Die Politphilosophin Regula Stämpfli analysierte im ORF-III-Talk „zur SACHE“ die US-Zwischenwahlen als Symptom eines tiefgreifenden Medienwandels hin zum sogenannten „Algorithmic Age“. Dabei warnte sie vor der code-gesteuerten Transformation der Demokratie durch emotionsbasierte Dynamiken und forderte eine stärkere digitale Souveränität Europas. Die vollständige Presseaussendung und weitere Details zur Sendung finden Sie auf APA-OTS.

Bildschirmfoto der Sendung Zur Sache vom 4.11.2026 auf ORF 3, mit Regula Stämpfli. Darin erklärt die Politologin den Zusammenhang der Wahlen in westlichen Demokratien mit der digitalen Revolution.
https://on.orf.at/video/14345948/zur-sache-us-midterms-2026-denkzettel-fuer-trump
Trump verlor – das algorithmische Zeitalter bleibt
Regula Stämpfli bei ORF III „Zur Sache“ über die US-Midterms 2026, Donald Trump und die Macht der politischen Codes
Die US-Midterms 2026 brachten Donald Trump einen historischen Denkzettel: Die Demokraten eroberten den Kongress und gewannen selbst dort, wo republikanische Mehrheiten bisher beinahe als Naturgesetz galten. Doch was genau haben die Amerikanerinnen und Amerikaner gewählt – und welche politischen Kräfte werden ihren Sieg nun für sich beanspruchen?
Darüber diskutierte Politphilosophin und USA-Kennerin Regula Stämpfli am 4. November 2026 bei ORF III „Zur Sache“ mit ORF-USA-Korrespondent Thomas Langpaul, Unternehmerin Maggie Childs und dem österreichisch-amerikanischen Rechtsanwalt Robin Lumsden. Moderiert wurde die ebenso lebhafte wie differenzierte Runde von Reiner Reitsamer.
Regula Stämpfli ordnete das Wahlergebnis aus der Perspektive ihres Buches Trumpism: The Algorithmic Age ein: Im digitalen Zeitalter herrscht permanenter Wahlkampf. Algorithmen belohnen Emotionalisierung, Zuspitzung und grenzenlose Versprechen – während jede Regierung an der begrenzten Wirklichkeit scheitert. Trump verlor deshalb nicht nur gegen demokratische Kandidaten. Er verlor an hohen Preisen, politischer Selbstüberschätzung, medialer Gegenmacht und einem politischen System, dessen Gewaltenteilung sich eindrucksvoll zurückmeldete. Regula Stämpfli thematisierte eindringlich auch die Gefahr für die Demokratische Partei durch die extreme Positionierung eines Abdul El-Sayed, dessen Hintergrund der Muslimbruderschaft auf den politischen Islam und nicht einfach nur auf seine Religion hinweisen – etwas, was in den Medien hierzulande völlig unterging.
Doch eine Niederlage Trumps ist noch kein automatischer Sieg der liberalen Demokratie. Innerhalb der Demokratischen Partei konkurrieren christlicher Sozialpopulismus, klassische Arbeiterpolitik, identitätspolitische Bewegungen und eine neue antiisraelische Linke um die Deutungshoheit. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer die Wahl gewonnen hat, sondern welche Ideologie den Wahlsieg künftig übersetzen wird.
Eine temperamentvolle Debatte über Trump, Medienmacht, Israel, Iran, die politische Zukunft der USA – und über jene Codes, die Wahlen längst ebenso stark prägen wie Parteien und Programme.
Die gesamte Sendung ist bis 4. Dezember 2026 in der ORF-TVthek verfügbar:
ORF III „Zur Sache: US-Midterms 2026 – Denkzettel für Trump?“ und hier: https://on.orf.at/video/14345948/zur-sache-us-midterms-2026-denkzettel-fuer-trump
Es gibt auch auf Spotify den Podcast zur Sendung mit Regula Stämpfli: Zur Sache, 4.11.2026. https://open.spotify.com/show/4S4YoEkZPPoOpQdw02FLyg