
Kopftuch im Schulzimmer: Die Neutralität des Staates ist keine Einladung zur Unterwerfung von Dr. Regula Stämpfli Kommentar zum Bericht der Schweizer Regierung, die das Verbot des Kinderkopftuchs erst kürzlich abgelehnt hat, siehe den Bericht auf SRF. https://www.srf.ch/news/schweiz/religionsfreiheit-bundesrat-stellt-sich-gegen-ein-kopftuchverbot-an-schulen
„Die Schweiz, das Land der Neutralität, verwechselt seit Jahren Neutralität mit moralischer Feigheit. Der neueste Bericht des Bundesrates zum sogenannten Kinderkopftuch ist ein Dokument dieser Verwechslung. Er nennt sich „Abwägung zwischen Religionsfreiheit und Kindeswohl“ – in Wahrheit ist er ein Lehrstück politischer Feigheit im Zeitalter kultureller Unterwerfung. Dass der Bundesrat kein Kopftuchverbot an öffentlichen Schulen will, wird als Triumph der Toleranz verkauft. Tatsächlich ist es ein Verrat an der republikanischen Idee von Freiheit. Hannah Arendt hätte gesagt: Freiheit beginnt dort, wo die Welt öffentlich wird – nicht dort, wo religiöse oder kulturelle Gebote die Körper von Kindern markieren. Das Kinderkopftuch ist keine Modefrage. Es ist ein Symbol einer Sexualisierung, die Mädchen vor der Pubertät in das moralische Regime der Scham einführt. Ein Siegel des „Du bist verantwortlich für die Begierden der Männer.“ Die Schweiz, die ihren Verfassungsauftrag kennt – Gleichheit, Bildung, Freiheit – müsste diese frühe Codierung von Geschlecht als das benennen, was sie ist: ein Angriff auf das universelle Recht des Kindes, als Mensch und nicht als Mädchen geboren zu werden. Die Haltung des Bundesrates lautet: „Es gibt verschiedene Gründe, warum Mädchen das Kopftuch tragen.“ Richtig. Doch der Satz blendet aus, dass kein einziger dieser Gründe von den Mädchen selbst kommt. Kein achtjähriges Kind wacht auf und beschliesst: “Ich will ein religiöses Zeichen tragen, um meine Keuschheit zu beweisen.” Der Staat darf sich nicht darauf zurückziehen, dass „die Familie“ oder „die Religion“ das schon richtig entscheiden werden. Genau deshalb gibt es Schulen, Lehrerinnen, Bildung und Kinderschutz. Dass sich die Vertreter islamischer Dachverbände über das Bundesratsurteil freuen, überrascht nicht. Sie wissen, dass jede „individuelle Entscheidung“ in Wirklichkeit den islamischen Anpassungsdruck verstärkt. Dass eine Ständerätin wie Marianne Binder den Mut hat, das offen anzusprechen, ist ein seltener Moment politischer Klarheit. Sie sagt, das Kinderkopftuch behindere die Entwicklung des Kindes. Ja, es behindert sie nicht nur – es codiert sie. Das Argument der Religionsfreiheit ist in diesem Zusammenhang perfide. Religionsfreiheit bedeutet, dass Erwachsene ihren Glauben praktizieren dürfen. Sie bedeutet nicht, dass Kinder an sichtbare Zeichen der Unterordnung gewöhnt werden. Wer Mädchen in Kopftücher steckt, bevor sie überhaupt denken dürfen, lehrt sie, dass ihr Körper kein öffentlicher, kein freier Raum ist. Der Staat ist kein Vermittler zwischen patriarchalen Geboten, sondern der Garant, dass alle Kinder ohne Angst, ohne Stigma, ohne Code aufwachsen können. Das Kinderkopftuch ist kein Zeichen des Glaubens, sondern der Macht.