TRUMPISM: REGULA STÄMPFLI ÜBER POPULISTEN UND DEMOKRATIEFAKES IN GRAZ 16.9.2019

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Regula Stämpfli, Dozentin für „Schlagfertig Verhandeln“ 12./19. September – Anmeldung auf Bild klicken

Kursbeschrieb:
Schlagfertiges Auftreten gehört zu den wichtigsten Mittel der modernen Kommunikationsgesellschaft. Im Kurs lernen Sie, wie Sie in jeder Situation smart und konstruktiv reagieren können. Sie wissen, Kompromissbereitschaft und Stärke zu signalisieren. Sie eignen sich im Kurs Kenntnisse der Rhetorik sowie Allgemeinwissen an. Damit fördern Sie Ihre sprachliche, denkerische Redegewandtheit, und sichern Ihr Auftreten. Mit zahlreichen Tipps und guter Lektüre sind Sie für künftige öffentliche, berufliche, ja selbst für private Termine gut gewappnet.

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Selfism und die Medienunkultur – Regula Stämpfli über Demokratie in der digitalen Gesellschaft

In ihrem jüngsten Buch ‚Trumpism – Ein Phänomen verändert die Welt‘ setzt sich die politische Philosophin Regula Stämpfli mit der Situation demokratischer Gesellschaften im digitalen Zeitalter auseinander. Im Studiogespräch erläutert sie sowohl konkrete Problemstellungen und deren Ursachen als auch Wege zu ihrer Überwindung.

Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer (ORANGE 94.0). Beitrag vom Juli 2019.

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Regula Stämpfli über Insta-Stars avant la lettre in der Vermessung der Frau, Gütersloh 2013: Ja. Der Narzissmus wird auch behandelt, deshalb hier Spiegelschrift

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Regula Stämpfli im Magazin für Kunst und Kultur ENSUITE zu Ian McEwans „Maschinen wie Ich“. Eine einzige Empfehlung für ABBITTE, August 2019

Ian McEwan: Vom Genie zum Banalschreiber

«Maschinen wie ich» ist ein fürchterlich banales, ja dummes Werk von Ian McEwan. Wie konnte er nur? Ist dies derselbe Poet, der mit „Abbitte“ ein Jahrhundertwerk geschaffen hat? Der Mann, der das Böse derart präzise in die 13jährige Briony packt? Seitdem ist mein Verhältnis zu weiblichen Teenagern, das schon als ich in diesem Alter war, nicht ganz unbelastet war, nachhaltig beschädigt. In «Abbitte» gibt es Sätze wie : «Briony gehörte zu jenen Kindern, die eigensinnig darauf beharren, dass die Welt genau so und nicht anders zu sein hat.» Welch ein grandioser Auftakt für die Ahnung für unmittelbar bevorstehende Katastrophen, die durchaus in der unheimlichen Zone zwischen Kindheit und Erwachsensein stattfinden.

«Children hated generously, capricoiously. It hardly mattered. But to be the object of adult hatred was an initiation into a solemn new world. It was a promotion.» Gehasst zu werden als Auszeichnung der Adoleszenz, yep. Es gibt tatsächlich kleine Menschen, die als Hasssubjekte geboren sind – davon berichtet auch John Steinbeck in «East of Eden». Doch der Opferkult der Gegenwart machen aus jeder individuellen Schuld, die den Menschen zum verantwortlichen Subjekt machen, zur kollektiven. So macht sich das Böse breit, das sich in Unschuld wie auch im sogenannten Zufall tarnen kann. Bei «Abbitte» ist es so klar: Es gibt Menschen, die wie kaum andere das hinterhältige Böse inkarnieren. Es gibt Menschen, die verorten sich nie in einer Unschuld, die ihnen genommen werden könnte. Um dies zu verstehen, sind «Abbitte» von Ian McEwan und «Jenseits von Eden» von John Steinbeck Wegweiser. Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, können über die Sünde herrschen, was auf die Verantwortung eines jeden Einzelnen hinweist: Jede hat eine Wahl und die trifft sie bewusst, egal was Ihnen die Soft-Mittäter ursprünglicher Gewalt auch immer erzählen mögen.

Angesichts dessen ist das neue Werk «Maschinen wie ich» derart erschütternd langweilig und billig, dass man McEwan einfach nicht mehr lesen sollte. Hätte eine Jungautorin ein derart banales Werk geschrieben, in diesem Geplärre-Ton eines Literatur-Automaten, sie wäre von den Literaturkritkern in der Luft zerrissen worden. Ian McEwan ignoriert bewusst die wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen apropos Künstlichen Intelligenz. Nicht nur das: Das Werk ist darüber hinaus äusserst sexistisch. An diesem Buch ist nichts, aber auch wirklich nichts „spannend“, um das meistgebrauchte Wort einer unglücklich agierenden Literaturkritikerin der antivisionären Gegenwart zu zitieren.

 

PS: Wer über das Eichmass Maschine-Mensch mehr erfahren will, ist mit allen Romanen von Philip K. Dick & William Gibson nicht nur besser up to date (alle vor 1982 entstanden – welch Ironie), sondern auch hervorragend unterhalten. Wer die Themen der Macht der Computer und die Ohnmacht der Beziehungen, die Vernunft und Herz mit einschliessen, verstehen möchte, greife doch auch zu einem alten Buch: Joseph Weizenbaum: Computermacht und Gesellschaft. Wer Ian McEwan einmal gelesen haben will, dem sei nur „Abbitte“ ans Herz gelegt.

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Regula Staempfli über den Tod der grossen Toni Morrison (Ausschnitt eines Artikels aus dem Jahre 2009 im Kolumnenbuch: Aussen Prada – innen leer? Ein philosophisches Kaleidoskop, Bruxelles. Gleichzeitig ein Kommentar zum Trend Hashtag #dichterdran

Auszug aus „Aussen Prada – Innen leer.“ Ein philosophisches Kaleidoskop

Die Zeit (2/2019): „Frau Mirren, es heisst, Sie lassen sich lieber von Männern interviewen. Stimmt das?“

Hellen Mirren: „Oh, das dürfen Sie nicht persönlich nehmen! Ich habe das auf britische Journalistinnen bezogen, die können wirklich gemein sein, richtig neidische Zicken, die wollen, dass Du Dich schlecht fühlst. Die britischen Medien sind ja für ihren scharfen Ton bekannt. Das Problem ist, dass mir mein Instinkt erst mal rät, Frauen mehr zu vertrauen als Männern, ich bin offener mit ihnen. Aber Frauen sind eben wirklich gut darin, sich freundlich zu geben. Nachher liest Du dann, was die Frau über Dich geschrieben hat, und denkst, oh Gott, ich dachte, sie mochte mich!“

Die Torturen, denen der moderne Journalismus seine sogenannten Prominenten, insbesondere Expertinnen, Schriftstellerinnen, Künstlerinnen sind seit Jahren bekannt. 2019 endlich wird die Kritik zum TWITTER-TREND #dichterdran . Unter diesem Hashtag werden amüsante Kritiken veröffentlicht, die in einer Welt, in welcher Frauen über männliche Autoren wie Männer über weibliche Schriftstellerinnen schreiben könnten, gang und gäbe wären. Regula Stämpfli tweetet: “ Dem Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss gelingt es, sehr unüblich für einen Hausmann, den Kampf um Identität und Selbstfindung auch politisch zu deuten. Dass er indessen als Autor so bekannt wurde, hat er sicherlich auch seinem sehr angenehmen Äusseren und seinem gepflegten Auftritt zu verdanken. Dazu kommt, dass er trotz seiner 48 Jahre und mitten in der Andropause auch heute noch sehr jugendlich und attraktiv wirkt.“ 

Regula Stämpfli wurde, als sie die Vermessung der Welt durch Algorithmen öffentlich zu analysieren und kritisieren begann (ab 2003) gefragt, ob sie eitel sei. Und wie sie es mit dem starken Geschlecht so halten würde. Oder ob sie sich als Frau in ihrer Haut mit solch harten Themen gut fühlen könne. Ihre Antworten lauteten: „Eitel? Selbstverständlich. Ich hoffe, das sieht mann doch.“ „Starkes Geschlecht? Finde ich Klasse, schliesslich gehöre ich dazu.“ „Wie ich mich als Frau fühle? Hervorragend. Schliesslich habe ich noch nichts besseres probiert.“

Über die grosse Toni Morrison, Literatur-Nobelpreisträgerin, Intellektuelle und Aktivistin schrieben die Zeitschriften so Sätze wie (DIE ZEIT, 8.10.2009): „Als sie sitzt, eine Zigarette anzündet und mit gespannter Konzentration auf die Fragen wartet, strahlt sie Jugendlichkeit aus und lässige Souveränität.“ 

Eine Autorin, die mit ihren Worten die Welt verändert, muss selbst nach dem Literatur-Nobelpreis „Jugendlichkeit“ ausstrahlen und „Souveränität“. Das meistgeschriebene Wort zu grossen Sachbuchautorinnen und Literatinnen ist „unverbissen“, „sachlich“, „analytisch“ und wieder und wieder mit Erstaunen verbunden. 

Toni Morrison gab uns allen ein Morgen ( Sharon Dodua Otoo, 7.8.2019 TAZ). Sie ist gestorben, ihre Worte werden ewig bleiben. 

#dichterdran: So schreiben über Autoren, wie sonst Männer über Autorinnen schreiben (oder angepasste Frauen, deren es viel zu viele gibt…). 

BILDQUELLE: AUGUST WREN VIA FACEBOOK

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Regula Stämpfli über Selfism in den Medien, die Veränderungen der Demokratie & politischen Kommunikation im Medienwandel durch die Digitale Revolution

«Der ‹Selfism› grassiert gegenwärtig in voller Wucht»

Ein neues Phänomen erobert die Welt: «Trumpism». Die Autorin zeigt in ihrem, schon in zweiter Auflage erschienen aktuellen Buch, wie die Verletzung der menschlichen Würde via 140 Zeichen in den politischen Alltag eingreift. Ein Gespräch über Trump, Salvini, Hashtagfeministinnen, Amokläufe, Twitter und Tribute.
Zwischen Show und Person gibt es in Zeiten technischer Umbrüche keinen Unterschied. Die Trennung zwischen öffentlich und privat ist völlig aufgehoben mit dem Resultat, dass nicht mehr um Institutionen gekämpft und im öffentlichen Raum nach gegebenen Regeln gestritten wird. Es werden Menschen aufgrund ihrer Ansichten oder biologischen Erscheinung der Vernichtung preisgegeben – siehe Hate-Speech. Und zwar von allen politischen Seiten. Dieser «Selfism», der Aufstieg des herrschsüchtigen, ungebundenen Selbst, das links und rechts vergoldet wird, grassiert gegenwärtig in voller Wucht. Dass vor lauter Trump auch die Gegnerinnen völlig totalitär werden, erkennen nur Wenige, wofür ich den Begriff «Blindspirale» entwickelt habe. Den Aufstieg des 45. Präsidenten setze ich auch in Zusammenhang mit dem 44.  – eines der schwierigsten Kapitel über die Mittäterschaft von Barack Obama am gewachsenen Zerfall westlicher Demokratien. Dies alles setze ich in Bezug zur Welttheorie von Hannah Arendt (lacht). Sie sehen, es geht wirklich um viel und kein Wunder habe ich viel länger gebraucht, das Buch zu Ende zu bringen als geplant.
PS: Nachtrag vom 8.8.2019. Immer wieder gibt es Kollegen und Kolleginnen, die Stämpflis Werk abkupfern, ohne sie zu zitieren. Nicht zuletzt deshalb werden die wichtigen Artikel und Innovationen hier dokumentiert. 

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Regula Stämpfli über die Medien-Bigotterie anlässlich des Todes der Bloggerin des Jahres 2017 Sophie Hingst & Spiegelenthüllungen #Relotiusrevisited

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