Regula Stämpfli über die Preisrede von Lukas Bärfuss (Georg Büchner-Preis) im Ensuite, Magazin für Kunst und Kultur

Bildschirmfoto 2019-11-04 um 14.03.25Vier Reden von Poetinnen und Poeten, die historisch sind oder es werden: Die Rede von Christa Wolf auf dem Alexanderplatz vom 4. November 1989 („Stellt Euch vor es ist Sozialismus und niemand will weg“), Friedrich Dürrenmatts „Die Schweiz – Ein Gefängnis“ von 1990 („Jeder Gefangene beweist seine Freiheit, indem er gleichzeitig Wärter ist“), Saša Stanišić anlässlich der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2019 („Das ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt“) und neu die Rede von Lukas Bärfuss zum Georg Büchner-Preis vom 2.11.2019.

 

Regula Stämpfli über Ronan Farrows “Catch and Kill” im Klein Report

Das neue Buch von Ronan Farrow schlägt in den USA und Grossbritannien vor allem in der Medienszene hohe Wellen. Regula Stämpfli berichtet in ihrer Kolumne für den Klein Report über die brisantesten Passagen, die das Potenzial haben, ein weltweites «Media Too» auszulösen.

807431ad6dfe2e63e58ebf65b01a5446

 

Regula Stämpfli über 1000 Zeilen Lügen und die Gefährlichkeit von Claas Relotius

Relotius will via Anwalt die Krankheit seiner erfundenen Schwester richtigstellen: Wie DIE ZEIT daraus eine Diskriminierungskampagne gegen den Bestseller-Autor und Fälscheraufdecker Juan Moreno macht und was dies alles mit “Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt” zu tun hat. Regula Stämpfli über 1000 Zeilen Lügen und die Gefährlichkeit von Claas Relotius.

hannah und ich

Regula Stämpfli über den Nullgehalt von Attraktivitätsstudien und Newsportale mit öffentlich-rechtlicher Verpflichtung im Klein Report

So unattraktiv ist die Wahlberichterstattung

Alle Wahljahre wieder kommt die Mär vom Zusammenhang zwischen Wahlerfolg und Aussehen. So dreist wie dies bluewin.ch 2019 noch macht, toppt aber bisherige Beauty-PR.

Da wird auf dem Online-Portal eine alte deutsche Studie hervorgekramt und eine neue Studie zitiert, die dem Anschein nach von einem «Schweizer Dating-Portal» durchgeführt wurde. Weder werden Studienanordnung, Auftraggeber oder andere wissenschaftliche Eckdaten angegeben. 

Die Politologin Regula Stämpfli kommentiert für den Klein Report die Wahlberichterstattung auf bluewin.ch, die Unterscheidung zwischen öffentlich und privat und die Deep-Fake-«Attraktivität». 

regula

Regula Stämpfli über den Widerstand in der Türkei & in Hongkong: “Die Medien haben kein Recht auf Schweigen”. Bild: Joshua Wong Bild: Rapper Fuat

Medien haben kein Recht auf Schweigen: 

Autokraten hassen schlechte Images. Dies vielleicht sogar noch mehr als Demonstrationen für die Demokratie, denn Menschen kann man niederknüppeln, schlechte Bilder indessen bleiben. Hier bleibt die Macht der Medien, soziale, analoge und klassische, fast ungebrochen.

Mehr siehe In “persoenlich.ch” : https://www.persoenlich.com/blog/medien-haben-kein-recht-auf-schweigen

joshuawongrapper Fuat

Regula Stämpfli über den Hashtag #dichterdran und Emerenz Meier in der Kulturzeitschrift ENSUITE”. Wenn Frauen über Autoren so schreiben wie Autoren über Schriftstellerinnen.

Das Gedicht „Stossseufzer“ von Emerenz Meier liest sich im Sommer 2019 wie ein Beitrag zum sehr lustigen, sehr wichtigen und aufklärerischen Hashtag #dichterdran. Die Schweizer Literaturwissenschaftlerin Nadia Brügger hat ihn aus Ärger über die Rezension von Bestsellerautorin Sally Rooney, die „sexualisiert und in grossväterlicher Manier geschmälert“ wurde, mit Simone Meier (Watson) und der Regisseurin Güzin Kar initiiert. Die Tweets zeigen die hochkomische Umkehr der Verhältnisse: Wenn Frauen über Autoren schreiben wie Männer über Autorinnen, wird offensichtlich, wie sehr jede weibliche Kreativität und Innovation der Frauenrolle geopfert wird. Meist ausgerechnet praktiziert von einigen Feuilletonisten, die sich als besonders „fortschrittlich“ inszenieren.

Bildschirmfoto 2019-09-12 um 12.44.25

Regula Stämpfli über die Bigotterie der Selfie-Medien in “persoenlich”: Medien-Onlinemagazine für Meinungsführende

“Sophie Hingst, die Preisträgerin des «Blogger des Jahres» von 2017, ist tot. Einige Wochen zuvor wurde sie vom deutschen «Spiegel»-Autor Martin Doerry in einer riesig aufgemachten Geschichte als Hochstaplerin entlarvt. Die bekannte Journalistin Lea Rosh gibt für die promovierte Historikerin Hingst eine Todesanzeige auf mit dem Text: «Keine jüdische Familie. Keine Slum-Klinik in Indien. Keine Aufklärungsrunde. Nur ein gutes Herz, das zu früh aufhörte zu schlagen, weil es nicht mehr krank sein wollte.» Hingst hätte laut Rosh mehrere Realitäten gehabt, doch das Narrativ der «Spiegel»-Enthüllung wollte nur die eine. Denn die eignete sich ja auch besonders gut für eine typische «Spiegel»-Geschichte.

Das journalistische Agenda-Setting rund um Hingst ist Ausdruck einer Selfie-Mediengesellschaft, die sich um Relevanz schert und Prominenz hinterherhechelt. Selbstverständlich hätte Sophie Hingst «entlarvt» werden sollen und können, doch: Was bringt ein Magazin wie den «Spiegel» dazu, seitenlang eine promovierte Historikerin zu verheizen, die darüber hinaus an einer Krankheit litt (worauf die Mutter Sophie Hingst den Journalisten Doerry offensichtlich hingewiesen hat)? Weshalb lesen wir im «Spiegel» statt über die Akteure des Berliner Flughafens, statt über den Stand der McKinsey-Beratermillionen von der Leyens oder der neuen EU-Kommissionspräsidentin eine sehr unglückselige Geschichte über eine einzelne Bloggerin – und das auf mehreren Seiten?” weiterlesen, auf Foto drücken. 

PS: EINZELNE JOURNALISTINNEN KOPIEREN DEN BEGRIFF “SELFISM” UND “SELFIE-MEDIEN” AUS MEINEM BUCH “TRUMPISM. EIN PHÄNOMEN VERÄNDERT DIE WELT” SCHAMLOS OHNE QUELLENANGABEN. DIES ENTSPRICHT DER ALTHERGEBRACHTEN TAKTIK DER INNOVATIONEN VON FRAUEN, DIE EINFACH KOLLEKTIVIERT WERDEN (VON FRAUEN UND MÄNNERN) WÄHREND INNOVATIONEN, BEGRIFFSSCHÖPFUNGEN VON MÄNNERN INDIVIDUALISIERT WERDEN.

Bildschirmfoto 2019-08-06 um 15.30.08

Regula Stämpfli über Selfism in den Medien, die Veränderungen der Demokratie & politischen Kommunikation im Medienwandel durch die Digitale Revolution

«Der ‹Selfism› grassiert gegenwärtig in voller Wucht»

Ein neues Phänomen erobert die Welt: «Trumpism». Die Autorin zeigt in ihrem, schon in zweiter Auflage erschienen aktuellen Buch, wie die Verletzung der menschlichen Würde via 140 Zeichen in den politischen Alltag eingreift. Ein Gespräch über Trump, Salvini, Hashtagfeministinnen, Amokläufe, Twitter und Tribute.
Zwischen Show und Person gibt es in Zeiten technischer Umbrüche keinen Unterschied. Die Trennung zwischen öffentlich und privat ist völlig aufgehoben mit dem Resultat, dass nicht mehr um Institutionen gekämpft und im öffentlichen Raum nach gegebenen Regeln gestritten wird. Es werden Menschen aufgrund ihrer Ansichten oder biologischen Erscheinung der Vernichtung preisgegeben – siehe Hate-Speech. Und zwar von allen politischen Seiten. Dieser «Selfism», der Aufstieg des herrschsüchtigen, ungebundenen Selbst, das links und rechts vergoldet wird, grassiert gegenwärtig in voller Wucht. Dass vor lauter Trump auch die Gegnerinnen völlig totalitär werden, erkennen nur Wenige, wofür ich den Begriff «Blindspirale» entwickelt habe. Den Aufstieg des 45. Präsidenten setze ich auch in Zusammenhang mit dem 44.  – eines der schwierigsten Kapitel über die Mittäterschaft von Barack Obama am gewachsenen Zerfall westlicher Demokratien. Dies alles setze ich in Bezug zur Welttheorie von Hannah Arendt (lacht). Sie sehen, es geht wirklich um viel und kein Wunder habe ich viel länger gebraucht, das Buch zu Ende zu bringen als geplant.
PS: Nachtrag vom 8.8.2019. Immer wieder gibt es Kollegen und Kolleginnen, die Stämpflis Werk abkupfern, ohne sie zu zitieren. Nicht zuletzt deshalb werden die wichtigen Artikel und Innovationen hier dokumentiert. 

persönlich foto

Regula Stämpfli über die Medien-Bigotterie anlässlich des Todes der Bloggerin des Jahres 2017 Sophie Hingst & Spiegelenthüllungen #Relotiusrevisited

Bildschirmfoto 2019-08-06 um 15.30.08