#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Frauenwerke

#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist. Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Nasrin Sotudeh, MediaToo, Männerkabinett ARTE & wunderbare Schriftstellerinnen, Autorinnen, Wissende.new-daughters-of-africa-by-margaret-busby-429x500

“Warum ist ein Leben ohne Bücher sinnlos? Weil frau Bücher lesen, hegen, pflegen, bekritzeln, auswendig lernen, mit ihnen schlafen und essen und mit den Liebhabern allerlei Geschlechts teilen kann.” Die Rohnerin ist indessen top in Form, berichtet vom Alternativen Nobelpreis für Nasrin Sotudeh und erzählt feurig und spannend über “Unsichtbare Frauen”. Darüber hinaus vernehmen wir einmal mehr, wie anstrengend das feministisch aktive Leben ist: Isabel Rohner musste viele Briefe verfassen u.a. an Chefredaktionen, die “keine feministische Abteilung haben” als ob Frauenthemen keine Politik wären… Gemeinsam müssen laStaempfli und die Rohnerin ARTE thematisieren: die europäische Sendeanstalt mit 100prozentiger #Männerquote. laStaempfli schwächelt etwas bei den Namen, aber das sind wir uns ja schon gewohnt. 

Regula Staempfli : „Naked and preferably from behind“: #Monuments4Women

Philosophers? Authors? Human Rights Activists? „Naked and preferably from behind“. After 200 years Mary Wollstonecraft (1759-1797) finally got honoured with a statue. Good news, hey? Hell no.

by laStaempfli (Phd in History, Author of the book „Trumpism“ 2018) The English writer, advocate of women rights „VINDICATION OF THE RIGHTS OF WOMAN“ 1792 is commemorated by Maggi Hambling (1945) , who really should know better. The sculpure shows a naked, silvery woman figure standing out from an undefined something. The media comments and the statue are a big slap in the face to women. The young, naked woman is not „controversial“, it is just stupid. It is neither artistic nor Mary Wollstonecraft, it is, what we would call „Blitzart“TM of its worst kind. „Blitzart“TM is the kind of art that behaves like art but destroys in reality all modern critics of and with art. Mary Wollestonecraft was over centuries annihilated by misogyny and now this: „A visual conversation with the obstacles Wollstonecraft overcame“ the artists mumbles, echt jetzt? Sorry the German outcry, but the idea to portray women as young naked girls, has nothing to do with feminism or equal rights but with the internalised male gaze, male history and male interpretation of art.

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In 2008 France celebrated the 100 years anniversary of the great political thinker Simone de Beauvoir „ One is not born, but rather becomes, a woman“ with a same misplaced iconography. Simone de Beauvoir was depicted from behind and naked.

 

Let’ s sit back and invent another monument, let’s say, of Nelson Mandela. The statue, would, as my Co-Podcaster #DiePodcastin, Isabel Rohner, pointed out, be showing his nudity, penis included, in an iconography of a young black man with shredded abs and raising out of chains. The outcry would have been fast, furious and totally to the point. Never, in any world, this statue would have been discussed as „controversial“ nor the artist would have got away with the idiotic notion that the statue is not a likeness of but a tribute to Nelson Mandela.

Monuments are a male domains: They are made by men for men and through men they shall dominate us forever. Most monuments have seen their times and could easily be removed without anyone ever even noticing it. New monuments are desparately needed: For women, PoCs, humans. To have yet another of millions of iconographies of naked young women, is so depressing that the idea of a monument for any old and great feminist should maybe be given up all together.

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Rhiannon Lucy Cosslett is explicit in The Guardian on November 10th 2020 with her outcry: „Would a man be ‚honoured’ with his schlong out?“

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Gillian Wearing, the great artist, erected a wonderful monument to Millicent Fawcett, another feminist icon, who now stands in parliament square with the great banner: „Courage calls to Courage Everywhere“ – wonderful. But the staute in tribute to Mary Wollstonecraft is dead, is intellectually hurting, an offence and repetition of „If this is a naked women, it mus be art“-syndrom that the Gorilla Girls already pointed out in the 1980’s.

 

HSG laStaempfli: Vorlesung Philosophie. Post-Corona: Biopolitik der Moderne. Teil V: Globalisierung als Biopolitik

laStaempfli: Vorlesung Philosophie. Post-Corona: Biopolitik der Moderne. Teil V: Globalisierung als Biopolitik

In der Vorlesung wir die Globalisierung als Biopolitik historisch und politisch hergeleitet wie die Glokalisierung als Konzept besprochen. Hier finden Sie spannende Literatur- und Filmtipps zum Thema. Einen Nachtrag zur Erholung der Erde während der Coronakrise beim ersten Lockdown: „Die Erde steht derzeit still. Und das sogar – zumindest ein bisschen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn unser Planet ist wegen der Corona-Krise tatsächlich ruhiger geworden. Messstationen verzeichnen weniger Erschütterungen.“ Dies zum Kapitel „Resonanz“ als Hinweis zur Philosophie von laStaempfli: „Die Welt ist Beziehung“ 

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„Unsere Bewegungen und Aktivitäten zusammen verursachen ein seismisches Störrauschen in den Messdaten der Detektoren. Diese Ausschläge sind zwar nur klein, können aber manchmal ausreichen, um schwache Erdbeben zu überdecken. Das durch uns erzeugte permanente Brummen und Summen der Erdkruste nimmt an Feiertagen wie beispielsweise Weihnachten oder an Wochenenden etwas ab. Oder eben jetzt als Folge der Corona-Pandemie, wie Seismologen festgestellt haben.“ Dies habe ich aus Die Welt vom 3.4.2020. Der Seismolog*innenbericht war auch in anderen Zeitungen rapportiert, aber in der Konsequenz wenig besprochen. 

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Hier nun Literaturtipps von Regula Stämpfli zur Vorlesung HSG: Zunächst zur Globalisierung in Versailles, die ich nicht mehr ausführen konnte, empfehle ich die Netflix-Serie „Versailles“: Vor allem die erste Staffel, da wird die Zentralisierung der Herrschaft klar, die vergleichbar ist mit der Zentralisierung der WTO 1999. Zur Dialektik der Ordnung von Zygmunt Bauman mit dem Untertitel: Die Moderne und der Holocaust. Ein erschütterndes und viel zu wenig besprochenes Werk. Zur Übersicht der Globalisierung ein Buch, das ich im Podcast nicht erwähnt habe: Gregor Schöllgen, Krieg, Hundert Jahre Weltgeschichte, dazu habe ich in meinem Literatblog bei ensuite auch eine umfrangreiche Rezension geschrieben. Zur Globalisierung habe ich enorm viele Kolumnen auf news.ch verfasst, ich bin daran, einen Sammelband zu verfassen. Zu den Utopien: Richard David Precht, Künstliche Intelligenz und der Sinn des Lebens finde ich Klasse, obwohl alle Philosophen dazu die Nase rümpfen. Wunderbar ist auch Rutger Bregman, Im Grunde Gut: Eine neue Geschichte der Menschheit. Ihn wie Richard David Precht finden sie in vielen Sendungen im Netz. Dann mein Geheimtipp und viel zu wenig beachtet (typisch, da von einer Frau): Maja Göppel, Die Welt anders denken. Auch hier habe ich eine Rezension in meinem Literaturblog verfasst. Melden Sie sich bei Fragen via Email bei mir. 

#DiePodcastin über Trumpism. Isabel Rohner und Regula Stämpfli unterhalten sich über das Phänomen, das die Welt verändert

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laStaempfli als Intelligenzbestie, die Rohnerin als Thesenwunder: Die Podcastin über Parité, Katja Wildermuth & Trumpism

Eine schwere Woche liegt hinter uns: Das Abtreibungsverbot in Polen und die fehlende politische Reaktion der EU. Dann: Die Parität für deutsche Parlamente abgeschmettert, Rohnerin vertritt die Position, dass dies Unrecht bleibt; laStaempfli verweist auf französische Lösungen. So oder so: Deutschland manifestert sich als feministische Wüste. Ein Lichtblick: Katja Widermuth wurde die erste Intendantin des Bayrischen Rundfunks. Die Podcastin gratuliert. “Trumpism ist medialer Dauerstress durch die digitale Revolution. Trumpism ist konstante Politikkommunikation im Selfie-Modus. Es geht nur um das Krawallpotential von Informationen. Trumpism erweitert den Politmarkt für sexuelle Gewalt. Trumpism ist Wareninformation bei welcher die unverschämteste Lüge gewinnt. Trumpism hat seine Wurzeln in der 1968er Bewegung und in der Hypernormalisation, einer Kunst, die sich auf Repräsentation & Hofnarrentum spezialisiert.”  (laStaempfli)Die Podcastin ergründet diese neuen Kommunikationsstrukturen des 21. Jahrhunderts und entwickeln Gegenstrategien: Der Wirklichkeit und nicht Codes, Klicks & Cash dienen. Statt Reality TV und Scripted Reality Wirklichkeitspolitik und Informationen, mit denen wir unsere Welt real gestalten können und nicht einfach nur mit Empörung bespielen.Literatur dazu: www.regulastaempfli.eu Natürlich das Buch, aber vor allem auch der Literaturblog auf www.ensuite.ch Schauen Sie einer zeitgenössischen Politphilosophin beim Entwickeln der Weltphilosophie zu. Und ja: Zu Trumpism empfiehlt sich immer wieder neu: Hannah Arendt. Vita activa. Die beste Kritik an der “Eroberung der Welt als Code” (laStaempfli Zitat).

 

Regula Stämpfli über Menschenfleisch-Verkauf: Pfiff, Paff, Puff. Die Recherche im Rotlichtmilieu der Schweiz von Aline Wüst.

Regula Stämpfli über Menschenfleisch-Verkauf: Pfiff, Paff, Puff. Die Recherche im Rotlichtmilieu der Schweiz von Aline Wüst. Kaufen Sie das Buch. Sie werden den Siegerfeministinnen, die behaupten „Sexarbeit“ sei gesund und karrierefördernd, NIE mehr hineinfallen und auch den Journalisierenden nicht, die dies konstant behaupten. 

inks: https://www.srf.ch/radio-srf-virus/aktuell/interview-mit-aline-wuest-ich-habe-abend-fuer-abend-im-puff-verbracht

Menschenfleischarbeit: Piff, Paff, Puff

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Regula Stämpfli über Menschenfleisch-Verkauf: Pfiff, Paff, Puff. Die Recherche im Rotlichtmilieu der Schweiz von Aline Wüst.

Regula Stämpfli über Menschenfleisch-Verkauf: Pfiff, Paff, Puff. Die Recherche im Rotlichtmilieu der Schweiz von Aline Wüst. Kaufen Sie das Buch. Sie werden den Siegerfeministinnen, die behaupten „Sexarbeit“ sei gesund und karrierefördernd, NIE mehr hineinfallen und auch den Journalisierenden nicht, die dies konstant behaupten. 

Menschenfleischarbeit: Piff, Paff, Puff

schlagende zeilen

Regula Stämpfli: Von der Siegerkunst zum Siegerfeminismus. Essay im Magazin für Kunst und Kultur 10/2020

Regula Stämpfli: Von der Siegerkunst zum Siegerfeminismus. Essay. Wie die «Siegerkunst» den Fortschritt der Moderne für die Kunst rückgängig macht, verkehrt der «Siegerfeminismus» emanzipatorische Forderungen der Frauenbewegungen seit der Aufklärung in ihr Gegenteil.

Die Abstraktion via Diskurs in der Siegerkunst wiederholt sich im «Siegerfeminismus» (copyright Regula Stämpfli) . Der Zweck des «Siegerfeminismus» der Gegenwart liegt in der reinen Repräsentation. «Siegerfeminismus» ist seit «Sex» der Sängerin Madonna im Jahre 1992 zum Event, Happening, repräsentativen Klamauk, zum allen Ernst imitierenden Universitätsdiskurs mutiert; nicht um die soziale, kulturelle, ökonomische und politische Stellung aller Frauen zu fördern, sondern um sich mit dem Etikett «Frau» gleichzeitig den Gestus des Opfers und damit der Kritik und sozialen Anerkennung unter Progressiven anzueignen: Kritik wird durch Glamour und Bullshit erstickt.

siegerfeminismus muglerAvantgardistische Konzepte finden sich diskursiv und digital in den unzähligen Hyperlinks, deren Funktionen auf algorithmischen Mehrheitsgeschmack programmiert sind. Judith Butlers Hegemonie des abstrakten expressionistischen «Unbehagens der Geschlechter» entspricht eins zu eins der Auflösung der emanzipatorischen Moderne und formuliert bis heute das Programm des 21. Jahrhunderts: der digital vorangetriebene Revanchismus an der gesamten Moderne, der uns im Westen den Plattformkapitalismus und im Osten die Überwachungsdiktaturen gebracht hat. Die Auflösung der Geschlechter nach Judith Butler verfolgt den Zweck, nicht mehr zwischen Wirklichkeit und repräsentativer Funktion der Menschen unterscheiden zu wollen. Der Kampf gegen Sexismus und Diskriminierung findet nicht in der Wirklichkeit, sondern im Diskurs, auf Twitter, in Foren, an den Universitäten statt. Siegerkunst und Siegerfeminismus machen die Fortschritte von moderner Kunst und Frauenbewegung rückgängig mittels Radikalisierung repräsentativer Zustände, den «Orten des Sprechens». Waren moderne Kunst und Frauenbewegung bis zum «Gender Trouble» Befreiungsbewegungen, entkernen Siegerkunst und Siegerfeminismus Kunst und Gleichstellung von ihrer Befreiungskomponente. Deshalb mutiert im Siegerfeminismus bspw. Prostitution zur «Sexarbeit», deshalb wird der Hijab von SiegerfeministInnen als «selbst gewählte Mode» zelebriert.

 

Regula Stämpfli über Souveränität, Ausnahmezustand & Trumpism anlässlich des Todes von Ruth Bader Ginsburg, 9/2020

Regula Stämpfli über Souveränität, Ausnahmezustand & Trumpism, 28.9.2020

Das politische Denken der jüdischen Theoretikerin Hannah Arendt prägt mein Werk des 21. Jahrhunderts. In meiner, Ende 2018 veröffentlichten Theorie:  „Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt“, definiere ich u.a. codebasierte Narrative und deren politische Wirkung. „Twittercodes“ sind nicht nur neue Kommunikationsformen, sondern entsprechen in ihrer Programmierung einer Neuauflage des  NS-Kronjuristen, Staatsrechtlers (bis heute gelehrt und verehrt) Carl Schmitt . Dieser definierte fälschlicherweise Politik als „Identität zwischen Regierenden und Regierten“, den Slogan aller Rechtsextremen und Rechtspopulisten. Die Story-Maschine Twitter und der alte Staatsrechtler definieren darüber hinaus, alle menschlichen und politischen Zustände als „Souveränität“ eines maschinen- oder historisch antisemitischen mörderisch-getriebenen Narratives eines „Ausnahmezustandes“. Je stärker die Ausnahme, umso übler der Trend. buchcover hannah arendtTwitter puscht mit Codes, Bots, Hyperlinks, Hashtags ständig emotionale Aussergewöhnlichkeit, transformiert politische Debatten in Biopolitiken und produziert permanente kommunikative Revolution. Tweets sind nichts anderes als Onlinedekrete, die gewiefte Politiker wie staatsrechtliche Waffen einsetzen. Mittels Empörungsbewirtschaftung lenken sie so die unterdotierten Medien von den wirklich relevanten Themen ab. „Trumpism“ ist in meinem Werk nur bedingt mit der Person des gleichen Namens, dafür umso mehr mit den medienspezifischen Wirkungen desselben verknüpft. 

Während sich auf Twitter links und rechts erbittert bekämpfen – die Linken gerne auch selbstmörderisch und in bekannter Tradition die eigenen Reihen säubernd – konzentrierten sich die Schergen der Macht auf das Wesentliche. Von Barack Obama und seinen Supportern völlig übersehen, gelang es Mitch McConnell, dem Senatsleader der Republikaner, die entscheidenden Stellen in den Bundesgerichten mit Antidemokraten, Konservativen, Sektenführer, White Supremacists, respektive den diesen Kräften sehr freundlich gegenüberstehenden Juristen und Juristinnen, zu besetzen. Über 200 derartige Richter sind unter Trump auf Lebenszeit bestätigt worden. Trumpism bedeutet eben nicht nur die Öffnung für Grabscher, vulgäre, unaufrichtige, nihilistische und rassistische Politik, sondern die Machtergreifung durch den Marsch der Institutionen. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil Männer Männer zitieren und damit die wesentlichen Sachbücher von Frauen verpassen und sie, wenn überhaupt, erst Jahrzehnte nach deren Tod ergriffen rezipieren, interpretieren und im Falle von Hannah Arendt darüber hinaus gerne verkitschen, wie dies in der Ausstellung in Berlin der Fall ist. Hätte mann nur mal Martha Nussbaum, Naomi Klein und auch meine Schriften gelesen, sauber zitiert und verstanden, mann wäre nicht nur punkto Narrativ, sondern auch punkto Demokratie viel weiter als dies leider im September 2020 der Fall ist. 

Regula Stämpfli über Relevanz statt Ignoranz: Wirecard statt Cancel Culture

Regula Stämpfli über Relevanz statt Ignoranz: Wirecard statt Cancel Culture:    Wie so oft, verkennen die Zeitgenossen die wichtigsten Analysen ihrer Zeit. Es gäbe wahrhaft genug zu diskutieren: Bankenkrise, Ranationalisierung im Zeichen der Pandemie, die katastrophale und menschenunwürdige Migrationspolitik, Populismus, Brexit, die realistisch erscheinende Wiederwahl von Donald Trump, doch was passiert im deutschen Politsatiredschungel im Herbst 2020? Richtig. DAS alle Feuilletons bestimmende Thema ist das Phantom „Cancel Culture“. Männer im besten oder auch jungen Alter enervieren sich über einen Hashtag, einen Hyperlink und einen „Denglisch-Begriff“, dessen Realität frau mit der Lupe suchen muss, um auf ein valables Beispiel in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland zu stossen. Sie wüten darüber, dass bisher Unsichtbare es wagen, die Allzusichtbaren zu kritisieren. Sie schreien entnervt über Frauen, die es wagen, die Schlichtheit, die Vorurteile sowie die antidemokratischen Narrative der Herren zu entlarven. Der Podcast „Schröder & Somuncu“ ist diesbezüglich das beste Anschauungsbeispiel. radioeins initiiert einen neuen Podcast und den Sendeverantwortlichen fällt nichts Besseres ein als zwei Herren im mittleren Alter das Mikrofon zu geben, von denen man und frau sicher ist, dass sie stundenlang sich selber über völlig irrelevanten Schrott auslassen können. Dabei wäre alles einfach, demokratisch und relevant: Das wichtigste Thema für die demokratische Öffentlichkeit ist nämlich nicht die „Cancel Culture“, sondern „Wirecard“.wirecard relevanz

 

Das SZ-Magazin hat kürzlich eine der besten „gefühlte Wahrheiten“ publiziert. Da gibt es Hongkong, Russland, Belarus und eine Newsente von Leuten, die in Deutschland das „Ende der Diktatur“ fordern. Und was wird in Deutschland diskutiert? Richtig. Die Mobber, die Bullies, die Lauten, die Leugner aller Wirklichkeiten, die Frustrierten, die wirklich unangenehmen Wutbürger, die Hasser, die Undankbaren, die Nihilisten werden in Talkshows eingeladen, die Bundestagsabgeordneten schauen vorbei, Kommentatoren fordern Dialog.

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Diese fehlende Unterscheidung zwischen Relevanz und Zerstörung demokratischer Diskurse im Zeitalter digitaler Automatismen, deren Trends nur aus Empörung gefüttert werden, erschüttert. Es ist ein wahrhaftiger Weltverlust (Hannah Arendt), der sich in der Diskrepanz zwischen Diskurs und Realität manifestiert.

copyright picture: laStaempfli (c)

Regula Stämpfli empfiehlt Maja Göpels „Die Welt neu denken“: Fortschritt? Ja, welcher denn und wann endlich?“

Regula Stämpfli empfiehlt Maja Göpels „Die Welt neu denken“: Fortschritt? Ja, welcher denn und wann endlich?“ Wenn eine Frau wirklich Kluges sagt und trotzdem die Männer eingeladen werden… 

Die führenden Ökonomen der letzten 50 Jahre gründeten ihre Propaganda auf der richtigen Annahme, dass Staaten, Experten, Manager dazu gebracht werden können, die unglaublichsten Theorien zu akzeptieren. Und diese, selbst wenn viele kluge Köpfe kommen und sie von der Unrichtigkeit überzeugen, einfach so weitermachen wie bisher, weil Menschen, selbst wenn sie wissen, dass sie Lügen vertreten, diese immer noch verteidigen.

Maja Göpel hat «Die Welt anders denken» geschrieben, ein wirklich gutes Buch. Sie ist Ökonomin, Nachhaltigkeitswissenschaftlerin und arbeitet als Generalsekretärin des WBG (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) in Deutschland. Sie gründete mit den Fridays for Future die «Scientists for Future». Das Buch war ein Bestseller, trotz dem echt schrecklichen Cover, das eher wie ein Selbsthilfe-Schlager aus den 1950er-Jahren daherkommt. Anders als ihre männlichen Kollegen Harald Welzer und Rutger Bregman wird die Expertin für ökologische Wirtschaftstheorie kaum in deutsche Sendungen eingeladen. In Deutschland dominieren die Männer alle Debatten in einem Masse, dass selbst die arrivierte Schauspielerin und Gattin von Hubert Burda, Maria Furtwängler, zusammen mit ihrer Tochter Elisabeth Furtwängler eine Stiftung gegründet hat, die in regelmässigen Abständen Studien zur Frauendiskriminierung in den Medien liefert. «Männer erklären, wie systemrelevant Frauen sind», fasst die Forscherin Elizabeth Prommer die neusten Ergebnisse zur Corona-Krise und deren Weltendeuter zusammen.

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