Regula Stämpfli und Donata Romizi: Philosophinnen im Gespräch. Café Korb, Lange Nacht der Philosophie, neu am 17. November 2020

Die lange Nacht der Philosophie für den 19. Mai 2020 musste wegen Corona abgesagt werden, doch WE WILL BE BACK: REGULA STÄMPFLI UND DONATA ROMIZI ÜBER FAKTEN UND FAKES: 17. NOVEMBER – WAHRHEIT, RHETORIK UND LÜGE IM ÖFFENTLICHEN DISKURS 2020 IM CAFE KORB WIEN

regula stämpfli café korb

Regula Stämpfli über die französischen Neuerscheinungen «Le Consentement» und «14 juillet»: Vive la littérature française contemporaine

Regula Stämpfli über die französischen Neuerscheinungen «Le Consentement» und «14 juillet»: Vive la littérature française contemporaine

Wäre Europa verdammt, nur noch in einer einzigen Sprache lesen zu dürfen, würde uns die französische retten. Keine andere Sprache vermag Demokratie, Geschichte, Politik, Unterdrückung, Freiheit, Sexualität und Philosophie so poetisch zu vermitteln wie sie. Deutschland und die Dialäktschweiz verbinden im Vergleich furchtbare Leerstellen: Literatur ist oft eine dröge Männerangelegenheit, Poesie wird gerne von protestantischen Klugscheisserinnen und Klageweibern verhandelt: Helvetisch-teutonisch-kleinkrämerisch wird Literatur im grossen Kanton und in der Dialäktschweiz mittels Politiksprache territorialisiert. Ausgenommen sind dabei die grossen Schriftstellerinnen wie Marlene Streeruwitz, Elfriede Jelinek, Christa Wolf, Eva Menasse, Verena Stefan, Johanna Adorjan, Ruth Schweikert, Vea Kaiser, Anne Siegel, Laure Wyss – um der Gerechtigkeit halber nur einige zu nennen und gleichzeitig auf die grossen deutschsprachigen Krimiautorinnen hinzuweisen, deren literarische Qualität immer wieder überzeugt. Das deutschsprachige Feuilleton ist an der Misere mitbeteiligt: Es strotzt vor Platitüden wie «nichts Neues», «zu wenig Distanz», «Anklageschrift», «verbissen», «könnte spannend sein», wenn es um ausgezeichnete Romane oder Sachbücher geht, die dem Kritiker ein Dorn im Auge sind, weil er schlicht überfordert ist. Deutsches «Übermannt-Sein» (O-Ton Christian Lindner, FDP-Chef Deutschland, der als «Vorzeigeintellektueller» gilt) überall: deshalb kein Anzeichen im deutschen Feuilleton, sich auf die Poesie des «Other», auf Verantwortung, auf Demokratie, auf Urteilskraft, auf Denken einzulassen. Deutsche Kulturkritik liesse sich in einem Comic mit einem älteren, wohlerhaltenen Mann «in den besten Jahren» mit rehäugiger Kritikerin an der Seite, ja, sie könnte seine Tochter sein, zeichnen: «Fräuleinwunder» …

weiterlesen: https://www.ensuite.ch/le-consentement-und-14-juillet-vive-la-litterature-francaise-contemporaine/ 14-juillet-199411053-237x450

 

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Regula Stämpfli über die Zukunft des Tourismus #Corona & #PostCorona

«Wir alle müssen uns neu erfinden und die Zukunft anders denken»

Interview mit Politologin Dr. Regula Stämpfli

Das Coronavirus hat die Reisebranche ins Mark getroffen. Der Berner Reiseveranstalter edelline beschäftigt sich intensiv mit der Zukunft des Reisemarktes. Dr. Regula Stämpfli, Vorstandsmitglied der Schweizerischen Vereinigung für Zukunftsforschung Swissfuture, blickt mit dem Leiter Kommunikation/PR von edelline, Thomas Wälti, auf die Zeit nach dem Lockdown. Die renommierte Politologin spricht über die Chancen für Reiseveranstalter, neue Mobilitätsformen im Fremdenverkehr und die steigende Bedeutung des Resonanz-Tourismus.

Wie verändert sich die Reisebranche nach dem Coronavirus?
Regula Stämpfli: Wenn ich dies mit Sicherheit prognostizieren könnte, dann wäre ich innert kürzester Zeit Multimillionärin! Die Reisebranche, und glauben Sie mir, mich als Nomadin trifft dies ganz persönlich, schaut momentan in den Abgrund. Die Leute werden erst wieder wie gewohnt reisen – selbst die Jungen –, wenn von oberster Stelle Entwarnung gegeben wird. Insofern hat das Virus aus einer unabhängigen florierenden Tourismus-Branche eine von Behördenmitteilungen abhängige Organisation gemacht. Wir haben alle unser Storytelling an Regierung und Virologen abgeben müssen. Deshalb kehrt Normalität erst wieder ein, wenn unsere europäischen Regierungen Entwarnung gegeben haben. Dies dauert viel länger als wir alle dachten. Ist der Schrecken jedoch überlebt, dann werden sich die Leute mehr Leben gönnen (Feiern, auf die Reise gehen, Rausch) als je zuvor.

siehe Link auf Bild

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Regula Stämpfli über das Phänomen, das sie „Trumpism“ nennt

Regula Stämpfli: Autoren werden regelmässig von Journalisten gebeten, ihr Buch in einem Satz zusammenzufassen, was fassungslos macht. Doch da es keinen Ort nirgends mehr gibt, um den Mechanismen von Medien und Wissenschaft zu entrinnen, hier ein Satz: Falsch erzählt ist die Demokratie schnell gekreuzigt. laStaempfli on her book Trumpism: „The storytelling of democracies needs democratic inputs. Twitter et al. have transformed most political discourse into a matter of polls, hierarchy and hobbesean dystopias“ 

Dazu folgender Abschnitt aus Regula Stämpfli, Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt: „Politisieren per Dekret findet mediale Aufmerksamkeit. Debatten werden nicht als Debatten, sondern als Hashtag & Google-Trend (SEO-Kriterien) unterkomplex geführt. Politik wird mit Kultur, Religion, Identität, Geschlecht, Hautfarbe, Musikgeschmack verwechselt; die neuen sozialen Medien heben radikal jede Trennung zwischen Regierenden und Regierten, zwischen öffentlich und privat auf. 

Dies passiert vor aller Augen – und wird doch nicht gesehen. 

Tweets, Begriffe, Codes, Buchstaben, Kategorien funktionieren dabei wie Apparate, deren einziges Ziel zu sein scheint, möglichst alle bestehenden Systeme zu destablisieren. Alles wird neu beschriftet, zu einem neuen Wert gehandelt und was nicht mit Preisschild beziffert werden kann, auf den Abfallhaufen der Geschichte geworfen. Demokratien, deren Verfassungen so angelegt sind, dass sie für alle gleich und ewig gelten, sind dank der globalen Politik als Preisschild Systeme mit Hang zu Autokratie geworden.“ 

Bestellen: https://www.muensterverlag.ch/produkt/staempfli-trumpism/

pressebild stämpfli

Regula Stämpfli über den weiblichen Chefetagenwechsel in der TAZ

Wenn Frauen in Chefetagen ein böses Omen sind

Regula Stämpfli über den weiblichen Chefetagenwechsel in der TAZ

hannah und ich

Die Zeitungsbranche schaut in den Abgrund und dann dies: „Lauter Frauen in der TAZ“. So lautet die Schlagzeile, hinter der eigentlich nur ein Wechsel in den Chefetagen der Berliner Tageszeitung beschrieben wird.

Die Freude über den Feminisierungsschub wird sich in Grenzen halten. Denn seit Hannah Arendt wissen wir, dass „die Anderen“ sich gegenüber der Mehrheitskultur nur als Parvenü (Emporkömmling) oder als Paria (Aussenseiter) bewähren können. Allein das „lauter Frauen“ zeigt wie unnatürlich, anormal, erwähnenswert es ist, in Chefetagen Menschen anzutreffen, die einen Menstruationshintergrund haben.

Machtverlust in einer Branche war schon immer ein Feminisierungsbooster. Die europäischen Armeen erhielten die erste VerteidigungsministerINNEN zu einem Zeitpunkt als die klassischen Streitkräfte schon längst Auslaufmodelle waren. Die demokratischen Volksparteien wählten erst dann eine Frau an ihre Spitze als die Umfragewerte am Boden lagen oder Reinemache angesagt war. Die Europäische Union bekam erst dann eine PräsidentIN als ihr Niedergang schon längst nicht mehr zu übersehen war.

In den nächsten Monaten werden unheimlich viel Frauen in Positionen aufzufinden sein, die Institutionen, Organisationen und Betrieben angehören, die in der Abwärtsspirale stecken. Viele Feministinnen werden „Fortschritt“ rufen, ohne die Phänomenologie deuten zu können. Unterdessen formieren sich neue Branchen, der Blick ins Silicon Valley und nach Beijing genügt: Männer versammelt Euch! Denn das Weltgesetz lautet: Je mehr Frauen in einem Beruf, einer Institution, einer Organisation, einer Gesellschaft, umso weniger Macht, Einfluss, Geld, Gestaltungsraum und Freiheit.

Regula Stämpfli schaut ins Feuilleton im Schweizer Radio inmitten der #Coronakrise

Regula Stämpfli schaut ins Feuilleton im Schweizer Radio inmitten der #Coronakrise

Regula Stämpfli, Hannah Arendt-Expertin über den Totalitarismus unserer Zeit, weshalb Proust-Fragebogen ersetzt werden könnte und was die Stadt Lyon damit zu tun hat. Wer mehr von Regula Stämpfli lesen will, sei auf ihr philosophische Werkt mit dem banalen Titel: Trumpism verwiesen. Doch schon Hannah Arendt verpackte die ungewöhnliche Denkerin zwischen zwei Buchdeckeln mit dem Titel „Die Macht des richtigen Friseurs“. Bildschirmfoto 2020-04-13 um 12.57.09

Regula Stämpfli über Trumps Chaos-Managment im April 2020: Fakten und Fiktion

Regula Stämpfli über Trumps Chaos-Managment im April 2020: Fakten und Fiktion

In Europa sind viele Experten und Expertinnen über die hohen Beliebtheitswerte von Donald Trump verblüfft. Einmal mehr verkennen sie das „System Trump“, wie u.a. der „The Guardian“ schreibt.

schlagende zeilen

 

„Die Krise ist wie handgeschneidert für eine Figur wie Trump“ erklärt Robert Reich dem europäischen Publikum. Donald Trumps Karriere – so Robert Reich – basiert auf Chaos und Schuldzuweisungen. Der US-Präsident schaffe es brilliant, jede persönliche Verantwortung für die Nicht-Bewältigung der Corona-Krise anderen in die Schuhe zu schieben. Trumps Beliebtheitswerte steigen, egal wie sehr die Ärzteschaft, die globale Community und die Wissenschaftler Trumps Helikoptergeld-Strategie und Nicht-Intervention als lebensgefährlich entlarven.

Weshalb dem so ist, beantworte ich mit „Trumpism“ folgendermassen: Die Gegenwart lebt von Fiktionen, nicht Fakten. Donald Trump präsentiert sich immer als „Winner“, egal, was wirklich passiert. So kann der US-Präsident gar nicht an seinen Lügen, an seinen bizarren Auftritten oder gar an Fakten scheitern. Donald Trump scheitert nie. Es sei denn, sein Narrativ würde sprach- und bildmächtig auf die Prüfung gestellt. Bisher ist dies aber noch nie geschehen. Donald Trump bleibt der ewige Rebell, der im Chaos aufblüht.

Regula Stämpfli über Christina von Brauns „Blutsbande. Verwandschaft als Kulturgeschichte“

Regula Stämpfli über Christina von Brauns „Blutsbande. Verwandschaft als Kulturgeschichte“

Das Blut sei kein «besonderer Saft» – wenn man Christina von Braun glauben will. Ihr 537-seitiges Werk von 2018 titelt sie trotzdem «Blutsbande. Verwandtschaft als Kulturgeschichte». Dies ist gar nicht so paradox, wie es klingt. Vor allem wenn man unter «Blut» tatsächlich NUR den biologischen Saft meint. Dieser ist nämlich gar nicht besonders. Wenn man Christina von Braun folgt, dann könnte man sogar behaupten: Blut existiert nicht. Es ist eine Naturerscheinung wie jede andere, die durch Kulturtechniken gemacht, untersucht und mit Bedeutung aufgeladen wird.

Willkommen in der spannenden, mäandernden, erkenntnis- und detailreichen poststrukturalistischen Welt! Tatsächlich ist «Blut» nicht einfach Biologie, sondern vielschichtige Metapher für ganze Weltreiche. Michel Foucault meinte einmal vom Blut als «Realität mit symbolischen Funktionen» sprechen zu müssen. Blut ist der Stoff, der gleichzeitig Signifikat als auch signifikant sein kann. Für uns Normalsterbliche übersetzt, bedeutet dies, dass Blut real existiert, es fliesst schliesslich in unser aller Adern, doch blau wird es erst metaphorisch. «Blut ist eine Realität, und es steht für existenzielle Realitäten, die mit Begriffen wie Körper, Leben, Tod, Gewalt oder Geburt umschrieben werden. Wir wissen nicht, was Tod oder Leben eigentlich sind, doch wenn wir versuchen sie zu umschreiben, landen wir schnell beim Begriff des Blutes. Er hat so etwas sympathisch Handfestes, während sich Geburt oder Tod unserer Beschreibungsmacht entziehen.»

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Regula Stämpfli: Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt jetzt als e-Book erhältlich: Bestellen, Lesen, Diskutieren #Coronakrise

Regula Stämpfli: Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt jetzt als e-Book erhältlich: Bestellen, Lesen, Diskutieren #Coronakrise.

Als Einstieg in die Lektüre empfiehlt sich das Gespräch auf ORF zum selben Thema siehe https://www.youtube.com/watch?v=e8lhtNN7UFY

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