Regula Stämpflis Kolumne zu #MeTooInceste in Frankreich

Regula Stämpflis Kolumne zu #MeTooInceste in Frankreich.

Unter dem Deckmantel der Libertinage wird für alle Formen sexueller Gewalt gerne Partei ergriffen. Im Nachhinein klingen die Beteuerungen immer gleich: «Damals, in unseren Kreisen, dachte sich niemand auch nur irgendetwas, Sex mit Minderjährigen war doch völlig normal.» Es geht um eine sogenannt gute Familie, eine sehr gute sogar, beschrieben in Camille Kouchners «La familia grande». Und es geht um Olivier Duhamel, der den Zwillingsbruder von Camille, damals 13-jährig, jahrelang vergewaltigt hat. Olivier Duhamel und sein Clan bilden die Pariser Elite. Er gehörte bis zum Erscheinen des Buches zu den mächtigsten Männern Frankreichs: 2016 noch wurde er als 65-Jähriger zum Verwaltungsdirektor der Eliteuni Sciences Po gewählt. Wir finden im Buch nicht nur die üblichen französischen Eliteverdächtigen, sondern auch die klassischen Rechtfertigungen, die auch heute noch in intellektuellen Kreisen gerne diskutiert werden. Sex sei doch natürlich, Sex kaufen und verkaufen völlig normal, Sex solle überall stattfinden, über alle Grenzen, Geschlechter und Altersbarrieren hinweg: Sexpositiv sei alles, was Menschen freiwillig machen. Sie sind zwar erst elfjährig? Ach, die Erotik kenne eben kein Alter, die Kirche habe die Menschen diesbezüglich jahrhundertelang unterdrückt, endlich würden wir in einer Zeit der Antiprüderie leben und die Menschen befreit ihre Erotik ausleben können.

Essay von Regula Stämpfli

Es klingt immer gleich, nicht wahr? Die zeitgenössische Porno- und Hurenlobby klingt ganz ähnlich: Prostituierte seien doch keine Opfer, sie böten Dienstleistungen an, die wie ganz normale Arbeit zu betrachten seien. Ist sie nicht, und die Geschichte um Camille Kouchner zeigt: Die Narrative über Sexarbeit heute sind die Narrative über Kinder- und Teenagervergewaltigung von damals. Heute heisst es: Es sei doch prüde und unfeministisch, anderen Frauen nicht erlauben zu wollen, dass sie all ihre Löcher, ihre Haare, ihre Säfte, ihren Körper für den ordnungsgemässen und vertraglich vereinbarten Sex zur Verfügung stellen. Damals hiess es: Teenager hätten ein Recht auf sexuelle Erfahrungen mit Älteren, es gebe doch nichts Aufregenderes, als als 13-Jähriger einem 50-Jährigen einen zu blasen.

IdenTitti im Gespräch. Der rasante Roman des Jahres 2021 von Mithu Sanyal im Literaturhaus Basel, 25.2.2021. Moderation by laStaempfli

IdenTitti im Gespräch. Der rasante Roman des Jahres 2021 von Mithu Sanyal im Literaturhaus Basel, 25.2.2021. Moderation by laStaempfli

Mithu M. Sanyal, DIGITAL:, Regula Stämpfli

«Mithu M. Sanyal, Identitti»

Bildschirmfoto 2021-02-18 um 06.38.28Donnerstag, 25. Feb. 21, 19:00 Uhr Die Veranstaltung findet digital statt. Über den Link unten können Sie sich ein Ticket für das Onlineformat kaufen. Die Zugangsdaten für die Onlinelesung erhalten sie am Tag der Veranstaltung per Mail zugeschickt. 

Moderation: Regula Stämpfli

Mithu Sanyal schreibt in ihrem Debütroman rasant, witzig und ironisch über die grossen Fragen von Identitätspolitik. Im Zentrum stehen Nivedita und ihre Professorin Saraswati, die einen Lehrstuhl für Postcolonial Studies innehat. Doch plötzlich stellt sich heraus, dass Saraswati, die Übergöttin in allen Debatten über Identität, die sich selbst als Person of Colour beschreibt, weiss ist. Während das Netz gegen Saraswati hetzt und Demos ihre Entlassung fordern, stellt Nivedita ihr intimste Fragen darüber, was Identität und Zugehörigkeit wirklich bedeuten. «Ein so kluger, lustiger, ambitionierter, schneller, frischer, wilder, von Liebe erfüllter, hochpolitischer Roman – mit ihm beginnt meine Liste der mich prägenden und verändernden Romane der 20er-Jahre.» (Florian Kessler, Lektor). 

Deutschland ist ENDLICH im Jahr 2021 angekommen. 

René Spitz, Christoph Niemann, Birgitta Homburger, Sascha Swiercz & Regula Stämpfli in Das Design der Woche #3 auf Clubhouse , 8.2.2021: The Great Green Wall, Die russische Staatsgewalt im konkreten Erscheinungsbild von Uniformen & Demonstrationen, Das neue Cover im New Yorker von Christoph Niemann, der sich der Designkritik stellt.

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René Spitz, Christoph Niemann, Birgitta Homburger, Sascha Swiercz & Regula Stämpfli in Das Design der Woche #3 auf Clubhouse , 8.2.2021: The Great Green Wall, Die russische Staatsgewalt im konkreten Erscheinungsbild von Uniformen & Demonstrationen, Das neue Cover im New Yorker von Christoph Niemann, der sich der Designkritik stellt

laStaempfli zu den Uniformen: Kleider machen Leute und Uniformen Soldaten. Auf österreichisch heisst die Uniform ja Montur und das trifft es viel besser: Uniformen machen gleichförmig, die Monturen stellen auf, fügen zusammen, demonstrieren Gewalt: Monturen montieren Maschinen. Früher waren die Montierten die Reiter gegen die Demonstranten. Uniformen sind notwendige Bedingungen für den Kombattantenstatus: Wenn es keine Uniformen gibt, weiss mann ja nicht, wer verhauen werden soll.Es gab in Deutschland bis 1933 ein Uniformverbot: Hugo Boss unterlief dies 1932, indem er für die NSDAP schon den schwarzen Dienstanzug für die SS schneiden liess. Es gibt übrigens immer noch ein Uniformverbot: Die Rechten oder die Scharia-Idioten versuchen es ja immer wieder, einheitliche Kleidung durchzusetzen, um sich für einen eigenen Staat aufzurüsten. Birgitta Homburger verweist auf die Fragilität in der Ikonografie: Beide, laStaempfli und Homburger beschreiben anhand der Bilder die Installation von Avataren, überdimensionierten Maschinen-Menschenkörpern gegen zerbrechliche Lebewesen als staatliche Macht-& Gestaltungselemente. 

Great Green Wall: Sascha Swiercz fragt nach bei der Diskussion zum “Mauer”-begriff als ursprünglich männliche Gestaltungskonnotation. Es geht, so laStaempfli hier, um die Abgrenzung, die Machtsymbolik, die Autorität der Höhe der Mauern, die Schutz- wie Einsperrkonnotation, Gefängnismauern, die Klagemauer in Jerusalem, die nur Männern vorbehalten war etc. René Spitz verweist auf die Schutzfunktion von Mauern gegen Anschläge anhand des Beispiels Jerusalem. Fazit: Mauer als Great Green Wall verweist auf das Gestaltungsversagen der gut gemeinten 8000 Kilometer langen grünen Bepflanzung, die jedoch zu wenig nachhaltig ist: Nicht das Neupflanzen von Bäumen ist entscheidend, sondern die Verjüngungsschnitte, die Transformation von alten in Zukunft. laStaempfli sieht da den Konflikt im Design: Gestaltung sollte nachhaltig sein, das bedeutet oft die Verzweigung von Vorhandenem und Neuen: Das wäre nach ihr dann weiblich. Und nicht einfach immer noch mehr und noch neuer…niemann_wooster_newyork102_signature_012521-810x1106

Regula Stämpfli zum New Yorker Cover von Christoph Niemann: “Mit Stift, Pinsel, Papier, Farbe versteht der Künstler, der Gestalter, der Denker Niemann digital und analog so zu verbinden, dass daraus gestaltete Poesie und einleuchtende Erzählungen werden.” Webseite : https://www.christophniemann.com/

#DiePodcastin jubiläumsorientiert: 50Jahre Frauenstimmrecht mit Links, Dokus, Hinweisen . Regula Stämpfli mit den schönsten Links zu dieser ganz speziellen Woche

#DiePodcastin jubiläumsorientiert: 50Jahre Frauenstimmrecht mit Links, Dokus, Hinweisen . Regula Stämpfli mit einigen Links zu dieser ganz speziellen Woche: Wenn der Feminismus Ton und Takt angibt, Geschichte der Gewalt, Literatur:www.ensuite.ch

Eingängige Hymne, abstrakte Töne: Feministische Musik zieht sich in der Schweiz durch alle Szenen und Generationen. Wo steht sie heute – von Theresa Beyer. Kurz, aber sehr schöner Beitrag. Viele blinde Flecken: Etwa zeitgleich hat die Postpunk-Band Kleenex für Furore gesorgt. Sie hat viele Frauen ermutigt einfach zum Instrument zu greifen, auf die Bühne zu steigen und loszuspielen.Irène Schweizer und Kleenex sind Pionierinnen der feministischen Musik und bis heute wichtige Referenzpunkte. Doch so lebendig und vielfältig die gegenwärtige Szene ist, umso mehr überrascht es, wie schlecht recherchiert und dokumentiert die feministische Musikgeschichte der Schweiz ist.Bildschirmfoto 2021-02-03 um 14.22.57

Zum Jubiläum: Isabel Rohner und Regula Stämpfli über die wichtigsten Stränge in der Frauenrechtsdiskussionhttp://diepodcastin.de/2021/01/09/diepodcastin-ueber-rechtsgewalt-isabel-rohner-regula-staempfli-zur-ikonographie-des-grauens-in-washington-weshalb-ausgerechnet-die-patriarchale-schweiz-ihre-universitaeten-fuer-frauen-oeffnete-w/ jahresrückblick-e1608807569625-480x500

und http://diepodcastin.de/2020/11/28/diepodcastin-ueber-heldinnen-isabel-rohner-regula-staempfli-ueber-den-brutalen-kampf-ums-frauenstimmrecht-unsichtbarkeiten-und-die-groessten-heldinnen-europas-bspw-theresia-rohner/

laStaempflis Kulturjahr 2020: Die Liebe in Zeiten von Corona in ensuite: Magazin für Kunst & Kultur

Januar by laStaempflis Kulturjahr: Worldly statt Selfie. Entwurf einer digitalen (Frauen)Demokratie für #50JahreFrauenstimmrecht Zum Auftakt des Jahres ein Glücksfall. Isabel Rohner, die fabelhafte Krimiautorin von „Schöner Morden“ und „Taugenixen“ gibt mit der ebenso eindrucksvollen Irène Maria Schäppi, Lifestyle-Chefin von 20 Minuten, das wichtigste Buch für das Jahr 2021 heraus: 50 Jahre Frauenstimmrecht im Limmat-Verlag. Heute ist es schon in der zweiten Auflage und ich hab ja darauf gewettet, dass es #Bestseller2021 wird. Ich bin eine der 25 Frauen, die über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung im Band mit einem Aufsatz vertreten ist.august-die-swangoettin-maja-plissezkaja-338x450

Natürlich dreht sich bei mir alles um Korsette: Daten, Kilos, Fiktionen und die G-Mafia. Ich breche das algorithmische Storytelling und sehe mich in bester Denkerinnen-Gesellschaft: Alle im Buch versammelten Artikel und Interviews sind einfach DER HAMMER. Hier erwähne ich den Jänner 2020, weil Isabel Rohner und Regula Stämpfli sich über diesem Projekt via Twitter näher kamen. Eine digitale Liebe auf ersten Tweet sozusagen, daraus entstand das unvergleichliche Projekt: „DiePodcastin. Isabel Rohner und Regula Stämpfli erklären die Welt“, zu hören auf www.diepodcastin.de seit Juni 2020. Literatur: 50 Jahre Frauenstimmrecht. 25 Frauen über Demokratie, Macht und Gleichberechtigung von Isabel Rohner und Irène Schäppi (Hg), Limmat 2019.

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Juli by laStaempflis Kulturjahr: James Bond ist noch das kleinste Problem

Abgesagt: Die Festivalveranstaltenden sind „Les Misérables“ im 2020. James Bond wird vertagt. Doch dies ist definitiv nicht wichtig: Es hagelt überall virusbedingte Absagen. Bach-Festivals, Kleinkunsttage, Tanztage, Jugend musiziert, Technoclubs, Jazz-Festival, das beste aller Festivals überhaupt, das ORANGE BLOSSOM IN BEVERUNGEN, mein heissgeliebtes OBS (siehe Bild): ABGESAGT. Noch am 5. März 2020 meldete das Openair Frauenfeld, dass das Festival zu „100 Prozent“ stattfinde. Es kam anders. Die Festivalbetreibenden wurden von den Behörden, pardon der Ausdruck, teils wie Scheisse behandelt: Es gab keine Eintscheidungssicherheit, keine soliden rechtlichen Grundlagen, keinen Plan – das ganze Jahre wurde hin- und herlaviert. Dabei war klar: Eigentlich herrscht mit dem Virus Krieg gegen alles, was unser normales Leben ausgemacht hat. Doch statt den Kriegszustand, wie in Frankreich deklariert, schwafelten die Statusquo-Manager vom „neuen normal“. Die grössten Profiteure des Krieges sind und bleiben die Onlinedienste. Statt von Heimarbeit reden Medien von „Homeoffice“, statt von „privatisierte Heimschulung“ puschen die Narrative „Homeschooling“: Das Banksprech, dieses Schwafeln statt Benennen, feiert Höchststand. 15-20 Prozent der weltweiten Kinos werden andersweitig genutzt werden oder zumachen. Netflix und CO. müssten zu milliardenschweren Steuern verdonnert werden.Literatur: Shoshanna Zuboff, Das Zeitalter des digitalen Überwachungskapitalismus, Campus Verlag 2018. Mittlerweile auch im Taschenbuch erhältlich.

Wer mehr wissen will, klicke auf die Bilder oder hier: 

laStaempflis Kulturjahr 2020: Die Liebe in Zeiten von Corona

Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers “Feuer der Freiheit”, Rezension Jänner 2021im “ensuite”.

Feuer der Diskriminierung: Regula Stämpfli über Wolfram Eilenbergers “Feuer der Freiheit”, Rezension Jänner 2021im “ensuite”. 

Von Dr. Regula Stämpfli – Die Reduktion von Menschen auf ökonomische Konzepte oder ihr Geschlecht führt in keinerlei Disziplin weiter. Als Kategorie der Diskriminierung funktioniert das Geschlecht aber hervorragend. laStaempfli fauchend in den Fusstapfen von Hannah Arendt…. 

Wolfram Eilenberger hat ein unmögliches Buch zu vier Philosophinnen geschrieben: Es ist abseitig, verkehrt, anstössig, unangenehm. Und zwar auf vielen Ebenen. Erstens vergleicht er vier Philosophinnen miteinander, die nichts, ausser einem ähnlichen Geburtsdatum, gemeinsam haben. Zweitens sind die vier «Philosophinnen» gar keine. Hannah Arendt wies den Begriff für sich explizit zurück, Ayn Rand war im besten Fall eine mittelmässige, ultrakapitalistische, geldversessene Sado-Maso-Literatin, Simone de Beauvoir die grösste Gesellschaftstheoretikerin des 20. Jahrhunderts und Simone Weil eine Sozialrevolutionärin mit Hang zur christlichen Mystik und buddhistischen Einsichten. Die vier Frauen in ein Buch zu packen, drittens, entspricht dem Versuch, ein Band zum Thema «Freie Rede» mit Joseph Goebbels, Niklas Luhmann, Isaiah Berlin und Dalai-Lama zu veröffentlichen. Goebbels nimmt in diesem Vergleich die Rolle von Ayn Rand ein, Simone de Beauvoir die von Niklas Luhmann, Hannah Arendt Isaiah Berlin und Simone Weil die von Dalai-Lama. Würden die erwähnten Herren von einem Philosophen in einem einzigen Werk gemeinsam, vor allem mittels Liebes- und Freundesbriefe, als Philosophen der freien Rede, Kommunikation und Demokratie besprochen werden? Niemals. Aber offensichtlich ist die Verachtung und Benachteiligung von denkenden Menschen aufgrund ihres Frauseins philosophisch so akzeptabel, dass der deutsche Feuilleton Eilenbergers Werk in höchsten Tönen rühmt.eilenberger laStaempfli rezension

In meiner, in der Dezemberausgabe 2020 von ensuite leider veröffentlichten und unredigierten Rohversion zu Eilenbergers «Freiheit», gehen vor lauter Wut über die offensichtliche Geringschätzigkeit, Herabsetzung, ja Hohn gegenüber den vier Frauen, die wichtigsten Argumente in falscher Syntax, Grammatik wie Wortwahl unter. Ich bin immer noch wütend, entsetzt, regelrecht von Furien besessen: Hätte ich Zeit und Geld würde ich Eilenbergers Machwerk Satz für Satz als falsch gesetzt, verquer gedacht, unmöglich formuliert und abartig kontextualisiert, auseinandernehmen. Warum in aller Welt bin ich die Einzige, die mit Hannah Arendt den philosophischen Skandal, den Eilenberger hier in allem Sexismus produziert, entlarvt? Doch Eilenbergers Buch eignet sich nicht einmal für ein Debattenfeuer: Es ist dermassen kreuzfalsch, dass mein Gehirn schmerzt beim Lesen.

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Stichwortartig meine wichtigsten Punkte:- Vier völlig unterschiedliche, diametral andersdenkende, handelnde und publizierende Frauen aufgrund ihrer Generation in ein Buch zu packen, ist nach Arendt «klassischer Sophismus», der darin besteht, «den Verstand mit Argumenten zu bezaubern» und damit «einen Sieg der Argumente auf Kosten der Wahrheit» erzielen zu wollen. (Totalitarismus, S.34) – Eilenberger sagt nichts zu Arendt, Beauvoir, Weil und Ayn Rand, sondern zu Eilenbergers Variante von «Philosophinnen».- Eilenberger benutzt diskriminierende Bilder, die den Eindruck vermitteln, die Wirklichkeit abzubilden, wenn sie in Bezug auf die Denkerinnen das Gegenteil tun.- Eilenberger interessieren die Männer der vier Frauen viel mehr als die Schriften von Rand, Beauvoir, Arendt und Weil.- Eilenberger präsentiert einen standardisierten männlichen Blick auf sogenannte Philosophinnen: das Buch strotzt nur so von traditionell geschlechterzugeordneten Settings.- Eilenbergers Männer denken, Eilenbergers Frauen lieben.-Eilenbergers Buch wird sofort entlarvt, wenn Frau die Umkehr-Probe anwendet.- Eilenberger stellt Männer positiv klischiert dar, die Frauen stereotyp negativ: Sie sind ständig im Defizitmodus.- Eilenberger gibt vor, über vier Frauen zu schreiben, aber er schreibt nur über Eilenbergers Variation von selbstimaginierten Figuren, denen er die Namen Beauvoir, Weil, Rand und Arendt gibt. Er zitiert nur Quellen, die diesen von ihm imaginierten Figuren entsprechen.

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Dass der bisherige Feuilleton dies nicht entdeckt hat, sondern den Fantasmen Eilenbergers folgt, ist ein Skandal. Denn es drängt sich ein vernichtender Verdacht zur Motivation von Eilenberger auf: Offensichtlich ging es in diesem Werk zu den völlig verzerrten und selbstimaginierten Frauenfiguren nicht um Rand, Beauvoir, Arendt oder Weil, sondern in erster Linie darum, diese Frauen so ins Bild zu setzen, dass von ihren Werken nichts mehr übrigbleibt. Rand mit Beauvoir, Arendt und Weil gleichzusetzen ist mephistophelisch übel. Beauvoir, Arendt und Weil darüber hinaus über deren Männer, im Fall von Weil, über Gott, zu definieren, entspricht den klassischen Unsichtbarmachungs-Strategien patriarchaler Wissenschaftler des 19./20. und nun auch 21. Jahrhunderts.Wolfram Eilenberger, Feuer der Freiheit. Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten 1933–1943, Klett-Cotta, Stuttgart 2020, 396 Seiten.

#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist: Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Frauenwerke

#DiePodcastin liest: Weshalb ein Leben ohne (Frauen)Bücher sinnlos ist. Isabel Rohner & Regula Stämpfli über Nasrin Sotudeh, MediaToo, Männerkabinett ARTE & wunderbare Schriftstellerinnen, Autorinnen, Wissende.new-daughters-of-africa-by-margaret-busby-429x500

“Warum ist ein Leben ohne Bücher sinnlos? Weil frau Bücher lesen, hegen, pflegen, bekritzeln, auswendig lernen, mit ihnen schlafen und essen und mit den Liebhabern allerlei Geschlechts teilen kann.” Die Rohnerin ist indessen top in Form, berichtet vom Alternativen Nobelpreis für Nasrin Sotudeh und erzählt feurig und spannend über “Unsichtbare Frauen”. Darüber hinaus vernehmen wir einmal mehr, wie anstrengend das feministisch aktive Leben ist: Isabel Rohner musste viele Briefe verfassen u.a. an Chefredaktionen, die “keine feministische Abteilung haben” als ob Frauenthemen keine Politik wären… Gemeinsam müssen laStaempfli und die Rohnerin ARTE thematisieren: die europäische Sendeanstalt mit 100prozentiger #Männerquote. laStaempfli schwächelt etwas bei den Namen, aber das sind wir uns ja schon gewohnt. 

Regula Stämpfli über die Maschinenwerdung des Menschen bei Shoshana Zuboff. Time für wütenden Klartext.

Regula Stämpfli über die Maschinenwerdung des Menschen bei Shoshana Zuboff. Time für wütenden Klartext.

Seit Jahren analysiere ich den «Verlust der Wirklichkeit» und die «Algorithmisierung der Welt». Seit über fünfzehn Jahren sehe ich mich deshalb Diffamierungskampagnen ausgesetzt, die übrigens typisch sind für einen Männermob (mit seinen schrillen Tussi-Unterstützerinnen), der sich im Netz rumtreibt. Misogyne Täter, deren technische Innovationen in erster Linie Macht, Rache und Frauenvernichtung verfolgen, sind «business as usual». Erinnern wir uns: Facebook wurde zum Zweck gegründet, Frauen auf der Skala 0 bis 10 zu bewerten. Aus dem sexistischen Netzmarkt gegen Frauen wurde ein Menschenmarkt, der unter dem Brand «Freundschaft» zirkuliert. Bei #MeToo spielen Einzelschicksale eine Rolle, im Netz geht es um die Gewaltstrukturen gegen alle Menschen, immer voran natürlich gegen Frauen. 

Seit Jahrzehnten verkaufen diese Dudes die Erniedrigung aller Schwachen als Geschäftsmodell. Männer legitimieren ständig, überall und immer die Attacken auf die Leidtragenden mit «der Komplexität der Digitalisierung». Jesses; als ob das alles entschuldigen würde! Deshalb nervt auch das Gequatsche der meist männlichen Experten zu künstlicher Intelligenz, Kampfmaschinen, Rechnern und «autonomem Fahren», denn sie checken einfach null, um was es WIRKLICH geht.

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Codes automatisieren nicht nur Kommunikation, sondern auch Menschen. Die Gefahr der Automatisierung besteht nicht darin, dass in naher Zukunft eventuell Maschinen Menschen beherrschen, sondern dass die Plattformeigner, diese neuen Diktatoren aus dem Silicon Valley, alle Lebewesen in Datenpakete umwandeln . Spätestens seit 2016 sollte allen klar sein: Silicon Valley verdient mit Hass Milliarden. Trotzdem beklagen irgendwelche Experten nach jedem Attentat, dass «die Politik» reagieren müsse. Dabei geht es um GAFA – die Googelisierung der Welt, diese Veräppelung der Menschen, die «Fornication» von Facebook und die globalen Verhüllungspraktiken von Amazon. GAFA setzen Demokratie, Rechtsstaat, Gleichstellungsgesetze, Antidiskriminierungsparagrafen, ja grundsätzlich alle Menschenrechte, ausser Kraft. Da geht es nicht einfach darum, dass «die Politik» reagieren muss. Wir müssen erkennen, dass wir im Zeitalter des Netzkriegs leben – dem des Kalten Kriegs, der eben auch ein Krieg war, nicht unähnlich. Was tun? Beispielsweise «no data without representation», die digitale Transfersteuer, die Zerschlagung der GAFA-Monopole, die Umkehr der Beweislast, der Schutz des Privatrechts etc. – alles einfach durchsetzbar und bei mir nachzulesen. Ich frage mich, wie lange es noch gehen wird und wer alles noch ermordet werden muss, bis Mark Zuckerberg mit Handschellen abgeführt und Edward Snowden zum europäischen Netz-Infrastrukturbeauftragten berufen wird.

 Die «codierte Welt» (Stämpfli) ist weit mehr als der Schritt vom Personal Computer zum Deep Fake: Sie signifiziert die Machtergreifung durch die Zuckerbergs dieser Welt. Statt nun aber der wirklichen Avantgarde, nämlich uns weiblichen Denkerinnen, zur digitalen Transformation zuzuhören, uns an die Universitäten und an die Stiftungstöpfe zu lassen, werden wieder und wieder dieselben Dudes eingeladen, deren Schrott die Köpfe ähnlich verstopft wie der Sondermüll, der Luft, Wasser und Boden vergiftet. Die gängigen Experten erinnern an Bots, die bei gewissen Keywords wieder und wieder dieselben Codes rausspucken. Deshalb hier nur noch einmal und fürs Protokoll: Die Gefahr der Digitalisierung besteht nicht darin, dass die Maschinen den Menschen ersetzen, sondern dass die Menschen zu Maschinen umgebaut werden. Hört endlich der unerhört demokratischen Avantgarde der Netzfrauen zu. Beispielsweise Shoshana Zuboff und ihr «Überwachungskapitalismus».

#DiePodcastin über Trumpism. Isabel Rohner und Regula Stämpfli unterhalten sich über das Phänomen, das die Welt verändert

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laStaempfli als Intelligenzbestie, die Rohnerin als Thesenwunder: Die Podcastin über Parité, Katja Wildermuth & Trumpism

Eine schwere Woche liegt hinter uns: Das Abtreibungsverbot in Polen und die fehlende politische Reaktion der EU. Dann: Die Parität für deutsche Parlamente abgeschmettert, Rohnerin vertritt die Position, dass dies Unrecht bleibt; laStaempfli verweist auf französische Lösungen. So oder so: Deutschland manifestert sich als feministische Wüste. Ein Lichtblick: Katja Widermuth wurde die erste Intendantin des Bayrischen Rundfunks. Die Podcastin gratuliert. “Trumpism ist medialer Dauerstress durch die digitale Revolution. Trumpism ist konstante Politikkommunikation im Selfie-Modus. Es geht nur um das Krawallpotential von Informationen. Trumpism erweitert den Politmarkt für sexuelle Gewalt. Trumpism ist Wareninformation bei welcher die unverschämteste Lüge gewinnt. Trumpism hat seine Wurzeln in der 1968er Bewegung und in der Hypernormalisation, einer Kunst, die sich auf Repräsentation & Hofnarrentum spezialisiert.”  (laStaempfli)Die Podcastin ergründet diese neuen Kommunikationsstrukturen des 21. Jahrhunderts und entwickeln Gegenstrategien: Der Wirklichkeit und nicht Codes, Klicks & Cash dienen. Statt Reality TV und Scripted Reality Wirklichkeitspolitik und Informationen, mit denen wir unsere Welt real gestalten können und nicht einfach nur mit Empörung bespielen.Literatur dazu: www.regulastaempfli.eu Natürlich das Buch, aber vor allem auch der Literaturblog auf www.ensuite.ch Schauen Sie einer zeitgenössischen Politphilosophin beim Entwickeln der Weltphilosophie zu. Und ja: Zu Trumpism empfiehlt sich immer wieder neu: Hannah Arendt. Vita activa. Die beste Kritik an der “Eroberung der Welt als Code” (laStaempfli Zitat).

 

laStaempfliQuotes

„Die Mystifikation von Sexarbeit führt bei den Wohlgesinnten und den Habenden zur philosophischen Überhöhung «käuflicher» Mädchen und Frauen in Literatur, Politik, in Philosophie, in Film und Fernsehen, in revolutionären, linken und linksliberalen Verlautbarungen.“

@laStaempfli Quotes. 
https://www.ensuite.ch/menschenfleischarbeit-piff-paff-puff/