{"id":9500,"date":"2022-10-11T11:41:58","date_gmt":"2022-10-11T09:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=9500"},"modified":"2022-10-11T11:42:00","modified_gmt":"2022-10-11T09:42:00","slug":"regula-staempfli-im-ensuite-das-kulturmagazin-literaturblog-magazinbeitrag-afghanistan-neue-studie-otto-brenner-stiftung-september-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=9500","title":{"rendered":"Regula St\u00e4mpfli im ENSUITE\/DAS KULTURMAGAZIN: LITERATURBLOG&#038; MAGAZINBEITRAG: AFGHANISTAN &#038; NEUE STUDIE OTTO BRENNER STIFTUNG SEPTEMBER 2022."},"content":{"rendered":"\n<p><strong><em>Codes, Taliban und Sprechakte: Otto-Brenner-Studie &amp; neues Afghanistan-Buch: <\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>Von Regula St\u00e4mpfli &#8211;<\/strong><\/em>&nbsp;<em>Diesmal reisen wir in unserer Literaturbesprechung von Deutschland nach Afghanistan und zur\u00fcck mit einem Schlenker in die Schweizer Innenpolitik.&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Inge Bell, die preisgekr\u00f6nte Journalistin und zweite Vorsitzende von Terre des Femmes Deutschland, dem Verband, der sich gegen alle Widerst\u00e4nde f\u00fcr Frauenrechte, Gleichberechtigung und Freiheit f\u00fcr alle Frauen weltweit einsetzt, wurde von Twitter \u00fcber drei Wochen gesperrt. Weshalb? Weil eine Handvoll gut organisierter Antidemokrat*innen die Frauenrechtlerin Inge Bell \u2013 wie die Misogynen anno dazumal \u2013zum Verstummen bringen wollte. Die \u00abVerbrechen\u00bb Bells bestehen aus der Sicht der neuen Totalit\u00e4ren darin, \u00abSexarbeit\u00bb als \u00a0\u00abMenschenfleischarbeit\u00bb (Begriff laStaempfli) zu entlarven, im \u00abHidschab\u00bb nichts \u00abHippes\u00bb zu sehen, wie dies das Schweizer Fernsehen tut (Beitrag vom 21.9.2021), und weiterhin von \u00abFrauen\u00bb und nicht von \u00abMenschen mit kleinerer Harnr\u00f6hre\u00bb zu sprechen. Inge Bell hat von rechts und links schon unz\u00e4hlige Drohungen gegen Leib und Leben gekriegt und viele Verfahren gewonnen. Dennoch wurde sie von Twitter drei Wochen gesperrt. Spannend ist, dass ausschliesslich Frauen von den totalit\u00e4ren Aktivist*innen einzeln herausgepickt, isoliert und mit Bots attackiert werden. M\u00e4nner, vor allem die Rechtsextremen, die M\u00e4chtigen, die Gef\u00e4hrlichen, da \u00fcber viel Kapital f\u00fcr juristische Klagen verf\u00fcgend, werden von den * nicht verfolgt. Der Kampf um Deutungshoheit von links dreht sich nicht um Inhalte, sondern darum, prominente Frauen und schlicht Frauen einzusch\u00fcchtern, zu mobben, deren Karriere zu besch\u00e4digen, sie wom\u00f6glich in den finanziellen und k\u00f6rperlichen Ruin zu treiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was sich auf Twitter gegen Frauen und dann in der Realit\u00e4t abspielt, k\u00fcmmert die M\u00e4nner nicht. Es geht ja \u00abnur\u00bb um Frauen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Westen ist Twitter das st\u00e4rkste Tool von radikalen, links- und rechtsextremen Menschenrechtsfeinden gegen Demokratie, Frauenrechte und Rechtsstaat geworden. Die Anonymit\u00e4t garantiert dem Mob mit Twitter-Meldungen oft grossen Erfolg. Medien lieben Streit, Skandal, Shitstorms, Trends und Hashtags. Sie folgen ihnen wie l\u00e4ufige Hunde ihren Instinkten. Somit pushen sie zus\u00e4tzlich die Twitter-Gaunerbanden woke und rechts.\u00abJournalismus in sozialen Netzwerken\u00bb fokussiert nicht auf Information, sondern auf Klicks. Die Otto-Brenner-Stiftung hat erst k\u00fcrzlich dazu eine prominente Studie publiziert. Ich lese daraus: Algorithmen kennen keine Vernunft, keine Anti-Vernunft, sie sind nihilistisch auf Emp\u00f6rung programmiert, die sich millionenfach repetiert. Verbinden sich Codes mit der in der Gesellschaft strukturell vorhandenen Misogynie, mit dem Antisemitismus und antidemokratischer Emp\u00f6rung, gibt es kein Aufhalten der automatisierten Prozesse mehr.<strong> \u00abOptimierter Journalismus\u00bb nennt sich dies modern. Es ist ein Oxymoron f\u00fcr die Abschaffung demokratischer Information zwecks Partizipation. Journalismus f\u00fcr soziale Netzwerke zu machen birgt in sich die strukturelle Zerst\u00f6rung demokratischer Werte. Dies, weil die kommerziellen Plattform-Logiken nicht der Information, sondern der Plattform-Dauer dienen. Wer journalistische Beitr\u00e4ge \u00abplattformisiert\u00bb, strukturiert mittels Codes nur die Distribution, nicht die Information.<\/strong> So \u2013 meine These aus dem Gelesenen \u2013 entsteht das \u00abAnything Goes\u00bb-Prinzip der zuf\u00e4lligen Codierungen mit absurd antidemokratischem Exzess: Frauen sind in der codierten, postkolonialen und feministischen Welt inexistent, der Handel mit Menschenfleisch in der Prostitution ein Gesch\u00e4ft wie jedes andere (SRF 29.1.2021). Der Hidschab ist hip (SRF 21.9.2021), Leihmutterschaft ein Geschenk (SRF 2.5.2022), Genitalverst\u00fcmmelung bei Frauen eine \u00abBeschneidung\u00bb (Plan W der SZ vom 4.2.2022) und die Eizellenspende (ein massiver gesundheitlicher Eingriff mit hoher Wahrscheinlichkeit einer daraus folgenden Unfruchtbarkeit) mit der m\u00e4nnlichen Samenspende vergleichbar (SRF 17.3.2022).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die menschliche Erfahrung, so Hannah Arendt, werde in totalit\u00e4ren Sprechakten verneint und vernichtet. Es w\u00fcrden, Arendt im Totalitarismus-Buch weiter, st\u00e4ndig \u00abSiege auf Kosten der Wirklichkeit\u00bb errungen. Wirklichkeiten, die Menschen untereinander besprechen m\u00fcssten, dies aber in totalit\u00e4ren Systemen nicht k\u00f6nnten, da Sprechakte, Ideologien und allumfassende Verhaltensregeln zugunsten der \u00abHarmonie, des Fortschritts, der Volksgemeinschaft etc.\u00bb zentralisiert seien.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"591\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-1024x591.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9505 size-full\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-1024x591.png 1024w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-300x173.png 300w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-768x443.png 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-1536x886.png 1536w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37-500x289.png 500w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Bildschirmfoto-2022-10-11-um-11.37.37.png 1986w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\">Regula St\u00e4mpfli noch vor #IranProtests22 \u00fcber feministische Revolutionen. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Wir reisen ein paar Tausend Kilometer \u00f6stlich nach Afghanistan. 1996 bis 2001 herrschte dort das Emirat der Taliban. Sie setzten die Scharia mit \u00f6ffentlichen Hinrichtungen, Auspeitschungen und Amputationen durch. Zwanzig Jahre sp\u00e4ter sind sie wieder am Ruder. Dank einer ungl\u00fcckseligen Koalition rechter und linker Geostrategen wurde Afghanistan im Sommer 2021 dem v\u00f6lligen Chaos und wiederum den Taliban \u00fcberlassen. Die Folge ist sichtbar: Seitdem sind die B\u00e4rte wieder lang, Musik verboten, Frauenstimmen am Radio verboten, Schauspielerinnen verboten, Frauen insgesamt verboten \u2013 es darf sie nicht mehr sichtbar\u00a0geben.\u00a0 Wie dies geschehen konnte, dar\u00fcber berichtet Natalie Amiri in ihrem Buch \u00abAfghanistan. Unbesiegter Verlierer\u00bb. Ihr Bericht ist ersch\u00fctternd, manifestiert gleichzeitig die unpolitische Haltung vieler Journalisten in Bezug auf Afghanistan. Deshalb bleiben Themen wie Digitalisierung, globale Islamisierung und westliche Mediennarrative unterkomplex im Buch. Zwar versucht Natalie Amiri, das Versagen westlicher Medien zwischen den Zeilen zu formulieren. Doch sie ist selber zu sehr im Kriegs- und Medienmodus, wenn sie Kritik zu formulieren versucht. In Afghanistan \u2013 welcher Hohn und wie bitter \u2013 wurde das Vielfache der Marshallplan-Hilfe f\u00fcr das besiegte Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg verlocht. Die Milliarden landeten in den Taschen korrupter Afghani, Saudi-Araber, Katari, der Eliten in den Emiraten sowie in den B\u00f6rsen der Hamas, teils auch im Iran und \u2013 horribile dictu \u2014 im IS-Staat. <strong>\u00abDie Taliban haben auch den Informationskrieg gewonnen. Als die Taliban das letzte Mal in Afghanistan regierten, gab es noch kein Facebook. Seit 2015 sind die Taliban bei WhatsApp und Telegram. 2017 haben sie angefangen, Propagandavideos nach dem Vorbild der Terrororganisation Islamischer Staat zu ver\u00f6ffentlichen.\u00bb (S.184) Dadurch setzen selbst die Taliban auf westliches Storytelling wie \u00abkulturelle Eigenheit\u00bb, \u00abErfahrung\u00bb, \u00abIdentit\u00e4t\u00bb und bauen auf grassierenden Antisemitismus \u2013 in Solidarit\u00e4t mit den rechtsextremen und linksextremen Szenen Europas und in den USA. \u00abWenn du dich jemals nutzlos f\u00fchlst, dann erinnere dich daran, dass es zwanzig Jahre brauchte, Billionen von Dollars und vier US-Pr\u00e4sidenten, um die Taliban durch die Taliban zu ersetzen.\u00bb Dies ist das bittere Fazit, das Amiri gleich zu Beginn ihres Buches zieht. <\/strong>Deshalb hat die Schweizer Politikerin Marianne Binder eine der kl\u00fcgsten Interpellationen zu Afghanistan in der letzten Sommersession platziert. Sie will n\u00e4mlich vom Bundesrat wissen, was in aller Welt eigentlich mit den Millionen Franken Hilfe passiert ist, die in den letzten zwanzig Jahren nach Afghanistan geflossen sind. Dar\u00fcber hinaus will sie sicherstellen, dass jede zus\u00e4tzliche Hilfe an Afghanistan unter keinen Umst\u00e4nden in die H\u00e4nde der Taliban f\u00e4llt. (16.6.2022 Ratsbetrieb Parlament)\u00a0Literatur:<br>#HannahArendtLectures von Regula St\u00e4mpfli an der HSG\u00a0siehe<br><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.hannaharendt.eu\/\" target=\"_blank\"><strong>www.hannaharendt.eu<\/strong><\/a>Otto-Brenner-Stiftung, Journalismus in sozialen Netzwerken. ARD und ZDF im Bann der Algorithmen? Siehe\u00a0<a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.otto-brenner-stiftung.de\/fileadmin\/user_data\/stiftung\/02_Wissenschaftsportal\/03_Publikationen\/AH110_OERM_Soziale_Netzwerke.pdf\" target=\"_blank\">www.otto-brenner-stiftung.de\/fileadmin\/user_data\/stiftung\/02_Wissenschaftsportal\/03_Publikationen\/AH110_OERM_Soziale_Netzwerke.pdf<\/a>Natalie Amiri: Afghanistan. Unbesiegter Verlierer. Aufbau-Verlag.Artikel online ver\u00f6ffentlicht: 1. September 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Codes, Taliban und Sprechakte: Otto-Brenner-Studie &amp; neues Afghanistan-Buch: Von Regula St\u00e4mpfli &#8211;&nbsp;Diesmal reisen wir in unserer Literaturbesprechung von Deutschland nach Afghanistan und zur\u00fcck mit einem Schlenker in die Schweizer Innenpolitik.&nbsp; Inge Bell, die preisgekr\u00f6nte Journalistin und zweite Vorsitzende von Terre &hellip; <a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=9500\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":9505,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_s2mail":"","footnotes":""},"categories":[7051,6579,5685,8273,8274,7040,8224,5683,5686,5682,7011,1,8275,5684,7369],"tags":[143,8373,8372,8371],"class_list":["post-9500","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-artisapieceofcake","category-diepodcastin","category-ad-personam","category-basler-zeitung","category-blick-am-abend","category-clubhouse","category-codes","category-kolumnen","category-lehre-vortraege","category-literaturblog","category-nebelspalter","category-allgemein","category-nzz","category-politik-philosophie-design-it","category-ta-swiss-future-podcast","tag-afghanistan","tag-literaturbesprechung","tag-natalie-amiri","tag-regula-staempfli-im-ensuite-das-kulturmagazin-literaturblog-magazinbeitrag-afghanistan-neue-studie-otto-brenner-stiftung-september-2022"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9500"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9500\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9507,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9500\/revisions\/9507"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9505"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}