Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers „Feuer der Freiheit“, Rezension Jänner 2021im „ensuite“.

Feuer der Diskriminierung: Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers „Feuer der Freiheit“, Rezension Jänner 2021im „ensuite“. 

Von Dr. Regula Stämpfli – Die Reduktion von Menschen auf ökonomische Konzepte oder ihr Geschlecht führt in keinerlei Disziplin weiter. Als Kategorie der Diskriminierung funktioniert das Geschlecht aber hervorragend. laStaempfli fauchend in den Fusstapfen von Hannah Arendt…. 

Wolfram Eilenberger hat ein unmögliches Buch zu vier Philosophinnen geschrieben: Es ist abseitig, verkehrt, anstössig, unangenehm. Und zwar auf vielen Ebenen. Erstens vergleicht er vier Philosophinnen miteinander, die nichts, ausser einem ähnlichen Geburtsdatum, gemeinsam haben. Zweitens sind die vier «Philosophinnen» gar keine. Hannah Arendt wies den Begriff für sich explizit zurück, Ayn Rand war im besten Fall eine mittelmässige, ultrakapitalistische, geldversessene Sado-Maso-Literatin, Simone de Beauvoir die grösste Gesellschaftstheoretikerin des 20. Jahrhunderts und Simone Weil eine Sozialrevolutionärin mit Hang zur christlichen Mystik und buddhistischen Einsichten. Die vier Frauen in ein Buch zu packen, drittens, entspricht dem Versuch, ein Band zum Thema «Freie Rede» mit Joseph Goebbels, Niklas Luhmann, Isaiah Berlin und Dalai-Lama zu veröffentlichen. Goebbels nimmt in diesem Vergleich die Rolle von Ayn Rand ein, Simone de Beauvoir die von Niklas Luhmann, Hannah Arendt Isaiah Berlin und Simone Weil die von Dalai-Lama. Würden die erwähnten Herren von einem Philosophen in einem einzigen Werk gemeinsam, vor allem mittels Liebes- und Freundesbriefe, als Philosophen der freien Rede, Kommunikation und Demokratie besprochen werden? Niemals. Aber offensichtlich ist die Verachtung und Benachteiligung von denkenden Menschen aufgrund ihres Frauseins philosophisch so akzeptabel, dass der deutsche Feuilleton Eilenbergers Werk in höchsten Tönen rühmt.eilenberger laStaempfli rezension

In meiner, in der Dezemberausgabe 2020 von ensuite leider veröffentlichten und unredigierten Rohversion zu Eilenbergers «Freiheit», gehen vor lauter Wut über die offensichtliche Geringschätzigkeit, Herabsetzung, ja Hohn gegenüber den vier Frauen, die wichtigsten Argumente in falscher Syntax, Grammatik wie Wortwahl unter. Ich bin immer noch wütend, entsetzt, regelrecht von Furien besessen: Hätte ich Zeit und Geld würde ich Eilenbergers Machwerk Satz für Satz als falsch gesetzt, verquer gedacht, unmöglich formuliert und abartig kontextualisiert, auseinandernehmen. Warum in aller Welt bin ich die Einzige, die mit Hannah Arendt den philosophischen Skandal, den Eilenberger hier in allem Sexismus produziert, entlarvt? Doch Eilenbergers Buch eignet sich nicht einmal für ein Debattenfeuer: Es ist dermassen kreuzfalsch, dass mein Gehirn schmerzt beim Lesen.

regula stämpfli hannah arendt nacht der philosophinnen

Stichwortartig meine wichtigsten Punkte:- Vier völlig unterschiedliche, diametral andersdenkende, handelnde und publizierende Frauen aufgrund ihrer Generation in ein Buch zu packen, ist nach Arendt «klassischer Sophismus», der darin besteht, «den Verstand mit Argumenten zu bezaubern» und damit «einen Sieg der Argumente auf Kosten der Wahrheit» erzielen zu wollen. (Totalitarismus, S.34) – Eilenberger sagt nichts zu Arendt, Beauvoir, Weil und Ayn Rand, sondern zu Eilenbergers Variante von «Philosophinnen».- Eilenberger benutzt diskriminierende Bilder, die den Eindruck vermitteln, die Wirklichkeit abzubilden, wenn sie in Bezug auf die Denkerinnen das Gegenteil tun.- Eilenberger interessieren die Männer der vier Frauen viel mehr als die Schriften von Rand, Beauvoir, Arendt und Weil.- Eilenberger präsentiert einen standardisierten männlichen Blick auf sogenannte Philosophinnen: das Buch strotzt nur so von traditionell geschlechterzugeordneten Settings.- Eilenbergers Männer denken, Eilenbergers Frauen lieben.-Eilenbergers Buch wird sofort entlarvt, wenn Frau die Umkehr-Probe anwendet.- Eilenberger stellt Männer positiv klischiert dar, die Frauen stereotyp negativ: Sie sind ständig im Defizitmodus.- Eilenberger gibt vor, über vier Frauen zu schreiben, aber er schreibt nur über Eilenbergers Variation von selbstimaginierten Figuren, denen er die Namen Beauvoir, Weil, Rand und Arendt gibt. Er zitiert nur Quellen, die diesen von ihm imaginierten Figuren entsprechen.

buchcover hannah arendt

Dass der bisherige Feuilleton dies nicht entdeckt hat, sondern den Fantasmen Eilenbergers folgt, ist ein Skandal. Denn es drängt sich ein vernichtender Verdacht zur Motivation von Eilenberger auf: Offensichtlich ging es in diesem Werk zu den völlig verzerrten und selbstimaginierten Frauenfiguren nicht um Rand, Beauvoir, Arendt oder Weil, sondern in erster Linie darum, diese Frauen so ins Bild zu setzen, dass von ihren Werken nichts mehr übrigbleibt. Rand mit Beauvoir, Arendt und Weil gleichzusetzen ist mephistophelisch übel. Beauvoir, Arendt und Weil darüber hinaus über deren Männer, im Fall von Weil, über Gott, zu definieren, entspricht den klassischen Unsichtbarmachungs-Strategien patriarchaler Wissenschaftler des 19./20. und nun auch 21. Jahrhunderts.Wolfram Eilenberger, Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933–1943, Klett-Cotta, Stuttgart 2020, 396 Seiten.

Regula Stämpfli über die Notwendigkeit der ökologischen und sozialen Transformation 2021ff

Zukunftsforscherin Regula Stämpfli über die Notwendigkeit der ökologischen und sozialen Transformation 2021: Blick, Schweizer Tageszeitung 6.1.2021.Bildschirmfoto 2021-01-06 um 17.16.23

Nach der Corona-Krise wird nichts mehr sein, wie es einmal war. Das sagt die Zukunftsforscherin Regula Stämpfli. Um in diesem Jahrhundert nicht von einer Pandemie in die nächste zu schlittern, seien ökologische und soziale Handelssysteme dringend notwendig.

„Trumpism“ von Regula Stämpfli als Hörspiel in „Philosophie Pur“, gestaltet vom fabelhaften Alexander Tschernek fürs ORF

„Trumpism“ von Regula Stämpfli als Hörspiel in „Philosophie Pur“, gestaltet vom fabelhaften Alexander Tschernek fürs ORF. Passt zur Unwilligkeit des abgewählten Präsidenten Donald Trump, Institution wie Amt seinem Nachfolger zu übergeben. In seiner diesjährigen Sendung zum Nationalfeiertag beschäftigt sich unser passionierter Vermittler von Erkenntnisfreuden, Alexander Tschernek, mit den Gefahren, die Selfie-Politik, Fake-News und Umfragekultur für unsere westlichen Demokratien bergen. Basierend auf Texten aus dem Buch „Trumpism – Ein Phänomen verändert die Welt“ der Polit-Philosophin und Hannah Arendt-Expertin Regula Stämpfli wird der Hörer auf einen Gedankenexkurs entführt, der das Wesen gegenwärtiger Politikkultur ergründet und mögliche Antworten liefert auf die Frage, wie es so weit kommen konnte. Tongestaltung: Friedrich Trondl
Buch und Regie: Manuel Schmale.

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Isabel Rohner & Regula Stämpfli in #DiePodcastin zu Frauen, Macht, Medien: Katharine Graham, Louise Otto-Peters, Mathilde Franziska Anneke, Lex Otto, DACHelles, Edition F, EMMA, Ulrike Helmer, Frauenoffensive.
Freude frauscht im Neujahr 2021: Die Rohnerin kann endlich ihre Hauszeitung, den Tagesspiegel, rühmen: 12 von 21 Menschen sind Frauen unter den Stars von 2020. Ein Schritt vor und zwei zurück: Die Werbekampagne zu Ferdinand von Schirach auf allen öffentlichen und privaten Kanälen ist auf mehreren Ebenen ärgerlich, frauenfeindlich, männermächtig. Dies führt #DiePodcastin direkt ins Thema: laStaempfli zu Relevanz, Sichtbarkeit und Cash im Thema: Frauen fehlen auf allen Ebenen der Medien und werden SYSTEMATISCH benachteiligt. Die Rohnerin erzählt die packende Geschichte der ersten Frauenzeitung und der Lex Otto: #DiePodcastin realisiert im Gespräch, dass die Position von Frauen in den Medien auch durch expliziten Ausschluss, Segregation und Unsichtbarkeitsmachung geprägt ist.
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Dies lässt sich auch an den “zwei Leben der Katharine Graham” aufzeigen: Graham (1917-2001) war die wichtigste Verlegerin des 20. Jahrhunderts, Tochter der bekannten Reporterin und Feministin Agnes E. Meyer und dem Unternehmer Eugene Meyer. Sie machte durch ihren mutigen Kurs von 1969-1979 die Washington Post ein leading Newspaper. Eine Zeitung, die von Amazon-Autokrat Jeff Bezos für 250 Millionen US-Dollar, ein Betrag aus seiner Portokasse,im Jahr 2013 übernommen werden konnte. Medien nehmen eine herausragende Rolle ein: Einfluss, Multiplikation, Macht, Vorbilder, Meinungen sind durch Medien geprägt.“Männer handeln – Frauen kommen vor” hielt laStaempfli schon 2007 in ihrer Studie zu Frauen und Medien fest (in neuer Auflage in Bearbeitung): Nicht einmal den realen Prozentsatz von Frauen im Geschäftsleben entsprechen die Medienberichte. Hier hinken öffentliche und private Medien mindestens 20 Jahre hinter der Entwicklung hinterher.

#DiePodcastin in einem spannenden Gespräch zu einem Thema, das weitergeführt wird und nur so nebenbei: Isabel Rohner und Regula Stämpfli sind als neuer Typ der Verlegerinnen im 21. Jahrhundert einzuordnen und diesmal versprechen sie sich: Kein Gesetz wird ihnen mehr verbieten, über Frauen zu reden, Frauen sichtbar zu machen, Frauen grosse Leben zu ermöglichen…

Bei #DiePodcastin weihnächtelt´s (“ze den wihen nahten”): Regula Stämpfli & Isabel Rohner über misogyne 400.000 Euro-Förderung, feministische Theologie & Matriarchat.

Bei #DiePodcastin weihnächtelt´s (“ze den wihen nahten”): Regula Stämpfli & Isabel Rohner über misogyne 400.000 Euro-Förderung, feministische Theologie & Matriarchat.
Die Bundesregierung fördert einen antifeministischen Verein mit Euro 400.000: Isabel Rohner erzählt von der seltsamen & hinterhältigen Strategie. laStaempfli wütet in dem Rahmen über die “Herrschaft des Niemands”, da keiner, selbst bei gröbster Veruntreuung von öffentlichen Geldern, Filz und Missmanagement wie bei Wirecard, auch zurücktreten muss. Die Weihnachtsstimmung ist im Keller und erholt sich nicht wirklich, da laStaempfli mit der Prähistorie weiterfährt, die nur so heisst weil die patriarchalen Werkzeugkisten, Geschichte erst dann als “richtige” interpretiert, wenn sich jene Muster etabliert haben, die wir als sexistische erkennen. So kommt es, dass alle matriarchalen Gesellschaften als Nicht-Kulturen mit dem “prä” entsorgt werden. Dabei ist es sonnenklar: Alle Rituale weltweit sind von matriarchalen, sog. heidnischen Strukturen geprägt.
 Luce Irigaray (*1930), für deren Erwähnung der Podcast nicht mehr reichte, meinte dazu: “Der Frau fehlt ein Spiegel, um Frau zu werden. Wir brauchen eine Ahnung von Vollkommenheit, um vollkommen zu werden. Es fehlen die Göttinnen. Göttinnen inspirieren Frauen, sich selber als geweiht, als heilig als mächtig zu empfinden, Frauen brechen so aus den einengenden Rollen aus.” 
weihnachtskerze-800x500Die kluge Rohnerin ist schockiert über den Kanon, von dem selbst sie, als geborene Feministin, nie gehört hatte. Deshalb unten ein paar Namen mit einer wichtigen Ergänzung: In den 1980er Jahren gab es grosse Auseinandersetzungen innerhalb der Feministinnen. Die Matriarchatsforscherinnen wurden dabei verschüttet wie schon im 19. Jahrhundert. Die Autorinnen selber machten sich das Leben auch ziemlich schwer, da sich aus der Matriarchatsforschung radikale, kultische, ideologische Deutungen ergaben und bis heute jedes Sprechen über das Thema vergiften. Feministische Theologie bedeutet auch, feministische Geschichte zu haben. Matriarchale Forschung ermöglicht weiblichen Individuen, sich selbst in rituellen Dimensionen zu positionieren. Fehlen alle kollektiven Deutungsmuster grosser Göttinnen, dominieren Evolutionschauvinismen eines Richard Dawkins ebenso wie die patriarchalen Kopf- und Missbrauchgeburten der Monotheismen. Erst wenn Frauen Geschichte haben, können sie auch Geschichte machen.

Regula Stämpfli: Europa zwischen Banksprech und Sehnsuchtsort. in : Jahrbuch 2020, hg im Dezember, Denknetz

Regula Stämpfli: Europa zwischen Banksprech und Sehnsuchtsort. in : Jahrbuch 2020, hg im Dezember, Denknetz

Bankenkrise, Eurogroup, Brexit, Populismus und Renationalismus im Zeichen der Coronakrise setzen Europa als Kontinent der vereinigten Demokratien enorm zu. Der Zerfall Europas ist sowohl hausgemacht als auch digital und global induziert. Lesen Sie den Beitrag von Dr. Regula Stämpfli. Sie lehrt Politische Philosophie an der Universität St. Gallen, hat mehrere Monografien zur Geschlechtergeschichte, Demokratietheorie, zu political Design und Digital Transformation verfasst. nach zwei Jahrzehnten als Beraterin bei der EU lebt sie heute in München.Bildschirmfoto 2020-12-24 um 15.51.03

Das Buch zu Europa thematisiert die wichtigsten Herausforderungen aus demokratietheoretischer und gendergerechter Sicht. 

laStaempfli über Codes, algorithmic bias, digitale Demokratie & die wunderbaren Videos von Dr. Elisabeth Ehrensperger TA-SWISS, René Spitz & Podiumsdiskussion der #DIGIKONFERENZ2020

„Der Mensch ist frei geboren, doch heute liegt er schon vor der Geburt in eng geschnürten Datenpaketen.“ Zitat TM Regula Stämpfli, Initiatorin, Leiterin und Moderatorin der  Konferenz 2020: 23.9. für swissfuture & TA-SWISS

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Die Konferenz zeigte wie wichtig die Demokratisierung der Digitalisierung ist und weniger die Digitalisierung der Demokratie, die eher einen technischen Diskurs befördert statt den demokratischen und politischen. Es bleibt weiterhin die wichtige Aufgabe, Digitalisierung mit der Demokratie in Einklang zu bringen. Swissfuture und TA-SWISS haben sich deshalb künftige Projekte vorgenommen. Folgendes Briefing stellte laStaempfli dem Podiumsleiter Georges Roos, schauen Sie doch in die Videos rein, klicken Sie auf die Bilder.

Digital ist virtuell, Demokratie und Politik analog. China hat Überwachungsstaat, USA Plattformkapitalismus. Ist unser demokratisches Modell nicht völlig outdated? laStaempfli

  1. Stichwort Freies Internet: Trumps Vorschlag, das Netz zu regionalisieren: Mehr oder weniger Demokratie? laStaempfli
  2. Stichwort algorithmic bias: Welche Modelle gäbe es, die Programmszene zu diversifizieren? Oder ist auch da der Zug schon abgefahren? laStaempfli
  3. Digitalisierung und demokratische Medien: Information ist Grundlage der Demokratie. Werden wir in Zukunft nur noch nach Like/Dislike politisch abstimmen, uns via Smartspider vorplanen lassen und via Meinungsumfragen herrschen? Wird Politik vertwittert oder demokratisiert? laStaempfli
  4. Stichwort Klimawandel: Chancen der digitalen Überwachungsstruktur/Chancen der demokratischen Digitalisierung? laStaempfli
  5. Stichwort: Resonnanz. Welche Modelle der interaktiven, digitalen demokratischen Partizipation funktionieren demokratisch und welche technisch?laStaempfli
  6. Stichworte Ja/Nein Bedingungslos garantiertes Grundeinkommen, Amazon mit 25 Prozent besteuern, Föderalisierung statt Harmonisierung, Personenflugverkehr unter 500 KM verbieten, Freihandel, Konsumsteuer etc. laStaempfli
  7. KI: KI ist ein Computersystem, das selbständige Muster ekrennt und aufgrund der Muster selbständige Entscheidungen fällen kann: Das ist die Automatisierung der Automation. Was tun?laStaempfli
  8. Generell: Mehr Wirklichkeit statt Theorien, mehr Grauzonen statt Technik vs Politik. laStaempfliteilnehmende digital konferenz 2020

#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Frauenwerke

#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist. Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Nasrin Sotudeh, MediaToo, Männerkabinett ARTE & wunderbare Schriftstellerinnen, Autorinnen, Wissende.new-daughters-of-africa-by-margaret-busby-429x500

“Warum ist ein Leben ohne Bücher sinnlos? Weil frau Bücher lesen, hegen, pflegen, bekritzeln, auswendig lernen, mit ihnen schlafen und essen und mit den Liebhabern allerlei Geschlechts teilen kann.” Die Rohnerin ist indessen top in Form, berichtet vom Alternativen Nobelpreis für Nasrin Sotudeh und erzählt feurig und spannend über “Unsichtbare Frauen”. Darüber hinaus vernehmen wir einmal mehr, wie anstrengend das feministisch aktive Leben ist: Isabel Rohner musste viele Briefe verfassen u.a. an Chefredaktionen, die “keine feministische Abteilung haben” als ob Frauenthemen keine Politik wären… Gemeinsam müssen laStaempfli und die Rohnerin ARTE thematisieren: die europäische Sendeanstalt mit 100prozentiger #Männerquote. laStaempfli schwächelt etwas bei den Namen, aber das sind wir uns ja schon gewohnt. 

Regula Stämpfli über die Vermessung des Menschen, digitaler Plattformkapitalismus & digitale Verfassung oder: Eine Frau kommt zu früh (war 4.1.22016)

Regula Stämpfli über die Vermessung des Menschen, digitaler Plattformkapitalismus & digitale Verfassung oder: Eine Frau kommt zu früh (war 4.1.22) Universität Liechtenstein. Immerhin kriegte laStaempfli ab 2017 die Dozentur an der Universität St. Gallen. 

Vom Menschen zur Zahl und zurückBildschirmfoto 2020-12-09 um 16.18.23

#DiePodcastin im Bild: Isabel Rohner& Regula Stämpfli über Fotografinnen.

#DiePodcastin im Bild: Isabel Rohner& Regula Stämpfli über Fotografinnen wie Abbot, Atkins, Käsebier, Taro, Cameron, Baker, Lange, Freund, Wearing, Simpson, Bourke-White, Cunnigham uva

Willkommen im Pantheon der Unkonventionalität. Die Welt der Fotografie wäre nichts ohne die Frauen. Als das Medium 1839 erfunden wurde, hatte es noch nichts vom akademischen und pornografischen Glamour, der die Kamera zum Männerobjekt gemacht hat. Es war die Technik der Demokratisierung und der Frauen. Je progressiver ein Medium, umso mehr Frauen: Dies war bei der Kamera, beim Auto und beim Computer so. Sobald sich die Männer die Technik aneigneten, wurden die Frauen verdrängt. Ruhm, Macht, Geld und Einfluss machte die Fotografie zu einem Männerberuf. Die grosse Rohnerin steigt ein mit einer der ikonografischsten Bildbeschreibungen der Frauenbewegung: Das berühmte Gruppenbild von fünf Akteurinnen der Frauenbewegung (Anita Augspurg, Marie Stritt, Lily von Gyzycki/Lily Braun, Minna Cauer, Sophia Goudstikker) vom Atelier Elvira.

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Es waren die Frauen, die das Auge, den Ausschnitt, das Bild, die Inszenierung, die Reflektion als  Sozialreportage, als Reisetagebücher, als Streetfotography erfanden und entwickelten. Damit veränderten sie nicht nur die Technik, sondern machten aus der Fotografie Kunst und gestalteten Politik. Ohne Dorothea Lange (1895-1965)  ist die Beliebtheit des New Deals von 1936 undenkbar: Sie wurde schon 1940 im Museum of Modern Art MoMA ausgestellt. Ihre “Migration Mother” gehört zu den ganz grossen, ikonographischen Bildern der grossen Depression.dorothea lange migration mother

FotografINNEN gestalteten die Geschichte, indem sie der Weltöffentlichkeit Bilder lieferten, die Politik begründeten.1936 war es Gerda Taro(1910-1937), auch sie, wie Lange, eine jüdische Deutsche, die die Bilder zum Spanischen Bürgerkrieg für die Welt und die sozialistischen Bewegungen, dokumentierte. Sie wurde 1937 auf der Flucht getötet, respektive geriet unter den Lastwagen. Zu ihrer Beerdigung kamen Göttin und die Welt, Alberto Giacometti fertigte für sie ein Grabmal an. Robert Capa, der Taro alles verdankt, veröffentlichte unzählige der Bilder von Taro unter seinem Namen und wurde der bekannteste Kriegsfotograf seiner Zeit. Helen Levitt (1913-2009), die mit über 50 Jahren von Peggy Guggenheim ein Stipendium erhielt, nahm hochbetagt an der Documenta 1997, teil. Sie bleibt bis heute die Chronistin des New Yorkers Strassenlebens und der urbanen Welt von Gestern.

helenlevittDie grossen Kriegsreporterinnen Constance Stuart Larrabee (1914-2000), die aus Südafrika Fotoreportagen brachte und selbstverständlich Lee Miller (1900-1977), von ihr stammt unser Folgenbild, das von Vielen völlig falsch als “Inszenierung der eigenen Person” gedeutet wird. Dabei erzählt dieses Bild einen Teil der bitteren, mörderischen, kleinbürgerlich entstammenden Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Margaret Bourke-White (1904-1971), die mit “The living dead of Buchenwald” ein  erschütterndes Dokument schuf, das in den 1950er und 1960er Jahren der jungen Bundesrepublik verdrängt, verleumdet und vergessen werden sollte. Lee Miller (1907-1977) schuf das ikonografische „In Hitlers Badewanne): Eine grossartige Fotografin mit bewegenden Leben. leemiller2-800x500

Die entscheidenden theoretischen Werke sollen hier auch angeführt werden: Lucia Moholy (1884-1989), die “100 Jahre Fotografie im Jahre 1939” veröffentlichte, dann Gisèle Freund (1908-2000) deren “Fotografie und Gesellschaft” bis heute wichtig ist und laStaempfli, die zur Ikonografie in der “Die Macht des richtigen Friseurs” eine eigene Theorie zur “Eroberung der Welt als Bild” formuliert hat und diese separat wieder auflegen müsste, nämlich die “Theorie der Blindspirale” TM.