Karin Wenger in der NZZ: Eine Medienkritik von Dr. phil. Regula Staempfli: Kreuzfalsche codierte Narrative über Israel. 29.12.2025. Journalisten und Journalistinnen, die eigene Ideologien statt Berichterstattung liefern.

Bild: Israelische Nationalbibliothek. Fotografiert von laStaempfli am 7.12.2025. Eine Nationalbibliothekt, die übrigens neben den israelischen Publikationen über verschlungene Wege auch palästinensischen Kulturdokumente speichert.

laStaempflis Medienkritik an der NZZ, Karin Wengers Artikel: “Israel läuft Gefahr, zum Paria-Staat zu werden. Vielleicht wagt es 2026 aber auch einen Neuanfang. In Diplomatie, Kultur und öffentlicher Meinung verliert Israel seit dem Beginn des Gaza-Kriegs an Ansehen. Um nicht langfristig zu einem Paria-Staat zu werden, braucht das Land eine neue Führung.”

Israel ist laut Wenger also isoliert und selbst daran schuld. Das Land wird in Wengers Text personalisiert, polarisiert und so zusammengefasst, wie dies die NZZ über ein anderes Land nie schreiben würde.
Die Prämisse, Israel sei ein “Paria-Staat” hat alles mit der Journalistin, wenig mit der Realität zu tun.
Die „Isolation“ ist keine diplomatische Tatsache, sondern Wengers mediale Konstruktion. Ein codiertes Narrativ einer Kultur- und Medienelite, die Israel als Paria-Staat definiert und die Gefahr des Islamofaschismus nicht nur für Israel, sondern für den Westen insgesamt, aus ideologischen Gründen negiert.

Israel ist nicht isoliert: militärisch nicht (enge Kooperation mit USA, Deutschland, Indien), wirtschaftlich nicht (Tech, Rüstung, Forschung), geheimdienstlich nicht (informiert die EU über drohende Anschläge), regional nicht (Abraham Accords on the go, stille Kooperation mit arabischen Staaten). Was Karin Wenger beschreibt, ist kein objektiver Zustand, sondern eine westliche Diskursblase, die Boykotte von Kulturinstitutionen und UN-Resolutionen mit geopolitischer Realität verwechselt.

Der Text verwendet zudem ständig ein Vokabular, das auf nicht-demokratische Staaten angewendet wird: Wenger schwafelt von „autoritäre Züge“, „Loyalisten“,„quasi rechtsfreier Raum“ – und sie konzentriert sich auf den demokratisch gewählten Regierungschef Benjamin Netanjahu, quasi Israel als One-Man-Show. Netanjahu wird mit ISRAEL gleich gesetzt, für alles persönlich verantwortlich gemacht. Kulturelle Boykotte, Trump-Frustrationen, gesellschaftliche Spaltung, alles lässt sich in Wengers Diktion und übrigens mit klassisch antisemitischen Klischees, auf den jüdischen Regierungschef zurück führen. Dies ist so vorhersehbar wie unoriginell. Uns Leserinnen und Leser würde viel mehr interessieren, wie Israel den Krieg, den es gewonnen hat, zu Ende bringen kann, so dass der islamofaschistische Terror nie mehr zur existentiellen Bedrohung von Israel und dem Westen heranwachsen kann. Der gesamte Text ist moralische Nivellierung, keine Analyse.


Die reale Problematik der Siedlergewalt wird zudem verallgemeinert, entkontextualisiert, nicht unterschieden von staatlicher Politik. Israel wird auf seine radikalsten Ränder reduziert – ein klassischer Delegitimierungsmechanismus, den man bei keinem anderen demokratischen Staat in dieser Form anwendet. Oder würde Wenger aus Frankreich auch nur aus der Warte von Marine Le Pen berichten? Der Text erklärt nicht Israels Isolation – er produziert sie, indem der Artikel moralische Kategorien und sog. Haltungsjournalismus betreibt. Dafür braucht es aber keine Korrespondentin, da reicht locker eine antizionistische Aktivistin mit islamofaschistischen dystopischen Fantasien. Wengers Text ist performativer Journalismus: Er erzeugt die Realität, die er beklagt. Allein die Frage: “Was für eine Nation wollen sie sein?“ ist paternalistisch und ahistorisch. Israel ist seit 75 Jahren eine Demokratie, unter permanentem globalen Angriff durch die islamofaschistischen Gruppierungen und Staaten, hält sich als Demokratie aber wacker mit einer pluralen, streitbaren Öffentlichkeit, die wir auch von der Schweiz her kennen.

Der Text von Karin Wenger erklärt Juden und Jüdinnen, wie diese zu existieren haben. Dies ist kein Journalismus, sondern moralischer Paternalismus, der selbst als Kommentar fehl am Platz wäre, als Artikel in der NZZ aber wirklich keine Berechtigung hat.

Hier der Artikel in der NZZ: https://www.nzz.ch/international/israel-laeuft-gefahr-zum-paria-staat-zu-werden-vielleicht-wagt-es-2026-aber-auch-einen-neuanfang-ld.1915801