Medienkritik von Regula Stämpfli, Hannah-Arendt-Lectures: Wie der Kampf gegen “Islamophobie” (ein ideologischer Kampfbegriff der Islamisten) zur Auflösung von Öffentlichkeit, Tatsachenwahrheit und Information führt. 1. Oktober 2026 am Beispiel der erfolgreichen Abwendung eines neuen 9/11 gegen Tel Aviv und Israel.

„Auseinandersetzung“: Wie BBC, ARD, SRF, N.Y. Times einen Anschlag als Auseinandersetzung in der Teeküche behandeln. Die humoristische Variante des gravierenden Medienversagens finden Sie hier: https://x.com/laStaempfli/status/2105932602314227867?s=20 Die Verharmlosung von SRF, ARD und N.Y. Times finden Sie hier: https://www.srf.ch/news/international/vorfall-auf-flydubai-flug-netanjahu-und-modi-wuerdigen-angegriffenen-piloten-als-helden

Von Regula Stämpfli

Am 30. September 2026 stürzt eine Boeing auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv in weniger als dreissig Sekunden um mehr als viertausend Meter. Der Copilot sticht den Kapitän nieder. Der Inder Smit Machchhar, blutend, öffnet die Cockpit-Tür. Passagiere, darunter Yaniv Hayun, überwältigen den Angreifer. Eine zweite Crew landet die Maschine in Tabuk. 174 Menschen leben. Israel spricht von einem vereitelten dschihadistischen Anschlag. Saudi-Arabien nimmt den Copiloten fest. Die Maschine hat zuvor den Code 7500 gesendet: widerrechtliche Einwirkung auf den Flug. Wäre der Flug nicht vom beherzten Kapitän, unter Einsatz seines eigenen Lebens und der israelischen Besatzung im Flugzeug, wieder auf Kurs gebracht worden, wäre ein Verbrechen in der Dimension von 9/11 geschehen: Das Flugzeug war auf Kurs von Tel Aviv – es hätte wohl als Werkzeug der terroristischen Verheerung dienen sollen.

Die Weltpresse meldet indessen eine Rangelei.

CNN: „violent altercation“ ( gewalttätige Auseinandersetzung). Die New York Times: „altercation between the pilot and co-pilot“. AFP: sie hätten sich geprügelt. Das Wall Street Journal: „struggle“. Sky: „brawl“. Die BBC: „fight“. Flydubai selbst spricht von einer Auseinandersetzung im Cockpit und bittet, nicht zu spekulieren. Die Wörter, die die Vorgänge beschreiben, fehlen: Messer, Sturzflug, Absicht, Israelis an Bord. Das sind die Fakten, die explizit benennt werden können. Doch was passiert? Täter und Opfer werden gleichgestellt mit einer „Prügelei.“ Hätte ein Copilot eine Kapitänin niedergestochen, stünde in keiner Schlagzeile „Prügelei“. Dann wäre es ein „Messerangriff auf die Pilotin.“ Es bestünde ein Unterschied zwischen Angreifer und Opfer. Doch weil die Passagiere Israeli sind und der Kapitän ein Mann, tut die Presse so als wäre es eine „Auseinandersetzung“ gewesen – welch Schande des Journalismus.

George Orwell hat 1946 beschrieben, was hier geschieht. Politische Sprache, schrieb er, sei dazu da, Lügen wahr klingen zu lassen und dem Mord einen anständigen Anzug zu schneidern. Nicht indem man lügt. Indem man das Verb abtötet. Ein Mann, der ein Flugzeug voller Menschen in den Boden steuern will, ist kein Partner einer „altercation“. Er ist ein Angreifer. Der öffentlich-rechtliche deutschsprachige Raum übersetzt die Anglizismen ins Amtsdeutsch. SRF titelt nicht über den vereitelten Absturz. SRF titelt: „Netanjahu und Modi würdigen angegriffenen Piloten als Helden.“ Der Lead lautet: „Nach der Gewalttat auf einem Flug nach Tel Aviv haben politische Würdenträger den mutmasslich von seinem Kollegen angegriffenen Piloten gewürdigt.“ Das ist keine Nachricht. Das ist ein Protokoll. „Politische Würdenträger“ ist das Vokabular der Hofberichterstattung. „Würdigen“ ist das Verb der Gedenktafel. „Mutmasslich von seinem Kollegen angegriffen“ stellt Täter und Opfer in eine Kollegialität, als hätte sich in der Teeküche etwas Unerfreuliches ergeben. Die Gewalttat hat kein Subjekt. Der Angriff hat kein Ziel. Der Held steht in der Überschrift nur, weil zwei Regierungschefs ihn so genannt haben. Das Urteil bleibt ausgelagert.

Die Tagesschau verfährt feiner. „Gewalt im Cockpit.“ „Kampf an Bord.“ „Möglicherweise versuchter Anschlag.“ Das Fragezeichen ist die eigentliche Aussage. Ein Verteidigungsminister, der von einem dschihadistischen Anschlagsversuch spricht, ein Premierminister, der den Kapitän einen wahren Helden nennt, ein Passagier im blutigen Hemd, der schildert, wie er den Angreifer aus dem Cockpit zerrt: alles zitierfähig. Die eigene Sprache bleibt im Konjunktiv der Vorsicht. Wer „Held“ in Anführungszeichen setzt, setzt nicht Distanz zur Propaganda. Er setzt Distanz zur Tat.

Orwell nannte das den Verfall der Sprache zum politischen Instrument. Im 1984heisst das Neusprech: den Wortschatz so verkleinern, dass bestimmte Gedanken nicht mehr formulierbar sind. Man muss den Terror nicht leugnen. Es genügt, ihn „Vorfall“ zu nennen, die Rettung „Würdigung“ und den Mann, der mit Stichwunden die Tür öffnet, „mutmasslich angegriffen“. Dann bleibt von der Wirklichkeit ein Verwaltungsakt. Es gibt einen legitimen Vorbehalt. Motiv und Auftrag sind nicht gerichtlich festgestellt. Die Emirate prüfen. Die Fluggesellschaft warnt vor voreiligen Schlüssen. Ein Nachrichtenmedium darf „Terror“ nicht als Fakt setzen, bevor die Ermittlung ihn trägt. Es darf ihn aber auch nicht durch „brawl“ ersetzen, wenn Messer, Sturzflug und der Code der widerrechtlichen Einwirkung bereits auf dem Tisch liegen. Vorsicht ist nicht dasselbe wie Vernebelung.

Der Unterschied ist die Urteilskraft. Sie besteht darin, zu sagen: Hier hat jemand versucht, ein Flugzeug mit Israelis an Bord in den Boden zu fliegen. Es gibt einen verletzten Kapitän und mutige Passagiere, die dies verhindern. Dies ist ein Attentat bis das Gegenteil feststeht. Und die Heldentat braucht nicht in Anführungszeichen gesetzt werden.