
#DiePodcastin afghanisch: Isabel Rohner und Regula Staempfli über Talibans hier und dort, u.a. im Der Spiegel, Skandal des Deutschen Journalistenverbands DJV, Konstantin Wecker und die Epstein-Files und die neue postkoloniale Weisswaschung der Genitalverstuemmlung.
Was ist mit dem Deutschen Journalistenverband (DJV) los? Er veröffentlichte eine Handreichung (übrigens die einzige Handreichung auf seiner Homepage) ausgerechnet zur “Berichterstattung über Sexarbeit”. Entstanden ist die Broschüre dabei übrigens als Gemeinschaftsprojekt (!) mit einem Lobbyverband. Ziel: “eine sachliche, differenzierte und respektvolle Berichterstattung”. Interessanterweise ist die Broschüre dann voll von Ideologie und Verharmlosung: z.B. auf S. 15 “Sexarbeit ist nicht Problem, sondern die Lösung.” oder auf S. 8 “Sexarbeit schafft für Frauen ein Angebot für positive Erlebnisse. Sie kann ein Schutzraum sein für Opfer sexualisierter Gewalt.” Das erreichen die Journis natürlich nur durch eine gnadenlose Umdefinition und grundlegend neues Wording. So rät die Handreichung, nicht mehr von “Rotlichtmilieu” zu schreiben, sondern von “Branche”. Auch “Zuhälter” sei kein angemessenes Wording, besser sei es von “Betreiber” zu schreiben. “Armutsprostitution” gäbe es schlicht nicht, da es doch bei jeder Erwerbstätigkeit darum ginge, Geld zu verdienen. Und und und. Die Rohnerin bringts auf den Punkt: “Spinnt ihr, DJV?” https://www.djv.de/einsatzfelder/chancengleichheit-diversity/handreichung-berichterstattung-sexarbeit/
Hier der erwähnte Artikel von Regula Staempfli über das im Kohlhammer Verlag erschienen Werk über Ali Khamenei: Islamismus als Projekt der Gegenaufklärung. https://regulastaempfli.eu/?p=11555 Dann der Artikel über die Forschergruppe, die postkoloniale Weisswaschung betreibt, indem Genitalverstuemmelung als “Designer Vagina” legitimiert werden soll: https://www.nzz.ch/wissenschaft/forscher-kritisieren-verbot-weiblicher-genitalverstuemmelung-ld.1917417 “Folter als Kultur.”
Hier laStaempflis Thesen zu Konstantin Wecker und die Epstein Files: Wie Minderjährige von den Medien sexualisiert und verkauft werden, siehe SZ-Titel: “Der Mann und das Mädchen” 20.11.2025. Die Frau, die den Epstein-Fall überhaupt ins Rollen brachte, heisst Julie K. Brown siehe https://www.sueddeutsche.de/medien/usa-epstein-trump-journalistin-julie-brown-1.4523865
Zehn Thesen zum Missbrauch von Macht, Ruhm und jungen Frauen – aus Sicht der Opfer von laStaempfli
Missbrauch beginnt nicht mit Gewalt, sondern mit Aufmerksamkeit.
Epstein wie auch andere mächtige Männer, wie der Fall Konstantin Wecker zeigte, wurden nicht gefährlich, weil sie brutal waren, sondern weil sie zuhörten, förderten, versprachen. Aufmerksamkeit ist die erste Währung der Manipulation.
Das Narrativ vom „einvernehmlichen Verhältnis“ ist eine Tätererfindung.
Minderjährige können Machtgefälle nicht „frei wählen“. Wer das behauptet, verschiebt Verantwortung vom Täter zum Opfer.
„Ich war in einer schwierigen Phase“ ist keine Erklärung, sondern eine Schuldabwehr.
Persönliche Krisen (wie bei Konstantin Wecker Alkoholismus, Drogen etc.) rechtfertigen keinen Missbrauch. Dieses Argument dient ausschließlich dazu, Empathie für Täter zu erzeugen – nie für Opfer.
Kunst, Genie, Charisma oder politische Bedeutung sind keine mildernden Umstände, sondern Verstärker.
Je größer die Bühne eines Mannes, desto größer sein Schutz. Ruhm funktioniert wie ein Schutzschild gegen Strafverfolgung.
Medien verharmlosen Missbrauch, wenn sie Täterliteratur betreiben.
Titel wie „Der alte Mann und das Mädchen“ (Der Titel der Süddeutschen Zeitung zum Fall Konstantin Wecker) romantisieren Gewalt. Sie löschen das Leid der Betroffenen aus und ästhetisieren asymmetrische Macht.
Die sogenannte „Sexarbeit“-Rhetorik verschleiert systemischen Zwang.
Wenn junge Frauen in ökonomisch abhängigen Situationen „freiwillig“ handeln sollen, handelt es sich nicht um Freiheit, sondern um Marktlogik ohne Schutzrechte.
Epstein und auch Konstantin Wecker sind keine Einzelfaelle, sondern ein Systemknoten.
Sein Netzwerk zeigt, wie Kapitalismus, Patriarchat und Straflosigkeit zusammenwirken. Nicht wer die Täter sind, ist entscheidend – sondern wie lange die Täter geschützt wurden.
Opfer verlieren nicht nur ihre Unschuld, sondern ihre Erzählhoheit.
Ihre Geschichten werden bezweifelt, relativiert, juristisch zermürbt oder medial trivialisiert. Das ist sekundäre Gewalt.
Gesellschaften schützen Täter, wenn sie ihnen nützen.
Solange Männer Macht, Geld oder kulturelles Kapital liefern, wird ihr Missbrauch als „Fehltritt“, „Affäre“ oder „tragische Verstrickung“ umgedeutet.
Wirkliche Aufarbeitung beginnt erst, wenn wir aufhören, Täter interessant zu finden.
Nicht ihre Biografien, ihre Gefühle oder ihre „dunklen Phasen“ sind relevant – sondern die zerstörten Leben der Mädchen und Frauen. Gebt endlich den Opfern die Stimmen.
Zu Epstein und den Journalisten hat UEBERMEDIEN mal ein ganz spannendes Stück über Andrian Kreye gemacht: https://uebermedien.de/44393/was-die-sueddeutsche-zeitung-zum-fall-jeffrey-epstein-nicht-schreibt/ Hier Die Zeit über Epstein, sehr lesenswert: https://www.zeit.de/thema/jeffrey-epstein
Hier der offene Brief von Regula Staempfli im Anschluss an die Handreichung:
Good News zum Schluss: In der neuen EMMA wird das HEDWIG DOHM TRIO porträtiert https://www.emma.de/artikel/mehr-stolz-ihr-frauen-342205 – und auch sonst ist diese Ausgabe SEHR lesenswert, u.a. dank der besten Cover-Geschichte seit Jahren “Die neuen Frauen”.
Hier noch der offene Brief von Dr. Regula Staempfli an den DJV im Anschluss der Folge der “Die Podcastin.” Bitte teilen!
Offener Brief an den Deutschen Journalistenverband (DJV)
Zur „Handreichung zur Berichterstattung über Sexarbeit“ 26.12.2025.
Sehr geehrte Damen und Herren des Deutschen Journalistenverbands,
was ist mit Ihnen los?
Der Deutsche Journalistenverband, der sich als Hüter journalistischer Standards, Unabhängigkeit und Kritikfähigkeit versteht, veröffentlicht eine Handreichungauf der eigenen Website zur „Berichterstattung über Sexarbeit“ – dies ausgerechnet als Gemeinschaftsprojekt mit einem Lobbyverband. Allein dieser Umstand hätte höchste Alarmbereitschaft auslösen müssen. Stattdessen wird die Broschüre als Beitrag zu einer „sachlichen, differenzierten und respektvollen Berichterstattung“ beworben.
Was Sie tatsächlich vorlegen, ist jedoch keine journalistische Handreichung, sondern ein ideologisch durchtränktes Framing-Papier, das zentrale Probleme sexualisierter Ausbeutung sprachlich entsorgt, strukturelle Gewalt verharmlost, ja streckenweise legitimiert, und kritische Begriffe systematisch aus dem öffentlichen Diskurs tilgen will.
Wenn in Ihrer Broschüre Sätze stehen wie
„Sexarbeit ist nicht das Problem, sondern die Lösung“ (S. 15)
oder
„Sexarbeit schafft für Frauen ein Angebot für positive Erlebnisse. Sie kann ein Schutzraum sein für Opfer sexualisierter Gewalt“ (S. 8),
dann überschreiten Sie jede Grenze der Würde des Menschen. Ihre “Handreichung” ist das Gegenteil von faktenbasierten Journalismus. Die Handreichungreproduziert Narrative, die seit Jahren von der Prostitutionsbranche, den Interessenverbänden vertreten werden. Ihre Handreichung missachtet alle bisherigen Statistiken, Recherchen, Opferstudien sowie Traumaforschung.
Besonders skandalös ist das von Ihnen propagierte neue Wording, das Realitäten nicht beschreibt, sondern umdeutet:
- Das „Rotlichtmilieu“ soll zur „Branche“ werden.
- „Zuhälter“ heißen plötzlich „Betreiber“.
- „Armutsprostitution“ soll es gar nicht geben – schließlich gehe es bei jeder Erwerbsarbeit um Geld.
Diese sprachlichen Eingriffe sind keine Präzisierung, sondern politische Propaganda. Sprache wird hier nicht genutzt, um Wirklichkeit sichtbar zu machen, sondern um Menschenhandel mit neuen Begriffen zu normalisieren, ja zu legalisieren. Journalismus wird so zum Transportmittel von Zuhälter-Interessen – nicht zu deren kritischer Instanz.
Gerade von einem Journalistenverband müsste man erwarten, dass er seine Mitglieder zur Skepsis gegenüber Lobby-Sprech, zur Trennung von Bericht und Aktivismus und zur Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Befunden anhält. Stattdessen liefern Sie eine Anleitung zur Selbstzensur kritischer Begriffezugunsten der Propaganda von Prostitution, den Menschenfleischverkauf auf Zeit.
Die Frage, die sich stellt, ist daher schlicht:
Wessen Interessen vertreten Sie hier eigentlich – die der journalistischen Öffentlichkeit oder die eines politischen Projekts?
Die Podcastin Dr. Isabel Rohner brachte es in der neusten Folge von der „Die Podcastin“ – aufgeschaltet 26.12.25 treffend auf den Punkt:
„Spinnt ihr, DJV?“
Diese Frage ist leider berechtigt.
Wir fordern den DJV daher auf,
- diese Handreichung kritisch zu überarbeiten oder zurückzuziehen,
- die Nähe zu Lobbyorganisationen transparent zu machen,
- und endlich wieder das zu tun, wofür Journalismus steht: nicht für Sprachregelungen einzutreten und sie den Mitgliedern des DJV quasi zu verordnen, sondern für Fakten und Qualität zu sorgen.
Mit nachdrücklichen Grüßen
Dr. Regula Stämpfli
Politische Philosophin, Bestellerautorin, Journalistin BR