{"id":12051,"date":"2026-10-24T12:17:03","date_gmt":"2026-10-24T10:17:03","guid":{"rendered":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=12051"},"modified":"2026-10-24T12:17:03","modified_gmt":"2026-10-24T10:17:03","slug":"bilder-die-bewegen-zu-den-neuen-werken-von-ilana-lewitan-ein-kunstgespraech-anlaesslich-der-ausstellung-in-wien-untere-weissgerberstrasse-17-1030-wien-bout-moderation-regula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=12051","title":{"rendered":"Bilder, die bewegen: Zu den neuen Werken von Ilana Lewitan. Ein Kunstgespr\u00e4ch anl\u00e4sslich der Ausstellung in Wien, Untere Weissgerberstrasse 17, 1030 Wien, \u201ebout\u201c. Moderation: Regula Staempfli."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"659\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04-659x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-12052\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04-659x1024.jpg 659w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04-193x300-1.jpg 193w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04-767x1192.jpg 767w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04-989x1536.jpg 989w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/819555fb-b93d-46fa-85d5-b113b033de04.jpg 1115w\" sizes=\"auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ilana Lewitan vor ihrem Werk &#8220;fotografiert von Nuriel Molcho.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Regula St\u00e4mpfli traf die grosse zeitgen\u00f6ssische, internationale K\u00fcnstlerin Ilana Lewitan zum zweiten Mal zu einem ausf\u00fchrlichen Werkgespr\u00e4ch. Anlass sind die neuen Werke der j\u00fcdischen K\u00fcnstlerin, die vom 10.-31.10.2026 in Wien ausgestellt werden. <a href=\"https:\/\/artisapieceofcake.art\/2026\/10\/10\/bilder-die-bewegen-zu-den-neuen-werken-von-ilana-levitan-ein-kunstgespraech-anlaesslich-der-ausstellung-in-wien-untere-weissgerberstrasse-17-1030-wien-bout-moderation-regula-staempfli\/\">https:\/\/artisapieceofcake.art\/2026\/10\/10\/bilder-die-bewegen-zu-den-neuen-werken-von-ilana-levitan-ein-kunstgespraech-anlaesslich-der-ausstellung-in-wien-untere-weissgerberstrasse-17-1030-wien-bout-moderation-regula-staempfli\/<\/a>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Ausstellung hat Dr. Regula St\u00e4mpfli Politphilosophin, Podcaster von artisapieceofcake.art sowie selber Kunstsammlerin, einen eigenen Werktext f\u00fcr Ilana Lewitans neue Arbeiten verfasst. Copyright Regula Staempfli, Munich 2026.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eErinnerung ist bei der international bekannten M\u00fcnchner K\u00fcstlerin Ilana Lewitan kein Archiv, in dem die Vergangenheit ordentlich beschriftet und sicher verwahrt liegt. Lewitans k\u00fcnstlerisches Werk und Erinnerung sind in Bewegung. Vergangenheit taucht auf, die Gegenwart entzieht sich, beides setzt Bilder frei und verwischt im selben Moment eindimensionale Spuren. Lewitans Werk folgt keiner Chronologie, es ist kein Erz\u00e4hlen, sondern die Kunst der Kunst, wo das Werk aus sich, durch die K\u00fcnstlerin und mit dem Publikum noch kreativer wird. Was wir zu wissen glauben, stimmt selten vollst\u00e4ndig mit dem \u00fcberein, woran wir uns erinnern und was dies f\u00fcr die Gegenwart bedeutet. Bei Lewitans Werk wirkt Manches fort, das wir erst jetzt wahrnehmen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Genau in diesem Zwischenraum entstehen die Arbeiten von Ilana Lewitan: zwischen Wissen und Erinnerung, zwischen dem Gesagten und dem Verschwiegenen, zwischen einer historisch beglaubigten Vergangenheit und ihrer kaum greifbaren Gegenwart im eigenen Leben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuen kleinformatigen Bilder wirken wie innere Landkarten. W\u00e4lder, leere St\u00fchle, isolierte H\u00e4nde, menschliche K\u00f6rperfragmente, Tiere, Kreise, Augen und r\u00e4tselhafte Apparaturen begegnen einander in offenen Bildr\u00e4umen. Nichts ist hier vollst\u00e4ndig ausformuliert. Gemaltes, Gezeichnetes und fotografisch Wirkendes \u00fcberlagern sich, ohne sich zu einer geschlossenen Erz\u00e4hlung zu f\u00fcgen. Die einzelnen Elemente scheinen Verbindungen anzubieten, widersetzen sich aber einer endg\u00fcltigen Deutung. Sie verhalten sich darin wie Erinnerungen und Gegenwart: Ein Gegenstand ist pl\u00f6tzlich ganz deutlich, w\u00e4hrend der Zusammenhang, in dem er einst stand, verloren gegangen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte diese Arbeiten auch als Topografien des inneren Lebens deuten. Da gibt es Wege, die nirgendwohin f\u00fchren, Waldst\u00fccke ohne erkennbaren Horizont, R\u00e4ume ohne sichere Begrenzung und Figuren, von denen nur einzelne K\u00f6rperteile sichtbar bleiben. Der Mensch ist anwesend, aber selten vollst\u00e4ndig. Eine Hand hebt sich, zeigt, h\u00e4lt oder warnt. Ein Fuss ber\u00fchrt den Boden. Ein Gesicht erscheint in einem umschlossenen Bildraum. Eine Gestalt steht am Rand, als geh\u00f6re sie bereits einer anderen Zeit an. Immer wieder stellt sich die Frage: Wer betrachtet hier wen? Sehen wir ein Bild an \u2013 oder werden wir aus dem Bild heraus beobachtet?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zahlreichen kreisf\u00f6rmigen Zeichen verst\u00e4rken diese Ungewissheit. Sie k\u00f6nnen Augen sein, Lupen oder Erinnerungslinsen, durch die Einzelheiten vergr\u00f6ssert werden. Sie erinnern an Markierungen auf alten Fotografien, an Zielscheiben oder an L\u00f6cher in einer Oberfl\u00e4che. Manchmal scheinen sie etwas festhalten zu wollen, manchmal bezeichnen sie gerade das Fehlende. Sie strukturieren den Blick und f\u00fchren ihn zugleich in die Irre. Denn Erinnerung zeigt uns niemals das Ganze. Sie richtet unsere Aufmerksamkeit auf einzelne, oft nebens\u00e4chlich wirkende Details \u2013 und erkl\u00e4rt gerade diese zu Tr\u00e4gern einer ganzen Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die weissen Fl\u00e4chen sind nicht einfach Hintergrund. Sie sind ein wesentlicher Teil der Komposition. Das Weiss trennt, sch\u00fctzt und isoliert. Es gibt den Bildern Luft, aber es verweist auch auf Auslassung. Hier fehlt etwas. Hier wurde etwas nicht gemalt, nicht ausgesprochen oder noch nicht erinnert. In diesen offenen Fl\u00e4chen bekommt die Stille eine sichtbare Form. Sie ist weder leer noch friedlich. Sie bewahrt, was nicht ohne Weiteres zur Sprache kommen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lewitans Kunst ist biografisch grundiert, ohne sich in Biografie zu ersch\u00f6pfen. Als Tochter polnischer \u00dcberlebender der Shoah wuchs sie mit einer Vergangenheit auf, die zugleich allgegenw\u00e4rtig und verschwiegen war. Erst mit fast sechzig Jahren erfuhr sie, was ihr Vater lange verborgen hatte. Ein solches Wissen f\u00fcgt der eigenen Lebensgeschichte nicht einfach ein neues Kapitel hinzu. Es ver\u00e4ndert r\u00fcckwirkend die vorhergehenden Kapitel. Fr\u00fchere Gesten, \u00c4ngste, S\u00e4tze und Formen erhalten pl\u00f6tzlich eine andere Bedeutung. Auch das Schweigen selbst wird lesbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Schl\u00fcssel zu Lewitans Werk liegt in den Titeln.&nbsp;<em>Was uns im Innersten ber\u00fchrt. Wo die Stille wohnt. Zwischen Wissen und Erinnerung. Ein Ort zum Verweilen. Wohin die Gedanken auch immer hinf\u00fchren. Was die Stille bewahrt. Zwischen N\u00e4he und Ferne. Schreibe mir einen Liebesbrief. Dort, wo die Erinnerung beginnt. Am Rande der Erinnerung. Auf der Durchreise. Wo Traum und Liebe sich begegnen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Titel sind keine Bildbeschreibungen. Sie schreiben nicht vor, was wir sehen sollen. Vielmehr \u00f6ffnen sie einen zweiten Bildraum: einen literarischen, poetischen Raum neben der Malerei. Sie klingen wie S\u00e4tze aus einem Gespr\u00e4ch, das unterbrochen wurde, wie Botschaften an einen abwesenden Menschen oder wie Zeilen aus Briefen, deren Empf\u00e4nger vielleicht nicht mehr erreichbar sind. Manche Titel stellen einen Ort in Aussicht, ohne ihn geografisch festzulegen. Wo wohnt die Stille? Wo beginnt Erinnerung? Wo liegt der Rand dessen, was erinnert werden kann?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht \u00fcbersehen werden darf wie sinnlich Lewitans Werk ist. Lewitans Farben besitzen eine eigenst\u00e4ndige Kraft. T\u00fcrkis, Blau, Rosa, Rot, Gr\u00fcn und Schwarz stehen nicht bloss im Dienst eines biografischen oder historischen Inhalts. Sie erzeugen Reibung, Temperatur und Rhythmus. Das leuchtende T\u00fcrkis kann eine Landschaft \u00f6ffnen und sie im n\u00e4chsten Moment unwirklich erscheinen lassen. Rosa tr\u00e4gt Z\u00e4rtlichkeit und K\u00fcnstlichkeit zugleich. Rot ist Lebensfarbe, Warnsignal und Wunde. Schwarz begrenzt, verschattet und h\u00e4lt die \u00fcbrigen Farben zusammen. Farbe, Titel, Werk f\u00fchren uns zur Kunst, dort, wo Wissen seine Sicherheit verliert, Erinnerung zu sprechen beginnt und die Gegenwart immer wieder neu gesehen, gedacht und gemalt werden kann.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/artisapieceofcake.art\/2026\/10\/10\/bilder-die-bewegen-zu-den-neuen-werken-von-ilana-levitan-ein-kunstgespraech-anlaesslich-der-ausstellung-in-wien-untere-weissgerberstrasse-17-1030-wien-bout-moderation-regula-staempfli\">https:\/\/artisapieceofcake.art\/2026\/10\/10\/bilder-die-bewegen-zu-den-neuen-werken-von-ilana-levitan-ein-kunstgespraech-anlaesslich-der-ausstellung-in-wien-untere-weissgerberstrasse-17-1030-wien-bout-moderation-regula-staempfli<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ilana Lewitan vor ihrem Werk &#8220;fotografiert von Nuriel Molcho. 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