{"id":8263,"date":"2021-01-07T19:34:23","date_gmt":"2021-01-07T17:34:23","guid":{"rendered":"http:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=8263"},"modified":"2021-01-07T19:34:29","modified_gmt":"2021-01-07T17:34:29","slug":"regula-staempfli-ueber-wolfram-eilenbergers-feuer-der-freiheit-rezension-jaenner-2021im-ensuite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=8263","title":{"rendered":"Regula St\u00e4mpfli \u00fcber Wolfram Eilenbergers &#8220;Feuer der Freiheit&#8221;, Rezension J\u00e4nner 2021im &#8220;ensuite&#8221;."},"content":{"rendered":"<h2 class=\"entry-title\">Feuer der Diskriminierung: Regula St\u00e4mpfli \u00fcber Wolfram Eilenbergers &#8220;Feuer der Freiheit&#8221;, Rezension J\u00e4nner 2021im &#8220;ensuite&#8221;.&nbsp;<\/h2>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong><em>Von Dr. Regula St\u00e4mpfli<\/em>&nbsp;&#8211;<\/strong><em>&nbsp;Die Reduktion von Menschen auf \u00f6konomische Konzepte oder ihr Geschlecht f\u00fchrt in keinerlei Disziplin weiter. Als Kategorie der Diskriminierung funktioniert das Geschlecht aber hervorragend. laStaempfli fauchend in den Fusstapfen von Hannah Arendt&#8230;.&nbsp;<\/em><\/p>\n<p><strong>Wolfram Eilenberger hat ein unm\u00f6gliches Buch zu vier Philosophinnen geschrieben: Es ist abseitig, verkehrt, anst\u00f6ssig, unangenehm. Und zwar auf vielen Ebenen.<\/strong> Erstens vergleicht er vier Philosophinnen miteinander, die nichts, ausser einem \u00e4hnlichen Geburtsdatum, gemeinsam haben. Zweitens sind die vier \u00abPhilosophinnen\u00bb gar keine. Hannah Arendt wies den Begriff f\u00fcr sich explizit zur\u00fcck, Ayn Rand war im besten Fall eine mittelm\u00e4ssige, ultrakapitalistische, geldversessene Sado-Maso-Literatin, Simone de Beauvoir die gr\u00f6sste Gesellschaftstheoretikerin des 20. Jahrhunderts und Simone Weil eine Sozialrevolution\u00e4rin mit Hang zur christlichen Mystik und buddhistischen Einsichten. <strong>Die vier Frauen in ein Buch zu packen, drittens, entspricht dem Versuch, ein Band zum Thema \u00abFreie Rede\u00bb mit Joseph Goebbels, Niklas Luhmann, Isaiah Berlin und Dalai-Lama zu ver\u00f6ffentlichen. Goebbels nimmt in diesem Vergleich die Rolle von Ayn Rand ein, Simone de Beauvoir die von Niklas Luhmann, Hannah Arendt Isaiah Berlin und Simone Weil die von Dalai-Lama. W\u00fcrden die erw\u00e4hnten Herren von einem Philosophen in einem einzigen Werk gemeinsam, vor allem mittels Liebes- und Freundesbriefe, als Philosophen der freien Rede, Kommunikation und Demokratie besprochen werden? Niemals.<\/strong> Aber offensichtlich ist die Verachtung und Benachteiligung von denkenden Menschen aufgrund ihres Frauseins philosophisch so akzeptabel, dass der deutsche Feuilleton Eilenbergers Werk in h\u00f6chsten T\u00f6nen r\u00fchmt.<a href=\"https:\/\/www.ensuite.ch\/feuer-der-diskriminierung\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8264\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension-.png\" alt=\"eilenberger laStaempfli rezension\" width=\"1651\" height=\"700\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension-.png 1651w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension--300x127.png 300w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension--768x326.png 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension--1024x434.png 1024w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/eilenberger-laStaempfli-rezension--500x212.png 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1651px) 100vw, 1651px\" \/><\/a><\/p>\n<p>In meiner, in der Dezemberausgabe 2020 von ensuite leider ver\u00f6ffentlichten und unredigierten Rohversion zu Eilenbergers \u00abFreiheit\u00bb, gehen vor lauter Wut \u00fcber die offensichtliche Geringsch\u00e4tzigkeit, Herabsetzung, ja Hohn gegen\u00fcber den vier Frauen, die wichtigsten Argumente in falscher Syntax, Grammatik wie Wortwahl unter. Ich bin immer noch w\u00fctend, entsetzt, regelrecht von Furien besessen: H\u00e4tte ich Zeit und Geld w\u00fcrde ich Eilenbergers Machwerk Satz f\u00fcr Satz als falsch gesetzt, verquer gedacht, unm\u00f6glich formuliert und abartig kontextualisiert, auseinandernehmen. Warum in aller Welt bin ich die Einzige, die mit Hannah Arendt den philosophischen Skandal, den Eilenberger hier in allem Sexismus produziert, entlarvt? Doch Eilenbergers Buch eignet sich nicht einmal f\u00fcr ein Debattenfeuer: <strong>Es ist dermassen kreuzfalsch, dass mein Gehirn schmerzt beim Lesen.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/diepodcastin.de\/2020\/08\/02\/arendtanstalt\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8265\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/regula-sta\u0308mpfli-hannah-arendt-nacht-der-philosophinnen.jpg\" alt=\"regula sta\u0308mpfli hannah arendt nacht der philosophinnen\" width=\"259\" height=\"194\"><\/a><\/p>\n<p>Stichwortartig meine wichtigsten Punkte:- Vier v\u00f6llig unterschiedliche, diametral andersdenkende, handelnde und publizierende Frauen aufgrund ihrer Generation in ein Buch zu packen, ist nach Arendt \u00abklassischer Sophismus\u00bb, der darin besteht, \u00abden Verstand mit Argumenten zu bezaubern\u00bb und damit \u00abeinen Sieg der Argumente auf Kosten der Wahrheit\u00bb erzielen zu wollen. (Totalitarismus, S.34) &#8211; Eilenberger sagt nichts zu Arendt, Beauvoir, Weil und Ayn Rand, sondern zu Eilenbergers Variante von \u00abPhilosophinnen\u00bb.- Eilenberger benutzt diskriminierende Bilder, die den Eindruck vermitteln, die Wirklichkeit abzubilden, wenn sie in Bezug auf die Denkerinnen das Gegenteil tun.- Eilenberger interessieren die M\u00e4nner der vier Frauen viel mehr als die Schriften von Rand, Beauvoir, Arendt und Weil.- Eilenberger pr\u00e4sentiert einen standardisierten m\u00e4nnlichen Blick auf sogenannte Philosophinnen: das Buch strotzt nur so von traditionell geschlechterzugeordneten Settings.- Eilenbergers M\u00e4nner denken, Eilenbergers Frauen lieben.-Eilenbergers Buch wird sofort entlarvt, wenn Frau die Umkehr-Probe anwendet.- Eilenberger stellt M\u00e4nner positiv klischiert dar, die Frauen stereotyp negativ: Sie sind st\u00e4ndig im Defizitmodus.- Eilenberger gibt vor, \u00fcber vier Frauen zu schreiben, aber er schreibt nur \u00fcber Eilenbergers Variation von selbstimaginierten Figuren, denen er die Namen Beauvoir, Weil, Rand und Arendt gibt. Er zitiert nur Quellen, die diesen von ihm imaginierten Figuren entsprechen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=I1HkQ1h2bKo\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8266\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/buchcover-hannah-arendt.jpg\" alt=\"buchcover hannah arendt\" width=\"208\" height=\"243\"><\/a><\/p>\n<p>Dass der bisherige Feuilleton dies nicht entdeckt hat, sondern den Fantasmen Eilenbergers folgt, ist ein Skandal. Denn es dr\u00e4ngt sich ein vernichtender Verdacht zur Motivation von Eilenberger auf: Offensichtlich ging es in diesem Werk zu den v\u00f6llig verzerrten und selbstimaginierten Frauenfiguren nicht um Rand, Beauvoir, Arendt oder Weil, sondern in erster Linie darum, diese Frauen so ins Bild zu setzen, dass von ihren Werken nichts mehr \u00fcbrigbleibt. Rand mit Beauvoir, Arendt und Weil gleichzusetzen ist mephistophelisch \u00fcbel. Beauvoir, Arendt und Weil dar\u00fcber hinaus \u00fcber deren M\u00e4nner, im Fall von Weil, \u00fcber Gott, zu definieren, entspricht den klassischen Unsichtbarmachungs-Strategien patriarchaler Wissenschaftler des 19.\/20. und nun auch 21. Jahrhunderts.<em>Wolfram Eilenberger, Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933\u20131943, Klett-Cotta, Stuttgart 2020, 396 Seiten.<\/em><\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Feuer der Diskriminierung: Regula St\u00e4mpfli \u00fcber Wolfram Eilenbergers &#8220;Feuer der Freiheit&#8221;, Rezension J\u00e4nner 2021im &#8220;ensuite&#8221;.&nbsp; Von Dr. Regula St\u00e4mpfli&nbsp;&#8211;&nbsp;Die Reduktion von Menschen auf \u00f6konomische Konzepte oder ihr Geschlecht f\u00fchrt in keinerlei Disziplin weiter. 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