Biopolitik: Kolumne von laStaempfli mit dem Prosit für Darwin und Freud

laStaempfli: Ein Prosit für Freud und Darwin

Meine Oma war eine beeindruckende Frau voller lustiger, ernster und kluger Geschichten. Während des Krieges wurde eine Gehilfin auf ihrem Bauernhof von einem Polen, der es in die Schweiz geschafft hatte, schwanger. Grossmutter entdeckte sie kurz darauf bitterlich weinend hinter dem Stall. Auf die Frage, was sie denn so betrübe, meinte das Berner Meitschi: «Jetzt hab ich doch ein Kind mit einem Polen. Wie werde ich mich je mit meinem Baby unterhalten können? Ich sprech doch kein einziges Wort Polnisch!»

Bildschirmfoto 2020-10-23 um 14.14.33Lange klangen Berichte der Wissenschaftsjournalisten wie die rührende Magd meiner Grossmutter. Allen Ernstes wurden Studien von «Brünftigen Männchen, welche aus Weibchen Zicken machen» oder «Männer wollen nur Sex, Frauen geile Schuhe» mit dem intellek­tuellen Arsenal der Steinzeitjäger verbreitet und geglaubt. Darwin schaffte es deshalb in Fächer, in denen er eigentlich nichts zu suchen hat – in die Politologie oder die Ökonomie, während sich Freud nur noch in der Werbung tummeln durfte. Einer meiner Lieblingswitze zu Freud und Darwin geht so: «Freud und Darwin kommen in eine Bar. Zwei Alkoholiker – Mäusemama, Mäusesohn – lecken aus zwei Fingerhüten gierig Gin. Die Mäusemama fragt Freud und Darwin: ‹Hey, ihr Intelligenzbestien. Wie konnte mein Sohn nur Alkoholiker werden?› – ‹Schlechtes Erbgut›, meint Darwin sofort. ‹Schlechte Mutter›, antwortet Freud.» – Die Frage nach «angeboren» oder «erworben» ist ähnlich beschränkt wie die Behauptung, ein Rechteck werde nur durch seine Längsseite definiert, weil die Querseite «weniger wichtig» sei. Dabei ist die Sache klar: Es ist nicht ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Oder in den Worten von Eckart von Hirschhausen: «Sieht ein Kind seinem Vater ähnlich, ist es genetisch. Sieht ein Kind seinem Nachbarn ähnlich, ist es Umwelteinfluss.»Seit 2014 wissen wir: Genetik ist immer kontextuell. Ein ETH-Team um Isabelle Mansuy stellte schon vor sechs Jahren fest: Leid vererbt sich bis in die Gene. «Schlechte Erfahrungen hinterlassen Spuren im Gehirn, in den Organen und Keimzellen. Über diese werden die schlechten Erfahrungen dann weitervererbt». Was wurde ich 2007 bei meiner «Macht des richtigen Friseurs» oder auch bei meiner 2013 erschienenen «Vermessung der Frau» teilweise durch den Kakao gezogen, weil ich mithilfe der Poesie (Kafkas «Strafkolonie») und mit der Philosophie von Hannah Arendt und vielen anderen mehr argumentierte, dass der menschliche Körper – medial vor allem der ­weibliche – nicht als biologisches, sondern als gesellschaftliches Zeichen der herrschenden Machtverteilung funktioniert!«Der Körper ist die Übersetzung der Seele ins Sichtbare», meint auch Christian Morgenstern und meine Grossmutter pflegte Bauchschmerzen mit Hühnersuppe und Kopfweh mit einem Streicheln zu heilen. Beziehungen können durchaus gesund und leider auch krank machen, wie die Studie von Isabelle Mansuy meint: Leid, Kummer, Not, Ungleichheit, Ungerechtigkeit formen nicht nur direkt betroffene Menschen, sondern auch die kommende Generationen. Es ist also höchste Zeit, hier nicht nur pharmakologisch, biologisch oder medizinisch etwas zu tun, sondern vor allem politisch. Nur Holzköpfe verweigern sich diesen Einsichten und derer gibt es immer noch viel zu viele. 

Einige Sachbüchertipps zu „Biologie ist nicht ohne Politik zu haben“ :Michel Foucault: Überwachen und Strafen. Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Norbert Elias, Geschichte der Zivilisation, Regula Stämpfli, Die Macht des richtigen Friseurs (Hannah Arendt Buch) & Die Vermessung der Frau. Hans Belting: Bild und Kult. Die Geschichte des Bildes, Marcel Mauss, Die Gabe, Christina von Braun, Blutsbande, Yval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menschheit, Hannah Arendt: Vita activa, Sivlia Bovenschen: Die imaginierte Weiblichkeit. Romane: Franz Kafka: Die Strafkolonie, Chimamanda N gozi Adichie: Americanah, Daborah Feldmann: Unorthodox. 

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Regula Stämpfli an der HSG St.Gallen/University of St.Gallen: Biopolitik

Regula Stämpfli an der HSG St.Gallen/University of St.Gallen: Biopolitik

II Von Hobbes bis Huxley: Leviathan und Schöne neue Welt

Philosophie

Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Biopolitik der Moderne. Schon Thomas Hobbes (1588–1679) stellte fest, dass dem Souverän das Gewaltmonopol zustehe, nicht zuletzt durch die Kontrolle über alle Lebewesen. Machtverhältnisse schreiben sich seit jeher buchstäblich in den menschlichen Körper ein. Nie wurde dies so bewusst wie in Zeiten der Pandemie von 2020. Die philosophische Auseinandersetzung mit der «Biopolitik der Moderne» befähigt zur kritischen Haltung gegenüber den «Fakten der Natur», zur Unterscheidungskraft und führt zu einem besseren Verständnis der Herausforderungen der Staatsräson in Zeiten von Pandemie und Globalisierung.

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Regula Stämpfli über eine Zukunft, die wie ein Emmentaler Käse codiert wird: DAS GROSSE DATENLOCH: DEMOCRACY DATA GAP: 9/2020

Regula Stämpfli über eine Zukunft, die wie ein Emmentaler Käse codiert wird: DAS GROSSE DATENLOCH: DEMOCRACY DATA GAP: 9/2020

«Digitale Demokratie» ist eigentlich ein Oxymoron: «Digital» ist künstlich, «Demokratie» hingegen weltlich. Aber die virtuelle Welt ist punkto Demokratie so löchrig wie ein Emmentaler-Käse. Was bisher «data bias» genannt wird, ist nicht nur eine codierte Voreingenommenheit, sondern ein methodisches Lücken- werk, das die wirkliche Welt auf ideologische Krücken stellt. Die politische Philosophin Regula Stämpfli fordert in ihrem Artikel, dass nicht die Demokratie digitalisiert, sondern die Digitalisierung endlich demokratisiert wird.

In: swissfuture, 50 jahre, die zukunft der zukunft, die methoden der zukunft. Heft bestellen bei swissfuture@swissfuture.ch oder pdf auf Bild klicken. 

copyrightlaStaempfli

Regula Stämpfli: Die Demokratisierung der Digitalisierung ist Gebot der Stunde. It´s the codes, stupid! Konferenz Digital.Macht. Demokratie vom 23.9.2020

Regula Stämpfli: Die Demokratisierung der Digitalisierung ist Gebot der Stunde. It´s the codes, stupid! Konferenz Digital. Macht. Demokratie vom 23.9.2020. 

DemokratieMachtDigital 23Sept

Die digitale Reovlution erzählt bis heute nichts von der Leih- und Sklavenarbeit, die der Plattformkapitalismus hervorbringt, sie berichten nicht über die Müllberge und den immensen Stromverbrauch, sie verdrängen die als Kohlestofflager missbrauchte Luft, sie verdrängen die psychischen Probleme der Moderne nicht nur, sondern sie induzieren sie. Deshalb reagieren Menschen auf solche totalitären Ansätze mit Kulten der Verletzlichkeit, der Empörung, der falschen Verdächtigung der Mitmenschen statt der die Menschen hasserfüllenden Maschinen zu kritisieren. Geschickt an allen Diskussionen um die Eroberung der Welt als Code ist, dass die Producer, die Herrscher, die als Personen durchaus Menschen wie Sie oder ich sind, jede Kritik als technophob, als altmodisch, als vorgestrig, als hinterwäldnerisch bezeichnen und somit jede Gegenwehr im Keim ersticken.

Regula Stämpfli Vorlesung: „Post-Corona. Über die Biopolitik der Moderne“ an der Universität St. Gallen ab 15. Oktober 2020

Regula Stämpfli Vorlesung: „Post-Corona. Über die Biopolitik der Moderne“ an der Universität St. Gallen ab 15. Oktober 2020. Die Vorlesung beschäftigt sich mit der Biopolitik der Moderne. Schon Thomas Hobbes definierte die Kontrolle über alle Lebewesen als Kern des staatlichen Gewaltmonopols. Machtverhältnisse schreiben sich in den menschlichen Körper ein: Corona lässt grüssen. Die Vorlesung geht von Hannah Arendt über Hobbes, Huxley, Foucault und Christina von Braun zu den „Fakten der Natur“. Eines ist laStaempfli klar: „Biologie ist nie ohne Politik zu haben.“

PRESSETEXT UNIVERSITÄT ST. GALLEN

biopolitik vorlesung st.gallen2020

laStaempfli, swissfuture, TA-Swiss: Demokratisierung der Digitalisierung

#–§– 0/1 Digital. Macht. Demokratie.
Zukunftskonferenz

„Der Mensch ist frei geboren, doch heute liegt er schon vor der Geburt in eng geschnürten Datenpaketen“ (laStaempfli)ensuite_213_September_2020-Anzeige.

Alle reden von „Digitaler Demokratie“, wir DEMOKRATISIEREN DIE DIGITALISIERUNG. Wer? Swissfuture & TA SWISS. Wo? Im Museum für Kommunikation Bern, Schweiz. Wann? 23.9.2020, 12.30-19.30 Uhr. Abendessen inklusive. Anmeldung? future@swissfuture.ch Tel: 041 240 63 33.

Die Bestsellerautorin Julia Onken empfiehlt wärmstens das Buch von Regula Stämpfli im Sonntagsblick: Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt.

Die Bestsellerautorin Julia Onken empfiehlt wärmstens das Buch von Regula Stämpfli im Sonntagsblick: Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt.

Sonntagsblick,14. April 2019

Ein Buch liess mich alles vergessen

Julia Onken Autorin

Auf die Buchpräsentation «TRUMPISM – Ein Phänomen verändert die Welt» von der mir sehr geschätzten Regula Stämpfli freute ich mich ganz besonders. Ich kenne ihre Bücher, ihr analytischer Verstand wirkt wie eine Zündung auf die eigene Gedankenwelt. Zwei Tage davor wollte ich mich noch über den Beginn der Veranstaltung orientieren und entdeckte eher zufällig, dass ich als Moderatorin aufgeführt war. Wie konnte so was geschehen? Jedenfalls erinnerte ich mich weder an eine Anfrage noch an eine Zusage von mir. Ich überlegte, ob ich absagen soll, da ich ja überhaupt nicht vorbereitet war. Nun, Rückzug gehört weniger zu meinen Strategien, sondern ich handle eher nach meinem altbewährten Motto «Augen zu und durch». In diesem Fall hiess es: «Augen auf und lesen.» Als Erstes bestellte ich das Buch im Eilverfahren – in wenigen Stunden lag es vor mir. Und dann begann ich zu lesen, nicht nur weil ich musste, sondern weil ich nicht mehr aufhören konnte. Stämpflis Sprache – ähnlich einem Dauerfeuerwerk – zog mich in ihren Bann, mehr noch, ihre akrobatische Denkarbeit, wie sie Politisches bis auf die Knochen seziert, Themen verknüpft und Zusammenhänge herstellt, ist ein Lesevergnügen der besonderen Art. Die Nacht kam leider dazwischen, ein paar Stunden Schlaf, dann ging es in rasanter Fahrt weiter durch die aufregenden und klugen Kapitel. Am Nachmittag klingelte mein Handy, eine freundliche Dame fragte mich, ob ich denn meinen Coiffeur-Termin vergessen hätte. Ja, sorry, hatte ich. Am Abend führte ich im Self-Hairstyle durch die Veranstaltung, folgte den leidenschaftlich vorgetragenen Thesen von Regula Stämpfli und freute mich herzlich darüber. Und mit mir ein begeistertes Publikum.

Julia Onken schreibt jeden Sonntag über die Freuden und Eigenheiten des Lebens. Sie ist Autorin diverser Bücher.

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Politphilosophin Regula Stämpfli über den Zusammenhang Fake News und digitale Revolutionen, SRF 16.6.2020

Politphilosophin Regula Stämpfli über den Zusammenhang Fake News und digitale Revolutionen, SRF 16.6.2020: „Das was ich in meinem Buch als Trumpism bezeichne, ist die Erfassung einer philosophischen und politischen Entwicklung der Eroberung der Welt als Zahl. Das, was wir mit moralischen Empörungen mit Fake News verurteilen ist nichts anderes als die Konsequenz einer datengetriebenen Logik, die sich in der Politik via Brands, Images, Marken, Polls etc. manifestiert.“

medienclub regula stämpfli

laStaempfli on #AI & #KI and #Algorithmic Bias: TEDx 2013 (The World is only ready for her message in 2020…)

 

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Regula Stämpfli, Swiss-born, lives in Munich and works as a columnist and lecturer in Germany, France and Switzerland. For four years she worked on a modern interpretation of Hannah Arendt’s vita activa, published in Brussels in 2007 as Die Macht des richtigen Friseurs (The Power of a Proper Hairdresser). in 2013 she wrote: „The Poetry of Algorithms and the future of the Pixel-Gaze“, critique of modernist perception of time, and of mankind and its labours. Together with IFG Ulm, her professional advisory board, Regula Stämpfli initiated a publicity program called Designing Politics -The Politics of Design for the HFG Ulm institute in 2007. The Ulm Discussions continue within various design networks. In 2013, Stämpfli’s book Die Vermessung der Frau (The Metric Woman) was published by the publisher, Gütersloher Verlagshaus. The book gained high recognition (second edition was published after only four months) and has received innumerable reviews and readings, including TV and radio programs.

In 2018 laStaempfli wrote „Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt“, which was a Bestseller in Austria with a long book tour. Staempfli develops the theory of digital democracy in regards to communication and how Trumpism is a method rather than just a mishap in history. The book is one of the best critiques on #Bankspeak, #Ratings, #Polls and applies Hannah Arendts Vita Activa. 

A multi-faceted intellectual, Stämpfli is known from her written works and television appearances as a sharp-witted analyst, columnist and inspirational talker. Opinions of her vary greatly: the Neue Zürcher Zeitung once referred to her as „Nervewrecker from Brussels“, whereas her students have called her „The Lara Croft of Political Science“. Her popular works comprise additional books, including a collection of her articles, among  there an exhibition and a book on women and their professions. Staempfli teaches political philosophy at the University of St. Gallen.