{"id":8611,"date":"2021-06-06T10:40:25","date_gmt":"2021-06-06T08:40:25","guid":{"rendered":"http:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=8611"},"modified":"2021-06-06T10:40:25","modified_gmt":"2021-06-06T08:40:25","slug":"regula-staempfli-aspekte-zu-siegerkunst-siegerjournalismus-siegerfeminismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=8611","title":{"rendered":"Regula St\u00e4mpfli: Aspekte zu Siegerkunst, Siegerjournalismus &#038; Siegerfeminismus"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8619 size-full\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-768x1024.jpg 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-225x300.jpg 225w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/hornschuhe-laStaempfli-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-large-font-size\">Siegerschuhe:Modediktate\/ Repr\u00e4sentation in Journalimus&amp; Feminismus<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Aus der Schuhausstellung des Stadtmuseums M\u00fcnchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wolfgang Ullrichs SIEGERKUNST ist ein vehementes Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Demokratie, f\u00fcr Urteilskraft in der Kunst und f\u00fcr eine neue Art von Kunstkritik. Von der Gegenwartskunst bleibt laut Ullrich letztlich nur noch die Oberfl\u00e4che: Der Kunst-Diskurs besteht lediglich in unaufhaltsam weiter steigernden Geschmacksverletzungen, Skandalen, Inszenierungen, die Regula St\u00e4mpfli \u00e4hnlich als Medientheorie in: \u00abTrumpism. Ein Ph\u00e4nomen ver\u00e4ndert die Welt\u00bb beschrieben hat. <strong>\u00abJe perverser, brutaler, obsz\u00f6ner das Werk ist, desto besser kann sich ein Sammler als souver\u00e4n pr\u00e4sentieren\u00bb, lautet Wolfgang Ullrichs Fazit in seinem 2016 erschienenen Band: \u00abSiegerkunst. Neuer Adel, teure Lust\u00bb. Wolfgang Ullrich definiert die Gegenwartskunst als \u00abKunst von Siegern f\u00fcr Sieger\u00bb, die teuer genug ist, um die soziale Stellung von K\u00fcnstlerIn und K\u00e4uferIn zu repr\u00e4sentieren<\/strong>. Die grosse Kunst der Moderne, die Avantgarde, dieses geniale Projekt von Autonomie und Souver\u00e4nit\u00e4t ist also in der Gegenwartskunst durch Repr\u00e4sentationskunst abgel\u00f6st worden. Deshalb stellt sich Kunst auch nicht mehr in den Dienst von Aufbruch, Avant-Garde oder soziale Zuk\u00fcnfte, sondern verkauft sich bei den M\u00e4chtigen. Kunst profitiert parasit\u00e4r von ihrem ehemals guten Ruf. Doch sie ist in weiten Teilen Imitation einer Avantgarde mit hoch symbolischen Referenzen von Autonomie und Souver\u00e4nit\u00e4t w\u00e4hrend sie IN WIRKLICHKEIT meist feudalen und repr\u00e4sentativen Geldverschwendungsorgien dient. <\/p>\n\n\n\n<p>Womit wir bei den der SIEGERKUNST verwandten anderen Repr\u00e4sentativbereichen angekommen w\u00e4ren: Beim SIEGERFEMINISMUS beispielsweise. Dieser besteht seit einigen Jahren auch mehrheitlich in einer Diskursabstraktion. <strong>Margarete Stokowski<\/strong>, SPIEGEL-Kolumnistin polemisiert mit Verve gegen sogenannte Altfeministinnen; ihr Lieblingsfeind ist ausgerechnet Alice Schwarzer. Der Zweck dieser Art von repr\u00e4sentativen \u00abSiegerfeminismus\u00bb liegt in einer Art Selfietum der Gegenwart, das nicht den Inhalt der Politik, sondern die eigene Person ins Zentrum der Diskurse stellt. <strong>Donald Trump<\/strong> wurde 2016 eben nicht out of the blue gew\u00e4hlt, sondern hat System  &#8211; dies auch weit \u00fcber seine Abwahl hinaus. Will SIEGERKUNST nur repr\u00e4sentieren und sich gut verkaufen, so gilt dies auch f\u00fcr den SIEGERJOURNALISMUS; SIEGERFEMINISMUS und eben auch den SIEGERPOPULISMUS. Was <strong>Regula St\u00e4mpfli<\/strong> mit  TRUMPISM, Ein Ph\u00e4nomen ver\u00e4ndert die Welt beschrieben hat, ist SIEGERPOLITIK, SIEGERKUNST, SIEGERJOURNALISMUS, SIEGERFEMINISMUS in einem. <\/p>\n\n\n\n<p>So ersch\u00fctterte vor Weihnachten 2018, dem Jahr als auch Regula St\u00e4mpflis TRUMPISM erschien, der Fall RELOTIUS die Welt\u00f6ffentlichkeit. Der fr\u00fchere \u00abSpiegel\u00bb-Reporter&nbsp;<strong>Claas Relotius<\/strong>&nbsp;soll seine publizierten Geschichten mit eigenen Fiktionen ausgeschm\u00fcckt haben, viele seiner Stories waren v\u00f6llig frei erfunden. Relotius war der Prototyp des Siegerjournalisten, des Selfie-Medienmanns, der keine Themen recherchiert, sondern sich selber verkauft. <strong>Reportagen<\/strong> aus der Schweiz gaben 2021 Claas Relotius die Plattform, um sich von allen Vorw\u00fcrfen mit dem Verweis auf psychische Krankheit reinzuwaschen. Der Journalist <strong>Krsto Lazarevi\u0107, <\/strong>der f\u00fcr das <strong>Onlinemagazin \u00dcbermedien<\/strong> \u00fcber den <strong>Fall Relotius<\/strong> geschrieben hat, zweifelt an dieser Aussage: \u201eDass er jahrelang so gehandelt hat und gelogen hat \u2013 das hat er nicht nur gemacht, weil er psychische Probleme hat.\u201c Relotius habe als Hochstapler Karriere machen wollen und auf Ruhm und Preise hingearbeitet. Er war, so Regula St\u00e4mpfli als Kommentar hier, eben ein Siegerjournalist, wie er im Buche steht und wie er im Trumpismus-Buch von laStaempfli auch ausf\u00fchrlich analysiert wird. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"817\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-817x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8624\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-817x1024.jpg 817w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-239x300.jpg 239w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-768x963.jpg 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-1226x1536.jpg 1226w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-1634x2048.jpg 1634w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/wonderlandkopie-scaled.jpg 2043w\" sizes=\"auto, (max-width: 817px) 100vw, 817px\" \/><\/a><figcaption>Plakat Wonderland-Ausstellung in der Albertina Modern 2021. Wien. Foto von laStaempfli<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Siegerkunst verbindet sich mit Siegerfeminismus und Siegerjournalismus insofern als in all diesen Berufen, nicht die Expertise, die gesellschaftlichen Themen, die Aufkl\u00e4rung stehen, sondern es lediglich um die Vermarktung der jeweiligen Akteure und Akteurinnen geht. Nichts z\u00e4hlt: Weder das K\u00f6nnen, der Werdegang, die Werte, sondern lediglich das Gesicht, der Habitus und die Klickzahlen. Gelingt dem Erzeuger ein Star-Nimbus, dann l\u00e4uft das Gesch\u00e4ft wie geschmiert. Je brachialer, politisch unkorrekter oder politisch superkorrekt, je skandal\u00f6ser, je aggressiver, je aufregender die Kolumne, die Reportage, das Bild, die Position, der Account ist, umso h\u00f6her die Aufmerksamkeit und die gesellschaftliche Stellung innerhalb dieser diversen Sparten von SIEGERPOS(S)EN. Was der SIEGERKUNST teuer war, war lange im SIEGERJOURNALISMUS viel Geld wert. Mittlerweile auch im SIEGERFEMINISMUS, was besonders verheerend ist, denn da wird mit antifeministischen Positionen Kasse gemacht ausgerechnet bei Jenen, die st\u00e4ndig klamm sind, n\u00e4mlich die Frauen und deren \u00f6konomische Milliardendiskriminierung. SIEGERJOURNALIMSU freut sich ausgerechnet in den ehemals so befruchtenden Linksintellektuellen Milieus einer ungebrochenen Beliebtheit. Jahrzehntelang wurden Herrenkult des Extravaganten, umwerfende Fiktionskraft und Emp\u00f6rungsthemen gepflegt. Unter Frauen gilt es, meist ehrgeizige Jungschreiberinnen zu engagieren, deren Artikel sich in allererster Linie gegen die Feministinnen, die ihnen \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht haben, dass sie schreiben k\u00f6nnen, anzup\u00f6beln. Erinnern Sie sich noch an&nbsp;<strong>Mich\u00e8le Roten<\/strong>? An die \u00abMiss Universum\u00bb, die damalige Starschreiberin f\u00fcr \u00abDas Magazin\u00bb, die Gratisbeilage des \u00abTages-Anzeigers\u00bb? Roten propagierte Prostitution, Exhibitionismus und Selbstentbl\u00f6ssung \u2013 lange vor dem Aufstieg der Selfies in den sozialen Medien. Nach einigen wortgewandten Jahren verschwand sie \u2013 wie viele andere junge Frauen vor ihr und nach ihr \u2013 aus den Medien in die v\u00f6llige Privatheit. <strong>Ronja R\u00f6nne<\/strong>&nbsp;(\u00abWarum mich der Feminismus anekelt\u00bb, in \u00abDie Welt\u00bb&nbsp;vom 8.4.2015) ist ein \u00e4hnliches Beispiel dieser Art von \u00abMedien- &amp; Selfie-Journalismus\u00bb. Doch w\u00e4hrend die Frauen schub- und generationsweise von der Bildfl\u00e4che verschwinden, ist es bei den Jungschreibern m\u00e4nnlichen Geschlechts anders: Sie werden von ihren Kollegen, Vorgesetzten und Geliebten gegen jeden Widerstand gesch\u00fctzt, selbst dann, wenn sie wie Claas Relotius erhebliche kriminelle Energie aufwenden, um ihren Starkult, ihre Fakes und ihre Stories zu verteidigen. Relotius gef\u00e4hrdete nach ersten Verd\u00e4chtigungen die Karriere und das Ansehen seines Kollegen&nbsp;<strong>Juan Moreno<\/strong>, der dem F\u00e4lscher auf die Spur kam, massiv. Es ist nicht auszudenken, wenn ein kleineres Kaliber als Juan Moreno sich mit dem Starredakteur, der von seiner Umgebung schon fast heiliggesprochen wurde, angelegt h\u00e4tte. Oder sogar eine Kollegin? Nicht auszudenken! Wenn Claas Relotius sich nun als psychisch Kranker erfolgreich bei REPORTAGEN verkaufen kann, dann vergessen die Meisten, wie hinterh\u00e4ltig und massiv er gegen seinen Kollegen Juan Moreno vorgegangen ist und wie nahe dieser auf der Kippe stand, ALLES ZU VERLIEREN. Dies nicht, weil ein psychisch kranker Mann sich nicht mehr im Griff hatte, sondern weil ein Karrierist alles dran setzte, sein L\u00fcgenwerk zu verteidigen. <\/p>\n\n\n\n<p>Schon 2018 kategorisierte Regula St\u00e4mpfli Claas Relotius nicht als Einzelfall, sondern als  Spitze eines Medien-Machtsystems. Dies gibt es auch in der Schweiz. Zwar werden die Geschichten nicht grad erfunden oder gef\u00e4lscht, doch sie werden sehr oft so zugespitzt, dass sie der Chefredaktion und dem Zielpublikum gefallen sollen. Gerne werden dabei auch unbescholtene Menschen diffamiert oder in ein falsches Licht gesetzt, so wie dies Relotius mit den Menschen in \u00abFergus Falls\u00bb tat. <strong>Die Verherrlichung von Konventionsbr\u00fcchen bei gleichzeitig gro\u00dfer Erz\u00e4hlkunst kreiert monstr\u00f6sen Kommerzjournalismus, der mit der Wahrheit nicht mehr viel zu tun hat. Die ewig gleichen Experten, die dann diesen postmodernen Schrott auch noch mit Preisen ausstatten, zelebrieren sich selber im SIEGERJOURNALISMUS. Die Recherche, Reportage, das Interview, die Trennung von Information und Kommentar, die ganz saubere und harte journalistische Arbeit werden als klassische Formen durch Sensationalismus verdr\u00e4ngt.<\/strong> Die Bildmedien, die auch den Printjournalismus pr\u00e4gen, verherrlichen die Authentizit\u00e4t des \u00abMaterials\u00bb oder des \u00abHerstellers\u00bb zus\u00e4tzlich. Daraus entsteht keine Information und schon gar keine demokratische Willens- und Meinungsbildung. Es r\u00e4cht sich, dass die Journalisten jahrzehntelang diesen Starkult gepflegt haben. Ein Machomythos, der weltweit viele Totengr\u00e4ber der Demokratie gro\u00df macht und sie in den entsprechenden Positionen sitzen l\u00e4sst. Der SIEGERFEMINISMUS ist dem Siegerjournalismus eng verwandt: Auch hier entscheidet nicht die Information, sondern die Authentizit\u00e4t und die Herstellerin der jeweiligen SIEGERFEMINISMUS-PRODUKTE. Claas Relotius ist ebenso  Archetyp eines  SIEGERJOURNALISMUS wie die hochgelobten Jungjournalistinnen f\u00fcr den SIEGERFEMINISMUS stehen. Der Zweck des SIEGERFEMINISMUS der Gegenwart liegt in der reinen Repr\u00e4sentation. Seit \u00abSex\u00bb der S\u00e4ngerin Madonna im Jahre 1992 zum Event, Happening, repr\u00e4sentativen Klamauk, zum allen Ernst imitierenden Universit\u00e4tsdiskurs mutierte; seit SEX AND THE CITY als fucking consumerism jede Chancengleichheit auf ein Paar Jimmy Choo-Sch\u00fchchen reduzierte, geht es nicht mehr um soziale, kulturelle, \u00f6konomische und politische Chancengleichheit, sondern nur noch um Repr\u00e4sentation. Mit dem Etikett \u00abFrau\u00bb wird der <strong>Gestus des Opfers <\/strong>bei gleichzeitiger <strong>Shopping-Anpassungsfreiheitsideologie<\/strong> so \u00fcberh\u00f6ht, dass soziale Anerkennung, Kritik und Fortschritt unm\u00f6glich gemacht werden. Feminismus wird durch Pornographie des Elends, Sexarbeit, Diverse Shitst\u00fcrme, Glamour und Bullshit regelrecht erstickt. Gleichzeitig funktionieren digitale Mehrheitsmechanismen so, das die Emp\u00f6rungsspiralen ins Absurde getrieben werden. Avantgardistische Konzepte finden sich diskursiv und digital in den unz\u00e4hligen Hyperlinks, deren Funktionen auf algorithmischen Mehrheitsgeschmack programmiert sind. <strong>Judith Butlers<\/strong> Hegemonie des abstrakten expressionistischen \u00abUnbehagens der Geschlechter\u00bb entspricht eins zu eins der Aufl\u00f6sung der emanzipatorischen Moderne und <strong>formuliert bis heute das Programm des 21. Jahrhunderts: ein digital vorangetriebener Revanchismus an der gesamten Moderne<\/strong>, der uns im Westen <strong>Trumpismus inklusive Plattformkapitalismus<\/strong> und im Osten <strong>die \u00dcberwachungsdiktaturen <\/strong>gebracht hat. <strong>Die Aufl\u00f6sung der Geschlechter nach Judith Butler verfolgt den Zweck, nicht mehr zwischen Wirklichkeit und repr\u00e4sentativer Funktion der Menschen zu unterscheiden, sondern mittels Diskurse die Welt neu zu besetzen<\/strong>. Damit verkennt sie, dass jede totalit\u00e4re Herrschaft IMMER die Deutungshoheit reklamiert &#8211; v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von der Wirklichkeit. Deshalb findet der Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung nicht in der Wirklichkeit, sondern nur noch in Diskursen, auf Twitter, in Foren, an den Universit\u00e4ten statt und verkehrt durch die dadurch aufgewiegelte \u00d6ffentlichkeit, Feminismus in sein Gegenteil, n\u00e4mlich in Frauenhass. Siegerfeminismus macht die Fortschritte von moderner Kunst und Frauenbewegung <strong>r\u00fcckg\u00e4ngig mittels Radikalisierung repr\u00e4sentativer Zust\u00e4nde, den \u00abOrten des Sprechens\u00bb<\/strong>. Waren moderne Kunst und Frauenbewegung bis zum \u00abGender Trouble\u00bb Befreiungsbewegungen, entkernen Siegerkunst und Siegerfeminismus Kunst und Gleichstellung von ihrer Befreiungskomponente. Deshalb mutiert im Siegerfeminismus bspw. Prostitution zur \u00abSexarbeit\u00bb, deshalb wird der Hijab von SiegerfeministInnen als \u00abselbst gew\u00e4hlte Mode\u00bb zelebriert. <\/p>\n\n\n\n<p>SIEGERFEMINISMUS verfolgt den klassisch kapitalistischen Weg der Sieger: Wird Glamour mit Progression, mit Kritik, mit Fortschritt gleichgesetzt, k\u00f6nnen sich Siegerfeminist*innen parasit\u00e4r von modernen Frauenbewegungen durch die Imitation des Kampfes gegen Ungerechtigkeit etablieren und so richtig massiv Kasse machen. Je st\u00e4rker Genderdiskurs und Genderpolitik eine Zumutung darstellen, umso besser eignet sich der SIEGERFEMINISMUS als Statussymbol, das exklusiv wirkt und sich gegen alle normalen, frauenpolitisch wichtigen Forderungen abgrenzt. Es geht um Repr\u00e4sentation der Sieger*innen auf Kosten der Wirklichkeit. Es sind diese spektakul\u00e4ren Wirkungen, die  damit zweihundert Jahre Emanzipationsgeschichte regelrecht auszul\u00f6schen versuchen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verherrlichung von klassischen Gleichstellungs- und Konventionsbr\u00fcchen werden wie beim \u00abSiegerfeminismus\u00bb als \u00abReinigung und Revolution\u00bb interpretiert; die Beschimpfung von \u00abalten Feministinnen\u00bb, die sich in ihrer Misogynie in nichts von klassischem Frauenhass unterscheidet, als Fortschritt interpretiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8625\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-300x200.jpg 300w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-768x512.jpg 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie-450x300.jpg 450w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/ruine-kopie.jpg 1986w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption>Ausschnitt aus Giovanni Paolo, Ruinenbilder im 18. Jahrhundert. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>SIEGERFEMINISMUS. Akte des Shoppings postmoderner Beliebigkeiten und umh\u00fcllt diese mit dem Gestus der \u00abEmanzipation\u00bb. Es werden ganze Enzyklop\u00e4dien neuer Begriffe, Attribute, Images geschaffen, um \u00abSiegerkunst\u00bb und \u00abSiegerfeminismus\u00bb mit R\u00e4tselhaftigkeit, mit der Autorit\u00e4t als Herrscherin \u00fcber Bedeutungen zu f\u00fcllen. \u00abSiegerkunst\u00bb und \u00abSiegerfeminismus\u00bb m\u00fcssen sich ruppig geben (siehe bspw. die Attacken auf die sehr ungl\u00fccklich agierende J.K. Rowling), d\u00fcrfen keinen Trost oder Ablenkung versprechen oder gar die Verbesserung der Lebenssituation darstellen, bewahre, nein: \u00abSiegerkunst\u00bb und \u00abSiegerfeminismus\u00bb m\u00fcssen Chaos, Unsinn, Beliebigkeit, Manierismen als \u00abguten Geschmack\u00bb innerhalb des \u00abschlechten Geschmacks\u00bb inszenieren, um mit Susan Sontag zu sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wege zur Aufkl\u00e4rung: Scheinwahrheiten von Wahrheiten zu trennen, ist manchmal kompliziert. Nicht kompliziert ist indessen hier laStaempflis Ansatz zu einer neuen Form der Feminismus -Kritik und Feminismus-Theorie, zu der ich durch Wolfgang Ullrichs \u00abSiegerkunst\u00bb inspiriert wurde: \u00ab<strong>Siegerfeminismus\u00bb als neue kritische Theorie, die dem Anliegen der Aufkl\u00e4rung in ihrer dialektischen Wirkung wie auch in ihrer wirklichkeits- und machtpolitischen Realit\u00e4t gerecht werden kann. Erste Ans\u00e4tze waren schon in meinem Buch \u00abTrumpism. Ein Ph\u00e4nomen ver\u00e4ndert die Welt\u00bb angedacht. In den n\u00e4chsten Monaten wird nicht nur die \u00abTheorie des Siegerfeminismus\u00bb publiziert werden, sondern auch die neue Medientheorie zum \u00abSiegerjournalismus\u00bb, womit ich hiermit das Copyright zu den beiden Begriffen zwecks Publikationen an meine Person gekn\u00fcpft habe<\/strong>. Dies muss an dieser Stelle betont werden, da sich in der Vergangenheit einige M\u00e4nner mit dem Diebstahl meines geistigen Eigentums unerh\u00f6rterweise bereichert haben. Sie werden es wohl wieder und wieder versuchen: Dies steht in der Tradition eines \u00abSiegerjournalismus\u00bb und \u00abSiegerfeminismus\u00bb. <\/p>\n\n\n\n<p>Links: http:\/\/www.kleinreport.ch\/news\/relotius-als-selfie-und-mediensystem-91423\/ und https:\/\/www.ensuite.ch\/von-der-siegerkunst-zum-siegerfeminismus\/<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wolfgang Ullrichs SIEGERKUNST ist ein vehementes Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Demokratie, f\u00fcr Urteilskraft in der Kunst und f\u00fcr eine neue Art von Kunstkritik. Von der Gegenwartskunst bleibt laut Ullrich letztlich nur noch die Oberfl\u00e4che: Der Kunst-Diskurs besteht lediglich in unaufhaltsam weiter steigernden Geschmacksverletzungen, Skandalen, Inszenierungen, die Regula St\u00e4mpfli \u00e4hnlich als Medientheorie in: \u00abTrumpism. Ein Ph\u00e4nomen ver\u00e4ndert die Welt\u00bb beschrieben hat. \u00abJe perverser, brutaler, obsz\u00f6ner das Werk ist, desto besser kann sich ein Sammler als souver\u00e4n pr\u00e4sentieren\u00bb, lautet Wolfgang Ullrichs Fazit in seinem 2016 erschienenen Band: \u00abSiegerkunst. Neuer Adel, teure Lust\u00bb. Wolfgang Ullrich definiert die Gegenwartskunst als \u00abKunst von Siegern f\u00fcr Sieger\u00bb, die teuer genug ist, um die soziale Stellung von K\u00fcnstlerIn und K\u00e4uferIn zu repr\u00e4sentieren. Die grosse Kunst der Moderne, die Avantgarde, dieses geniale Projekt von Autonomie und Souver\u00e4nit\u00e4t ist also in der Gegenwartskunst durch Repr\u00e4sentationskunst abgel\u00f6st worden. Deshalb stellt sich Kunst auch nicht mehr in den Dienst von Aufbruch, Avant-Garde oder soziale Zuk\u00fcnfte, sondern verkauft sich bei den M\u00e4chtigen. Kunst profitiert parasit\u00e4r von ihrem ehemals guten Ruf. 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