laStaempfli on the Twitter – Trump War: Here TEDx-Talk on Digital Transformation in general: No Data without representation.

laStaempfli on the Twitter – Trump War: Here TEDx-Talk on Digital Transformation in general: No Data without representation. In my book „The banality of Trump“ – in German: Trumpismus. Ein Phänomen verändert die Welt“ I explain how Social Media change democracies, their leaders and how Barack Obama and Donald Trump profited both from a shift in paradigms of communications. As early as in the year 2007 I started analysing digital and old media in terms of their impact on political communication and global politics and policies. In the video below you will see my suggestion of binding Social Media back into democracies, with a first step: No Data without representation. I have many more and innovative suggestions concerning #DigitalTransformation. In our upcoming conference on „Digital Democracy“ we will present the most effective and most important constitutional and democratic changes concerning social media, digitalisation and coding. Check it out: TA SWISS and SWISSFUTURE in the Museum of Communication in Berne 2020. 

A short comment to the ongoing war betweet TWITTER and TRUMP: Imagine a Hamburger MC-Business acting globally and becoming so big that it does not respect health and safety regulations of the respective nations and local communities where the business sells hamburgers. This is in fact what has been going on with Facebook, Twitter and YouTube. It is high time to have Factchecks, Warnings and legal rights to intervene against False Information on social media (like in my Wikipedia-Article which was fabricated in German by one of my many trolls).

More on the matter soon….

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Regula Stämpfli über das Damenopfer bei der BBC in der Dominic Cummings-Affäre, 29.5.2020

Regula Stämpfli zum Machtkampf in GB: Das Damenopfer der BBC

„Wes Brot ich ess’ des Lied ich sing“. Bisher zeigte sich die altehrwürdige globale Informationstante BBC staatlichen Eingriffen gegenüber unbeirrt. Zu mächtig war der Ruf des britischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Mit Boris Johnson änderte indessen alles. Schon längst strebt der Mann mit der wirren Frisur die Teilprivatisierung des journalistischen Elefanten an. Bisher prallten die Versuche an der Haltung der BBC ab. Doch jetzt hat sich die Sendeleitung für ein Damenopfer entschieden.

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Emily Maitlis gilt als eine der besten ihres Fachs. Sie brachte Prinz Andrew in der Epstein-Affäre zur Strecke ausgerechnet in dem von ihm selber vorgeschlagenen Interview. In der Sendung Newsnight begrüsste Emily Maitlis die Zuschauer am Dienstag, 26. Mai 2020 mit: „Good Evening, Dominic Cummings hat die Regeln gebrochen. Das Land ist Zeuge und darüber schockiert, dass die Regierung dies nicht sehen kann.“ Seit Wochen tobt der Skandal um den „Bismarck-Besessenen Brexiter“ Dominic Cummings. Der schmächtige Mann, der schon in Jugendjahren sein schütteres Haar mit kommunikativer schwarzer Magie kompensierte, gehört zum engsten Kreis des britischen Premiers Johnson. Es war Dominic Cummings, der die BREXIT-Lügen der EU-Zahlungen, die entsprechenden Landfahrten per Bus und den Slogan „Get BREXIT done“ erfand. Der ehemalige Premier David Cameron nannte Cummings einmal einen Karriere-Psychopathen. Selbst unter Kollegen gilt Cummings als Mann mit „anger management problems“, wie ein Rumbrüller politisch korrekt genannt wird. Well, Boris Johnson kann ohne Cummings offenbar nicht leben. Nur so ist zu erklären, dass der auf die Vox populi so bedachte Premier Cummings nicht entlässt, obwohl die britische Mehrheit und Medien dies lautstark fordern.

Dominic Cummings, ein Anhänger der Spieltheorie, hat ganz bewusst das Allgemeinwohl durch seinen Alleingang in der Coronakrise gefährdet. Trotz strenger Kontaktbeschränkungen fuhr Cummings, zum Zeitpunkt selber an Covid 19 erkrankt, 430 Kilometer durchs Land, um seine Familie und Verwandte zu besuchen. Nicht nur das: Statt sich in Isolation zu begeben besuchte er in Durham die Schönheiten der Umgebung und wurde mehrfach zwischen London und Durham fotografiert.Neil Ferguson, dessen Freundin ihn während des Ausgangsverbots in London besucht hatte und immerhin der epidemiologische Berater der Regierung war, musste sofort zurücktreten. Auch die medizinische Beraterin der schottischen Regierung flog aus ihrem Amt, nachdem bekannt geworden war, dass sie zweimal von Edinburgh an ihren Zweitwohnsitz gefahren war. Doch Cummings? Unerschütterlich. Seit einer Woche versuchten er und Johnson eine Gegenkampagne, um die öffentliche Meinung umzudrehen und ausgerechnet die Leitung der BBC bietet nun Hand dazu. Sie liess öffentlich verlauten, dass die Intro von Emily Maitlis „nicht unseren Standards der Unparteilichkeit“ entsprochen hätte. Emily Maitlis liess sich darauf für den folgenden Tag entschuldigen. Die Journalistengewerkschaft schreit.

Die „Ein-Mann-Kabinetts-Hydra“ Cummings mit dem „Prime Minister in name only“ Boris Johnson (Spitznamen aus der SZ, 18.2.2020), jubilieren. Denn gerade in diesen Zeiten gilt: Meinungsfreiheit scheitert meist an Macht und Portemonnaie. Bilder: WikiCommons

Regula Stämpfli über SIEGERKUNST (in Anlehung an Wolfgang Ullrich) anlässlich der verschobenen #ArtBasel 2020. Der Titel: „Kann man das scheissen oder soll man das kaufen?“ ist als Verneigung zu Piero Manzoni gedacht

Regula Stämpfli über SIEGERKUNST (in Anlehung an Wolfgang Ullrich) anlässlich der verschobenen #ArtBasel 2020. Der Titel: „Kann man das scheissen oder soll man das kaufen?“ ist als Verneigung zu Piero Manzoni gedacht

Im Juni 2020 hätte die Art Basel mit Glanz und Gloria steigen sollen. Sie wurde auf den 17.- 20. September 2020 verschoben. Anlass genug, um über die Börsenperformance von Kunstmessen nachzudenken.

Vierhundertfünfzigkommadrei Millionen Dollar kostete der Retter der Welt. Salvator Mundi inkarnierte im November 2017 Geld und Kunst wie kein anderes Gemälde vor ihm. Konnten sich Maler der Renaissance noch wehren, Michelangelo Buonarrotti düpierte mit der Sixtinischen Kapelle den Papst, würde sich heutzutage kein Galerist offensiv und für das Werk mit den Mächtigen anlegen. Die „Siegerkunst“ (Wolfgang Ullrich) bleibt auf Kurs: Pecunia non olet. Die schamlose Novemberaktion für einen ungesicherten Leonardo da Vinci übertraf alles Bisherige. Der Louvre von Abu Dhabi erklärte später, er wolle das Bild ausstellen. Gekauft wurde es von einem anonymen Bieter. Vermutet wird als Käufer laut „Der Spiegel“ Prinz Bader bin Abdullah bin Mohammed bin Farhan al-Saud aus Saudi-Arabien. Oh dear, ausgerechnet er! Ein Vertrauten des Kronprinzen Mohammed bin Salman, der, so die Gerüchte, auch mal gerne vor den Augen der Weltöffentlichkeit Regimegegner in fremden Botschaften zerstückeln lässt.

Die Reichen dieser Welt sind dermassen reich, dass nur Kunst sie noch aufwerten kann. Finden sie nämlich üblicherweise nichts, was ihrer enormen Kaufkraft entspricht, dann erfahren sie eine Impotenz ihres unermesslichen Vermögens, so der Kunstmarktkritiker Ullrich. Kunst ist Reinigungsikonografie für die grassierende globale Re-Feudalisierung und Versklavung der Welt und sie erfüllt ihren Job hervorragend. Ob Kunst tatsächlich einen Wert hat, kann zwar theoretisch in Frage gestellt werden, praktisch gehört Kunst seit Jahrhunderten zum Wertvollsten und Langlebigsten was der Kapitalismus zu bieten hat. Der „Tefaf Art Market Report“ weist Gewinnmargen im Kunstmarkt auf von der die Realwirtschaft nicht mal zu träumen vermag. Seit der Bankenkrise der Jahre 2008/09 ist klar: Die Regeln der Finanzwelt lassen sich eins zu eins auf den Kunsthandel übertragen. Nicht nur das: Kunst ist auch die perfekte Geldwaschanlage für organisiertes Verbrechen: Drogen, Menschenhandel und Bestechung von Staatsbeamten. Wer die bei den grossen Auktionshäusern beliebte Kunst kauft, der demonstriert: Ich scheiss auf Wert, sondern setze auf Spekulation.

Der Kunsthandel orientiert sich wie Facebook-Algorithmen nach statistischer Relevanz inklusive Korrelation von Medienberichten, Expertenmeinungen und Galerie-Propaganda. Es gibt dabei jedoch überraschende Momente, die einige Kunstmanager, sind sie denn clever genug, durchaus ausnutzen können. Gegenüber Aktien und Gold hat Kunst den Vorteil, langfristige Anlagen zu sichern. Nur so ist zu erklären, dass ein Hedgefonds-Manager Leon Black 2012 einen Munch für 119.9 Millionen Dollar in New York ersteigerte. Eric Clapton kann davon sprichwörtlich ein Lied singen. Er hatte irgendwann mal ein „Abstraktes Bild“ von Gerhard Richter – dem meiner Meinung nach meist überschätzten Maler überhaupt – für 3.4 Millionen Dollar gekauft und ein par Jahre später für sagenhafte 21.3 Millionen Pfund verkauft.

Der Kunsthandel ist manchmal auch reine Pornografie. Piero Manzoni liess seine eigene Künstlerscheisse in Dosen abpacken, je zu 30 Gramm, aufgewogen in purem Gold. Manzoni stellte auch farblose Bilder her. Die „Achromes“ sind zusammengenäht mit klinisch wirkenden Verbandsmaterial, Seide und anderen Stoffen. Der kapitalismuskritische Clown Manzoni wird mittlerweile auch zu Millionenpreisen gehandelt. Also nicht er, sondern sein nachkriegsavantgardistisches Werk. Einer seiner besten Ideen bestanden in Ballons, gefüllt aus seinem „Künstlerodem“. Auch seine signierten gekochten Eier, signiert mit einem Daumenabdruck wohlverstanden, wurden als Kunstwerke beim Galeriebesuch verspiesen. Die Designerin Juli Gudenhus konnte an Manzoni anknüpfen: Nicht bei der Scheisse, sondern beim Wisch und Weg. Sie präsentierte ihre Sammlung im Corona-Hype um ausverkauftes Klopapier. Schliesslich war Corona zu Beginn noch sehr erheiternd. „Mann mit Nudel sucht Frau mit Klopapier“ lautete eines der beliebten Memes. „Der an sich friedliche, ja simplizistische Hygieneartikel ist in pandemischen Zeiten zum komplexen Anlass für Sorge, Verzweiflung, Wut, Streit, Handschellen und asozial marktwirtschaftliches Verhalten mutiert.“ (SZ, 31.3.2020)

Kann man das scheissen oder soll man das kaufen? Solche banalen Fragen stellen sich  schon längst nicht mehr. Vor allem nicht bei einem toten Künstler, dessen Werk-Wert sich nach einem allfälligen Ableben verdoppelt. So rechnen übrigens auch Versicherungen. Jede tote Künstlerin ist doppelt soviel wert wie eine lebende.

 

Weshalb ist dem so? Wie im Medienmarkt schlägt die fehlende Kunstkritik auf der Kunstseite zu Buche. Museen und Grosssammler, die Super-Egos der Kunstbranche haben schon längst die Deutungshoheit für sich beansprucht. Kritiker wie bspw. Wolfgang Ullrich führen im Vergleich ein Nischendasein. Nur so lassen sich Nicht-Künstler wie Damien Hirst oder Jeff Koons erklären. Ohne Tate Modern wäre der versnobte Medien-Fake Hirst als einer unter Hunderttausenden Künstlern im Versicherungsgeschäft gelandet. Zur Ehrung von Hirst sei indessen anzufügen, dass sein „For the Love of God“ zur bisher bissigsten biokapitalistischen Kritik gehört. Schade nur, dass dies wenige erkennen. Jeff Koon hat, ausser einem sympathischen Wesen und schlechten Frauengeschmack nichts aufzuweisen. Koons Kunst ist nichts – ausser eben unfassbar teuer. Im Jahr 2013 wurde Koons „Balloon Dog“ für 43 Millionen Euro verkauft. Man stelle sich dies plastisch vor: Der Pudel stammte nicht einmal aus Koons Handwerk, sondern wurde von dessen Assistentenkohorte in Serie fabriziert. Dank Koons blüht die Branche, die seit Jahren immer mehr Geld anhäuft und in sich hinein fliessen lässt.

Kritische Künstlerinnen haben es im Vergleich sehr schwer. Es gibt sie zuhauf, sie kriegen jedoch weder wirklich Aufmerksamkeit noch Geld für ihre teils grossartigen Werke. Die neohöfischen Finanzoligarchen in Dubai, Doha, Abu Dhabi, Moskau, Beijing, Rio, Pjöngjang (letztere natürlich nur anonym) verbrämen die Kunstwerke monetär. Sie bestellen Kunst für ihre Geldtempel wie früher Päpste für ihre Kathedralen. „In den funkelnden Oberflächen der Koons-Skulpturen erscheint das Geld selbst als große Kunst. Der materielle wandelt sich in einen ideellen Wert. Was eben noch abstrakt war, eine kalte Zahlenkolonne, zeigt sich in denkbar schönster und sinnlosester Form. Deshalb ist der Pudel auch auf Hochglanz poliert: damit der neue Besitzer sich herrlich im eigenen Reichtum spiegeln kann. Er hat ja sonst nicht so viel“, schreibt der brillante Kunstkritiker Hanno Rauterberg („Die Zeit“, 14.11.2013).

Die Schweiz, das ehemalige Stachelschwein, hat mit der Art Basel schon längst goldene Pudelscheisse im globalen Kunstgeschehen etabliert. Während die Kunstpresse immer wieder nach ideellen Werten statt monetärer Verhaftung im Kunstmarkt schreit, rühmt sich die ehemalige Universitas Basel monetärer Hohenflüge. Nicht nur die Schweiz, sondern eben auch die Kunst sind krisensichere Investitions-Orte. Und im Zeitalter des Selfism spielen immer häufiger die Sammler die Hauptrolle: Sowohl die Medien als auch die Billionäre setzen auf den, den eigenen Tod überlebenden Klebstoff Kunst.

2017 wurde nach Auskunft der Händler fast eine Milliarde Euro an der Art Basel umgesetzt während die Documenta 14 mit einem über 5.5 Millionen Euro-Defizit abschliessen und die Leitung in Kassel neu besetzt werden musste. Zwar ist es unfair, ein kuratorisches Ereignis wie die documenta mit dem kommerziellen Event der Art Basel zu vergleichen, doch die traurige Tatsache zeigt: Beide werden vom Publikum unter „Kunst“ subsumiert. Kapital ist eben nie moralisch, sondern höchstens ästhetisch.

Bild aus Wikipedia

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Regula Stämpfli über den Serienmörder-Experten, der keiner war: Frankreich im Mai 2020

Regula Stämpfli über den Serienmörder-Experten, der keiner war: Frankreich im Mai 2020

Die Enthüllung, dass Stéphane Bourgoin, Frankreichs berühmtester Experte für Serienmorde, ein Fake ist, ist voll Romanmaterial. «Le Vampire de Düsseldorf» , «100 ans de serial killers», «Docteur Holmes» oder mein Liebling «L’Orgre des Ardennes» sind nur vier von über 30 Bestsellern, mit denen Borgoin das französische Publikum und die Medien erfreute. Der 67 jährige war ungemein erfolgreich und produktiv in seinem selbstgebauten Serienmörder-Imperium. Seine Karriere begann, nicht unüblich für das alte Europa, mit einem USA-Aufenthalt. Auch Tom Kummer, der inzwischen zum Literaturfach gewechselten Medienhochstapler, nutzte seinen Amerikastatus für perfekte Fiktionen. Claas Relotius, der den SPIEGEL in die grösste Krise seiner Geschichte stürzte, operierte auch gerne mit Fakes aus den USA. Gewissheiten aus der Ferne waren vor dem Internet grobkörnig, da lagen elegante Schunkeleien und Märchen quasi vor der nächsten Freeway.

Das Netz bringt aber nun nach und nach alle Hochstapler zu Fall. Professorinnen und Politiker stürzen über mangelhafte Copy-Paste Doktorarbeiten, jetzt sind die Experten an der Reihe. Das Kollektiv «Le 4ème Oeil Corporation» nahm Bourgoin ernst, seine Geschichten nicht und entlarvte ein beeindruckendes Lügengeflecht. Bourgoin lügt seit 1976. Das war das Jahr als seine fiktive Freundin von einem Serienmörder zerstückelt wurde. Diese fiktive Tragödie –Münchhausen lässt grüssen – machte ihn schliesslich zum Experten für Serial Killers.

schlagende zeilen

Der Erfolg gab ihm recht: Das Spiegelkabinett rund um Facts und Fiction begann sich medial zu drehen. Der Bedarf nach einem Bestsellerautoren und Experten, der bspw. den «Würger von Boston» dem sich gruselnden Publikum näher brachte, war schliesslich riesig.

Weshalb hier der Fall Bourgoin? Er war jahrzehntelang der Prototyp von Fernsehexperten. Sein Lügengeflecht kam bei den Medienschaffenden unkritisch an, was einiges über die Medienmechanismen erzählt. Zudem faszinieren uns die irrige unkritische Sensationslust und Bewunderung, die Journalisten Männerexperten immer noch entgegenbringen. Stéphane Bourgoin wird nicht der Letzte seiner Art gewesen sein.

 

Regula Stämpfli: Mit Hannah Arendt die Coronakrise einordnen, NZZ, 5.5.2020

Regula Stämpfli: Mit Hannah Arendt die Coronakrise einordnen, NZZ, 5.5.2020

GASTKOMMENTAR

Das Virus und die Freiheit: Die westlichen Demokratien sind durch das chinesische Virus in den Abgrund gestürzt worden

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Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und «virologisch basierter Datenhoheit» habe ein «Zeitalter der totalen Gewissheit» geschaffen, schreibt die Politikwissenschafterin Regula Stämpfli. Die Urteilskraft über Richtig und Falsch sei auf der Strecke geblieben.

Einige erinnern sich vielleicht an Platos berühmten Kampf gegen die Sophisten. Er warf ihnen vor, ihre Kunst bestünde darin, «den Verstand mit Argumenten zu bezaubern», die nicht der Wahrheit dienten, sondern darauf abzielten, Meinungen zu erzeugen. Solange diese plausibel erscheinen, «liege ihnen die Kraft der Überzeugung inne». Hannah Arendt nennt dies den «temporären Sieg der Argumente auf Kosten der Wahrheit». In meinem Buch «Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt» zeichne ich nach, wie postmoderne Narrative, die sich «datengestützt» als Wahrheiten inszenieren – hier als bestes Beispiel die Umfragen –, letztlich intendieren, monokausal den Sieg über die Wirklichkeit zu erringen. Die neuen digitalen Herren inklusive ihrer Instrumente «Plattformkapitalismus» sowie «Digitaler Überwachungsstaat» zerstören mittels der «Algorithmisierung der Welt» empirische Realitäten mit derart präzise berechneter Schlüssigkeit, dass der Unterschied zwischen Fiktion und Realität für die meisten von uns nicht mehr erkennbar ist.

Damit steht auch die Existenz geschichtlicher Realitäten, wie sie sich beispielsweise demokratischen Entscheidungsprozessen manifestieren, auf dem Spiel. Datenpakete «beweisen» gegenüber der Wirklichkeit bald jene, bald andere Meinungen, so dass sie oft gar nichts mehr «wirklich» erklären. All dies macht die Existenz von uns als Bürgerinnen und Bürger, als Weltangehörige eines undurchsichtigen datenbasierten Systems fragil.

«Es gibt keine ‹neue Normalität› für die Demokratien mehr, selbst nach einem möglichen Corona-Impfstoff.»

«Wie soll man das Chaos der überlieferten Tatsachen noch ordnen, wenn die Tradition nicht mehr gültig ist», fragt Hannah Arendt in ihrer Totalitarismusstudie. Sie weist nach, wie Ideologien darauf abzielen, die «nicht mehr gültigen Regeln des gesunden Menschenverstandes zu ersetzen», eines Menschenverstands, den Arendt als «common sense», als Gemeinsinn definiert, durch den wir eine uns allen gemeinsame Welt erfahren und uns darin zurechtfinden dürfen. Ein Zustand also, dem wir als Menschen dank Corona seit Wochen entrückt sind.

Die Kombination von monokausalen Narrativen, inklusive virologisch basierter Datenhoheit, konstruiert ein «Zeitalter der totalen Gewissheit», die zum fast vollständigen Wegfall klassischer Urteilskraft über Richtig und Falsch führt. Deshalb spriessen Verschwörungstheorien wie Twitterpilze aus dem virtuellen Raum. Diese «Eroberung der Welt als Zahl» treibt mich seit 2003 um, aber ich ahnte nicht, dass mir das Unglück beschert sein würde, diese meiner grössten Ängste um den Zustand der Welt an meinem eigenen Körper erleben zu müssen.

 

Dies ist kein Zufall, sondern das Resultat politischer Schlafwandler, kombiniert mit volkschinesischer Sendungsgewalt bei gleichzeitiger westlicher demokratischer Impotenz. Wer verstehen will, wie selbst die Schweizer Demokratie widerstandslos und über Nacht Hunderttausende von Existenzen ins Unglück stürzen konnte, abgefedert durch den unermesslichen Reichtum dieses Landes, dessen Bundesräte sich ständig neuer Hilfspakete rühmen, muss sich mit dem seit einem Jahrzehnt anhaltenden globalen Trend, die Menschlichkeit, ja das Wesen des Menschen selbst zu verletzen, auseinandersetzen. Die westlichen Demokratien sind durch das chinesische Virus physisch und politkulturell in den Abgrund gestürzt worden. Sie werden dort auch bleiben, wenn sie der Asymmetrie der VR China und dem Rest der Welt, wenn sie dem Ungleichgewicht des globalen digitalen Plattform- und Überwachungskapitalismus nicht durch ein aktives Demokratisierungsprogramm begegnen.

Es gibt «keine neue Normalität» für die Demokratien mehr, selbst nach einem möglichen Corona-Impfstoff.

Die paternalistische Regierungsweise, dass der Staat lobt oder tadelt, darüber bestimmt, wie sich die Bürgerinnen und Bürger zu verhalten haben, die Grundrechtsverletzung, beispielsweise im Kanton Tessin alle über 65-Jährigen mit einem Ausgehverbot zu belegen, die Enteignung von Selbständigen, von kleineren und mittleren Unternehmen mit dem Hinweis, die folgenden dreissig Jahre Schuldenwirtschaft als eine Art Solidaritätszuschlag nach deutschem Modell zu betreiben, watschen alle Demokratien und liberalen Freiheiten verfassungswidrig ab. Die Corona-Ausnahmeregimes haben mithilfe wissenschaftlich bewiesener Tatsachen, sekundiert von einer Heerschar dienender Intellektuellen- und Medienliteraten alle Kritiker der getroffenen Massnahmen als Menschenfeinde dargestellt, und tun es noch. Dies mit dem Effekt, dass wir uns meinungsmässig widerstandslos, quasi über Nacht, von allen Werten verabschiedet haben, die uns bis vor Kurzem noch unantastbar erschienen. Die erste Exit-Strategie muss deshalb lauten: Lasst uns in Parrhesia üben, in Widerspruch, in Vielfalt, in gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz bei gleichzeitiger Wahrung geltender Bestimmungen. Und es braucht dringend klare Alternativen, denn: Wer will schon Virologen über die Zukunft der Demokratie entscheiden lassen?

Post-Corona wird nur dann post sein, wenn wir, die Überlebenden der westlichen Demokratien, die Stunde Null einläuten. Wir brauchen ein aussergewöhnliches Wirtschaftswunder. Gleichzeitig müssen wir Demokratinnen und Demokraten erkennen, dass eine Politik, die über Nacht aus Menschen isolierte Individuen macht, die sich weder an Familie, Freundinnen, Bekannte noch an Arbeitsplätze, Bildungsinstitutionen, Vereine, Verbände, Parteien binden können, sondern zum eigenen und kollektiven biologischen Überleben gezwungen werden, letztlich dazu trainiert werden, alles und jeden zu opfern.

Regula Stämpfli ist Politik-Dozentin mit Schwerpunkt Hannah Arendt, political Design, Digital Transformation und Demokratie-Theorie. Sie lebt in München.

 

Neue Zürcher Zeitung, 5.5.2020: Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und «virologisch basierter Datenhoheit» habe ein «Zeitalter der totalen Gewissheit» geschaffen, schreibt die Politikwissenschafterin Regula Stämpfli. Die Urteilskraft über Richtig und Falsch sei auf der Strecke geblieben.

Neue Zürcher Zeitung, 5.5.2020: Die Kombination von «monokausalen Narrativen» und «virologisch basierter Datenhoheit» habe ein «Zeitalter der totalen Gewissheit» geschaffen, schreibt die Politikwissenschafterin Regula Stämpfli. Die Urteilskraft über Richtig und Falsch sei auf der Strecke geblieben.

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Die Politphilosophin Regula Stämpfli über „NATIONAL FEMININ“: Tatort vom 26. April 2020 in der ARD-Mediathek

Die Politphilosophin Regula Stämpfli über „NATIONAL FEMININ“

Frauen und nichtweissen Künstlern stehen lächerliche Ressourcen zur Verfügung im Vergleich zu den älteren weissen Herren der Kulturbürokratie. Werke von Frauen und PoC (People of Color) werden unfassbar billig verkauft, selten im Feuilleton besprochen, kaum ausgestellt. Überall dominieren Museeumsleitende aus der oberen Gesellschaftsschicht. Kultur im deutschsprachigen Raum weist weniger soziale Mobilität und Durchlässigkeit auf als zu Zeiten des Kaiserreichs und tut dennoch so als wären die Intendanten ja so unglaublich radikal fortschrittlich, demokratisch. All dies zum lachen, wenn die Situation nicht so himmeltraurig ernst wäre. Hin und wieder zeigen Museen Werke von PoC oder – bewahre – gar einer Frau. Doch meist ist dies Alibipolitik, die von den auserwählten Ausseinseiterinnen dann gross beworben wird nach dem Motto: „Seht her, wir haben es geschafft.“

Die wunderbare Maria Furtwängler, Ärztin und Schauspielerin, ebenfalls aus der obersten Gesellschaftsschicht stammend, hat dies alles durchschaut. Seit einigen Jahren ist sie punkto Frauen und Diversität mit ihrer ebenso zauberhaften und klugen Tochter Elisabeth sehr radikal unterwegs – zumindest für deutsche Verhältnisse. Deshalb empfehle ich hier die „MALISA-Stiftung“ explizit und werbe auch für den Instagram-Account von Maria Furtwängler, der eine sehr kluge, ehrliche, sehr schöne, sehr vielseitige und oft auch eine ganz normale Frau um die 50 zeigt, respektive zur Sprache kommen lässt (ist ja auch selten in der deutschsprachigen Öffentlichkeit).

Ebenso empfehle ich den Tatort „National feminin“. Der ist Klasse. Geniale Dialoge, extrem gut gemacht. Mit einiger Chuzpe verweist der Tatort auf die auch in der Wirklichkeit erstarkten „neuen Weiblichkeit“ von rechtsaussen. Sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland versuchen rechte Bloggerinnen den amerikanischen Vorbild-Suprematistinnen nachzueifern. Leider finden sie in den Medien viel zu viel Aufmerksamkeit für den altbackenen, klischierten und geistesdumpfen Schrott, den sie via Netz verbreiten. Im Vergleich dazu ist der intellektuelle Feminismus von rechts im „Tatort“ beeindruckend und beängstigend. Zwar badet auch der Tatort in einigen Klischees, doch die Seitenhiebe auf „ganz normale Männerverbrechen“ und auf die deutsche Rückständigkeit in Sachen Gleichstellungspolitik, sind einfach Spitze. Dies kriegt kein anderer Tatort hin, zumal viele Episoden aus anderen Städten nur so von männerpubertären Sexismus spriessen: „Ja, Till Schweiger, ich meine unter anderem Sie!“

Florence Kasumba, einer der besten Schauspielerinnen Deutschlands und Maria Furtwängler müssen sich mit der „Jungen Bewegung“ auseinandersetzen, die eine Bundesverfassungsrichterin unterstützt, die der realen AfD-Vorzeigeblondine Alice Weidel gefährlich ähnlich sieht: Lesbisch, kühl, ehrgeizig, rechtsaussen bis zum Abwinken.

Mehr verrate ich nicht. „National Feminin“ wird hoffentlich die meisten Preise des Corona-Jahres abräumen. Grosses Kino. Unbedingt nachschauen.

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„Tatort“ in der ARD-Mediathek siehe https://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/sendung/national-feminin-100.html