{"id":11902,"date":"2026-08-05T12:32:27","date_gmt":"2026-08-05T10:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=11902"},"modified":"2026-08-05T12:32:27","modified_gmt":"2026-08-05T10:32:27","slug":"die-historikerin-und-politphilosophin-bestseller-trumpism-the-algorithmic-age-und-mit-der-schuerze-in-die-landesverteidigung-frauen-krieg-und-staat-1914-45-mit-einer-medienkritik-zur-gege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=11902","title":{"rendered":"Die Historikerin und Politphilosophin (Bestseller &#8220;Trumpism. The Algorithmic Age&#8221; und &#8220;Mit der Sch\u00fcrze in die Landesverteidigung. Frauen, Krieg und Staat 1914-45&#8221;) mit einer Medienkritik zur gegenw\u00e4rtigen NS-Geschichtsverf\u00e4lschung: &#8220;War Oma auch eine Nazi?&#8221; Und was dies alles mit der sog. Leihmutterschaft der Gegenwart zu tun haben k\u00f6nnte."},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-12.18.37.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"946\" height=\"970\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-12.18.37.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11903\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-12.18.37.png 946w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-12.18.37-293x300.png 293w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bildschirmfoto-2026-08-05-um-12.18.37-768x787.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 946px) 100vw, 946px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong><em>Medienkritik SZ\/BAZ: &#8220;War OMA Nazi?&#8221; \u00dcBER GESCHICHTSVERF\u00c4LSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenw\u00e4rtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders f\u00fcr Frauengeschichte.<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schweizer Medien erhalten aus Deutschland seit Jahren nicht nur Nachrichten, sondern auch erstaunlich viel publizistisches Abfallobst. So titelte die S\u00fcddeutsche Zeitung am 14. Juli 2026: \u00abWar auch Oma ein Nazi?\u00bb Wenige Tage sp\u00e4ter erschien dieselbe Denkfigur in der Schweiz: \u00abWar auch Grossmutter ein Nazi? <strong>Die Rolle der Frauen in der NS-Zeit.\u00bb Schon der Titel verr\u00e4t das Problem. Er \u00fcbernimmt unkritisch eine Kategorie, die es im Nationalsozialismus nur als Rassen- und nicht als Geschlechterpolitik gab<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gab im Nationalsozialismus n\u00e4mlich keine Frauen als historische oder politische Kategorie. <strong>Es gab ausschliesslich rassifizierte Frauen. <\/strong>Der Nationalsozialismus unterschied nicht zwischen M\u00e4nnern und Frauen, <strong>sondern zwischen \u00aberbgesund\u00bb und \u00aberbkrank\u00bb, zwischen \u00abarisch\u00bb und \u00abnicht arisch\u00bb, zwischen reproduktionsw\u00fcrdig und vernichtungsw\u00fcrdig<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer deshalb 2026 \u00fcber \u00abFrauen im Nationalsozialismus\u00bb schreibt, ohne diese grundlegende Differenz bereits im Titel sichtbar zu machen, beschreibt nicht die historische Wirklichkeit, <strong>sondern reproduziert ungewollt die Sprache der T\u00e4ter.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Artikel reiht alles auf, was seit Jahrzehnten zum Standardwissen geh\u00f6rt: Mutterkreuz, NS-Frauenschaft, Gertrud Scholtz-Klink, Winifred Wagner, Helene Bechstein, zw\u00f6lf Millionen Frauen in NS-Verb\u00e4nden. Alles richtig. Alles bekannt. Alles unerquicklich oberfl\u00e4chlich. Das Entscheidende fehlt. <strong>Denn w\u00e4hrend sogenannte arische Frauen als Geb\u00e4rerinnen der \u00abVolksgemeinschaft\u00bb ausgezeichnet wurden, wurden j\u00fcdische Frauen, Sinti- und Roma-Frauen, Frauen mit Behinderungen, politische Gegnerinnen, Lesben und und und, entrechtet, zwangssterilisiert, in Konzentrationslager verschleppt, medizinischen Experimenten unterzogen und millionenfach ermordet. <\/strong>Wer diesen Gegensatz unter der Kategorie \u201eFrauen\u201c ausblendet, schreibt nicht \u00fcber \u201eFrauen im Nationalsozialismus.\u201c Er\/Sie schreibt \u00fcber die Privilegierung einer rassisch definierten Minderheit und erkl\u00e4rt sie anschliessend zur allgemeinen Frauengeschichte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ebenso unerquicklich ist die Behauptung, die Nationalsozialisten h\u00e4tten ein \u00abtraditionelles Frauenbild\u00bb vertreten. Nein. Genau das ist historisch falsch. Die Nationalsozialisten waren in ihrer Frauenpolitik keineswegs restaurativ. Sie waren revolution\u00e4r. Sie machten den weiblichen K\u00f6rper zum Gegenstand einer bis dahin ungekannten staatlichen Biopolitik.<\/strong> Nicht die Frau interessierte sie, sondern ihre reproduktive Funktion. Nicht Mutterschaft, sondern Bev\u00f6lkerungspolitik. Nicht Familie, sondern Eugenik. Das sogenannte Mutterkreuz war deshalb keine Ehrung der Mutterschaft, sondern eine staatliche Auszeichnung f\u00fcr die Produktion rassisch erw\u00fcnschter Kinder. Ideologie entschied dar\u00fcber, welche Schwangerschaft gefeiert und welche vernichtet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade deshalb wirkt es befremdlich, wenn ausgerechnet Hans-Ulrich Wehlers Formulierung einer \u00abindirekten Emanzipationsf\u00f6rderung\u00bb unkritisch wiederholt wird. Frauen arbeiteten im Krieg nicht deshalb ausser Haus, weil die Nationalsozialisten pl\u00f6tzlich emanzipatorisch geworden w\u00e4ren, sondern weil der totale Krieg Arbeitskr\u00e4fte verschlang. Von Emanzipation zu sprechen, wo Zwang, Vernichtung und totale staatliche Kontrolle herrschten, verharmlost die Logik eines Regimes, das Leben nach biologischen Kategorien organisierte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche blinde Fleck solcher Artikel liegt jedoch tiefer. Sie sprechen st\u00e4ndig von \u00abFrauen\u00bb, ohne zu fragen, wie Ideologien Frauen \u00fcberhaupt erst definieren. Genau darin lag die Radikalit\u00e4t des Nationalsozialismus. <strong>Frau war keine anthropologische, sondern eine politische Kategorie. Wer zur richtigen Rasse geh\u00f6rte, wurde zur Mutter verkl\u00e4rt. Wer nicht dazugeh\u00f6rte, wurde vernichtet. Der Begriff \u00abFrau\u00bb bedeutete im Nationalsozialismus niemals dasselbe f\u00fcr alle Frauen<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Einsicht ist auch deshalb bedeutsam, weil Sprache bis heute Wirklichkeit schafft. <strong>Begriffe sind nie unschuldig. Sie ordnen die Welt, lange bevor Gesetze oder Institutionen handeln. Wenn heute selbstverst\u00e4ndlich von \u00abReproduktion\u00bb, \u00abgenetischem Material\u00bb, \u00abMatching\u00bb, \u00abEizellspende\u00bb, \u00abLeihmutterschaft\u00bb oder \u00aboptimierten Embryonen\u00bb gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf die Sprache. Denn auch hier werden Frauen zunehmend \u00fcber ihre reproduktive Funktion definiert. <\/strong>Eine Frau, die vierzig Wochen ein Kind unter ihrem Herzen tr\u00e4gt und zur Welt bringt, ist keine \u00abLeihmutter\u00bb. Sie ist Mutter. Der Begriff \u00abLeihmutter\u00bb beschreibt keinen biologischen Sachverhalt, <strong>sondern eine juristische und \u00f6konomische Konstruktion, die Mutterschaft sprachlich neu codiert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen der nationalsozialistischen Rassenpolitik und den bioethischen Debatten der Gegenwart bestehen selbstverst\u00e4ndlich fundamentale historische Unterschiede. Wer Geschichte ernst nimmt, verwischt diese Unterschiede nicht. Doch ebenso wenig darf \u00fcbersehen werden, dass Ideologien immer zuerst an der Sprache arbeiten. Sie ver\u00e4ndern Begriffe, bis die Wirklichkeit anders erscheint. Genau deshalb gen\u00fcgt es nicht, Grossm\u00fctter nachtr\u00e4glich in T\u00e4terinnen oder Mitl\u00e4uferinnen einzuteilen. Historische Aufkl\u00e4rung beginnt nicht mit moralischen Etiketten. Sie beginnt mit der Analyse jener Begriffe, durch die Macht den Menschen \u00fcberhaupt erst definiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer 2026 \u00fcber \u201eFrauen im Nationalsozialismus\u201c schreibt, betreibt ideologische Reproduktion, klischiert Geschichte und verharmlost die biopolitische Gegenwart, die gerade in sog. progressiven Kreisen ihr entsetzliches Unwesen treibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Medienkritik SZ\/BAZ: &#8220;War OMA Nazi?&#8221; \u00dcBER GESCHICHTSVERF\u00c4LSCHUNG DURCH POSTKOLONIALISTINNEN oder Biopolitik damals und heute. NS-Forschung ist gegenw\u00e4rtig ideologisch motivierte Forschung. Statt zu sagen, was war, wird geschrieben, was gewesen sein soll. Dies gilt besonders f\u00fcr Frauengeschichte. 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