Regula Stämpfli über Shoshana Zuboffs „Überwachungskapitalismus“ in ensuite, Magazin für Kunst und Kultur

Von Dr. Regula Stämpfli – Seit Jahren analysiere ich den «Verlust der Wirklichkeit» und die «Algorithmisierung der Welt». Seit über fünfzehn Jahren sehe ich mich deshalb Diffamierungskampagnen ausgesetzt, die übrigens typisch sind für einen Männermob (mit seinen schrillen Tussi-Unterstützerinnen), der sich im Netz rumtreibt. Misogyne Täter, deren technische Innovationen in erster Linie Macht, Rache und Frauenvernichtung verfolgen, sind «business as usual». Erinnern wir uns: Facebook wurde zum Zweck gegründet, Frauen auf der Skala 0 bis 10 zu bewerten. Aus dem sexistischen Netzmarkt gegen Frauen wurde ein Menschenmarkt, der unter dem Brand «Freundschaft» zirkuliert. Bei #MeToo spielen Einzelschicksale eine Rolle, im Netz geht es um die Gewaltstrukturen gegen Menschen mit Menstruationshintergrund. (Fürs Weiterlesen auf Bild clicken….) 

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Regula Stämpfli über Gregor Schöllgens Buch „Krieg“: Hundert Jahre Gegenwart in ENSUITE. MAGAZIN FÜR KUNST UND KULTUR

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Regula Stämpfli über Hannah Arendt, Trumpismus und ein Leben voller politischer Philosophie

IM GESPRÄCH: ORF 1: ANDREAS OBRECHT UND REGULA STÄMPFLI

„Trumpism“ nennt die Historikerin, Politologin und Medienwissenschaftlerin Regula Stämpfli das politische Phänomen, das gerade die Welt verändert. Mittels populistischer Rhetorik, Ideologie, Gestik und Narrativen wird unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit langsam, aber spürbar verrückt. Die Verletzung der menschlichen Würde durch den „Twitter-Häuptling“ alias Donald Trump greife tief in die Politik ein. „Eine Revolution ist im Gange, die von Intellektuellen viel zu wenig auf den Punkt gebracht wird“, sagt Regula Stämpfli, die sich als Wissenschaftlerin zugunsten demokratischer Strukturen engagiert. „Es ist eine Revolution, bei der es darum geht, uns die Welt und die Wirklichkeit, so wie wir sie kennen, wegzunehmen!“ Renationalisierung und umfassende Privatisierung sind für sie Angriffe auf bürgerliche Werte, die es abzuwehren gilt. In den Gegenbewegungen zu Neoliberalismus und schrankenloser Globalisierung sieht Regula Stämpfli im Gespräch mit Andreas Obrecht freilich auch eine Chance – denn das Lokale erlangt dadurch eine neue, auch politisch emanzipatorische Bedeutung.

Service

Regula Stämpfli, „Trumpism. Ein Phänomen verändert die Welt“, Münsterverlag, Basel 2018

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Regula Stämpfli über die Preisrede von Lukas Bärfuss (Georg Büchner-Preis) im Ensuite, Magazin für Kunst und Kultur

Bildschirmfoto 2019-11-04 um 14.03.25Vier Reden von Poetinnen und Poeten, die historisch sind oder es werden: Die Rede von Christa Wolf auf dem Alexanderplatz vom 4. November 1989 („Stellt Euch vor es ist Sozialismus und niemand will weg“), Friedrich Dürrenmatts „Die Schweiz – Ein Gefängnis“ von 1990 („Jeder Gefangene beweist seine Freiheit, indem er gleichzeitig Wärter ist“), Saša Stanišić anlässlich der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2019 („Das ich hier heute vor Ihnen stehen darf, habe ich einer Wirklichkeit zu verdanken, die Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt“) und neu die Rede von Lukas Bärfuss zum Georg Büchner-Preis vom 2.11.2019.

 

Regula Stämpfli über Dudes, Männerfantasien, feministische Ewigschleifen: Weshalb es wichtig ist, Orwell zu lesen

Regula Stämpfli über die ewiggleichen Schleifen: Junge, alte Männer, junge und alte Frauen, denen allen gemeinsam ist, dass Frauen immer das andere Geschlecht bleiben, wiederholen unreflektierte Mädchen-Fantasien. Kein Wunder bleibt Politik und vor allem Kultur DAS Schlachtfeld, auf dem die meisten Frauen und Kinder geopfert werden. Wieder und wieder. 

Illustration aus der Süddeutschen Zeitung „Ewigkeitsfunken“ vom 15. Oktober 2019 (Link: https://www.sueddeutsche.de/kultur/ballett-zuerich-ewigkeitsfunken-1.4639714 )

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Regula Stämpfli: Erinnerung an Rachel Carson & ihr Buch „Silent Spring“ #ClimateChange

#Women2remeber : Already then were Scientist in #FakeNews

Regula Stämpfli: Erinnerung an Rachel Carson & ihr Buch „Silent Spring“ #ClimateChange Buchbesprechung zu Maja Lundes „Bienen“ und „Silent Spring“.

Rachel Carson was extremely put under pressure NOT TO PUBLISH THE BOOK , listen to BBC Programme 2012 in the anniversary of Silent Spring (1962) https://www.bbc.co.uk/sounds/play/b01ptgb4

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Regula Stämpfli über den Hashtag #dichterdran und Emerenz Meier in der Kulturzeitschrift ENSUITE“. Wenn Frauen über Autoren so schreiben wie Autoren über Schriftstellerinnen.

Das Gedicht „Stossseufzer“ von Emerenz Meier liest sich im Sommer 2019 wie ein Beitrag zum sehr lustigen, sehr wichtigen und aufklärerischen Hashtag #dichterdran. Die Schweizer Literaturwissenschaftlerin Nadia Brügger hat ihn aus Ärger über die Rezension von Bestsellerautorin Sally Rooney, die „sexualisiert und in grossväterlicher Manier geschmälert“ wurde, mit Simone Meier (Watson) und der Regisseurin Güzin Kar initiiert. Die Tweets zeigen die hochkomische Umkehr der Verhältnisse: Wenn Frauen über Autoren schreiben wie Männer über Autorinnen, wird offensichtlich, wie sehr jede weibliche Kreativität und Innovation der Frauenrolle geopfert wird. Meist ausgerechnet praktiziert von einigen Feuilletonisten, die sich als besonders „fortschrittlich“ inszenieren.

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Regula Stämpfli im Magazin für Kunst und Kultur ENSUITE zu Ian McEwans „Maschinen wie Ich“. Eine einzige Empfehlung für ABBITTE, August 2019

Ian McEwan: Vom Genie zum Banalschreiber

«Maschinen wie ich» ist ein fürchterlich banales, ja dummes Werk von Ian McEwan. Wie konnte er nur? Ist dies derselbe Poet, der mit „Abbitte“ ein Jahrhundertwerk geschaffen hat? Der Mann, der das Böse derart präzise in die 13jährige Briony packt? Seitdem ist mein Verhältnis zu weiblichen Teenagern, das schon als ich in diesem Alter war, nicht ganz unbelastet war, nachhaltig beschädigt. In «Abbitte» gibt es Sätze wie : «Briony gehörte zu jenen Kindern, die eigensinnig darauf beharren, dass die Welt genau so und nicht anders zu sein hat.» Welch ein grandioser Auftakt für die Ahnung für unmittelbar bevorstehende Katastrophen, die durchaus in der unheimlichen Zone zwischen Kindheit und Erwachsensein stattfinden.

«Children hated generously, capricoiously. It hardly mattered. But to be the object of adult hatred was an initiation into a solemn new world. It was a promotion.» Gehasst zu werden als Auszeichnung der Adoleszenz, yep. Es gibt tatsächlich kleine Menschen, die als Hasssubjekte geboren sind – davon berichtet auch John Steinbeck in «East of Eden». Doch der Opferkult der Gegenwart machen aus jeder individuellen Schuld, die den Menschen zum verantwortlichen Subjekt machen, zur kollektiven. So macht sich das Böse breit, das sich in Unschuld wie auch im sogenannten Zufall tarnen kann. Bei «Abbitte» ist es so klar: Es gibt Menschen, die wie kaum andere das hinterhältige Böse inkarnieren. Es gibt Menschen, die verorten sich nie in einer Unschuld, die ihnen genommen werden könnte. Um dies zu verstehen, sind «Abbitte» von Ian McEwan und «Jenseits von Eden» von John Steinbeck Wegweiser. Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, können über die Sünde herrschen, was auf die Verantwortung eines jeden Einzelnen hinweist: Jede hat eine Wahl und die trifft sie bewusst, egal was Ihnen die Soft-Mittäter ursprünglicher Gewalt auch immer erzählen mögen.

Angesichts dessen ist das neue Werk «Maschinen wie ich» derart erschütternd langweilig und billig, dass man McEwan einfach nicht mehr lesen sollte. Hätte eine Jungautorin ein derart banales Werk geschrieben, in diesem Geplärre-Ton eines Literatur-Automaten, sie wäre von den Literaturkritkern in der Luft zerrissen worden. Ian McEwan ignoriert bewusst die wichtigsten gesellschaftspolitischen Themen apropos Künstlichen Intelligenz. Nicht nur das: Das Werk ist darüber hinaus äusserst sexistisch. An diesem Buch ist nichts, aber auch wirklich nichts „spannend“, um das meistgebrauchte Wort einer unglücklich agierenden Literaturkritikerin der antivisionären Gegenwart zu zitieren.

 

PS: Wer über das Eichmass Maschine-Mensch mehr erfahren will, ist mit allen Romanen von Philip K. Dick & William Gibson nicht nur besser up to date (alle vor 1982 entstanden – welch Ironie), sondern auch hervorragend unterhalten. Wer die Themen der Macht der Computer und die Ohnmacht der Beziehungen, die Vernunft und Herz mit einschliessen, verstehen möchte, greife doch auch zu einem alten Buch: Joseph Weizenbaum: Computermacht und Gesellschaft. Wer Ian McEwan einmal gelesen haben will, dem sei nur „Abbitte“ ans Herz gelegt.

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