Regula Stämpfli zu Werk, Autor & Freiheiten: Ein Tweet zur Urteilskraft.

Wenn Fiktionen die Kriegsgewinnler nochmals feiern und FREIHEIT schreien. Wie an “Nolde in Berlin” festgestellt, hält Regula Stämpfli fest: “Wer sein Werk in den Dienst einer menschenverachtenden Ideologie stellt, hat keine Kunstfreiheit.” #HannahArendt

Siehe dazu auch Artikel https://www.ensuite.ch/nolde-in-berlin-ueber-das-urteilen-in-kunst-und-politik/

Regula Stämpfli über Männer & Ikonografie

Hinschauen: Kultur ohne Frauen : Revolutions-LEER

Ein großer Irrtum Feminismus betreffend, geht die Männer an. In meiner Homepage sehen Sie unten zwei Männer. Der Eine ist der herausragende Medien- und Digitalforscher Philip Di Salvo und der Andere Milo Rau. Im Blog von laStaempfli werden Männerfotos nun häufiger zu sehen sein, da die DigitalThinker Staempfli für die SAGW unterwegs in die Zukunft ist. Dies ist weit weniger spektakulär als wenn auf den Blogs, Ankündigungen, Berichten der Herren viele Frauenbilder, die Expertinnen illustrieren (und nicht zur Dekoration dienen) erscheinen würden. Deshalb hier diese kurze Bemerkung zu den zwei Männern und Gender. Der Wissenschafter Philip Di Salvo zeichnet sich durch ein hohes Gleichstellungsbewusstsein aus, dies ist im Gespräch mit Regula Stämpfli sehr wohl zu hören, FUTUREPODCAST. In der Wissenschaft galten lange Vorurteile gegenüber Frauen. Hingegen in der Kultur scheinen Frauen selbständig, was völliger Bullshit ist. 80 Prozent, sehr verehrte Damen und Herren, 80 Prozent der besprochenen Bücher im Feuilleton betreffen MÄNNERBÜCHER. Deshalb mein kritischer Artikel zu Milo Rau als Repräsentant der linken, aufgeklärten Theaterszene mit seinem neuen Kolumnenbuch, das klippt und klar zeigt: Women sind NIEMANDSLAND, Ihre laStaempfli.

Regula Stämpfli am Beispiel von Milo Rau über “Weltveränderung ohne feministisches Potential” in der Kulturzeitschrift ensuite

Von Dr. Regula Stämpfli – Die Aktivistin Helen Keller meinte einmal: «Die Blindheit trennt von Dingen, die Taubheit von Menschen.» So gesehen sind wohl die meisten Männer taub. Sie reden ununterbrochen, doch hören sie, vor allem wenn Frauen sprechen, egal ob Nobelpreisträgerin oder Putzfrau, nicht hin. Taubheit betrifft statistisch überdurchschnittlich Männer. Sie sind mangels «ganz Ohr sein» von der Wirklichkeit getrennt. Diese fehlende Eigenschaft führt analog und leider auch digital dazu, misogyne Taubheit millionenfach zu automatisieren.

Folglich sind die Fesseln für gequälte Frauen aus dem Material «männlich unendlich reproduzierbare Vorurteile» in Kultur, Politik und in Codes gestrickt. Dieses globale Phänomen analogen und automatisierten Frauenhasses  fällt Denkerinnen wie Caroline Criado-Perez, Amy Webb, Shoshana Zuboff, Cathy O’Neil und mir schon längst auf. Es gibt dazu sehr lesenswerte und mit Wissen vollgepackte Bücher von uns, doch die wirklich wichtigen Männer der Zeitgeschichte brauchen nicht zuzuhören oder gar zu verstehen.

Milo Rau: Der wichtigste zeitgenössische Theatermacher ohne feministisches Potential. Frauen und Männer lesen keine Frauen, denken nicht an Frauen, denken nicht MIT Frauen, zitieren keine Frauen … höchstens als Gruppe der ANDEREN oder als “junge Frauen”, also IMMER KATEGORIE: deshalb www.diepodcastin.de hören.

Hier schnell ein Einschub aus der Theorie, damit keine Missverständnisse entstehen: Es gibt kollektive Frauenfeindlichkeit, Sexismus, Diskriminierung, Misogynie, aber keine einzige Frau ist einfach nur Kategorie. Alle Frauen werden zwar individuell entwertet und kollektiv abgestraft; sie sind selber aber keine sprechenden und handelnden Kollektive. Was kompliziert klingt, ist einfach: Während Mann xy sich durchaus als Individuum entfalten kann, muss Frau xy auf mindestens zwei Ebenen für ihre Eigenständigkeit kämpfen: gegen oder mit ihrem Geschlecht, das sich kollektiv manifestiert, und, je nach Umständen, gegen und mit ihrer ganz eigenen Geschichte. Werden wir mal konkret, gucken uns um und stossen auf ein besonders kluges Exemplar dieser dominanten Kultur- und Biogattung, nämlich auf Milo Rau: Der Theatermacher, Wissenschaftler, Hansdampf in allen intellektuellen Gassen ist Archetyp eines revolutionär begabten Weltveränderers ohne feministisches Potenzial. Wie es bspw. der Familienvater schafft, gleichzeitig überall zu sein, erinnert an die Geschichte vom Hasen und vom Igel: Der Igel ist längst schon da, wenn sich andere, vorwiegend weibliche Kulturhasen, die Haxen abrennen, um auch nur ein paar Brotkrumen der Medienaufmerksamkeit eines Milo Rau für sich zu holen. Weiterlesen unter:

Mithu Sanyal: Identitti. Das Gespräch mit Regula Stämpfli online #Leipzig #Sachbuch

Offener Brief zum Preis der Leipziger Buchmesse, unterzeichnet von Mithu Sanyal und Regula Stämpfli. Am 13. April 2021 machte die Jury des Preises der Leipziger Buchmesse ihre Shortlist öffentlich. Alle darauf Genannten sind hochverdiente Autor:innen und Übersetzer:innen. Jede:r Einzelne wäre ein:e würdige:r Preisträger:in.

Mithu Sanyal & Regula Stämpfli

Unter den Nominierten befinden sich jedoch keine Schwarzen Autor:innen und Autor:innen of Colour. Dabei hätte es gerade in diesem Frühjahr genug Auswahl gegeben an Autor:innen, die bereits öffentliche Anerkennung und Auszeichnungen erhalten haben. Wir finden die Entscheidung der Jury problematisch. Aber es ist nicht unsere Absicht, ihre Mitglieder zu attackieren. Vielmehr wollen wir ihre Entscheidung zum Anlass nehmen, eine Diskussion zu führen, die in unseren Augen längst überfällig ist: Über institutionelle Strukturen innerhalb der deutschen Gesellschaft, die nicht immer für alle wahrnehmbar sind, aber dennoch immer wirken. Auch im Literaturbetrieb. Literatur kann gesellschaftliche Strukturen und herrschende kulturelle Vorstellungen in Frage stellen. Damit sie diese gesellschaftliche Aufgabe jedoch übernehmen kann, muss ihre Vielfalt gefördert und gepflegt werden. Doch im deutschen Literaturbetrieb gibt es ganz offensichtlich eine institutionelle Struktur, die Schwarze Schriftsteller:innen und Schriftsteller:innen of Colour ausschließt. Kulturelle Institutionen, die fast ausschließlich weiße Autor:innen auszeichnen, verhindern die Weiterentwicklung der vielfältigen Literatur- und Kulturszene in Deutschland. So verfestigt sich ein eindimensionales Konzept von Literatur und Kultur. Die Unterzeichner:innen dieses Briefes wollen eine Kultur, in der eine Vielheit an Stimmen und Perspektiven Normalität ist. Und dafür braucht der deutsche Kulturbetrieb Jurys, Verlagshäuser und Feuilleton-Redaktionen, die die gelebte Realität der deutschen Gesellschaft repräsentieren. Wie kann das erreicht werden? Einige Ansätze, die wir zusammengetragen haben: Schwarze Autor:innen und Autor:innen of Colour brauchen mehr gezielte Stipendien und finanzielle Förderung. Es sollte Positionen explizit für neue Juror:innen geben, die den Blick für neue, diverse Literatur weiten. Verlage, Literaturagenturen und -häuser und Literaturinstitute müssen verschärft ihre Zugangsbarrieren analysieren und auf Chancengerechtigkeit achten. Literatur von Schwarzen Menschen und People of Colour darf nicht nur durch das “Anderssein” ihrer Protagonist:innen wahrgenommen und damit klein gehalten werden – wie kann das gelingen? Und vielleicht am wichtigsten: Die Lektüre in unseren Bildungssystemen muss eine andere, eine reale Welt abbilden – nicht so wie jetzt, eine weiße, männliche cis-heteronormative. Nur so können Leser:innen, Autor:innen, Verlagsmitarbeiter:innen und Kritiker:innen heranwachsen, die die Welt so divers wahrnehmen, wie sie in Wirklichkeit ist. Auch wir Unterzeichner:innen verpflichten uns dazu, weiterhin unseren Beitrag in unseren Institutionen und Kreisen zu leisten und werden im Nachgang dieses Briefes nach weiteren konkreten Mitteln suchen. Es liegt noch ein gutes Stück Weg vor uns. Doch sind wir der festen Überzeugung, dass es wert ist diesen Weg zu gehen, um Chancengerechtigkeit und gleichberechtigte Teilhabe in Literatur und Kultur Wirklichkeit werden zu lassen.”

Regula Stämpflis Kolumne zu #MeTooInceste in Frankreich

Regula Stämpflis Kolumne zu #MeTooInceste in Frankreich.

Unter dem Deckmantel der Libertinage wird für alle Formen sexueller Gewalt gerne Partei ergriffen. Im Nachhinein klingen die Beteuerungen immer gleich: «Damals, in unseren Kreisen, dachte sich niemand auch nur irgendetwas, Sex mit Minderjährigen war doch völlig normal.» Es geht um eine sogenannt gute Familie, eine sehr gute sogar, beschrieben in Camille Kouchners «La familia grande». Und es geht um Olivier Duhamel, der den Zwillingsbruder von Camille, damals 13-jährig, jahrelang vergewaltigt hat. Olivier Duhamel und sein Clan bilden die Pariser Elite. Er gehörte bis zum Erscheinen des Buches zu den mächtigsten Männern Frankreichs: 2016 noch wurde er als 65-Jähriger zum Verwaltungsdirektor der Eliteuni Sciences Po gewählt. Wir finden im Buch nicht nur die üblichen französischen Eliteverdächtigen, sondern auch die klassischen Rechtfertigungen, die auch heute noch in intellektuellen Kreisen gerne diskutiert werden. Sex sei doch natürlich, Sex kaufen und verkaufen völlig normal, Sex solle überall stattfinden, über alle Grenzen, Geschlechter und Altersbarrieren hinweg: Sexpositiv sei alles, was Menschen freiwillig machen. Sie sind zwar erst elfjährig? Ach, die Erotik kenne eben kein Alter, die Kirche habe die Menschen diesbezüglich jahrhundertelang unterdrückt, endlich würden wir in einer Zeit der Antiprüderie leben und die Menschen befreit ihre Erotik ausleben können.

Essay von Regula Stämpfli

Es klingt immer gleich, nicht wahr? Die zeitgenössische Porno- und Hurenlobby klingt ganz ähnlich: Prostituierte seien doch keine Opfer, sie böten Dienstleistungen an, die wie ganz normale Arbeit zu betrachten seien. Ist sie nicht, und die Geschichte um Camille Kouchner zeigt: Die Narrative über Sexarbeit heute sind die Narrative über Kinder- und Teenagervergewaltigung von damals. Heute heisst es: Es sei doch prüde und unfeministisch, anderen Frauen nicht erlauben zu wollen, dass sie all ihre Löcher, ihre Haare, ihre Säfte, ihren Körper für den ordnungsgemässen und vertraglich vereinbarten Sex zur Verfügung stellen. Damals hiess es: Teenager hätten ein Recht auf sexuelle Erfahrungen mit Älteren, es gebe doch nichts Aufregenderes, als als 13-Jähriger einem 50-Jährigen einen zu blasen.

IdenTitti im Gespräch. Der rasante Roman des Jahres 2021 von Mithu Sanyal im Literaturhaus Basel, 25.2.2021. Moderation by laStaempfli

IdenTitti im Gespräch. Der rasante Roman des Jahres 2021 von Mithu Sanyal im Literaturhaus Basel, 25.2.2021. Moderation by laStaempfli

Mithu M. Sanyal, DIGITAL:, Regula Stämpfli

«Mithu M. Sanyal, Identitti»

Bildschirmfoto 2021-02-18 um 06.38.28Donnerstag, 25. Feb. 21, 19:00 Uhr Die Veranstaltung findet digital statt. Über den Link unten können Sie sich ein Ticket für das Onlineformat kaufen. Die Zugangsdaten für die Onlinelesung erhalten sie am Tag der Veranstaltung per Mail zugeschickt. 

Moderation: Regula Stämpfli

Mithu Sanyal schreibt in ihrem Debütroman rasant, witzig und ironisch über die grossen Fragen von Identitätspolitik. Im Zentrum stehen Nivedita und ihre Professorin Saraswati, die einen Lehrstuhl für Postcolonial Studies innehat. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass Saraswati, die Übergöttin in allen Debatten über Identität, die sich selbst als Person of Colour beschreibt, weiss ist. Während das Netz gegen Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt Nivedita ihr intimste Fragen darüber, was Identität und Zugehörigkeit wirklich bedeuten. «Ein so kluger, lustiger, ambitionierter, schneller, frischer, wilder, von Liebe erfüllter, hochpolitischer Roman – mit ihm beginnt meine Liste der mich prägenden und verändernden Romane der 20er-Jahre.» (Florian Kessler, Lektor). 

Deutschland ist ENDLICH im Jahr 2021 angekommen. 

René Spitz, Christoph Niemann, Birgitta Homburger, Sascha Swiercz & Regula Stämpfli in Das Design der Woche #3 auf Clubhouse , 8.2.2021: The Great Green Wall, Die russische Staatsgewalt im konkreten Erscheinungsbild von Uniformen & Demonstrationen, Das neue Cover im New Yorker von Christoph Niemann, der sich der Designkritik stellt.

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René Spitz, Christoph Niemann, Birgitta Homburger, Sascha Swiercz & Regula Stämpfli in Das Design der Woche #3 auf Clubhouse , 8.2.2021: The Great Green Wall, Die russische Staatsgewalt im konkreten Erscheinungsbild von Uniformen & Demonstrationen, Das neue Cover im New Yorker von Christoph Niemann, der sich der Designkritik stellt

laStaempfli zu den Uniformen: Kleider machen Leute und Uniformen Soldaten. Auf österreichisch heisst die Uniform ja Montur und das trifft es viel besser: Uniformen machen gleichförmig, die Monturen stellen auf, fügen zusammen, demonstrieren Gewalt: Monturen montieren Maschinen. Früher waren die Montierten die Reiter gegen die Demonstranten. Uniformen sind notwendige Bedingungen für den Kombattantenstatus: Wenn es keine Uniformen gibt, weiss mann ja nicht, wer verhauen werden soll.Es gab in Deutschland bis 1933 ein Uniformverbot: Hugo Boss unterlief dies 1932, indem er für die NSDAP schon den schwarzen Dienstanzug für die SS schneiden liess. Es gibt übrigens immer noch ein Uniformverbot: Die Rechten oder die Scharia-Idioten versuchen es ja immer wieder, einheitliche Kleidung durchzusetzen, um sich für einen eigenen Staat aufzurüsten. Birgitta Homburger verweist auf die Fragilität in der Ikonografie: Beide, laStaempfli und Homburger beschreiben anhand der Bilder die Installation von Avataren, überdimensionierten Maschinen-Menschenkörpern gegen zerbrechliche Lebewesen als staatliche Macht-& Gestaltungselemente. 

Great Green Wall: Sascha Swiercz fragt nach bei der Diskussion zum “Mauer”-begriff als ursprünglich männliche Gestaltungskonnotation. Es geht, so laStaempfli hier, um die Abgrenzung, die Machtsymbolik, die Autorität der Höhe der Mauern, die Schutz- wie Einsperrkonnotation, Gefängnismauern, die Klagemauer in Jerusalem, die nur Männern vorbehalten war etc. René Spitz verweist auf die Schutzfunktion von Mauern gegen Anschläge anhand des Beispiels Jerusalem. Fazit: Mauer als Great Green Wall verweist auf das Gestaltungsversagen der gut gemeinten 8000 Kilometer langen grünen Bepflanzung, die jedoch zu wenig nachhaltig ist: Nicht das Neupflanzen von Bäumen ist entscheidend, sondern die Verjüngungsschnitte, die Transformation von alten in Zukunft. laStaempfli sieht da den Konflikt im Design: Gestaltung sollte nachhaltig sein, das bedeutet oft die Verzweigung von Vorhandenem und Neuen: Das wäre nach ihr dann weiblich. Und nicht einfach immer noch mehr und noch neuer…niemann_wooster_newyork102_signature_012521-810x1106

Regula Stämpfli zum New Yorker Cover von Christoph Niemann: “Mit Stift, Pinsel, Papier, Farbe versteht der Künstler, der Gestalter, der Denker Niemann digital und analog so zu verbinden, dass daraus gestaltete Poesie und einleuchtende Erzählungen werden.” Webseite : https://www.christophniemann.com/

#DiePodcastin jubiläumsorientiert: 50Jahre Frauenstimmrecht mit Links, Dokus, Hinweisen . Regula Stämpfli mit den schönsten Links zu dieser ganz speziellen Woche

#DiePodcastin jubiläumsorientiert: 50Jahre Frauenstimmrecht mit Links, Dokus, Hinweisen . Regula Stämpfli mit einigen Links zu dieser ganz speziellen Woche: Wenn der Feminismus Ton und Takt angibt, Geschichte der Gewalt, Literatur:www.ensuite.ch

Eingängige Hymne, abstrakte Töne: Feministische Musik zieht sich in der Schweiz durch alle Szenen und Generationen. Wo steht sie heute – von Theresa Beyer. Kurz, aber sehr schöner Beitrag. Viele blinde Flecken: Etwa zeitgleich hat die Postpunk-Band Kleenex für Furore gesorgt. Sie hat viele Frauen ermutigt einfach zum Instrument zu greifen, auf die Bühne zu steigen und loszuspielen.Irène Schweizer und Kleenex sind Pionierinnen der feministischen Musik und bis heute wichtige Referenzpunkte. Doch so lebendig und vielfältig die gegenwärtige Szene ist, umso mehr überrascht es, wie schlecht recherchiert und dokumentiert die feministische Musikgeschichte der Schweiz ist.Bildschirmfoto 2021-02-03 um 14.22.57

Zum Jubiläum: Isabel Rohner und Regula Stämpfli über die wichtigsten Stränge in der Frauenrechtsdiskussionhttp://diepodcastin.de/2021/01/09/diepodcastin-ueber-rechtsgewalt-isabel-rohner-regula-staempfli-zur-ikonographie-des-grauens-in-washington-weshalb-ausgerechnet-die-patriarchale-schweiz-ihre-universitaeten-fuer-frauen-oeffnete-w/ jahresrückblick-e1608807569625-480x500

und http://diepodcastin.de/2020/11/28/diepodcastin-ueber-heldinnen-isabel-rohner-regula-staempfli-ueber-den-brutalen-kampf-ums-frauenstimmrecht-unsichtbarkeiten-und-die-groessten-heldinnen-europas-bspw-theresia-rohner/

laStaempflis Kulturjahr 2020: Die Liebe in Zeiten von Corona in ensuite: Magazin für Kunst & Kultur

Januar by laStaempflis Kulturjahr: Worldly statt Selfie. Entwurf einer digitalen (Frauen)Demokratie für #50JahreFrauenstimmrecht Zum Auftakt des Jahres ein Glücksfall. Isabel Rohner, die fabelhafte Krimiautorin von „Schöner Morden“ und „Taugenixen“ gibt mit der ebenso eindrucksvollen Irène Maria Schäppi, Lifestyle-Chefin von 20 Minuten, das wichtigste Buch für das Jahr 2021 heraus: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Limmat-Verlag. Heute ist es schon in der zweiten Auflage und ich hab ja darauf gewettet, dass es #Bestseller2021 wird. Ich bin eine der 25 Frauen, die über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung im Band mit einem Aufsatz vertreten ist.august-die-swangoettin-maja-plissezkaja-338x450

Natürlich dreht sich bei mir alles um Korsette: Daten, Kilos, Fiktionen und die G-Mafia. Ich breche das algorithmische Storytelling und sehe mich in bester Denkerinnen-Gesellschaft: Alle im Buch versammelten Artikel und Interviews sind einfach DER HAMMER. Hier erwähne ich den Jänner 2020, weil Isabel Rohner und Regula Stämpfli sich über diesem Projekt via Twitter näher kamen. Eine digitale Liebe auf ersten Tweet sozusagen, daraus entstand das unvergleichliche Projekt: „DiePodcastin. Isabel Rohner und Regula Stämpfli erklären die Welt“, zu hören auf www.diepodcastin.de seit Juni 2020. Literatur: 50 Jahre Frauenstimmrecht. 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung von Isabel Rohner und Irène Schäppi (Hg), Limmat 2019.

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Juli by laStaempflis Kulturjahr: James Bond ist noch das kleinste Problem

Abgesagt: Die Festivalveranstaltenden sind „Les Misérables“ im 2020. James Bond wird vertagt. Doch dies ist definitiv nicht wichtig: Es hagelt überall virusbedingte Absagen. Bach-Festivals, Kleinkunsttage, Tanztage, Jugend musiziert, Technoclubs, Jazz-Festival, das beste aller Festivals überhaupt, das ORANGE BLOSSOM IN BEVERUNGEN, mein heissgeliebtes OBS (siehe Bild): ABGESAGT. Noch am 5. März 2020 meldete das Openair Frauenfeld, dass das Festival zu „100 Prozent“ stattfinde. Es kam anders. Die Festivalbetreibenden wurden von den Behörden, pardon der Ausdruck, teils wie Scheisse behandelt: Es gab keine Eintscheidungssicherheit, keine soliden rechtlichen Grundlagen, keinen Plan – das ganze Jahre wurde hin- und herlaviert. Dabei war klar: Eigentlich herrscht mit dem Virus Krieg gegen alles, was unser normales Leben ausgemacht hat. Doch statt den Kriegszustand, wie in Frankreich deklariert, schwafelten die Statusquo-Manager vom „neuen normal“. Die grössten Profiteure des Krieges sind und bleiben die Onlinedienste. Statt von Heimarbeit reden Medien von „Homeoffice“, statt von „privatisierte Heimschulung“ puschen die Narrative „Homeschooling“: Das Banksprech, dieses Schwafeln statt Benennen, feiert Höchststand. 15-20 Prozent der weltweiten Kinos werden andersweitig genutzt werden oder zumachen. Netflix und CO. müssten zu milliardenschweren Steuern verdonnert werden.Literatur: Shoshanna Zuboff, Das Zeitalter des digitalen Überwachungskapitalismus, Campus Verlag 2018. Mittlerweile auch im Taschenbuch erhältlich.

Wer mehr wissen will, klicke auf die Bilder oder hier: 

laStaempflis Kulturjahr 2020: Die Liebe in Zeiten von Corona

Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers “Feuer der Freiheit”, Rezension Jänner 2021im “ensuite”.

Feuer der Diskriminierung: Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers “Feuer der Freiheit”, Rezension Jänner 2021im “ensuite”. 

Von Dr. Regula Stämpfli – Die Reduktion von Menschen auf ökonomische Konzepte oder ihr Geschlecht führt in keinerlei Disziplin weiter. Als Kategorie der Diskriminierung funktioniert das Geschlecht aber hervorragend. laStaempfli fauchend in den Fusstapfen von Hannah Arendt…. 

Wolfram Eilenberger hat ein unmögliches Buch zu vier Philosophinnen geschrieben: Es ist abseitig, verkehrt, anstössig, unangenehm. Und zwar auf vielen Ebenen. Erstens vergleicht er vier Philosophinnen miteinander, die nichts, ausser einem ähnlichen Geburtsdatum, gemeinsam haben. Zweitens sind die vier «Philosophinnen» gar keine. Hannah Arendt wies den Begriff für sich explizit zurück, Ayn Rand war im besten Fall eine mittelmässige, ultrakapitalistische, geldversessene Sado-Maso-Literatin, Simone de Beauvoir die grösste Gesellschaftstheoretikerin des 20. Jahrhunderts und Simone Weil eine Sozialrevolutionärin mit Hang zur christlichen Mystik und buddhistischen Einsichten. Die vier Frauen in ein Buch zu packen, drittens, entspricht dem Versuch, ein Band zum Thema «Freie Rede» mit Joseph Goebbels, Niklas Luhmann, Isaiah Berlin und Dalai-Lama zu veröffentlichen. Goebbels nimmt in diesem Vergleich die Rolle von Ayn Rand ein, Simone de Beauvoir die von Niklas Luhmann, Hannah Arendt Isaiah Berlin und Simone Weil die von Dalai-Lama. Würden die erwähnten Herren von einem Philosophen in einem einzigen Werk gemeinsam, vor allem mittels Liebes- und Freundesbriefe, als Philosophen der freien Rede, Kommunikation und Demokratie besprochen werden? Niemals. Aber offensichtlich ist die Verachtung und Benachteiligung von denkenden Menschen aufgrund ihres Frauseins philosophisch so akzeptabel, dass der deutsche Feuilleton Eilenbergers Werk in höchsten Tönen rühmt.eilenberger laStaempfli rezension

In meiner, in der Dezemberausgabe 2020 von ensuite leider veröffentlichten und unredigierten Rohversion zu Eilenbergers «Freiheit», gehen vor lauter Wut über die offensichtliche Geringschätzigkeit, Herabsetzung, ja Hohn gegenüber den vier Frauen, die wichtigsten Argumente in falscher Syntax, Grammatik wie Wortwahl unter. Ich bin immer noch wütend, entsetzt, regelrecht von Furien besessen: Hätte ich Zeit und Geld würde ich Eilenbergers Machwerk Satz für Satz als falsch gesetzt, verquer gedacht, unmöglich formuliert und abartig kontextualisiert, auseinandernehmen. Warum in aller Welt bin ich die Einzige, die mit Hannah Arendt den philosophischen Skandal, den Eilenberger hier in allem Sexismus produziert, entlarvt? Doch Eilenbergers Buch eignet sich nicht einmal für ein Debattenfeuer: Es ist dermassen kreuzfalsch, dass mein Gehirn schmerzt beim Lesen.

regula stämpfli hannah arendt nacht der philosophinnen

Stichwortartig meine wichtigsten Punkte:- Vier völlig unterschiedliche, diametral andersdenkende, handelnde und publizierende Frauen aufgrund ihrer Generation in ein Buch zu packen, ist nach Arendt «klassischer Sophismus», der darin besteht, «den Verstand mit Argumenten zu bezaubern» und damit «einen Sieg der Argumente auf Kosten der Wahrheit» erzielen zu wollen. (Totalitarismus, S.34) – Eilenberger sagt nichts zu Arendt, Beauvoir, Weil und Ayn Rand, sondern zu Eilenbergers Variante von «Philosophinnen».- Eilenberger benutzt diskriminierende Bilder, die den Eindruck vermitteln, die Wirklichkeit abzubilden, wenn sie in Bezug auf die Denkerinnen das Gegenteil tun.- Eilenberger interessieren die Männer der vier Frauen viel mehr als die Schriften von Rand, Beauvoir, Arendt und Weil.- Eilenberger präsentiert einen standardisierten männlichen Blick auf sogenannte Philosophinnen: das Buch strotzt nur so von traditionell geschlechterzugeordneten Settings.- Eilenbergers Männer denken, Eilenbergers Frauen lieben.-Eilenbergers Buch wird sofort entlarvt, wenn Frau die Umkehr-Probe anwendet.- Eilenberger stellt Männer positiv klischiert dar, die Frauen stereotyp negativ: Sie sind ständig im Defizitmodus.- Eilenberger gibt vor, über vier Frauen zu schreiben, aber er schreibt nur über Eilenbergers Variation von selbstimaginierten Figuren, denen er die Namen Beauvoir, Weil, Rand und Arendt gibt. Er zitiert nur Quellen, die diesen von ihm imaginierten Figuren entsprechen.

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Dass der bisherige Feuilleton dies nicht entdeckt hat, sondern den Fantasmen Eilenbergers folgt, ist ein Skandal. Denn es drängt sich ein vernichtender Verdacht zur Motivation von Eilenberger auf: Offensichtlich ging es in diesem Werk zu den völlig verzerrten und selbstimaginierten Frauenfiguren nicht um Rand, Beauvoir, Arendt oder Weil, sondern in erster Linie darum, diese Frauen so ins Bild zu setzen, dass von ihren Werken nichts mehr übrigbleibt. Rand mit Beauvoir, Arendt und Weil gleichzusetzen ist mephistophelisch übel. Beauvoir, Arendt und Weil darüber hinaus über deren Männer, im Fall von Weil, über Gott, zu definieren, entspricht den klassischen Unsichtbarmachungs-Strategien patriarchaler Wissenschaftler des 19./20. und nun auch 21. Jahrhunderts.Wolfram Eilenberger, Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933–1943, Klett-Cotta, Stuttgart 2020, 396 Seiten.