Was wir lesen: Regula Staempfli ist Essayistin bei den grössten Kulturmagazinen & Zeitschriften im deutschsprachigen Raum. Hier ein heisser Tipp für die Sommerlektüre: Elfriede Hammerl. Gespräche, die ich nie geführt habe.

Frisch in der Die Weltwoche, Ausgabe 28 im Jahr 2026: Elfriede Hammerl, Gespräche, die ich nie geführt habe. Von Kremayr & Scheriau. Übertitelt wurde meine Empfehlung mit “Lächerliche Liebe”, was völlig falsch ist, denn es geht umd “Die grosse, ewige Liebe” und das Drama der heterosexuellen Frau.

Hier der volle Text, der im Magazin gekürzt werden musste und nochmals die wärmste Empfehlung: Lesen.

Elfriede Hammerl seziert mit kaltem Humor und einer boshaften Präzision. Wer gemeint hat, das Alter befreie Männlein und Weiblein vom lächerlichen Spiel der Liebe, des Begehrens und der Eitelkeit, wird in diesem Buch bekehrt. Leute, es geht weiter. Glücklicherweise etwas zivilisierter und es müssen keine kleinen Kinder mehr darunter leiden, aber grundsätzlich bleibt auch im Alter alles beim Alten. Die Gespräche, die Elfriede Hammerl nie geführt hat, sind so brillant, dass ich ihr auch noch im zehnten Band dabei zusehen würde, wie sie sie nicht führt. Hier eine Kostprobe:

ER:”Ich war Irina treu, aber doch nicht aus Mangel an Optionen.”

Sie: “Und Du meinst, die jungen Frauen sind wild auf einen älteren Zausel mit Bauch und Haarausfall?”

ER: “Ich habe jede Menge Haare” (…)

Sie: “Ja, in den Ohren. Und in der Nase.” Elfriede Hammerl dann weiter: „Stimmt, das ist grausam, und deshalb ist auch klar, dass ich dieses Gespräch nicht geführt habe. Aber: schade.” 

Tja. Diese Gespräche bleiben tabu, einverstanden. Aber das Buch von Elfriede Hammerl zeigt, dass selbst Männer realisieren, wie wenig interessant der Mann und wie umwerfend spannend die Frau ist….