden, ganz zu schweigen.”

Salongespräch: FREIHEIT, nach Hannah Arendt. Ania Gleich, Regula Stämpfli, Thomas Meyer 24.5.2022 in Wien.

Freiheit, nach Hannah Arendt u.a. mit laStaempfli

Hier geht es zur Homepage von Aktionsradius Wien: https://aktionsradius.at/content/de/kalender#event328

Regula Stämpfli, Thomas Meyer & Ania Gleich am 24. Mai 2022 LIVE in Wien & Digital.

Hannah Arendts Essay „Die Freiheit, frei zu sein” aus den 1960ern
wurde im Jänner 2018 neu aufgelegt, war anschließend
wochenlang in den Bestsellerlisten und ist nun Thema unseres
Salongesprächs. – Was ist Freiheit, und was bedeutet sie uns?
Begreifen wir sie nur als die Abwesenheit von Furcht und von
Zwängen, oder meint Freiheit nicht vielmehr auch, sich an
gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, eine eigene politische
Stimme zu haben, um von anderen gehört, erkannt und schließlich
erinnert zu werden? Und: Haben wir diese Freiheit einfach, oder
wer gibt sie uns, und kann man sie uns auch wieder wegnehmen?
In diesem auf Deutsch bisher unveröffentlichten Essay zeichnet
Hannah Arendt die historische Entwicklung des Freiheitsbegriffs
nach. Dabei berücksichtigt sie insbesondere die Revolutionen in
Frankreich und Amerika. Während die eine in eine Katastrophe
mündete und zu einem Wendepunkt der Geschichte wurde, war
die andere ein triumphaler Erfolg und blieb doch eine lokale Angelegenheit. Aber warum?