{"id":11728,"date":"2026-04-10T10:42:23","date_gmt":"2026-04-10T08:42:23","guid":{"rendered":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=11728"},"modified":"2026-04-10T18:27:27","modified_gmt":"2026-04-10T16:27:27","slug":"algorithmische-oeffentlichkeit-wie-demonstranten-zu-datensaetzen-werden-von-regula-staempfli-10-april-2027","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/regulastaempfli.eu\/?p=11728","title":{"rendered":"&#8220;Algorithmische \u00d6ffentlichkeit&#8221; &#8211; wie Demonstranten zu Datens\u00e4tzen werden. Von Regula St\u00e4mpfli. 10. April 2027"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild-1024x683.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-11729\" srcset=\"https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild-1024x683.png 1024w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild-300x200.png 300w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild-768x512.png 768w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild-450x300.png 450w, https:\/\/regulastaempfli.eu\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/ki-generiert-bild.png 1536w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/x.com\/search?q=%23HannahArendtLectures&amp;src=hashtag_click\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><strong>#HannahArendtLectures<\/strong><\/a> Artikel und Bild <strong>Copyright \u00a9 by Regula St\u00e4mpfli 2026 Bild (c) von Regula Staempfli KI-generiert, laStaempflis Denkmaschine, 2026.<\/strong> Wikipedia: Regula Staempfli leitete von 2018-2025 die Hannah Arendt Lectures an der HSG. Die Politphilosophin war ausserdem Intendantin am IFG Ulm, International Forum for Design. Ein Wikipedia-Troll korrigiert st\u00e4ndig die Eintr\u00e4ge von laStaempfli zwecks Misogynie. Es handelt sich dabei um einen sehr prominenten Schweizer Journalisten by the way. Ausserdem fehlt das neuste Buch von Regula St\u00e4mpfli: &#8220;Trumpism. The Algorithmic Age.&#8221; Doch nun zum Artikel: <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;Es ist ein Bild unserer Zeit: Nicht die Wirklichkeit, in unserem Beispiel hier, die Barrikade, entscheidet \u00fcber politische Wirksamkeit, sondern das <strong>Bild der Barrikade<\/strong>. Nicht der Protest selbst erzeugt \u00d6ffentlichkeit, sondern <strong>seine algorithmische Verwertbarkeit. <\/strong>Hier ein aktuelles Beispiel: Nach den Ausschreitungen an der unbewilligten Pro-Pal\u00e4stina-Demo vom Oktober 2025 ver\u00f6ffentlicht die Berner Kantonspolizei im M\u00e4rz 2026 unverdeckte Bilder, weil sie 31 gewaltt\u00e4tige T\u00e4ter identifizieren will. Weitere 101 vermummte mutmassliche T\u00e4ter und T\u00e4terinnen wurden schon durch den \u00d6ffentlichkeitsaufruf identifiziert. W\u00e4hrend die staatlichen Stellen gewisse Datens\u00e4tze aufgrund geltender Rechtsgrundlagen und zu Recht, NICHT verwenden konnten, taten dies Private.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau deshalb ist die Entscheidung der Berner Polizei, unverpixelte Bilder von Demonstranten zu ver\u00f6ffentlichen, mehr als eine polizeiliche Massnahme. <strong>Sie ist ein Symptom unserer Zeit. Sie zeigt, wie sehr wir bereits in einer algorithmischen \u00d6ffentlichkeit leben, in der Menschen nicht mehr zuerst B\u00fcrger sind, sondern visuelle Datens\u00e4tze \u2013 ein Thema, dass ich im Hinblick auf die Demokratie schon l\u00e4ngst diskutiert habe.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Demonstrationen sind Bildmaterial. Teilnehmende sind Identifizierungsmerkmale. Politische Konflikte sind Narrative und Datenpakete. Die Ver\u00f6ffentlichung der Bilder ist deshalb nicht einfach ein Akt der Strafverfolgung. Sie ist ein Moment, in dem sich die Logik unserer Gegenwart offenbart: <strong>Politik wird zum Bildereignis, Strafverfolgung wird zur \u00d6ffentlichkeitsstrategie, und die Gesellschaft wird zum digitalen Fahndungsraum<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei zeigt sich eine interessante Dialektik: Die gleichen Milieus, die jahrelang die totale Sichtbarkeit gefordert haben, die Transparenz, die Dokumentation, die moralische \u00dcberwachung, die Cancel Culture, die \u00f6ffentliche Anklage \u2013 sie sind nun selbst Teil genau dieser Sichtbarkeitsmaschine geworden. Wer jahrelang den digitalen Pranger normalisiert, darf sich nicht wundern, wenn er selbst einmal darauf landet. Das ist keine moralische Feststellung. Es ist eine strukturelle. <strong>Denn die algorithmische \u00d6ffentlichkeit kennt keine Freundschaften. Sie kennt nur Muster<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Das eigentlich Interessante an diesen Bildern ist deshalb nicht, wer darauf zu sehen ist. Sondern wie sie funktionieren. Sie zeigen eine neue Form politischer \u00c4sthetik. Man erkennt sofort die visuelle Grammatik der Gegenwart: Keffiyeh als globaler Protestcode, schwarze Kleidung als urbanes Widerstandszeichen, Kapuzen als Symbol der anonymisierten Aktivit\u00e4t. Diese Bilder sind nicht zuf\u00e4llig. Sie sind Teil einer globalisierten Bildsprache des Protests.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Protest ist heute nicht Handlung. Protest ist Design. Protest ist ein Datenpaket.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re an sich nicht neu. Schon die Franz\u00f6sische Revolution hatte ihre Symbole, ihre Kokarden, ihre Farben. Aber der Unterschied liegt in der Geschwindigkeit und in der totalen Reproduzierbarkeit. Heute wird jedes Symbol sofort Teil eines globalen Bilderstroms. Jede Demonstration ist gleichzeitig Content und Datenpaket. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem. Denn wer Content produziert, wird selbst zum Content.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Demonstranten wissen das. Die Polizei weiss das. Die Medien wissen das. Und trotzdem tun alle so, als w\u00fcrden sie noch in einer klassischen \u00d6ffentlichkeit handeln. Dabei ist diese l\u00e4ngst verschwunden. An ihre Stelle ist ein Raum getreten, den ich \u201ealgorithmischen \u00d6ffentlichkeitsautomatismus\u201c nenne: <strong>ein Raum, in dem Sichtbarkeit nicht durch Argumente entsteht, sondern durch Bildlogiken, in dem Aufmerksamkeit nicht durch politische Inhalte entsteht, sondern durch visuelle Codierung.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die Berner Polizei handelt deshalb nicht nur als Strafverfolgungsbeh\u00f6rde. Sie handelt als Akteur in dieser Bild\u00f6konomie. Sie nutzt dieselbe Logik wie soziale Medien: Sichtbarkeit erzeugt Reaktion. Ver\u00f6ffentlichung erzeugt Information. \u00d6ffentlichkeit erzeugt Daten. Man kann das kritisieren. Man kann es verteidigen. Aber man kann nicht mehr so tun, als w\u00e4re es nicht Realit\u00e4t. Denn die entscheidende Ver\u00e4nderung unserer Zeit ist nicht politisch. Sie ist epistemisch und algorithmisch. <strong>Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der Wirklichkeit zuerst erfahren wird. Wir leben in einer Welt, in der Wirklichkeit zuerst gesehen wird. Wer gesehen wird, existiert. Wer nicht gesehen wird, verschwindet. Digitalisierung gibt einerseits Sichtbarkeit, andererseits vernichtet sie die reale Welt, indem sie sie neu beschriftet.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die eigentliche Machtverschiebung unserer Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hannah Arendt hat einmal beschrieben, dass Politik dort entsteht, wo Menschen einander erscheinen. Was sie nicht wissen konnte: dass dieses Erscheinen einmal durch Plattformlogiken vermittelt werden w\u00fcrde, durch Kameras, durch Uploads, durch Gesichtserkennung, durch Datenbanken. Das Problem ist deshalb nicht die Polizei. Das Problem ist die Infrastruktur der Sichtbarkeit.Denn diese Infrastruktur ver\u00e4ndert alles. Sie ver\u00e4ndert, wie Protest organisiert wird. Sie ver\u00e4ndert, wie Gewalt dokumentiert wird. Sie ver\u00e4ndert, wie Schuld zugeschrieben wird. Sie ver\u00e4ndert, wie \u00d6ffentlichkeit funktioniert. Die wirkliche Frage lautet deshalb nicht: Darf die Polizei das? Die wirkliche Frage lautet: K\u00f6nnen wir noch zwischen Rechtstaat und digital konstruierter Sichtbarkeit, d.h. Codierung, Fiktion, Narrativ, unterscheiden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die algorithmische \u00d6ffentlichkeit kennt keine Unschuld. Sie kennt nur Mustererkennung<\/strong>.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>SRF hat nachgezogen: KI-Tools f\u00fcr die Polizei? Mit m\u00e4nnlichen Experten nat\u00fcrlich. Algorithmen sind bei SRF M\u00e4nnersache oder d\u00fcrfen nur von Nicht-Schweizerinnen beantwortet werden&#8230;. Ironiedetektor gew\u00fcnscht, hier der Link: <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/10-vor-10\/video\/bald-ki-tools-fuer-schweizer-polizei?urn=urn:srf:video:48e5ef5f-1824-418d-a981-6259e3c41d48\">https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/10-vor-10\/video\/bald-ki-tools-fuer-schweizer-polizei?urn=urn:srf:video:48e5ef5f-1824-418d-a981-6259e3c41d48<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#HannahArendtLectures Artikel und Bild Copyright \u00a9 by Regula St\u00e4mpfli 2026 Bild (c) von Regula Staempfli KI-generiert, laStaempflis Denkmaschine, 2026. Wikipedia: Regula Staempfli leitete von 2018-2025 die Hannah Arendt Lectures an der HSG. 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