Regula Stämpfli an der SGVW Herbsttagung 2019: Macht und Machtverschiebung im digitalen Staat, 5.9.2019

Die Digitalisierung verändert nachhaltig das Verhältnis zwischen Staat und Bürgerinnen und Bürgern.

An der diesjährigen Herbsttagung der SGVW vom 5. September 2019 trafen sich Top-Entscheidungsträger und Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, um über Auswirkungen der Digitalisierung und deren Trends zu diskutieren. Im Zentrum stand die Frage: Führt die Digitalisierung zu einer Machtverschiebung?

Persönliche Erkenntnis von Regula Stämpfli: Demokratie muss in den Zeiten des „Überwachungskapitalismus“ (Shosana Zuboff) entlang den bestehenden rechtsstaatlichen Grundregeln gestärkt werden.

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Regula Stämpfli im „Theoriepark Vogelweide“ in Innsbruck: „Die Liebe in Zeiten von Trumpism“, 10. September 2019 18.00

Die Denkerin jenseits aller Hashtags, laStaempfli beschäftigt sich seit Jahren mit der Algorithmisierung der Welt und dem Leben als Konsum. Sie erzählt sprachmächtig, worterfinderisch über die Pornografisierung des Alltags, die Klickraten-Demokratie und die „medialen Blindspiralen“. Letzterer ein Begriff, den Regula Stämpfli theoretisch und phänomenologisch in ihren Werken immer wieder erklärt. Für die Vogelweide wird sie über die Liebe in Zeiten von Trumpism nachdenken und neben der Kritik an der algorithmischen Konsumkälte, die uns alle trifft, Möglichkeiten für demokratische Utopien und Freiräume aufzeigen. 

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Regula Stämpfli über den Muttermythos – laStaempfli on motherhood (in German): 1.9.2019. Die Bestsellerautorin Julia Onken erforscht mit der Politologin den „Muttermythos“

Hast Du in der Mutterrolle Deine intellektuellen Fähigkeiten, Deine kreative Begabung und Deine Stärke zu Denken im Dornröschenschlaf narkotisiert?

Hätte ich in der Schweiz gelebt, wäre dies sicher passiert und ich in eine lebenslange Depression verfallen. Ich weiss noch, wie einige meiner Studienkolleginnen, sobald sie Mütter wurden, ihre Berufswünsche völlig aufgegeben haben und bis heute extrem darunter leiden. Vielleicht sind deshalb soviele Frauen im späteren Alter so ungnädig, teilweise frustriert und oft extrem ungerecht gegenüber ihren jüngeren und gleichaltrigen Schwestern. Weil sie ihre Freiheit, ihren Mut, die weibliche Kraft nicht leben durften, da ihnen der Staat und die gesellschaftlichen Regeln Rollen zuschoben, für die sie gar nie geboren wurden. Da sind die deutschen und schweizerischen Mütterkulte echt pickelhart. Wie gesagt: Ich danke allen Göttinnen dieser Welt, meiner Mutter und meiner Grossmutter, dass sie als Arbeiterin, als Bäuerin mir ein Frauenleben vorgelebt haben, das sich nicht auf die Reproduktion von Nachwuchs beschränkte. Ich möchte allen Müttern und Nicht-Müttern zurufen: Helft mit, dass alle Frauen frei sind, frei zu sein! Die Verantwortung für Kinder allein der Mutter und/oder dem Vater aufzubürden konstruiert Gefängnisse, die schreckliche Familiendramen oder noch schrecklichere Jugendbehörden nach sich ziehen. Da sind andere Länder wie Frankreich, Schweden, Dänemark, Finnland wirklich Jahrzehnte der Schweiz und Deutschland voraus. 2019 hat die Unicef-Studie der Schweiz punkto Familienfreundlichkeit in Europa den letzten (!) Platz zugewiesen. Das männliche Ernährermodell hält sich in der Schweiz unglaublich hartnäckig.

SIEHE AUCH SRF-INTERVIEW ZUM LETZTEN PLATZ DER SCHWEIZ: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/letzter-platz-bei-studie-die-schweiz-ist-bekannt-fuer-ein-hartnaeckiges-ernaehrermodell

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TRUMPISM: REGULA STÄMPFLI ÜBER POPULISTEN UND DEMOKRATIEFAKES IN GRAZ 16.9.2019

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Regula Stämpfli, Dozentin für „Schlagfertig Verhandeln“ 12./19. September – Anmeldung auf Bild klicken

Kursbeschrieb:
Schlagfertiges Auftreten gehört zu den wichtigsten Mittel der modernen Kommunikationsgesellschaft. Im Kurs lernen Sie, wie Sie in jeder Situation smart und konstruktiv reagieren können. Sie wissen, Kompromissbereitschaft und Stärke zu signalisieren. Sie eignen sich im Kurs Kenntnisse der Rhetorik sowie Allgemeinwissen an. Damit fördern Sie Ihre sprachliche, denkerische Redegewandtheit, und sichern Ihr Auftreten. Mit zahlreichen Tipps und guter Lektüre sind Sie für künftige öffentliche, berufliche, ja selbst für private Termine gut gewappnet.

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Selfism und die Medienunkultur – Regula Stämpfli über Demokratie in der digitalen Gesellschaft

In ihrem jüngsten Buch ‚Trumpism – Ein Phänomen verändert die Welt‘ setzt sich die politische Philosophin Regula Stämpfli mit der Situation demokratischer Gesellschaften im digitalen Zeitalter auseinander. Im Studiogespräch erläutert sie sowohl konkrete Problemstellungen und deren Ursachen als auch Wege zu ihrer Überwindung.

Vervielfältigung, Verbreitung, Bearbeitung bei Namensnennung gestattet, kommerzielle Nutzung ausgenommen, Weitergabe unter gleichen Bedingungen; Herbert Gnauer (ORANGE 94.0). Beitrag vom Juli 2019.

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Regula Stämpfli über Insta-Stars avant la lettre in der Vermessung der Frau, Gütersloh 2013: Ja. Der Narzissmus wird auch behandelt, deshalb hier Spiegelschrift

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Regula Stämpfli im Magazin für Kunst und Kultur ENSUITE zu Ian McEwans „Maschinen wie Ich“. Eine einzige Empfehlung für ABBITTE, August 2019

Ian McEwan: Vom Genie zum Banalschreiber

«Maschinen wie ich» ist ein fürchterlich banales, ja dummes Werk von Ian McEwan. Wie konnte er nur? Ist dies derselbe Poet, der mit „Abbitte“ ein Jahrhundertwerk geschaffen hat? Der Mann, der das Böse derart präzise in die 13jährige Briony packt? Seitdem ist mein Verhältnis zu weiblichen Teenagern, das schon als ich in diesem Alter war, nicht ganz unbelastet war, nachhaltig beschädigt. In «Abbitte» gibt es Sätze wie : «Briony gehörte zu jenen Kindern, die eigensinnig darauf beharren, dass die Welt genau so und nicht anders zu sein hat.» Welch ein grandioser Auftakt für die Ahnung für unmittelbar bevorstehende Katastrophen, die durchaus in der unheimlichen Zone zwischen Kindheit und Erwachsensein stattfinden.

«Children hated generously, capricoiously. It hardly mattered. But to be the object of adult hatred was an initiation into a solemn new world. It was a promotion.» Gehasst zu werden als Auszeichnung der Adoleszenz, yep. Es gibt tatsächlich kleine Menschen, die als Hasssubjekte geboren sind – davon berichtet auch John Steinbeck in «East of Eden». Doch der Opferkult der Gegenwart machen aus jeder individuellen Schuld, die den Menschen zum verantwortlichen Subjekt machen, zur kollektiven. So macht sich das Böse breit, das sich in Unschuld wie auch im sogenannten Zufall tarnen kann. Bei «Abbitte» ist es so klar: Es gibt Menschen, die wie kaum andere das hinterhältige Böse inkarnieren. Es gibt Menschen, die verorten sich nie in einer Unschuld, die ihnen genommen werden könnte. Um dies zu verstehen, sind «Abbitte» von Ian McEwan und «Jenseits von Eden» von John Steinbeck Wegweiser. Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, können über die Sünde herrschen, was auf die Verantwortung eines jeden Einzelnen hinweist: Jede hat eine Wahl und die trifft sie bewusst, egal was Ihnen die Soft-Mittäter ursprünglicher Gewalt auch immer erzählen mögen.

Angesichts dessen ist das neue Werk «Maschinen wie ich» derart erschütternd langweilig und billig, dass man McEwan einfach nicht mehr lesen sollte. Hätte eine Jungautorin ein derart banales Werk geschrieben, in diesem Geplärre-Ton eines Literatur-Automaten, sie wäre von den Literaturkritkern in der Luft zerrissen worden. Ian McEwan ignoriert bewusst die wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen apropos Künstlichen Intelligenz. Nicht nur das: Das Werk ist darüber hinaus äusserst sexistisch. An diesem Buch ist nichts, aber auch wirklich nichts „spannend“, um das meistgebrauchte Wort einer unglücklich agierenden Literaturkritikerin der antivisionären Gegenwart zu zitieren.

 

PS: Wer über das Eichmass Maschine-Mensch mehr erfahren will, ist mit allen Romanen von Philip K. Dick & William Gibson nicht nur besser up to date (alle vor 1982 entstanden – welch Ironie), sondern auch hervorragend unterhalten. Wer die Themen der Macht der Computer und die Ohnmacht der Beziehungen, die Vernunft und Herz mit einschliessen, verstehen möchte, greife doch auch zu einem alten Buch: Joseph Weizenbaum: Computermacht und Gesellschaft. Wer Ian McEwan einmal gelesen haben will, dem sei nur „Abbitte“ ans Herz gelegt.

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Regula Stämpfli über Selfism in den Medien, die Veränderungen der Demokratie & politischen Kommunikation im Medienwandel durch die Digitale Revolution

«Der ‹Selfism› grassiert gegenwärtig in voller Wucht»

Ein neues Phänomen erobert die Welt: «Trumpism». Die Autorin zeigt in ihrem, schon in zweiter Auflage erschienen aktuellen Buch, wie die Verletzung der menschlichen Würde via 140 Zeichen in den politischen Alltag eingreift. Ein Gespräch über Trump, Salvini, Hashtagfeministinnen, Amokläufe, Twitter und Tribute.
Zwischen Show und Person gibt es in Zeiten technischer Umbrüche keinen Unterschied. Die Trennung zwischen öffentlich und privat ist völlig aufgehoben mit dem Resultat, dass nicht mehr um Institutionen gekämpft und im öffentlichen Raum nach gegebenen Regeln gestritten wird. Es werden Menschen aufgrund ihrer Ansichten oder biologischen Erscheinung der Vernichtung preisgegeben – siehe Hate-Speech. Und zwar von allen politischen Seiten. Dieser «Selfism», der Aufstieg des herrschsüchtigen, ungebundenen Selbst, das links und rechts vergoldet wird, grassiert gegenwärtig in voller Wucht. Dass vor lauter Trump auch die Gegnerinnen völlig totalitär werden, erkennen nur Wenige, wofür ich den Begriff «Blindspirale» entwickelt habe. Den Aufstieg des 45. Präsidenten setze ich auch in Zusammenhang mit dem 44.  – eines der schwierigsten Kapitel über die Mittäterschaft von Barack Obama am gewachsenen Zerfall westlicher Demokratien. Dies alles setze ich in Bezug zur Welttheorie von Hannah Arendt (lacht). Sie sehen, es geht wirklich um viel und kein Wunder habe ich viel länger gebraucht, das Buch zu Ende zu bringen als geplant.
PS: Nachtrag vom 8.8.2019. Immer wieder gibt es Kollegen und Kolleginnen, die Stämpflis Werk abkupfern, ohne sie zu zitieren. Nicht zuletzt deshalb werden die wichtigen Artikel und Innovationen hier dokumentiert. 

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Regula Stämpfli über die Medien-Bigotterie anlässlich des Todes der Bloggerin des Jahres 2017 Sophie Hingst & Spiegelenthüllungen #Relotiusrevisited

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